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Supermarine Walrus Mk.I

710. Squadron, HMS Albatross, 1940

von Peter Hochstrasser (1:72 Revell)

Supermarine Walrus Mk.I

Geschichtliches

Das Wasserflugboot wurde für Katapultstarts von Schiffen ausgerüstet, hatte aber als erster amphibischer Doppeldecker ein einziehbares Fahrwerk.

Ende 1941 begann die RAF spezielle Luft-See-Rettungseinheiten aufzustellen, wobei die Walrus zur tragenden Säule wurde. Wegen ihrer Zuverlässigkeit (auch auf dem Wasser) erwarb sich die Walrus einen guten Ruf, als Beispiel sei die 277. Squadron genannt, die allein während des Krieges 598 Überlebende aus den Gewässern "fischte"! Die Walrus wurde ab 1944 nach und nach von der Sea Otter mit Zugpropeller abgelöst.

Meine Walrus Mk.I war im Frühjahr 1940 auf dem Flugzeugtender HMS Albatross stationiert und gehörte zur 710.Staffel der FAA (Fleet Air Arm).

Supermarine Walrus Mk.I

Das Modell

Wenn ich für die Swordfish immerhin noch Ätzteile auftreiben konnte, gibt es für die Walrus (fast) nichts, und sie ist von den Formen her wahrscheinlich ebenso alt.

Also, alles selber machen und die Grabbelkistchen und Schächtelchen in nächster Nähe platzieren! Immerhin konnte ich doch noch einen Bristol-Pegasus Motor aus Resin auftreiben, dazu noch eine Vacu-Kanzel und neue Decals von Xtradecal.

Im Innern gibt es nichts, außer man stopft die Löcher mit Personal voll, das immerhin eigene Sitze zur Verfügung hat, meist werden die Piloten ja bei diesen alten Bausätzen wie die Hühner auf ihre Stangen gesetzt!

Die Innenausstattung wurde komplett aus Plastik erstellt, das Steuerrad entstand aus meinem Teilesortiment, ich fand sogar eine Kette dazu, die hinter das Steuerad montiert werden musste! Ich habe natürlich alles etwas vereinfacht, da in diesem Maßstab eh nicht mehr viel davon zu sehen ist.

Supermarine Walrus Mk.I

Mein umfangreiches Teilesortiment kam voll zum Zuge, um all die Details zu gestalten, wie neue Steuerkabel für das Spornrad und das Seitenruder. Die Heckleuchte und die Spornradstreben sind ebenfalls neu (oben links).

Scharniere und Steuerstangen unter den Flügeln dürfen nicht fehlen wie auch der Ausbau des Heckstandes mit Spanten, Kabelzügen, Bodengitter und gelochter Schiene mit Befestigungspunkt für das MG. Am Hauptfahrwerk kamen Details aus Metall hinzu, wobei die Stelle links neben dem Rad für das Katapultgestänge verwendet wird (Bild oben rechts).

Supermarine Walrus Mk.I

Bei dieser Bauphase wurden die Streben bereits an den Oberflügel angepasst, der dann am Schluss, nachdem alle Löcher verspachtelt wurden, nur noch aufgesetzt wird. Auch die ersten Spannkabel wurden montiert. Die Positionslichter am Unterflügel mussten selbst hergestellt werden, ebenso die Seile aus Draht am Bug und am Heckstand. Die Motorgondel erhielt noch zusätzliche Service-Abdeckungen aus Bleifolie und musste vorne aufgebort werden. Auch die Abdeckung für den Heckstand wurde mit Klarfolie und Plastikplatte neu gemacht.

Supermarine Walrus Mk.I

Uff...hier ist Ausschnaufen angesagt, endlich ist der Oberflügel montiert! Zu erkennen sind die Verdickungen an Stellen, wo die Spannkabel im Flügel verschwinden, ein typisches Merkmal bei der Walrus.

Da die Walrus sehr viel Platz zwischen den Tragflächen hat, und weil die Hauptspannkabel vor den Streben in den Flügel verlaufen, montierte ich sie erst nach dieser Bauphase. Die Räder sind abgeflacht aber es fehlen noch zwei Streben neben der Motorgondel, die Scheibenwischer, Propeller, die beiden Kraftstoffleitungen und die MGs.

Supermarine Walrus Mk.I

Das Desaster

Als ich das letzte vordere MG montieren wollte, geschah es: Die Lupenlampe löste sich mit der Befestigung vom Arbeitstisch und krachte voll auf das Modell...!

Nur dank einer Reflexbewegung konnte ich einen Totalschaden verhindern, doch der Vorfall zerstörte die komplette Hauptverspannung, Antennenkabel und brach einige Streben, auch das Fahrwerk löste sich teilweise. Ich war geschockt und ließ die Arbeit einige Tage ruhen, bis ich wieder mit neuem Mut das Modell reparierte.

Zu erkennen ist hier die "Shadow-Shaded" Tarnung, indem der Unterflügel etwas heller als der Oberflügel getarnt ist, wobei die Farben nur etwas mit Weiß aufgehellt wurden. Die etwas dunkleren Flächen auf dem Flügel (links im Bild) sind reparierte "Beschuss-Schäden".

Supermarine Walrus Mk.I

Der Bugstand mit dem zusätzlich detaillierten Lewis-MG aus meinem Teilesortiment. Die seitlichen Rumpf-Fenster mussten aufgebort werden, für sie wäre nur ein schwarzes Decal vorgesehen. Die Kanzelstreben wurden mit eingefärbten Decalstreifchen "bemalt", zusätzlich wurden seitliche Verstärkungen angebracht, um den Eindruck zu erreichen, dass die Scheiben nach hinten geschoben werden könnten.

Die Reparatur nach dem Crash verlief erstaunlich zügig, einzig das Wetter machte nicht mit, tagelanges Warten verzögerte das Fotografieren draußen bei Tageslicht.

Auf diesem Bild ist der Haltebügel unter der Abdeckplatte des Heckstandes erkennbar.
Auf diesem Bild ist der Haltebügel unter der Abdeckplatte des Heckstandes erkennbar.

Supermarine Walrus Mk.I

Als "Azubi" in Sachen Doppeldecker habe ich mich nun nach dem Bau der Walrus definitiv für die Gießast-Methode entschieden! Auch die dünneren Antennenkabel wurden mit Gießast hergestellt, da sich die bisher mit Haar hergestellten Kabel als nicht tauglich erwiesen!

Die Motorgondel ist leicht nach hinten links geneigt, was Matchbox auch korrekt umgesetzt hat.

Supermarine Walrus Mk.I

Warum baue ich eine Walrus? Irgendwie ist es eine Hassliebe, das Flugzeug ist nicht schön, eher skurril, hat aber eine bewegende Geschichte, besonders in der Seenotrettung, und muss einfach im Bestand einer Sammlung über Flugzeuge der RAF und FAA sein! Und überhaupt fasziniert mich das typisch britische Design von Flugzeugen, aber auch die Fahrzeuge haben ein besonderes Flair.

Supermarine Walrus Mk.I

Das neue und einfache Diorama ist für ein nächstes Projekt bestimmt. Die Walrus wird später zusammen mit einem weiteren Flugzeug der FAA auf der "ewigen Baustelle" eines Stützpunktes der RAF ihren Platz finden. Auf früheren Berichten ist er manchmal teilweise zu sehen, noch bestückt mit dem Tower von Airfix, der nun verschrottet wurde und durch einen Eigenbau ersetzt wird.

Fazit:

Wie die Swordfish vom gleichen Hersteller, diente auch das Modell der Walrus nur als Basis, um daraus mit viel Eigenbau ein ansehnliches Modell zu schaffen!

Trotz des Alters stimmten die Abmessungen gegenüber maßstäblichen Zeichnungen recht gut, der Bausatz hat aber auch seine kleinen Fehler. Es gab viel Arbeit, trotzdem habe ich es genossen, aus diesem Modell-Greis ein junges Walrösschen zu schaffen. Wer die Arbeit nicht scheut, dem kann ich das Modell nur empfehlen, es wird garantiert ein "Hingucker" und dazu noch ein selten zu sehendes Modell in der Vitrine!

Quelle:

  • Warpaint Series No.39
  • Daniel J. March - Britische Luftwaffe

Peter Hochstrasser

Publiziert am 03. Juli 2013

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