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Tirpitz

von Robert Schwarz (1:700 Revell)

Tirpitz

Historisches:

Tja, die Tirpitz. Dieses Schiff ist wohl neben Bismarck, Hood und Co. eines der meistgebauten Modellschiffe überhaupt. Schaut man sich die Geschichte der Tirpitz dann einmal genauer an, ist man erstaunt. Das Schiff hat nie an einer echten Seeschlacht teilgenommen wie das Schwesterschiff Bismarck und keinen Handelskrieg auf alliierte Konvois geführt wie Scharnhorst, Graf Spee oder Gneisenau. Als ihr größter direkter militärischer Erfolg gilt der Beschuss einer Wetterstation auf Spitzbergen.

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Ist die Tirpitz also eine Fehlplanung gewesen? Ja und nein: Ja, denn als Schlachtschiff an sich war sie es bestimmt, denn ihre gewaltige Kampfkraft konnte sie nie direkt einsetzen. Nein, denn sie erfüllte auf andere Weise ihren Zweck weitaus effektiver als die meisten anderen Großkampfschiffe. Versteckt hinter Bergen in norwegischen Fjords, unerreichbar für britische Bomber, unsichtbar unter einem künstlichen Nebelschleier, umgeben von einem Anti-U-Boot-Netz und mit einer Tarnbemalung perfekt vor dem felsigen Hintergrund getarnt, flößte die bloße Anwesenheit des vermutlich stärksten Kriegsschiffes Europas vor allem den Briten Angst und Schrecken ein und verursachte enorme Kosten. Die Tirpitz war die praktische Umsetzung des Fleet-in-being-Konzepts. Bedroht durch ihre Anwesenheit mussten alle Konvois vorbei an Norwegen in die russischen Häfen von schweren Einheiten beschützt werden. Lief die Tirpitz sogar aus, brach Panik aus, die Schutzschiffe suchten das Weite und die Frachter flohen in alle Himmelsrichtungen auseinander, wie der Fall PQ-17 zeigt.

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Mit allen Mitteln wurde versucht, die „einsame Königin des Nordens" unschädlich zu machen, doch weder extra entwickelte Kleinst-U-Boote, noch zahlreiche Luftschläge vermochten sie ernsthaft zu beschädigen. Erst kurz vor Ende des Krieges, als die Tirpitz in einen weiter südlich gelegenen Fjord verlegt wurde, gelang es, mit eigens für den Zweck entworfenen Bomben - den Tall-Boys - das Schiff zu zerstören.

Die Prominenz der Tirpitz beruht also nicht auf ihrem direkten, sondern ihrem indirekten Einfluss auf das Kriegsgeschehen. Ebenso wie Atombomben im kalten Krieg war ihre Existenz viel entscheidender als ihr Einsatz.

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Zum Bausatz:

Als Revell diesen Bausatz 2010 herausgebracht hat, machte sich wohl bei so einigen Modellbauer Enttäuschung breit. Nicht noch eine Tirpitz. Revell war für mich bisher Prinz Eugen, Blücher oder Arizona: Eher schlichte Bausätze, dafür aber in zwei, drei Tagen baubar. Ideal, um bei einem Kind Begeisterung für das Hobby Modellbau zu wecken. Demnach dürfte diese Tirpitz jedoch nicht von Revell sein. Die anfängliche Skepsis weicht schnell echter Begeisterung, die umso größer ist. Die Detaillierung ist enorm, die Anleitung anschaulich und es passt so gut, dass man den Umgang mit Spachtelmasse schnell verlernt. Was diese Tirpitz jedoch von ihren Trumpeter und Dragon Rivalinnen absetzt, ist das zugehörige Revell-Ätzteilset. Hier wurde wirklich ganze Arbeit geleistet. Die kleinen Teile passen optimal zum Modell, die Reling ist bereits auf die richtige Größe geschnitten und an den Biegestellen gekerbt und auch die Anleitung lässt keine Fragen offen. Modellbau aus einem Guss ohne Wenn und Aber.

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Die Bauphase:

Angesetzt waren von mir 4-5 Wochen für dieses Projekt. Wie ehrgeizig dieser Zeitplan war, wurde mir beim Bau schnell klar und letztendlich brauchte ich mit einigen größeren Unterbrechungen von April bis September. Reine Bauzeit habe ich über den Daumen gepeilt 50-75 Stunden benötigt.

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Bemalung:

Der Zusammenbau geht gut von der Hand, die Anleitung ist eindeutig und detailliert, an die Reihenfolge habe ich mich jedoch nicht gehalten. Einzig die Lackierung des Tarnschemas verursacht sehr viel Aufwand. Dummerweise hatte ich mich auch noch für die Operation Rösselsprung entschieden, sprich zwei- bis dreifarbig: Blau 56, Anthrazit 9 auf der einen, Panzergrau 78 auf der anderen Seite, dazu Grau 374 und Weiß 5. Größere Streifen auf dem Rumpf klebte ich ab und malte nach, bei den Aufbauten war dann eine ruhige Hand, gutes Augemaß und sehr viel Geduld und Zeit gefragt. Bis die Streifen auch wirklich fluchteten und dem Original glichen, verging eine gefühlte Ewigkeit. An dieser Stelle noch ein kleiner Hinweis: In der Anleitung wird von Revell für die Lackierung des Schornsteins Blau empfohlen. Auf Fotos erscheint mir dagegen Anthrazit als die richtige Wahl. Leider habe ich im Eifer des Gefechts zum falschen Döschen gegriffen und muss somit bei allen Marineexperten um Verzeihung bitten. An der einen oder anderen Stelle werden diese noch weitere kleine Fehlerchen bemerken. Aber das ist eben meine Tirpitz - Handarbeit und nicht aus der Fabrik.

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Ätzteile:

Die Ätzteile ließen sich sehr gut mit in den Bau einbeziehen. Die Wahl zwischen dem Originalplastikteil und dem geätzten Ersatz fiel bis auf eine Ausnahme nie schwer: Für die zahlreichen Seiltrommeln, die überall auf den Decks bereits angegossen sind, wird ein Ätzteilersatz angeboten. Hier sollte man jedoch erst den Ersatz basteln und dann die Plastikteile wegschleifen, denn zum einen sehen diese nicht schlecht aus, zum anderen ist der Zusammenbau der Ätzteile derart fummelig und nervenaufreibend, dass man sich am Ende fragt: Wofür? Leider habe ich zuerst zum Messer gegriffen und musste dann in den sauren Apfel beißen. Vielleicht habe ich mich auch nur ein bisschen dämlich angestellt, hatte kein geeignetes Rundmaterial zur Hand und einen zu schnell härtenden Sekundenkleber. Verbesserungspotential!

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Ansonsten machen Radaranlagen, Lamellen vor den Scheinwerfern, Takelage, Türen und Luken für die Geschütztürme, Flugzeugstartrampe, Bootsdavits, Kräne oder Takelage schon einiges her, ganz zu schweigen von den standardmäßigen Treppen und der Reling. Auf gedrehte Rohre kann man eigentlich verzichten, die Plastikteile sind sehr gut. Den einzigen Haken, den ich sehe, stellen die Flakvierlinge dar. Im Vergleich zu den geätzten 2cm Einzelgeschützen auf dem Deck sind sie ziemlich plump und einfach. Schade. Ansonsten bietet die Platine mit über 100 Teilen alles, was das Herz begehrt.

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Decals:

Wie der ganze Bausatz befindet sich auch der Decalbogen auf hohem Niveau: Sauberer Druck und gute Verarbeitbarkeit. Für das Tarnschema der Operation Sizilien kann man sogar auf komplett vorgedruckte Streifen zurückgreifen. Super, um mit wenig Aufwand ein optisch ansprechendes Modell zu gestalten. Ebenfalls toll: Die schwarze Wasserlinie. Das Selbstabkleben entfällt und das Ergebnis überzeugt. Etwas kritisch sind die Streifen mit Metallnieten für die Ruder. Klebt man diese auf das perforierte Plastikteil, so haftet es nicht wirklich und sieht auch nicht gut aus. Ich habe die Streifen wieder entfernt und zum Pinsel gegriffen. Der Bogen lässt nichts vermissen und ergänzt den Bausatz sinnvoll.

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Fazit:

Wer Zeit und Lust hat, sich der Tirpitz zu widmen - jeder Modellbauer sollte sie oder Schwester Bismarck in der Vitrine haben - dem bietet Revell einen Bausatz auf Spitzenniveau. Von Anfang bis Ende fast ununterbrochener Bastelspaß. Wirklich Sinn macht das Schiff mit dem Ätzteilset, aber auch ohne kann sich der Bausatz sehen lassen.

Über Kritik - positiv wie negativ - würde ich mich freuen: robert dot schwarz1 at yahoo dot com

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Robert Schwarz

Publiziert am 27. September 2011

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