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SMS Erzherzog Karl

Vom Knatterfunken zum Tönenden Löschfunken

von Martin Deuretsbacher (1:700 WSW Modellbau)

SMS Erzherzog Karl

1897 wurde das Marine-Technische Comitee (MTC), die Entwicklungsabteilung der kuk Kriegsmarine, vom Marine-Attache aus London auf die Versuche des Italieners Marconi mit drahtloser Telegraphie aufmerksam gemacht. Die Bedeutung dieser Entwicklung wurde sofort erkannt. Bis 1900 machte das MTC eigene Versuche und beobachtete die internationalen Entwicklungen.

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Mit Marconi kam, wegen dessen nicht tolerierbaren Bedingungen, eine geschäftliche Beziehung nicht zustande. In Deutschland befassten sich Prof. Slaby und Prof. Braun damit. Daher entschied das MTC die Versuche mit den Systemen „Slaby-Arco“ (AEG), „Siemens-Braun“ (Siemens & Halske) und dem französischen System „Rochefort“ gleichzeitig zu führen.

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In die Versuche der k.u.k. Kriegsmarine wurden die Techniker von AEG und Siemens & Halske Wien direkt eingebunden. So entwickelten sich die technischen Systeme rasch. Die Reichweite der Funkverbindungen zwischen der Landstation Fort Musil (Pola) und den Schiffen mit den Versuchsstationen an Bord vergrößerte sich laufend.

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1903 fusionierten die Unternehmen AEG und Siemens & Halske, sie gründeten die Telefunken Gesellschaft für drahtlose Telegraphie mbH. Schlag auf Schlag folgten in den folgenden Jahren neue Erfindungen, so der Lichtbogensender für ungedämpfte Schwingungen von Poulsen, dann die „Tönenden Löschfunken“ des deutschen Physikers Wien. Eine der bedeutendsten Erfindungen war die der Hoch-Vakuum-Verstärkerröhre durch den österreichischen Ingenieur von Lieben, wodurch der Funkempfang mit diesem Signalverstärker entscheidend verbessert wurde.

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Seit 1904 wurde von der k.u.k. Kriegsmarine aktive Funkaufklärung durch Abhören fremder Funksprüche betrieben. Diese wurden an das kuk Marine-Evidenzbüro weitergeleitet. Gleichzeitig wurde das Chiffrieren eigener Depeschen angeordnet. 1905 wurden Detektoren für den Hörempfang eingeführt. Aus der Funkentelegraphie wurde offiziell die Radiotelegraphie. Im Jänner 1907 wurden die drei neuen Schlachtschiffe der Erzherzog-Klasse und der Panzerkreuzer Sankt Georg mit neuen Funkstationen von Telefunken (1910 ersetzt durch Tönefunken) und mit der verlängerten T-Antenne ausgestattet.

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Mit Entschließung des Österreichischen Kaisers vom 9. Oktober 1907 wurde als neue Spezialität der Telegraphendienst geschaffen. In den folgenden Jahren wurden die Funkanlagen aller Einheiten durch die neuesten Anlagen von Telefunken ersetzt, die bei den vier Schlachtschiffen der Tegetthoff-Klasse bereits erfolgreich eingesetzt wurden. 

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1908 wurde von der k.u.k. Kriegsmarine mit dem Ausbau der Landstationen Großradiopola, Lussin, Sebenico, Castelnuovo und deren Ausstattung mit dem System „Tönefunken“ begonnen. Zusätzlich wurden sie auch mit dem bewährten System „Knatterfunken“ ausgestattet. Diese Stationen hatten eine große Reichweite, die bis in den Atlantik und bis zum Roten Meer reichte. Während den jährlichen kriegsmäßigen Übungen der Sommer-Eskadre im gesamten Mittelmeer wurden der Funkverkehr, die Funkaufklärung und die Funkpeilung von Schiffen geübt und ständig verbessert.

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In den Jahren 1911 bis 1914 wurden im gesamten Gebiet der Österreichischen Monarchie feste Radiostationen in Wien-Kriegsministerium, Wien Laaerberg, Sarajewo, Trient, Trebinje, Riva, Przemysl, Lemberg, Peterwardein, Krakau, Temesvar, Brusarci und Graz errichtet, wobei alle mit Poulsen-Systemen, Wien und Graz auch mit Tönefunken-Systemen ausgestattet waren. 

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Mein Modell zeigt SMS Erzherzog Karl mit der 1907 eingeführten T-Antenne. Hinsichtlich der technischen Details verweise ich auf meinen Beitrag zu SMS Erzherzog Ferdinand Max. Das dritte Schlachtschiff dieser Klasse war SMS Erzherzog Friedrich. SMS Erzherzog Karl wurde am 17. Juni 1906 in Dienst gestellt. Telefunken lieferte die Radiostationen. Die damals vorgeschriebene Mindestreichweite von 300 km wurde erreicht, mit Einführung der T-Antenne sogar übertroffen.

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Gemeinsam mit dem Panzerkreuzer SMS Sankt Georg wurden auch Funkstörung und Funkaufklärung erprobt, wodurch wesentliche Erkenntnisse über die Wellenlängen zum störungsfreien Senden und Empfangen gewonnen wurden. SMS Erzherzog Karl nahm an den Eskadren und während des Krieges an Flottenoperationen teil. Das Schiff wurde nach dem Krieg Frankreich zugesprochen.

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Das Resinmodell von WSW ist sehr sauber gegossen. Selbst gemacht habe ich nur die für SMS Erzherzog Karl typischen Stützträger der Kommandobrücke, die 37 mm Vickers Mitrailleusen und die kleinen 8 mm Skoda Mitrailleusen. Die Geschützrohre sind von Schatton und von Master. Reling und Davits sind von BJ-Modellbau. Das Schlachtschiff ist noch in der bis 1914 vorgeschriebenen Farbe „Montecuccolin“ dargestellt.

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Literatur:

Auslaufen verspricht Erfolg; die Radiotelegraphie der k.u.k. Kriegsmarine / Nikolaus A. Sifferlinger Verlag Österreich 2000

Fernmelde- und Funktechnik im Ersten Weltkrieg / Franz Pichler, Wirtschaft, Technik und das Militär 1914-1918, LIT Verlag 2014

Was jeder von der drahtlosen Telegraphie wissen muss / Rolf Wiegand, Lehrmeister-Rundfunk-Bücherei Nr.2045, Verlag Hachmeister & Thal 1942

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Martin Deuretsbacher

Publiziert am 17. April 2020

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