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Grumman Goose

"Wenn soetwas noch einmal passiert, sind sie gefeuert!"

von Bernhard Schrock (1:48 Signifier)

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Die Geschichte dieses Modells begann ziemlich kurios. Bei einer Routine-Neuheiten-Inspektion (sprich: Kaffeebesuch) bei einem Modellbaufreund war es pure Begeisterung, die mich beim Anblick der Resin- sowie Plastikteile ergriff! Den Bausatz mußte ich einfach haben.... Als dann ein halbes Jahr später das Bastelmesser gewetzt und die Klebstofftube geöffnet wurde war die pure Begeisterung dem puren Entsetzen gewichen...

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So schön Signifiers Bausatz der Grumman Goose auf den ersten Blick erscheinen mag, so schwierig zu bauen ist er. Viele Bauteile, insbesondere die Tragflächenhälften und die Höhenflossen, sind leider sehr stark verzogen sowie "verbeult" und weisen eine sehr schlechte Passgenauigkeit auf. Zu allem Überfluss haben sich überall einige, recht grobe Fehler eingeschlichen, die nicht bzw. sehr schwer korrigierbar sind. Da zwängt sich gerade die Frage auf, welches Vorbild der Urmodellbauer für die sehr schön detaillierten aber falschen Fahrwerksschächte, die nicht annähernd korrekte Form der Frontverglasung sowie die rechteckigen Fenster genommen hat. Auch gab es nie meines vom gleichen Modellbaufreund erworbenen Wissens (:-) eine Goose-Untervariante, deren Tragflächen auf der Unterseite eine durchgehende Metallbeplankung aufwiesen.

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Nach langem hin und her habe ich mich damit abgefunden, in Zukunft der Besitzer einer ungenauen Kopie einer Grumman Goose zu werden und versucht, das beste daraus zu machen.Wie es sich für ein Flugboot gehört, sollte das Modell in seiner natürlichen Umgebung sprich Wasser platziert werden. Neugierig wurde die "Figuren-Mußkiste" nach passenden Akteuren für eine Szene durchsucht und die bereits vor 10 Jahren das erste mal ausprobierte Alufolien-Technik für die Wasseroberfläche entstaubt...

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Ein vor vielen Jahren erworbenes Preiserset mit 5 zivilen und fertig bemalten Figuren steuerte zwei brauchbare "Schlipsträger" bei. Dann fand sich ein Mechniker von Esci mit einer eigenartigen Körperhaltung und langsam kristallisierte sich eine Szene auf einem kleinen Anlegesteg vor dem geistigen Auge heraus...

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Die beiden Preiserlein-Schlipsträger erhielten eine neue Kleidung bzw. der korpulentere der beiden Herren graue Haare: kein Wunder, bei diesem "Rindvieh" von Mechaniker und seinen vielen, gerade haarsträubenden "Wartungspannen". Der Anlegesteg entstand aus einem Rest einer geriffelten Holzplatte aus dem Architekturmodellbau und ruht auf einem Rahmen aus Plastikstäben.

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Wenn sich ein Modellbauer seines Zeichens Stier etwas in den Kopf setzt, kann ihn fast nichts von seinem Verspannungsvorhaben abbringen. Ungeachtet vieler Versuche lies sich mit keinem Trick der ca. 0,2 mm starke, fransenfreie Nähfaden aus Polyamid durch die unter Wärmeeinwirkung langgezogene Röhrchen ziehen. Dabei wurde das Röhrchen über eine 0,22 mm starke Gitarenseite gezogen, um dem Nähfaden einen zumindest theoretischen Spielraum zu lassen... Unerwartet kam dann die Idee, ein Seil aus feinen, verzinntem Kupferdrähten selbst zu "spinnen". Mittels der Minibohrmaschine und 3 einzelnen und 0,1 mm staren Kupferdrähten liesen sich erstaunlich leicht 0,2 mm starke Seile flechten, die ohne Probleme durch die Röhrchen passten. Voila: Verspannung aus Metallseilen, wie beim Original.

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Es ist ein Jammer, wie die Hersteller ihre Marktpolitik gestalten: keine einzige zivile Variante findet sich auf dem sauber gedruckten Bogen von Signifier. Zum Glück gibt es die kleine Firma Namens Draw Decal, die diese Misere rechtzeitig erkannte und einige Bögen für farbenfrohe Geese herausbrachte. Die mittels eines Thermosublimationsdruckers gedruckten Decals sind in ihrer Qualität erstaunlich, in 1:72 sowie in 1:48 verfügbar und bei Ingo Modellbau in Ingolstadt erhältlich.

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Die Farbschicht der Abziehbilder ist hauchdünn und Kratzern gegenüber sehr empfindlich. Ungeachtet der großen Sorgfalt beim Hantieren mußte insbesondere die Goldfarbe leiden. Ein Ausbessern mit Goldfarbe brachte nicht das erhoffte Ergebnis, da keine der zwei bei BSH in der Farb-Kiste gefundenen Goldfarben den gleichen Farbton aufwies: "es ist nicht alles Gold was glänzt".

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Januar 2005
Januar 2005

Viel Arbeit bereitete das saubere Verglasen der Fenster: zuerst wurde in jeder Rumpföffnung ein passend zugeschnittenes Plättchen aus 0,4 mm starkem Klarmaterial oberflächenbündig eingeklebt und verschliffen. Anschliessend wurde das Fenster mit einem Stück Bare Metal Foil abgedeckt, welches ein wenig kleiner als des Plättchen selbst zugeschnitten wurde. Die abgerundeten Ecken der Bare Metal Foil Stücke wurden mit einem speziell dafür angefertigten "Werkzeug" abgestanzt: ein Messingrohr mit ca. 2 mm Durchmesser, mit angeschärfter Kante bei welchem 3/4 des Ursprungsumfangs weggeschliffen wurde (1/4 Kreis blieb über). Für die 6 Fenster waren ca. 10 Versuche nötig, um 6 brauchbare Fenstermasken zu erstellen.Unterm Strich hat das Bauen des Dioramas doch noch das ganze Projekt gewissermassen "gerettet".

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Bernhard Schrock

Publiziert am 10. März 2005

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