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Mercury-Raumkapsel "Liberty Bell 7"

von Axel Schulz (1:12 Atomic City)

Mercury-Raumkapsel "Liberty Bell 7"

Am 21. Juli 1961 startete zum zweiten Mal ein Amerikanischer Astronaut ins Weltall. Virgil "Gus" Grissom  machte an Bord seiner Kapsel „Liberty Bell 7“ allerdings nur einen kleinen Hüpfer über die Erdatmosphäre hinaus. Der nur 15 Minuten dauernde Flug erreichte noch keine stabile Erdumlaufbahn und diente vor allen der Erprobung neuer Steuerungs- und Navigationssysteme und damit der Vorbereitung umfangreicherer Missionen.

Nach der Landung öffnete sich vorzeitig die Einstiegsluke, die Kapsel lief voll und sank. Grissom selbst konnte nur knapp vor dem Ertrinken gerettet werden. Der Vorwurf, er habe die Luke in Panik geöffnet, konnte nie abschließend bestätigt oder widerlegt werden. Grissom selbst stritt dies zeitlebens vehement ab.

Mercury-Raumkapsel "Liberty Bell 7"

Trotz dieses "Makels" in seiner Laufbahn blieb Grissom einer der führenden Astronauten der Nasa. Er war Kommandant der ersten Gemini-Mission, bei der er bis dahin nicht erprobte, spektakuläre Flugmanöver in der Umlaufbahn ausführte. Auf der Liste für die Anwärter zur ersten bemannten Mondlandung stand er weit oben.

Mercury-Raumkapsel "Liberty Bell 7"

Am 27. Januar 1967, kurz vor dem Beginn der ersten Apollo Mission, führte Gus Grissom zusammen mit Ed White und Roger Chaffee einen simulierten Start durch. Durch bis heute nicht geklärte Umstände entzündete sich die reine Sauerstoffatmosphäre der Kapsel. Die drei angeschnallten Astronauten starben in Sekunden. Grissom wurde 41 Jahre alt.

Betty Grissom hatte als Astronautenwitwe keinen Anspruch auf besondere staatliche Unterstützung. Sie verklagte den Hersteller der Apollo-Kapsel und erhielt in einem außergerichtlichen Vergleich 350.000 Dollar. Am 20. Juli 1999 wurde die Kapsel der „Liberty Bell“ von dem Bergungsschiff „Ocean Project“ aus ca. 4800 m Tiefe geborgen, wo sie 38 Jahre lang gelegen hatte.

Mercury-Raumkapsel "Liberty Bell 7"

Das Raumschiff ist heute vollständig restauriert im Science Museum in Boston ausgestellt. 

Der Bausatz stammt von Atomic City, was nach dem Label auf dem Karton wohl ein Ableger von MRC ist, bekannt durch die Hubschrauber in 1:35. Auf den ersten Blick war ich etwas überrascht über die relativ wenigen, bedingt durch den Maßstab ziemlich großen Bauteile. Bei genauerem Hinsehen entpuppten sie sich aber als recht fein ausgeführt, wo nötig. Besonders die „Wellblech“struktur der Kapsel ist sehr schön wiedergegeben.

Mercury-Raumkapsel "Liberty Bell 7"

Die Detaillierung des Kapselinneren ist so lala und läßt viel Raum für Eigeninitiative. Dazu sollte man aber gute Quellen haben, denn alle sechs Mercury-Kapseln unterschieden sich in ihrem Layout, und die eigentlich recht ausführliche Bauanleitung läßt einen in dem Punkt ziemlich im Stich...

Mercury-Raumkapsel "Liberty Bell 7"

Die Paßgenauigkeit ist insgesamt hervorragend. Spachtelmasse habe ich bei diesem Modell keine gebraucht.

Kopfschmerzen machte mir die Figur des Astronauten, die aus massivem Vinyl besteht. Mit diesem Material hatte ich bisher keine Erfahrung, aber nach einer Grundierung aus mattem Hellgrau von Tamiya(Acryl) konnte ich sogar Alclad für den Anzug verwenden!

Mercury-Raumkapsel "Liberty Bell 7"

Insgesamt hat mir der Bau viel Spaß gebracht und das abschließende Urteil lautet: cooler Kit!

Hoffentlich kommt da noch was nach, z.B. eine Gemini oder Sojus in 1:12 oder die Apollo-Kapseln in 1:24! Wär doch was, oder?

Axel Schulz

Publiziert am 11. November 2009

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