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Wostok

von Kerstin Nadolni (1:72 Flying Fish Models)

Wostok

Reiseberichte der besonderen Art boomen. Sie heißen dann „Allein mit dem Fahrrad um die Welt“, „Als Frau allein durch die Wüste auf Kamelen“ oder ähnlich. Wichtig dabei scheint vor allem die Tatsache, dass man die Unternehmung allein erledigt, mit einem bestimmten Hilfsmittel (Kamel, Fahrrad) – oder vielleicht auch einmal ohne (elektronische Geräte z.B.) und in seiner Eigenschaft als Frau oder auch als Mann. Letzteres allerdings ist offenbar nicht so erwähnenswert. 

In Anlehnung an diese Titel möchte ich meine Unternehmung folgendermaßen betiteln: „Als Frau ohne Spritzdüse in die Modellbauwelt“ 

Wostok

Von selbst wäre ich nie auf die Idee gekommen, mich am Zusammenbau einer Wostok im Maßstab 1:72 zu versuchen, wusste ich doch nicht einmal, was die Wostok überhaupt ist. Aber die Bilder, die ich auf der Internetseite von Flying Fish Models sah, und die Bauberichte faszinierten mich, und so beschloss ich, mich an der Wostok zu versuchen. Ich besorgte mir den Bausatz, die nötige Grundausstattung (Mini-Sägen, Maskierknete, einen winzigen Bohrer, Acrylfarbe und Pinsel – keine Spritzdüse, die war mir für den Anfang zu teuer), ein paar Tipps von Christian, und an einem ruhigen Nachmittag setzte ich mich hin und machte mich auf zu meinem Ausflug in die Modellbauwelt. 

Die ersten wunden Stellen an den Fingern befürchtete ich schon beim ersten Arbeitsschritt, dem Abtrennen der Einzelteile von ihren Sockeln mithilfe der Mini-Sägen, zu bekommen. Ja, ich bin wehleidig. Aber vielleicht fehlt mir auch nur die Hornhaut geübter Modellbauer. Froh, dass das Sägen irgendwann ein Ende hatte, war ich dann doch. Richtige Blasen gab es zum Glück doch keine, und nach ein bisschen Fingergymnastik konnte ich mein Werk problemlos fortsetzen. Die frisch abgesägten Kügelchen (Sauerstofftanks) bohrte ich mit einem 0,3er Mini-Bohrer an, spießte sie auf ein kleines Stück Draht, auf das ich einen Tropfen Sekundenkleber geträufelt hatte. Das alles in die Knete gesteckt – und ich fühlte mich zwanzig Jahre jünger; damals bastelten wir manchmal etwas, das sich „Stacheligel“ nannte und an das mich die aufgespießten Sauerstofftanks vage erinnerten. 

Wostok

Da ich, wie erwähnt, nicht im Besitz einer Spritzdüse bin, die einem die Arbeit angeblich wesentlich erleichtern würde, ging nun die Pinselei los. Was einem Modellbaufex mit viel Erfahrung und Wissen vielleicht außerordentlich unprofessionell erscheint, machte mir riesigen Spaß – und erinnerte mich wieder an früher, an Kunst- und Werkunterricht. Ein paar Schwierigkeiten bereitete mir die Trennlinie zwischen dem silbernen und dem schwarzen Teil der Endstufe, da musste ich immer wieder von der jeweils anderen Seite übermalen. Man muss beim Pinseln etwas vorsichtig sein und den Lack nicht zu dick auftragen, da sonst die so liebevollen Gravuren mit Farbe gefüllt werden und verschwinden. Also lieber dünn und dafür zweimal streichen.

Vor der folgenden Bohrarbeit – es galt, Löcher zu bohren, in die die Sauerstofftanks auf ihren Spießchen gesteckt werden können –, war mir wieder ein bisschen bange. Doch diesmal ging es deutlich einfacher, weil der Bohrpunkt schon vorgegeben und das Material an der Stelle schon dünn ist. Und wenn man dann den ganzen Ring aus Tanks aufgesteckt hat, sieht das Ganze schon ziemlich gut aus.

Wostok

Danach muss man nur noch die Einzelteile aufeinander setzen – was leicht ist, weil sie wunderbar passen und man dank der Bauanleitung kaum etwas falsch machen kann. 

Letzte Amtshandlung ist das Ankleben der Steuerdüsen. Da ich mittlerweile schon beinah eine erfahrene Modellbauerin bin, bereitete mir das keine Probleme. Dachte ich. Doch nun sehe man sich einmal das Bild der fertigen Wostok an. Was sieht man rechts oben im Eck – eine abgebrochene Steuerdüse! Nachdem mehrere Versuche, sie ein zweites Mal anzukleben, scheiterten, schmirgelte ich die Fläche einmal ab. Jetzt hält auch die letzte Steuerdüse. 

Wostok

Irgendwo muss ja ein Unterschied zwischen einem Profi-Hobby-Modellbauer und mir sein. Ansonsten vielen Dank an die Flying Fish-Modellbauer. Ein wahrhaft hübsches Modell, das zu bauen mir großen Spaß gemacht hat. Dank freundlicher Unterstützung in Zweifelsfragen und einer verständlichen Bauanleitung kam es zu keinerlei Katastrophen beim Zusammenbau.

Wostok

Und die Kleine macht doch ordentlich was her. Vor allem, wenn männlicher Besuch vorbeikommt. Und beim nächsten Mal benutze ich vielleicht doch eine Spritzdüse.

Kerstin Nadolni

Publiziert am 15. April 2007

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