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M47 Patton

5 Abende Schnellbau

von Walter Lampel (1:35 Revell)

M47 Patton

VORGESCHICHTE

Telefonanruf... Hallo, Walter - du machst doch Modellbau oder?

Mit dieser Frage begann dieses Projekt.

Der Anruf meines Schwagers machte mich stutzig! Normalerweise macht er sich über mein Hobby lustig - seiner Meinung nach ist Kinderspielzeug zusammenkleben nix für "richtige Männer". Die haben andere Hobbys z.B. ins Fitnesscenter gehen, auf den Fußballplatz latschen oder in einer "Disco für 30++jährige" einsame Frauen anbaggern.

Dieses Mal aber lag die Sache anders. Der Schwiegervater hatte Geburtstag und der lieben Familie wollte einfach kein kreatives Geschenk einfallen. Da kam man auf die Panzervergangenheit des Papas und die Modellbauleidenschaft des Schwiegersohns. BINGO!

Auf meine vorsichtigen Fragen was für ein Panzer, welche Einheit etc. konnte mir einfach niemand Antworten. Die Family war der Meinung ich hätte eh einige Panzer und irgendeiner wird schon passen .... Als ich dann in heftiges, lautes Lachen verfiel konnte das niemand verstehen - ich denke ihr als Modellbauer könnt das wohl *ggg*

Neben der fehlenden Info zum Vorbild gab’s noch ein weiteres KO-Kriterium: maximale Bauzeit wäre nur 1 Woche und davon fallen 2 Tage wegen des Figurenwettbewerbs in Ingolstadt flach - ein absoluter Horror für mich als "Langsambauer". Aber was mich bei der Stange hielt waren dann doch 2 entscheidende Dinge. Erstens hatte ich mal die Chance meinem Schwager zu zeigen, dass Modellbau mehr ist als nur Plastikzeugs zusammenpicken und zweitens hätte der Bau für diese Tage absolute Priorität dh. sämtliche Dinge wie Hilfe im Haushalt, Kinderbetreuung, Müllentsorgung etc. wird während des Baus nicht von mir erwartet. Zudem versprach meine Frau mit den Kindern vermehrt außer Haus zu sein, damit ich in Ruhe bauen kann... da konnte ich einfach nicht Nein sagen *ggg* - das war ja ein modellbauerischer Freibrief.

M47 Patton

RECHERCHE

Als erstes musste ich herausfinden wann der Schwiegervater, wo, mit welchem Kettengerät unterwegs war. Direkt fragen konnte ich ihn nicht - es musste alles streng vertraulich gemacht werden. Also führte der Weg über die Schwiegermutter und das alte Familienalbum. Meine SchwieMu konnte auch nix genaues sagen, aber im Fotoalbum wurde ich fündig. Zwei Fotos von einem M-47 des österreichischen Bundesheers, Panzerbataillon 33 wurden identifiziert. Danach wurde kurz auf diversen Bundesheer-Homepages recherchiert und einiges zusammengetragen.

Als Bausatz wurde schnell der M-47 von Revell (altes Italieri-Modell) gefunden und im Spielzeugladen in der Nähe gekauft (Danke REVELL, dass es dich überall gibt!). Obwohl das Modell österreichische Decals enthielt, waren diese wegen der falschen Schriftart und wegen einer anderen Art der Hoheitssymbole nicht verwendbar. Aber ich konnte meinen Schwager nach Wien scheuchen um passende österreichische Bundesheerdecals von der Fa. www.schefczik.at zu besorgen. Postversand hätte zu lange gedauert.

M47 Patton

DER ZEITPLAN

Der Bausatz ist trotz seines Alters von guter Passgenauigkeit und die Detaillierung ist auch nicht schlecht. In einigen Bereichen wie z.B. bei den Schweinwerfer-Abweisern sind die Spritzteile dann doch etwas klobig - aber egal, ich muss ja eine Deadline einhalten.

Grob war geplant zwei Abende für Zusammenbau und drei Abende für Lackierung/Alterung. Als Reserve hatte ich noch den Samstag Vormittag bis zum Mittagstisch wo das Modell überreicht werden sollte.

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ZUSAMMENBAU

Der Zusammenbau ging rasch und zügig voran und war nach zwei Tagen erledigt. Einige Kompromisse musste ich natürlich eingehen und Gussgrat wurden teilweise auch großzügig übersehen. Es hat sich rasch gezeigt, dass ich sonst das Modell niemals fertig gestellt hätte. Auch wurde auf einige der 277 Bauteile verzichtet z.B. im Fahrwerksbereich. Schade auch, dass ich die Motorabdeckung wegen Zeitmangel nur geschlossen machen konnte - es lag nämlich ein netter Motorspritzteil dabei.

Der einzige Zusatzaufwand den ich machte, war gleichzeitig auch ein schlimmer Fehler! Ich wollte die bei Turm und Wanne typische raue Guss-Struktur mit einfachen Mitteln nachbilden, weil die aalglatte Oberfläche echt nicht gut aussah - schließlich sollte das Modell auch einem echten Panzermann gefallen. Als Inspiration diente mir ein genialer Baubericht eines Sherman M4A1 Italieri 1:35 vom Modellboard.de. Kurz gesagt schmiert man das Modell mit Plastikkleber ein und tupft dann mit der Zahnbürste oder einem Pinsel eine Struktur in den Kleber. Wenn der trocken ist überschleift man die ganze Sache und hat die Gussstruktur – THEORETISCH! Ich hatte nur den Revell-Plastikkleber zur Verfügung ... und der dauerte dann leider ewig zum Trocknen. In Wahrheit war er am Turm auch nicht ganz trocken als ich die Farbe aufbrachte und dort gab’s später dann am 4. Tag unschöne Blasen, die ich nur schwer kaschieren konnte!!

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LACKIERUNG I

Lackiert wurde das Modell mit Tamiya-Acrylfarben XF62 und etwas XF51 – verdünnt mit Isopropyl - nach Augenmaß. Diese Basisfarbe trocknet schnell auf. Dann wurden die von der Sonne stärker gebleichten Flächen mit einer Aufhellung der Grundfarbe leicht von innen nach außen aufgehellt. Details wie Scheinwerfer, Auspuff, etc. wurden mit Vallejo Acrylfarben und Pinsel bemalt. Dann wurde das Modell mit Future fixiert – Vorteil: das Future trocknet sehr schnell auf.

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DECALS

Jetzt wurden die Decals aus dem Bogen ausgeschnitten (die kleinen Zahlen waren ziemlich unangenehm, da sie ganz eng am Bogen gedruckt waren und kein Platz zum "anfassen" war) und mit Essigwasser auf das Modell aufgebracht. Leider war die Farbschicht der Decals sehr empfindlich, so dass beim Positionieren mit dem Pinsel sich die weiße Farbschicht teilweise ablöste. Beim nächsten Mal würde ich die Decals vorher noch mit Klarlack fixieren - jetzt war’s aber zu spät, da schon alle 24 Einzeldecals ausgeschnitten vor mir lagen. Als die Decals aufgeklebt und trocken waren, wurde wieder mit einer Schicht Future versiegelt. Dass sich nun plötzlich auf der Turmoberseite Blasen bildeten führe ich auf den nicht getrockneten Kleber zurück - ich hab die Blasen vorsichtig versucht zu kaschieren, aber leider sieht man das Malheur. Ich sag einfach das ist eben ein rauer Guß gewesen *gg*.

KETTE

Dann ging’s an die Vinylketten - die sind stimmig, haben aber viele Auswurfmarkierungen an sichtbaren Stellen und auch Gussgrat - aber damit konnte ich mich definitiv nicht aufhalten. Mit dunkelgrau/schwarzer Acrylfarbe wurde grundiert, Metallteile wurden mit Citadel Acryl Metallfarben bemalt. Danach wurde die Kette mit erdfärbigen Pigmenten und Zippo-Feuerzeugbenzin zugesaut. Wenn das Gemisch trocken ist (recht bald!) sieht man erst den Endeffekt. Dann kann man mit einem sauberen Pinsel, in Feuerzeugbenzin getränkt, überschüssige Pigmente an Laufflächen etc. wieder abnehmen. Sollte zuwenig Pigment auf der Kette drauf sein, kann man jederzeit mehr aufbringen.

Wenn alles trocken ist, kann man die Kette auf das Modell aufziehen, was diesmal problemlos klappte.

LACKIERUNG II

Dann erhielt das Modell ein Washing in den Vertiefungen mit Zippo-Feuerzeugbenzin und Ölfarbe Burnt Umbra. Nach kurzer Trocknungszeit ging ich gleich zum Ölfarbenfiltern über. D.h. ich überzog das Modell schrittweise mit Feuerzeugbenzin, gab kleine Ölfarbentupfer in Orange, Rot, Blau, Weiss, Braun drauf und verschmierte das Ganze mit einem sauberen Pinsel (mit Feuerzeugbenzin angefeuchtet) ineinander. Dadurch bekam das Modell eine gewisse Tiefe und die monotone Grundfarbe wurde schön abwechslungsreich. Als Vorarbeit hatte ich die Ölfarben schon am 1. Bautag auf eine saugfähige Unterlage aufgebracht, damit das überschüssige Öl herausgesaugt wird und die Farben mit dem Feuerzeugbenzin schnell abtrocknen konnten.

Jetzt wurden noch vereinzelte Abnutzungsspuren mit Vallejo Acrylfarben und Pinsel gemalt. Außerdem wurden noch Alterungen mit weichem Graphitbleistift an Deckelrändern etc. aufgebracht. Dann wurde das Modell ein wenig mit Pigmenten und Feuerzeugbenzin verstaubt und verschmutzt.

Die Holzbase habe ich günstig auf der Figurenausstellung in Ingolstadt erstanden. Darauf wurde das Modell mit 2K-Kleber aufgeklebt. Zusätzlich wurde noch das Referenzfoto und ein Schriftzug mit Logo auf Fotopapier ausgedruckt und mit seidenmattem Lack versiegelt und auf die Holzbase aufgeklebt.

M47 Patton

VOILA

Fertig! und das nach 5 Abenden Turbobauzeit. Natürlich hatte ich auf viele Dinge beim Bau verzichtet, die man üblicherweise nicht auslässt (Gussgrate entfernen, Sinkstellen spachteln, Austausch von Teilen, ...). Auch bei der Lackierung/Alterung wurde nur das Nötigste gemacht und Standardsachen wie Drybrushing oder Rost- und Schadensstellen etc. sind komplett ausgelassen worden. Trotzdem ist das Modell kein Fall für die Tonne geworden.

Schön war jedenfalls die Verblüffung des Schwiegervaters zu sehen als er den M-47 überreicht bekam. Ich sehe ihn selten sprachlos - aber diesmal war er es! Und das hat natürlich auch dem Rest der Family gefallen. Auch mein Schwager hat sich herabgelassen das Modell zu loben... das sieht ja aus wie ein echter Panzer ... hat er gemeint:-)

Einen Seitenhieb musste ich vom panzerfahrenden Schwiegervater einstecken: "So dreckig war mein Panzer nur bei der Heimfahrt aus dem Manöver" hat er schmunzelnd gemeint.

Trotz des stressigen 5-Abende-Baus hat mir das Projekt M-47 viel Spaß gemacht - nicht zuletzt weil die Familie hinter dem ganzen Bau gestanden hat und sich zum Schluss alle darüber gefreut haben.

Ich wünsch euch beim Modellbau auch soviel Spaß!

M47 Patton

Walter Lampel

Publiziert am 27. April 2007

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