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Tie Silencer

von Roland Sachsenhofer (1:72 Revell)

Tie Silencer

Die Entwicklung des Tie Silencer

Mit dem Begriff „Tie-Fighter“ verbinden sich Eigenschaften wie Agilität, Geschwindigkeit und Feuerkraft, jedoch auch die Vorstellung mitleidloser Ersetzbarkeit. Solange dieses Konzept zu einem Herrschaftssystem passte, das galaktischen Frieden und Ordnung mit bedingungsloser Unterwerfung und dem Gehorsam gegenüber dem Willen des Imperators gleichsetzte, schien die Rechnung dieser sogenannten Tarkin-Doktrin auch aufzugehen.

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Tie Fighter ohne Schildgeneratoren und Hyperraum-Fähigkeit mochten zur Unterdrückung von begrenzten Aufständen und der Befriedung einzelner Sternensysteme ausreichen. Als jedoch der Imperialen Flotte im galaktischen Bürgerkrieg ein Gegner erwuchs, der, wenn auch nicht von der Quantität, so doch von der Qualität her, Militärgerät zum Einsatz bringen konnte, dass dem imperialen Arsenal zumindest ebenbürtig war, wurden die Schwächen der von Großmoff Tarkin durchgesetzten Strategie sichtbar.

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Die katastrophalen Verlustzahlen unter den Tie- Einheiten erreichte speziell ab dem zweiten Kriegsjahr ein Ausmaß, dass selbst ein auf galaxisweite Ressourcen zugreifendes Imperium nicht auf Dauer durchhalten konnte. Kritik am strategischen und taktischen Vorgehen war unter den damaligen politischen Umständen nicht ratsam und erforderte mitunter selbstmörderischen Mut, trotzdem formierte sich in Offizierskreisen Widerstand gegen das starre Festhalten an einer überkommenen Strategie. Ein Alarmzeichen für alle, die es sehen wollten, bestand auch in der steigenden Zahl an Fällen von Fahnenflucht und Überlaufen zum Gegner: nicht alle Tie-Besatzungen wollten sich derart bedenkenlos verheizen lassen.

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Ob die Geschichte, dass der damals im Range eines Geschwaderführers stehende legendäre Kommodore Vuit Skerris dem auf Frontbesuch weilenden Großmoff Tarkin tatsächlich mit dem herausfordernden Satz „Eine Staffel X-Wing, Sir!“ geantwortet hätte, als dieser beim Abschied die eher formal gemeinte Frage gestellt hatte, ob er einen Wunsch habe, sei dahin gestellt, aber sie bringt die Sache auf den Punkt: die imperialen Führungsstäbe musste umdenken und Pläne zur Entwicklung eines Raumüberlegenheitsjäger freigeben, der mit ausreichend Selbstschutzkapazität und Hypersprungsfähigkeit der neuen Generation von Rebellen-Kampfschiffen Paroli bieten konnte.

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Dabei konnte man auf die Tradition des schweren Raumjägers zurückgreifen, dessen Entwicklung bei Sienar Flottensysteme und anderen Herstellern nie gänzlich zum Stillstand gekommen war. Die Linie beginnt beim Tie Advanced V1, der unter Anleitung Dark Vaders zum von ihm selbst zum Einsatz gebrachten Tie Advanced X1 weiter entwickelt wurde. Schilde und Hyperraumfähigkeit wurden hier erstmals in die kompakte Zelle des Tie- Grundentwurfs integriert.

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Der damit angestoßene Gedanke sollte nicht mehr verschwinden. Schon zwei Jahre vor Fertigstellung des ersten Todessterns ging vom damaligen Kommandeur der 7. Imperialen Flotte, dem einflussreichen Großadmiral Thrawn, die Initiative zur Entwicklung eines mit drei Solarflügel ausgestatteten und hypersprungsfähigen Ties aus. Die Entwicklungsteams bei Sienar-Jaemus machten sich an die Arbeit und konnten wenig später die ersten Projektstudien präsentieren.

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Der daraus abgeleitete Tie/d Defender belegte das zukunftsweisende Potential dieser Kombination aus altgewohnter exzellenter Wendigkeit und Geschwindigkeit mit den eingeforderten neuen Aspekten des passiven und aktiven Selbstschutzes. Zwar behinderte der militärischen und politischen Umbruch am Ende des galaktischen Bürgerkriegs die Verbreitung und den Einsatz des in relativ kleinen Serien gefertigten Defenders, die Konsolidierung und Neuaufstellung der Flotte unter dem Regime der Ersten Ordnung fand jedoch schon ausschließlich unter den Vorzeichen des mit dem Tie Defender beschrittenen neuen Weges statt. Die Tarkin-Doktrin hatte endgültig ausgedient.

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Der Tie Silencer/ Vorserie

Erst vor kurzem wurde mit dem Tie Silencer von Sienar Jarmus der letzte Entwicklungsschritt dieser Linie vorgestellt. Auch wenn noch nicht alle Daten zur Verfügung stehen, so ist klar, dass der Silencer in optimierter Form das Konzept des schweren Raumjägers zu einem eindrucksvollen Höhepunkt führt.

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Die Bewaffnung besteht aus einer Batterie von insgesamt vier SJFS L-s9.6 Laserkanonen, die um zwei schwere Raketenwerfer ergänzt wird. Zwei redundante Ingus-Generatoren der neuesten Generation bauen ein kraftvolles Energieschild auf, das nicht nur dem Selbstschutz dient, sondern den Silencer auch im Atmosphärenflug brillieren lässt. Die Höchstgeschwindigkeit (Atmosphäre) wird dabei mit 1850 km/h angegeben.

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Die leistungsstarken Gravitationsprojektoren machen zudem eine maximale Beschleunigung von 4500g möglich. Im offenen Raum konnte mit 155 Megalight/h ein Wert erflogen werden, der die 140 Ml/h  Höchstgeschwindigkeit eines Tie/sf deutlich übersteigt. Flugsteuerung, Navigation und Hypersprung werden dabei von einer fest verbauten Torplex KI der Bewusstseinsklasse drei errechnet.

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Mit 17,4 Metern Länge ist der Silencer für einen Tie ungewöhnlich lang, was einer vergrößerten Solarpanelfläche und deren Anordnung in Knickflügel-Konfiguration geschuldet ist. Damit wird auch ein aus taktischen Gründen günstiger geringer frontaler Querschnitt erreicht.

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Der Tie Silencer wird wohl in naher Zukunft als neuer Standard-Tie der imperialen Marine die Vielfalt der alten Tie-Baumuster nach und nach ablösen, da er überlegene Eigenschaften in allen Einsatzrollen sowohl für den Kampf im offenen Raum wie in Orbit/Atmosphäre bei planetaren Einsatzumgebungen bietet.

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Mein Modell zeigt die dritte Vorserien-Maschine in den Farben des von der imperialen Skystrike-Flottenakademie geführten Lehrgeschwaders. Diese Einheit ist für die Erprobung des Silencers unter Einsatzbedingungen verantwortlich, wozu für die Dauer einer vollständigen Einsatztour an Bord eines Sternenzerstörers der Resurgent Klasse verlegt wird. Die drei ersten Bilder der Galerie zeigen übrigens den Silencer V3 bei Atmosphärenflugtest auf einem Wüstenplanten.

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Zum Modell

Meine Interpretation des Silencer stammt aus dem 2017 neu herausgebrachten Bausatz von Revell. Die Bezeichnung „Steckbausatz“ trifft die Sache perfekt: in wenigen klebstofffreien Schritten lässt sich „Kylo Rens Tie“ aufbauen. Danach kann sich das jugendliche Zielpublikum sogleich ungestört dem Spiel hingeben, dessen Imaginationskraft durch eine eingebaute Lärmquelle, die gewisse Ähnlichkeit mit dem „Fluggeräusch“ eines Tie-Jägers hat, verstärkt werden kann.

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Was Revell hier in die Schachtel packt, ist genau das, was versprochen wird: ein relativ detailreich gestaltetes und frustfrei zu bauendes spielzeughaftes Modell. Da meine Intentionen in eine andere Richtung gingen, habe ich ein paar Veränderungen vorgenommen. Zum einen wurden Batterien und Lautsprecherteil entfernt und die dabei entstandenen Öffnungen mit „vorbildnahen“ Ätzteilen aus dem Fundus verkleidet. Weiters konnten noch ein paar Ergänzungen vorgenommen werden. Dazu gehören die Neuverkleidung der Sensorbänke, die Umgestaltung der Schildgeneratoren- sowie die Detaillierung des Cockpits mit Gurten und Steuerelementen.

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Da ich keinen Silencer im altvertrauten imperialen „Grau über Alles“ Aussehen wollte und ich mir bei rein fiktiven Projekten zur Motivation immer eine Hintergrundgeschichte zurecht legen muss, wurde eine Farbgebung gewählt, die mir für eine Testmaschine plausibel erschien und die zudem Farbe in die graue Eintönigkeit bringen würde.

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Das selbstentworfene Wartungsgestell beantwortet zwar die alte Frage, ob denn Ties eingebaute Landegestelle haben, auch nicht, bot mir aber einen weiteren Freiraum, mit Phantasie und Augenzwinkern ein wenig zu improvisieren.

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Das Schöne an diesen Projekten ist ja, einmal nicht an historische und reale Vorbilder gebunden zu sein, sondern modellbauerisch einfach munter eine eigene Geschichte ganz nach Lust und Laune erzählen zu können. Das tut richtig gut und macht so viel Spaß, dass auf meinem Werktisch sicher bald die nächste „Star Wars Episode“ gedreht werden wird.

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Wenn Ihr Euch selbst ein Bild vom Bausatz und dem Bauprozess machen möchtet, kommt Ihr hier zu einem ausführlichen Baubericht auf „Scalemates“. Wie immer stehe ich für Anregungen und Fragen offen: ro.sachsenhofer@gmx.at

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Roland Sachsenhofer

Publiziert am 28. Dezember 2020

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