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Scharnhorst

von Bernd Villhauer (1:600 Airfix)

Scharnhorst

Geschichte

Bedingt durch die Versailler Verträge und den damit verbundenen Beschränkungen der deutschen Kriegsmarine waren die beiden ersten Schlachtschiffneubauten von Anfang an mit Problemen behaftet. So wurde der Kiel zweimal gestreckt, das zweite Mal als Folge der Aufkündigung der Verträge und der Forderung der Marineführung nach schwereren Geschützen und der Erhöhung der Standfestigkeit. Jedoch blieb es beim Kaliber 28cm in drei Drillingstürmen, was für die gesamte Lebensdauer der beiden Schiffe Scharnhorst und Gneisenau ein großes Hindernis war in Bezug auf Gleichwertigkeit gegenüber den englischen Schlachtschiffen mit den Kalibern 35cm und 38,1cm. Der geplante Umbau auf ebenfalls 38cm in drei Zwillingstürmen (gleich wie Bismarck- Klasse) wurde aus zeittechnischen Gründen nie durchgeführt. Trotzdem gelangen den beiden Schiffen, die meistens auch gemeinsam operierten, einige spektakuläre Unternehmungen, die diese Schiffe auch bei deren Gegnern bekannt und gefürchtet machten. Die Erprobungsfahrten in der Ostsee und im Atlantik führten zu der Erkenntnis, dass eine Verlängerung des Stevens notwendig war um das Problem der überkommenden See und der damit verbundenen Behinderung des Turm „Anton“ zu beheben. Dies führte zum ersten Umbau der beiden Schlachtschiffe in der zweiten Jahreshälfte 1939, wobei eine Verlängerung des Steven um cirka 7 Meter durchgeführt wurde und damit der sog. Atlantikbug geboren wurde. Außerdem konnte durch den Umbau die Geschwindigkeit nochmals erhöht werden. Scharnhorst und Gneisenau waren zu dem damaligen Zeitpunkt die schnellsten Schlachtschiffe überhaupt und in der Lage, jedem anderen großen Schiff davon zu laufen. Zum ersten Einsatz im Krieg kam Scharnhorst unter der Führung des Vize Admiral Marshall auf Gneisenau in der Zeit vom 21. bis 27.11.1939, wobei der britische Hilfskreuzer „Rawalpindi“ von Scharnhorst versenkt wurde.

Scharnhorst

Bei der Besetzung Norwegens im April 1940 übernahmen die beiden Schlachtschiffe unter Führung von Vize Admiral Lütjens Deckungsaufgaben. Dabei kam es zu einem Gefecht mit dem britischen Schlachtkreuzer Renown, das jedoch durch extrem schlechte Wetterbedingungen zu Behinderungen führte und ohne nennenswerte Schäden auf beiden Seiten abgebrochen werden musste.

Am 04.06.1940 liefen die Schlachtschiffe Scharnhorst und Gneisenau zusammen mit dem schweren Kreuzer „Admiral Hipper“ zum so genannten Unternehmen JUNO aus, in dessen Verlauf der englische Flugzeugträger „Glorious“ und die beiden Zerstörer „Ardent“ und „Acasta“ sowie der Oeltanker „Oilpioneer“ versenkt wurden. Dabei wurde die Scharnhorst durch einen Torpedo des Zerstörers Acasta unterhalb des Turms Cäsar getroffen und dabei 48 Seeleute getötet. Dieser Treffer machte Reparaturarbeiten zunächst in Drontheim und danach, zur endgültigen Behebung, in Kiel notwendig. Auch Gneisenau musste zur Behebung von Seeschäden in die Werft.

Scharnhorst

Am 22.01.1941 erfolgte unter Führung von Vize Admiral Lütjens (auf Gneisenau) der erneute Durchbruch in den Atlantik. In einem dadurch möglichen, erfolgreichen Handelskrieg versenkten die beiden Schiffe insgesamt 22 Schiffe mit zusammen 115 600 BRT. Hiervon gingen 8 Schiffe mit 49 300 BRT auf das Konto der Scharnhorst. Am 22.03.1941 liefen die Schiffe in Brest ein wo sie zusammen mit anderen Einheiten der Kriegsmarine bis zum Februar 1942 lagen und ständigen Angriffen der RAF ausgesetzt waren. Dabei wurden die Schiffe mehrfach von Bomben getroffen, so dass im Januar 1942 entschieden wurde, die Schiffe nach Deutschland zurück zu verlegen. Am 01.06.1941 war noch der schwere Kreuzer „Prinz Eugen“ dazu gekommen, der zusammen mit der Bismarck das Unternehmen „Rheinübung“ begonnen hatte während dessen Verlauf die Bismarck verloren ging. Mit dem Befehl der Rückführung der schweren Einheiten nach Deutschland begann eines der verwegensten Unternehmungen der Seekriegsgeschichte, das Unternehmen „Cerberus“.

Scharnhorst

Am 11.02.1942 lief dieses gewagte Unternehmen unter Führung von Vize Admiral Ciliax auf Scharnhorst an. Durch eine Kette von glücklichen Umständen und einer hervorragend organisierten Geheimhaltung und Täuschung gelang es den deutschen Verbänden, bis auf die Höhe von Cherburg zu kommen, ohne von den Engländern erkannt zu werden. Erst danach begannen englische Angriffe, die jedoch nicht mehr organisiert und damit ohne große Wirkung den Durchbruch nicht mehr verhindern konnten. Scharnhorst erhielt zwar einen Grundminentreffer, wodurch alle elektrischen Anlagen ausfielen, jedoch konnten die Schäden schnell behoben werden und das Schiff konnte den vorauseilenden Verbänden nachfahren. Am 13.02.1942 erreichten die Schiffe Wilhelmshaven. Unternehmen Cerberus war geglückt. Für Gneisenau bedeutet dieser Erfolg jedoch das gleichzeitige Ende. Wenige Tage nach der Rückkehr in die heimischen Gewässer wurde das Schiff am Bug von Bomben getroffen und so schwer beschädigt, dass eine Reparatur nie mehr durchgeführt wurde. Sie wurde nach Gotenhafen geschleppt und dort nach dem Krieg abgebrochen.

Scharnhorst

Die Scharnhorst wurde währenddessen zu Reparaturen nach Kiel verlegt und am 08.03.1943 erfolgte in einem zweiten Anlauf die Verlegung mit der Kampfgruppe Tirpitz in die Bogenbucht nach Norwegen. Vom 06. bis zum 09.09.1943 nahm das Schiff an den Unternehmungen gegen Spitzbergen teil. Bedingt durch den Ausfall der Tirpitz als Folge von Angriffen britischer Kleinst- U- Boote bildete die Scharnhorst, zusammen mit einigen Zerstörern, die einzig noch intakte Kampfgruppe in Norwegen. Am 22.12.1943 machten Flugzeuge einen nach Russland laufenden Geleitzug aus, wobei nicht erkannt wurde, wie stark der Begleitschutz der britischen Kampfgruppe war. Unter Führung von KAdm. Bey, der an Stelle des in Urlaub weilenden Adm. Kummetz einsprang, wurde die Scharnhorst, zusammen mit 5 Zerstörern, an den Geleitzug herangeführt. Am 26.12.1943 um 9:20 Uhr gab es ein erstes Gefecht mit den britischen Kreuzern Belfast und Norfolk, bei dem durch einen Treffer die vordere Funkmessanlage der Scharnhorst ausfiel. Bei einem erneuten Angriff erhielten Belfast und Sheffield Treffer, während Scharnhorst keine weiteren Beschädigungen erlitt. KAdm. Bey entließ die begleiteten Zerstörer und entschloss sich, den Angriff auf den Konvoy abzubrechen und den Rückzug nach Norwegen anzutreten. Zu spät, denn der Force II gelang es der Scharnhorst den Weg abzuschneiden und um 16:47 Uhr erfasste das Radar des britischen Schlachtschiffes Duke of York die Scharnhorst und der Endkampf begann. In einem 3 stündigen Gefecht gegen überlegene britische Einheiten versank die einst als „glückhaftes Schiff“ bezeichnete Scharnhorst in den eisigen Fluten des Nordmeers. Nur 36 Mann der Besatzung konnten gerettet werden.

Scharnhorst

Technische Daten

  • Stabellauf: 03.10.1936 auf der Marinewerft Wilhelmshaven als sog. Scharnhorstklasse (Schwesterschiff Gneisenau)
  • Länge: Nach Umbau 235 Meter (vorher ca. 228 Meter)
  • Breite: 30 Meter
  • Tiefe: 9,91 Meter
  • Gewicht: Voll ausgerüstet 38 900 Tonnen
  • Besatzung: Bis zu 1850 Mann
  • Geschwindigkeit: Turbinenantrieb - 31 Knoten
  • Bewaffnung: 9 x 28cm in drei Drillingstürmen, 12 x 15cm in 4 Doppel- und 4 Einzellafetten, 14 x 10,5cm Flak in 7 Doppellafetten, 16 x 3,7cm Flak in 8 Doppellafetten, und bis zu 38 x 2cm Flak, später 6 Torpedorohre 53,3cm, Anfangs zwei, später nur noch ein Katapult für 4 Seeflugzeuge des Typ Arado 196 (Katapult auf Turm Cäsar wurde entfernt)

Scharnhorst

Als Kommandanten dienten auf der Scharnhorst:

  • Kapitän zur See Ciliax 1.39 bis 10.39
  • Kapitän zur See Hoffmann 10.39 bis 3.42
  • Kapitän zur See Hüffmeier 4.42 bis 10.43
  • Kapitän zur See Hintze 10.43 bis zur Versenkung 12.43

Scharnhorst

Das Modell

Das Modell der Firma Airfix im Masstab 1:600 ist das einzige auf dem Markt, das die Scharnhorst vor ihrem Umbau Ende 1939 zeigt. Das Modell ist bereits alt, jedoch von der Substanz her gesehen absolut genau und brauchbar. Überhaupt sind Airfix in den 70er Jahren einige Entwürfe gelungen, die man noch heute zu den besten Plastik- Schiffsmodellen zählen darf, ich denke nur an die King Georg V, die Repulse, die Belfast oder auch die Prinz Eugen (alle im Masstab 1:600).

Scharnhorst

Das Modell selbst ist in seiner Ausprägung jedoch eine Mischung aus Scharnhorst und Gneisenau (gleicher Bausatz für beide Modelle). Der beiliegende Flugzeughangar ist der der Scharnhorst, während die vordere Mastanlage der Scharnhorst fehlt und hier die Version Gneisenau vorliegt. Dies ist jedoch kein besonders großes Problem und konnte leicht behoben werden. Da es von der Scharnhorst wirklich umfangreiche Dokumentationen gibt ist auch das Nachforschen und das damit verbundene Nachbauen von Bauteilen leicht zu bewerkstelligen. Außerdem gibt es von White Ensign ein wunderbares Ätzteileset (Schlachtschiffe Kriegsmarine), das alle notwendigen Ergänzungen für diesen Bausatz parat enthält.

Scharnhorst

Auch die unterschiedlichen Bordkräne der beiden Schiffe Scharnhorst und Gneisenau sind hier sauber berücksichtigt. Dies, zusammen mit den Farben für Schiffe der KM von White Ensign, bildete die Grundlage für den Bau meiner Scharnhorst, die schon immer eines meiner Lieblingsschiffe war und auch bleiben wird.

Scharnhorst

Im Detail wurden von mir folgende Modifikationen durchgeführt:

 

  • Aufbohren aller Bullaugen an Rumpf und Aufbauten (hier waren überhaupt keine vorhanden und mußten nach Originalaufnahmen nachvollzogen werden)
  • Komplette Überarbeitung der vorderen Mastanlage, des Hauptmastes, des Schornsteins (über 40 zusätzliche Teile angefertigt), des Bordflugzeuges (besteht zu 90% aus selbst angefertigten Teilen)
  • Austausch der Kuppeln der Entfernungsmesser durch aus 8mm Kugeln selbst angefertigte Teile
  • Austausch der 10cm Flak durch 1:700er aus Resin (geringer Größenunterschied wurde in Kauf genommen)
  • Austausch der 3,7cm Zwillinge durch 1:700er aus Resin (geringer Größenunterschied wurde in Kauf genommen)
  • Rohre der 2cm Flak wurden durch hauchdünne, selbstgezogene Rohre ersetzt
  • Komplette Überarbeitung der Beiboote
  • Anfertigen der beiden seitlich am Flugzeughangar vorhandenen Scheinwerferplattformen und vieles mehr.

 

Außerdem wurden alle Teile, die durch den Zurüstsatz von WEM ersetzbar waren, auch durch diese ersetzt (Katapulte – Kräne – usw.)

Scharnhorst

Fazit:

Wer die Scharnhorst in diesem frühen Bauzustand (vor dem Umbau Mitte 1939) bauen möchte hat eigentlich nur diesen alten Bausatz von Airfix zur Verfügung. Mit einigem Aufwand und der Verwendung des WEM Ätzteilesets kann man ein wirklich genaues und schönes Modell bauen. Ich persönlich stelle fest, dass die Scharnhorst auch in ihrer „Urfassung“ eines der schönsten Schiffe war, das jemals eine Werft verließ.

Bernd Villhauer

Publiziert am 10. November 2005

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