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Varyag

von Bernd Villhauer (1:350 Zvezda)

Varyag

Geschichte

Bau und erste Jahre

Die Warjag war ein Kreuzer 1. Klasse und wurde bei William Cramp & Sons in Philadelphia, USA für die russische Marine gebaut. Die Kiellegung erfolgte am 1. August 1898. Der Stapellauf wurde am 10. Oktober 1899 durchgeführt. Am 10. März 1901 verließ die Warjag die Werft in Richtung Russland, wo das Schiff am 19. Mai 1901 durch Zar Nikolaus II. besichtigt wurde. Im November wurde sie zur Unterstützung der russischen Pazifikflotte nach Port Arthur entsandt. Dort kam das Schiff am 25. Februar 1902 an. Nach einigen dringend nötigen Reparaturen wurde das Schiff am 27. Dezember 1903 in die Nähe des koreanischen Hafens Incheon verlegt.

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Russisch-Japanischer Krieg

Bekannt wurde die Warjag schließlich durch das dort stattfindende Seegefecht zu Beginn des Russisch-Japanischen Krieges. Die russische Marineführung hatte im Vorfeld des sich abzeichnenden Krieges versäumt, die Warjag und das begleitende Kanonenboot Korejez wieder der Flotte von Port Arthur anzugliedern. Der Kapitän des Schiffes, Rudnoff, hatte nach Port Arthur zurückkehren wollen. Dies wurde ihm jedoch ausdrücklich untersagt. In der Nähe von Incheon kam es schließlich am 9. Februar 1904 zum Aufeinandertreffen mit einer überlegenen japanischen Flotte, bestehend aus einem Panzerkreuzer sowie fünf kleinen Kreuzern und acht Torpedobooten unter der Flagge des Konteradmirals Uriu. Das Schiff war damit in die ersten Kampfhandlungen des Russisch-Japanischen Krieges verwickelt. Nachdem der Kapitän die Aussichtslosigkeit der Situation erkannte, zogen sich die Warjag und die Korejez in den Hafen zurück. Das Angebot der Japaner zu kapitulieren, lehnte Kapitän Rudnoff jedoch ab. Die japanische Flotte begann unterdessen mit der Anlandung von Truppen. Da die Warjag und die Korejez inmitten neutraler Schiffe lagen, konnten sie von den Japanern nicht angegriffen werden. Um die Neutralität des Hafens zu gewährleisten, wollten die russischen Schiffe einen Ausbruchsversuch aus dem Hafen unternehmen und lichteten gegen 11.20 Uhr ihre Anker. Sie wurden jedoch gegen 11.45 Uhr von den Japanern gestellt. In dem etwa halbstündigen Gefecht erlitt die Warjag schwere Beschädigungen. Von der Hauptbewaffnung wurden 10 ihrer 152-mm-Geschütze sowie alle Kleingeschütze außer Gefecht gesetzt. Des weiteren erhielt das Schiff vier schwere Treffer an und unterhalb der Wasserlinie. Alle oberen Aufbauten waren zerstört und mindestens vier Brände waren ausgebrochen, konnten jedoch von der Besatzung gelöscht werden. Von der 580 Mann starken Besatzung waren 31 Offiziere und Matrosen gefallen sowie 91 schwer und über 100 leicht verwundet worden. Die Korejez blieb relativ unbeschädigt, konnte jedoch nichts gegen die Japaner ausrichten. Beide Schiffe kehrten schließlich in den Hafen zurück, wo sie von ihren Besatzungen selbst versenkt wurden. Die Mannschaft wurden von verschiedenen europäischen Handelsschiffen übernommen und gelangte auf diesem Wege nach Russland zurück, wo sie als Helden gefeiert wurden.

Varyag

Weitere Verwendung

Das Schiff wurde am 8. August 1905 von den Japanern gehoben, modernisiert und unter dem Namen Soya wieder in Dienst gestellt. In der Folgezeit diente das Schiff als Ausbildungsschiff für japanische Kadetten. Im März 1916 wurde das Schiff zum Verkauf angeboten und im April von Russland für 4.000.000 Yen erworben. Im November des gleichen Jahres erreichte die Warjag den Hafen von Murmansk. Es wurde anschließend zur Modernisierung zu Cammel Laird in Liverpool überführt. Zum Zeitpunkt der Oktoberrevolution wurde von den verbliebenen Matrosen die Rote Fahne gehisst. Kurz darauf wurde das Schiff von der britischen Armee gestürmt, die Fahne eingeholt und das Schiff von der Royal Navy übernommen. Die Warjag wurde anschließend vor die irische Küste geschleppt und diente dort bis 1919 als Hulk. 1920 wurde sie zur Verschrottung verkauft und vor der schottischen Küste zwischen 1923 und 1925 abgewrackt.

Varyag

Technische Daten

  • Länge: 129,54 m
  • Breite: 15,85 m
  • Tiefgang: 6,3 m
  • Verdrängung: 6.500 Tonnen
  • Bewaffnung: 12 x 15,0 cm/45 cal Schnellfeuergeschütz, 12 x 7,5 cm/50 cal, Schnellfeuergeschütz, 8 x 4,7 cm Schnellfeuergeschütz, 2 x 3,7 cm Schnellfeuergeschütz, 2 x 0,76 cm Maschinengewehr, 6 x 38,1 cm Überwasser-Torpedo-Rohr, 2 x 6,35 cm/19 cal Landungsgeschütz
  • Panzerung (Krupp-Stahl), Deck: 75 - 40 mm, Kommandoturm: 152 mm
  • Höchstgeschwindigkeit: 23 Knoten
  • Besatzung: 580 Mann

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Sonstiges

In Russland ist das Lied Kreuzer Warjag (russisch: Крейсер Варяг, englisch: Krejser Varyag) relativ bekannt, welches die "Heldentaten" der Besatzung der Warjag schildert. Auf dem Friedhof von Wladiwostok befindet sich ein Denkmal für die gefallenen Matrosen der Warjag. Im Februar 2004 wurde anlässlich des 100. Jahrestages des Gefechtes auch in Incheon eine Gedenktafel für die russischen Seeleute und ein Denkmal enthüllt. Der Name Warjag wurde auch für einen 1985 gebauten russischen Flugzeugträger verwendet.

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Das Modell

Das Modell der Varyag von Zvezda im Maßstab 1:350 ist schlicht und einfach ein Volltreffer. Da ich mehrheitlich Resin Modelle baue war ich überrascht über die teilweise überragende Qualität und Detailtreue dieses Plastikmodellbausatzes. Schon aus der Box kann hier ein vorzügliches Modell gebaut werden, mit einigen Modifikationen wird es zum Spitzenmodell. Da ich grundsätzlich Waterline baue war meine erste Handlung, den Rumpf unterhalb der Wasserlinie abzutrennen. Ich tue dies (bei Plastikmodellen) mit einem Winkelschleifer der Firma FEIN und ersetze die Schleifscheibe durch ein Sägeblatt. Da sich das Sägeblatt nicht dreht und nur durch die Schwingungen seine Wirkung erzielt, ist dies die sicherste Methode, ohne Risiko einen Rumpf sauber von seinem Unterteil zu trennen (Dank meinem alten Freund Walter Fuerbacher, der mir diese Methode beibrachte und auch das notwendige Werkzeug für mich bereitstellt).

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Der Rest wird nach dem Zusammenbau des Rumpfes und der Montage der Decks durch vorsichtiges Schleifen auf einem mit aufgeklebtem Schleifpapier versehenen geraden Brett sauber auf Wasserlinie geschliffen und entgratet. Trotz der guten Qualität der Bauteile nahm ich verschiedene Modifikationen vor. So entfernte ich die Schanzkleider an allen Brückenteilen um sie anschließend durch Relings zu ersetzen. Außerdem ersetzte ich die Stützen für die Brücken und den langen Laufsteg (B27 + B39 + B16) durch Drahtstücke und alle Leitern und Treppen durch die vorzüglichen Ätzteile der Firma Saemann.

Varyag

Ich entschloss mich frühzeitig für den weißen Anstrich mit den gelb- schwarzen Schornsteinen, den die Varyag noch zu Friedenszeiten (1903) trug. Ich verwendete bei diesem Modell ausschließlich Farben von White Ensign und bewältigte damit auch leicht die Probleme, die man normalerweise mit der Farbe Weiß hat. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass ich bei Schiffen niemals Airbrush verwende, sondern grundsätzlich alles mit unterschiedlichen Pinseln bemale. Das Ausarbeiten von Details geschieht bei mir durch verschiedene Methoden – z.B. Washing mit Wasserfarben, Unterlegen von bestimmten Bauteilen mit Pastellkreide und das Aufhellen der Kanten mit verdünnter Grundfarbe sowie Nachziehen von Erhebungen (Klappen, Türen usw.) mit Blei- oder Farbstiften und natürlich das Trockenmalen - da wo es angebracht ist.

Varyag

Zum Versiegeln verwende ich immer den Klarlack TOPCOAT / FLAT (MATT), der keinerlei sichtbare Spuren hinterlässt und den Vorteil hat, die gepinselten Flächen nachträglich zu glätten, so dass keine Pinselspuren sichtbar sind und alles vollkommen realistisch ausschaut. Auch bei diesem Modell verwendete ich die „Glas-von-unten-besprüh-Methode“ und versah das fertige Modell mit einer Plexiglashaube zum Schutz vor Staub und Berührungen. Alle verwendeten Ätzteile entstammen dem Sortiment der Pirmasenser Firma Saemann, die ich in diesem Zusammenhang nur empfehlen kann und die für mich zu den besten Aetzteilen- Anbietern überhaupt gehört.

Varyag

Fazit:

Ein wunderschönes Modell der Firma Zvezda verbunden mit der Hoffnung wohl vieler Modellbauer, dass es nicht der letzte Bausatz von Schiffen aus dieser Epoche ist, der von diesem Hersteller angeboten wird.

Bernd Villhauer

Publiziert am 19. September 2005

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