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Messerschmitt Bf 109 G-14

Im Dienste Ihrer Majestät

von Jörg Teller (1:48 Academy)

Messerschmitt Bf 109 G-14

Das Original

Im Januar 1945 besetzten vorrückende britische Kampftruppen den niederländischen Flugplatz Gilze-Rijen. Dabei wurden zwei zurückgelassene und baugleiche Bf 109 G-14 erbeutet.

Beide Flugzeuge wurden noch vor Ort umlackiert und mit RAF-Kennzeichen versehen: Oberseite standardmäßig in Ocean Grey und Dark Green, Unterseite in Gelb mit Invasionsstreifen, auf den Rumpf wurde ein gelbes P (P = Prototyp) lackiert.

Angeblich wurden beide Bf 109 von Gilze-Rijen per Straßentransport nach Antwerpen überführt und dort flugfähig gemacht. Am 2. Februar 1945 wurden die Flugzeuge von Leutnant Gordon und Leutnant Gough von Antwerpen nach Hawkinge/England geflogen. Am 14. Februar 1945 kamen sie dann nach Collyweston zur Erprobung in das Central Fighter Establishment, Einheit 1426 (feindliche Flugzeuge).

Bei einem der beiden Flugzeuge handelte es sich sehr wahrscheinlich um die Bf 109 G-14 mit der Werknummer 413598. Sie wurde von den Engländern ausgiebig getestet. Im Oktober/November 1945 wurde sie in Farnborough der englischen Bevölkerung präsentiert. Am 16. Januar 1946 wurde sie auf dem Flugplatz Brize Norton als Verlust gemeldet und verschrottet.

Messerschmitt Bf 109 G-14

Das Modell

Das Modell stellt die Bf 109 G-14 mit der Werknummer 413598 im Februar 1945 dar: Oberseite in Ocean Grey und Dark Green, Unterseite in Gelb. Das Flugzeug trägt britische Hoheitsabzeichen und zeittypische Invasionsstreifen.

Verbaut wurde der 1:48er Bausatz von Academy. Lackiert wurde mit Farben von Gunze. Die Decals entstammen der Restekiste.

Messerschmitt Bf 109 G-14

Ergänzungen für Historiker

Die Recherche gestaltete sich schwierig. Die wenigen Fotos der beiden erbeuteten Bf 109 werden in der Fachliteratur unterschiedlich interpretiert, viele Informationen sind widersprüchlich.

Tatsächlich belegt ein Foto die Existenz gleich zweier Bf 109 G-14 in RAF-Farben. Bei der einen Bf 109 handelt es sich vermutlich um die Bf 109 G-14 mit der Werknummer 413598 aus dem Block 413xxx der ERLA-Flugzeugbau in Leipzig. In den meisten Quellen wird diese Maschine als Umbauversion Bf 109 G-14/U4 (U4 = 30-mm-Motorkanone MK 108) bezeichnet.

Zum Block 413xxx ist anzumerken, dass diese Flugzeuge unter der Bezeichnung Bf 109 G-6 MW produziert wurden (MW = Motor DB 605 AM mit MW-50-Zusatzeinspritzung). Erst ab Juli/August 1944 erhielt diese Serie die offizielle Bezeichnung G-14.

Messerschmitt Bf 109 G-14

Die andere Bf 109 ist auf diesem Foto nur schemenhaft zu erkennen. Ihr wird in der Fachliteratur entweder die Werknummer 541560 oder die Werknummer 415460 zugesprochen. Die Werknummernblöcke 541xxx und 415xxx wurden vom RLM jedoch nie vergeben. Diese beiden fehlerhaften Informationen lassen sich durch Zahlendreher erklären und wie folgt auflösen:

1) Statt 541560 könnte richtigerweise 441560 gemeint sein. Beim Block 441xxx handelt es sich um Bf 109 G-6 aus der Fertigung der Wiener Neustädter Flugzeugwerke WNF.

2) Statt 415460 könnte richtigerweise 413460 gemeint sein. Diese Vermutung ist nahe liegend, da, wie am Anfang des Berichtes erwähnt, die beiden erbeuteten Bf 109 baugleich gewesen sein sollen. Bei beiden Maschinen auf dem o.g. Foto würde es sich dann um baugleiche Schwestern des Typs Bf 109 G-14 aus dem Block 413xxx der ERLA-Werke handeln.

Messerschmitt Bf 109 G-14

Am 7. April 1945 wurden beiden Bf 109 britische Seriennummern zugeordnet. Vermutlich erhielt die Bf 109 G-14 mit der Werknummer 413598 die britische Seriennummer VD 358, die andere Bf 109 erhielt vermutlich die Seriennummer VD 364.

Die VD 364 wurde am 17. Mai 1945 während der Erprobung durch F/L Gordon bei einer harten Landung auf dem Flugplatz Tangmere beschädigt. Sehr wahrscheinlich wurde sie daraufhin verschrottet.

Die VD 358 wurde im Rahmen der Captured Enemy Aircraft Exhibition umlackiert. Das Ocean Grey wurde durch Sea Grey ersetzt und das Flugzeug bekam an der Rumpfseite das Kennzeichen EA 2 (Enemy Aircraft Nummer 2). Das Flugzeug wurde im Oktober/November 1945 in Farnborough der englischen Bevölkerung präsentiert. Am 16. Januar 1946 wurde sie auf dem Flugplatz Brize Norton als Verlust gemeldet und verschrottet.

Messerschmitt Bf 109 G-14

Hauptquellen

  • Messerschmitt Bf 109 Fighters, Burin-Do Verlag, 1977
  • Falcon's Messerschmitt Bf 109 Hangar (www.messerschmitt-bf109.de)
  • Luftwaffe Experten Message Board (www.luftwaffe-experten.org)
  • The Luftwaffe Archives & Records Reference Group (www.lwag.org)

Jörg Teller

Publiziert am 22. Mai 2013

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