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Dornier Merkur

Afrikaflug

von Markus Stadelmann (1:72 Eigenbau)

Dornier Merkur

Das Original und sein Afrikaflug

Dies ist eine Dornier Merkur, weiter entwickelt aus der Komet, ausgerüstet mit einem BMW VI Motor mit 600 PS, wie sie auch von der Lufthansa eingesetzt wurden. Jedoch wurde sie im Gegensatz zu den Lufthansa Maschinen von Beginn an für den damit beabsichtigten Flug als Schwimmerflugzeug gebaut, konnte jedoch später auf Räder umgerüstet werden.

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Das Flugzeug mit der Kennung CH-171 wurde von Walter Mittelholzer (damals Direktor und Chefpilot von AD ASTRA AERO, aus welcher später die SWISSAIR entstand) bei DORNIER in Auftrag gegeben. Im Juni 1926 wurde in der Werft Manzell am Bodensee mit dem Bau begonnen. Nach Fertigstellung Anfang Oktober wurde es von Mittelholzer an den Zürichsee überflogen. Das Ziel war ein Expeditionsflug mit einem Wasserflugzeug quer durch Afrika nach Kapstadt über eine Gesamtdistanz von rund 20.000 km. Mit diesem Flug sollte unter anderem bewiesen werden, dass man bereits mit den damaligen Flugzeugen ohne Errichtung von speziellen Landeplätzen mit teurer Infrastruktur solche Flüge durchführen konnte unter Ausnutzung von natürlichen Landeplätzen auf Flüssen und Seen. Die vier Teilnehmer dieser Expedition waren Walter Mittelholzer als Pilot, Hans Hartmann als Mechaniker und Copilot, der Schriftsteller René Gouzy und der Geologe Dr. Arnold Heim.

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Der Start zu diesem Flug nach dem schwarzen Kontinent erfolgte vom Zürichsee am 7. Dezember 1926 um 10:13. Die Route führte mit Zwischenlandungen in Pisa und Neapel nach Athen und von dort nach Alexandrien. Der weitere Flug folgte aufgrund der verfügbaren Wasserungsmöglichkeiten mehr oder weniger dem Verlauf des Nils bis zu dessen Quellgebiet. In Jinja am Nordufer des Victoriasees erzwang eine dringend notwendig gewordene Motorenrevision einen Aufenthalt vom 8. bis 30 Januar 1927. Weitere Stationen waren die großen Seen wie Albert-, Victoria- und Tanganijkasee. Ab Mozambique folgte man der südafrikanischen Ostküste bis Kapstadt, das man am 21. Februar 1927 um 12:20 glücklich erreichte. Somit war die erste Überquerung des afrikanischen Kontinents mit einem Wasserflugzeug gelungen. Die Heimreise des Flugzeuges erfolgte zerlegt auf einem Dampfer. Es wurde anschließend von AD ASTRA AERO mit Radfahrwerk im Liniendienst in Europa eingesetzt. Im März 1931 ging es durch die Fusion von AD ASTRA AERO und BALAIR in den Besitz der daraus neu entstandenen SWISSAIR über, wurde jedoch nicht mehr im Linienverkehr eingesetzt und bald darauf in Dübendorf verschrottet.

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Eine für heutige Verhältnisse nicht mehr vorstellbare Gegebenheit verdient auch noch der Erwähnung: Da Flugbenzin und Öl in diesen Jahren noch ziemlich rare Artikel waren, mussten aufgrund möglichst genauer Berechnungen entlang der Route an voraus bestimmten Landeplätzen Vorratsdepots in zum Flugplan passender Größe angelegt werden. Insgesamt wurden total 16.000 ltr Benzin und 800 kg Öl bereitgestellt, welches im Voraus bezahlt werden musste! Die Bestellung dazu erfolgte über die Firma „ASIATIC PETROLEUM CO." mit Sitz in London viele Monate im Voraus. Diese Firma übernahm die Versorgung der Depots, wobei alle Lieferungen insgesamt etwa vier Monate beanspruchten und zu entlegenen Orten teilweise bis zu acht Wochen unterwegs waren! Die endgültige Bestätigung, dass alle Depots versorgt seien, traf erst nach der Landung in Kairo ein.

Heute wird man nach 5 Minuten warten an der Tankstelle schon mal nervös...

Quelle: Buch „Afrikaflug" von Walter Mittelholzer (erschienen 1927)

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Das Modell in 1:72

Zwar gibt es von der Dornier Merkur einen Resinbausatz, aber nur in der Landversion. Da ich dann die Schwimmer mit Streben inklusive verlängertem Seitenruder sowieso selbst hätte herstellen müssen, entschloss ich mich, lieber gleich das ganze Flugzeug scratch zu bauen. Eine richtig gute Dreiseitenansicht des Flugzeuges findet man leider nicht. So habe ich die verfügbaren Ansichten unter Zuhilfenahme von allen erreichbaren Fotos korrigiert, respektive am Schluss selber gezeichnet. Eine große Hilfe war dabei das Buch „Afrikaflug".

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Begonnen wurde mit dem Rumpf. Aufgrund seiner rechteckigen Konstruktion war dies kein schwieriges Unterfangen. Boden- und Deckenplatte, zwei Seitenwände, ein paar Querspanten und fertig war der Rohbau. Im Cockpit braucht man sich nicht all zu sehr zu bemühen, da man durch die tief aufgesetzte Tragfläche ohnehin fast nichts mehr davon sieht. Für die Inneneinrichtung der Passagierkabine fanden sich drei Sitze einer Skyvan und ein paar Kleinigkeiten wie Kisten, Kanister und Werkzeuge als Zuladung in der Restekiste. Der Motor wurde aus Platten- und Rundmaterial aufgebaut, zurechtgefeilt, verspachtelt und verschliffen. Die Auspuffanlage besteht aus Rundmaterial und Röhrchen von Evergreen. Wo nötig wurde eben noch aufgebohrt. Der Kühler stammt von einem Dornier Wal, welcher nach kleinem Umbau zu gebrauchen war. Sogar ein passender Propeller fand sich ein und erhielt ein Drahtlager für leichtes Drehen. Auspuff, Kühler und Propeller wurden jedoch erst am Schluss eingebaut. Nach Anbau des Leitwerkes und der teilweise geöffneten Fenster erfolgte die Montage der Steuerseile auf dem Rumpfrücken sowie der kurzen Flügelstreben vor und hinter dem Cockpit und der Rumpf war fertig.

Leitwerk und Tragflächen entstanden in der von mir schon in meinen anderen Beiträgen hier bei MV beschriebenen Bauweise. Die Versteifungsprofile auf Flügeln, Rumpf und Schwimmern gab's von Evergreen. Von diesen Profilen habe ich bei diesem Modell gut 13 m verbaut!

Die Schwimmer wurden wiederum mit Längs- und Querspanten als Gerüst aufgebaut, dann mit Streifen beplankt, zurechtgefeilt, verspachtelt und verschliffen. Die Streben sind zugeschnittene Plastikstreifen mit eingesetzten Drahtstücken als Passstifte. Montiert wurden die zusammengebauten Schwimmer und Streben aber erst nach dem Zusammenbau von Rumpf und Tragfläche wegen der notwendigen gegenseitigen genauen Ausrichtung.

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Lackiert wurden Rumpf und Tragflächen getrennt voneinander mit Revell Aqua Color mit der Airbrush. Die rot-weißen Flügel- und Leitwerkskennzeichen entstanden dabei aus einer Kombination von Airbrush und Schablonen (Rot gespritzt auf Weiß) und am Schluss Randkorrekturen mit dem Pinsel, da auf dem „Wellblech" natürlich nicht überall scharfe Übergänge zu erzielen waren. Alle schwarzen Kanten auf dem Rumpf sowie die Trennlinie auf den Tragflächen und zwischen Motor und Kabine sind mit einem CD-Marker von Edding aufgezeichnet. Der Motorbereich, alle Streben und die Flügelvorderkante wurden danach mit dem Pinsel schwarz bemalt. So ersparte ich mir das mühselige Abdecken über all die Profile. Da wäre untergelaufene Farbe in Masse vorprogrammiert gewesen. Am Schluss kam über alles mit der Airbrush eine Lage Acrylglanzlack vom Baumarkt als Untergrund für die Decals.

Alle schwarzen Schriftzüge sind mit dem PC auf transparenter ACT-Decalfolie selbst erstellt. Die Suche nach den am besten passenden Schriftfonts dauerte alleine einen Abend. Und bei der Nr. „171" gab diese Suche nichts Brauchbares her. So blieb nur die Variante, die nächstliegende Type auf A4 so groß wie möglich auszudrucken, von Hand zu korrigieren, einzuscannen und zurück auf die passende Größe zu schrumpfen. Nach Aufbringen aller Decals gab's nochmals als Versiegelung eine Lage Klarlack. Dann konnte die Endmontage von Rumpf, Streben und Flügel, und nach guter Durchtrocknung dieser Verbindungen auch der vormontierten Schwimmer mit Streben erfolgen. Die Abschlussarbeiten bestanden in der Bemalung und Montage von Kühler, Auspuffanlage, Propeller sowie aller Hilfsruder und deren Anlenkungen, und fertig war der geschichtsträchtige Vogel.

Die Dioramenplatte wurde im gleichen Stil, wie bei der Dornier Libelle beschrieben, mit Silikon auf Styropor angefertigt. Die Geländedarstellung erfolgte mit gipsähnlicher Spachtelmasse aus der Tube. Bei der Wasserfläche wurde das Silikon direkt auf das Styropor aufgetragen, die Einfärbung des Ganzen erfolgte vor dem Auftrag des Silikon mit der Airbrush. Ein paar Fotos vom Victoriasee bildeten den zum Flug passenden Hintergrund für die Aufnahmen von der Zwischenlandung am Pungwe-Fluss.

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Ich hoffe, dieses Flugzeug mit seiner Geschichte des „Afrikafluges" gefällt euch. Fragen und Bemerkungen dazu wie immer gerne unter m punkt stadelmann at datazug punkt ch

Markus Stadelmann

Publiziert am 14. Mai 2013

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