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Fairey Albacore

von Hubert Ortinger (1:48 Special Hobby)

Fairey Albacore

Die Albacore, die in Großbritannien auch den Spitznamen „Applecore“ (Kerngehäuse) erhielt, war eigentlich als Ersatz für die seit 1936 eingesetzte, veraltete aber allseits geschätzte Fairey Swordfish vorgesehen. Zu diesem Zeitpunkt einen Doppeldecker mit feststehendem Fahrwerk, Landeklappen und Vorflügel zu entwerfen war meiner Meinung „Very British“ und wirft die Frage auf, ob denn das Flugzeug in der Luft hätte stehen bleiben sollen. Sinnvoller und günstiger wäre es gewesen, der Swordfish eine geschlossene Kanzel zu konstruieren. Tatsächlich wurden dann jedoch beide Flugzeugtypen parallel eingesetzt und die Albacore wurde sogar noch vor der Swordfish außer Dienst gestellt um ihrerseits von der Fairey Barracuda abgelöst zu werden.

Fairey Albacore

Die Prototypen der Albacore entstanden auf Basis der Spezifikation S.41/36 für ein dreisitziges Torpedobomber/Beobachtungs- und Aufklärungsflugzeug für die FAA. Die ersten beiden Prototypen starteten Dez.´38 und die Serienproduktion begann ´39. Zunächst wurden 98 Flugzeuge gebaut. Die ersten Albacores wurden mit dem Bristol Taurus-II-Triebwerk ausgerüstet, spätere erhielten den stärkeren Taurus XII.

Fairey Albacore

Im März 1940 wurde eigens für den Einsatz der ersten Albacores die FAA Staffel Nr. 826 aufgestellt, deren Aufgabe es war den Ärmelkanal zu patrollieren. Die ersten trägergestützten Einheiten nahmen ihren Betrieb 1941 auf. Letztendlich gab es 15 FAA-Squadrons, die mit Albacores ausgerüstet waren. Diese kämpften unter anderem im Mittelmeer in der Schlacht bei Kap Matapan, in den Kämpfen um El Alamein, bei der Landung in Sizilien und der Operation Avalanche in Salerno.

Fairey Albacore

Im Zeitraum zwischen September 1941 bis Ende Juni 1943 operierte die Staffel 828 von Hal-Far auf Malta aus während schwerer Angriffe bei der Belagerung Maltas hauptsächlich gegen italienische Schiffe und küstennahe Ziele in Sizilien. Auch bei der Invasion von Madagaskar ´42 spielten die Albacores eine große Rolle. 1943 wurden die Albacores gegen Fairey Barracudas ausgetauscht. Als letzte britische Albacore-Squadron wurde die Saffel 841 gegen Ende 1943 aufgelöst. Die Royol Canadian Air Force übernahm die Flugzeuge und setzte sie noch bei der Invasion in der Normandie ein

Fairey Albacore

Bausatz

Das Schönste sind die Reifen! Der Rest lässt sich mit „Short Run“ entschuldigen. Rumpf und Tragflächen sind noch akzeptabel, ein zweites Klarsichtteil oder ähnliches wäre wohl wünschenswert, um geöffnete Seitenscheiben verwirklichen zu können. Es liegen auch einige Resinteile für Bombenhalterung (wer soll die entgraten!) , Bord-MG und Cockpiteinrichtung bei. Ein Funkgerät bzw. Elektronik  für den Funker/Navigator sucht man vergebens. Die kleine Ätzplatine mit Sitzgurten und Instrumentenpaneel soll so manchen Modellbauer wohl wieder besänftigen. Es liegen weder Bomben noch ein Torpedo bei und bessere Baupläne habe ich auch schon gesehen. Ein Aufriss zum Verspannen der Tragflächen wäre nicht zuviel verlangt!

Fairey Albacore

Cockpit/Rumpf

Ich begann mit der Inneneinrichtung indem ich die Rumpfkonstruktion etwas aufmörtelte und die Spanten aus Plastikkarte schnitzte. Diverse Verstrebungen wurden so mit Profilen  angedeutet, schließlich ist das Klarsichtteil ziemlich groß und ich wollte zur geöffnet darstellbaren Heckscheibe auch noch die Seitenscheiben/Einstiege des Piloten, sowie die Türe für Heckschütze/Navigator aussägen, was einen wunderbaren Einblick ins Innere gewährt. Leider fand ich jedoch zuwenig aussagekräftige Fotos vom Innenraum, sonst hätte ich mich noch mehr ins Zeug gelegt.

Fairey Albacore

Fairey Albacore

Die Sessel für die Copiloten, die beim Einsatz Rücken an  Rücken sitzen, konnten zur Seite geklappt werden, weshalb ich sie mit Draht überarbeitete und zumindest einen in dieser Position montierte. Notdürftig bastelte ich noch ein Funkgerät, die Rückenpanzerung hinter der Kopfstütze des Piloten, aus Rundprofilen die zwei Tragekonstruktionen für die obere Tragfläche und ersetzte die ausgeschnittene Tür.

Fairey Albacore

Fairey Albacore

Der Rumpftank wurde verleimt und verschliffen und erhielt nach der Lackierung Verstärkungsbänder aus „gunmetal“  bemaltem Tamiya Tape. Obwohl restaurierte Albacores deutlich gelber erscheinen, habe ich das Interieur mit Revell „Seegrün“ lackiert, das ich auch schon bei meiner Sea Gladiator verwendet habe. Partiell aufgehellt und mit verdünnten Ölfarben gewaschen wurde abschließend alles noch trockengemalt. Einige Farbtupfer in Form von bunten Knöpfen, Hebeln und Schaltern auf dem Instrumentenbrett sowie Funkgerät, leinenfarbene Sitzgurte und das Hervorheben diverser anderer Gegenstände beschließen diesen Bauabschnitt und die Rumpfhälften können getrost verleimt werden.

Fairey Albacore

Trag- und Steuerflächen

Als nächstes widmete ich mich den Tragflächen, Höhen- und Seitenruder bei denen ich obligatorisch die Steuerflächen abtrennte.  Das fehlende Material wurde durch halbrunde Plastikprofile ersetzt – eventuelle Spalten mit Sekundenkleber und Backpulver aufgefüllt – anschließend verschliffen. Um sie passend wieder einzusetzen müssen die Futter dünner geschabt und mit Scharnieren ausgestattet werden. Vor dem endgültigen Einkleben wurden diese Partien schwarz ausgepinselt, da dort später keine Farbe mehr hinkommt.

Fairey Albacore

Die Hinterkanten sollten dünner (schärfer) geschmirgelt werden, was wiederum das Nachgravieren der Trimmklappen und Landeklappen nötig macht. Links und rechts der unteren Flügel sägte ich die Positionslichter aus und klebte dafür Klarsichtmaterial ein, in denen ich mit einer Bohrung für farbige Lämpchenattrappen sorgte. Nach dem Planschleifen werden diese Teile sofort maskiert und erst nach der Gesamtlackierung  auf Hochglanz gebracht.

Fairey Albacore

Für die Stabilität beim Ankleben der unteren Tragflächen sorgte ich mit zwei Messingstäben die ich durch Bohrungen unter dem Cockpitboden durchführte. Da die obere Tragfläche auf der Cockpithaube aufliegt ist das Einsetzen der Streben, die vorerst nur oben fixierte werden sollten kein Problem. Ich habe sie gleich oben und unten festgeklebt was die Sache beim Lackieren ziemlich unhandlich machte. So oder so muss in diesem Stadium die Kanzel aufgeklebt werden, die Sinnvollerweise vorher maskiert wurde. Wie ich bereits erwähnte, habe ich links und rechts die Einstiege des Piloten ausgesägt um den Blick ins Cockpitinnere zu gewährleisten.

Fairey Albacore

Fairey Albacore

Fahrwerk

Haupt- und Heckfahrwerk stellen kein Problem dar, wobei das Spornrad separat lackiert und erst zum Schluss eingeklebt wurde. Die Vorderreifen natürlich auch!Zwischendurch mussten noch die Bombenhalterungen scratch aus Plastikprofilen und Plastikkarte unter Zuhilfenahme des „punch and die“ – Sets gebaut werden, da ich es nicht schaffte die eigentlich schönen Bausatzteile aus Resin bruchfrei zu entgraten!

Fairey Albacore

Motor

Der Motor stellt noch mal eine große Herausforderung dar. Die einzelnen Zylinder und der Motorblock sind schön in Resin gegossen, aber von einer Auspuffanlage haben die von Special Hobby wohl noch nichts gehört! Wie zu dieser Zeit bei  Fairey üblich wurden die Abgase von den Zylindern nach vorne in einen Sammelring, der Teil der Cowling ist geleitet und von dort über einen Auspuff ins Freie geführt. Diese einzelnen Krümmer mussten in mühseliger Kleinarbeit aus Plastikrundstäben gebogen, angepasst und „verschweißt“ werden bis auch sie ihren Weg in den besagten Sammelring fanden.

Fairey Albacore

Fairey Albacore

Die Zylinderköpfe erhielten winzige Bohrungen in die von hinten die Kabel der Zündanlage (aus Perlonschnur) geklebt wurden. Der fertige Bolide findet nach Fertigstellung und Bemalung Platz in einer großen Bohrung auf der Vorderseite des Rumpfes und laut Bauanleitung wird die Motorverkleidung dort nur an einer kleinen Stelle festgeklebt.  Das ist weder sonderlich stabil, noch in irgend einer Form vorbildgerecht. Die Verkleidung erhielt deshalb innen so was wie Struktur und wird vorne und hinten mit Profilen am Motorblock bzw. den Zylindern festgeklebt. Die Bemalung an sich war einfach. Zylinder in Alu, Motorblock und Ölwanne in Grau – Washing mit Ölfarben - trockengemalt in silber bzw, in hellgrau. Die Krümmer der Abgasanlage und den Sammelring der Motorhaube färbte ich Bronze/Kupfer.

Fairey Albacore

Lackierung/Markierung

Als Grundierung wählte ich der Einfachheit halber die Farbe des Cockpits,  was bei den Kanzelstreben als Innenfarbe durchscheint. Ansonsten sieht man auch bei dieser Farbe wunderbar die kleinsten Ungenauigkeiten der Oberfläche, die daraufhin noch beseitigt werden konnten.

Fairey Albacore

Fairey Albacore

Fairey Albacore

Fairey Albacore

Nach feinstem Anschleifen, Abwaschen und Trocknen begann ich mit dem engl. Farbton „Sky“ der als Auftrag an den Flanken bis zum Seitenleitwerk und den Unterseiten diente. Obwohl ich mich für eine Albacore mit schwarzer Unterseite entschieden hatte wählte ich diese Vorgehensweise, da ich später das Schwarz an den Vorderkanten der Tragflächen und den Fahrwerksstreben wieder grob abschleifen wollte, wie ich es an einem Vorbild in der Publikation „Warpaint“ gesehen hatte. Schließlich wurde diese Tarnung „im Feld“ aufgetragen und entsprechend gering war wohl die Haftung. Auch wenn das Flugzeug von Land aus eingesetzt wurde so entsprach die Oberseitentarnung doch einer typischen Fleet Air Arm Maschine. „Extra Dark Sea Grey“ und „Dark Slate Grey“ der Firma X-tra Colour, die praktischerweise glänzend auftrocknen stellen die Basis der Tarnung dar und werden schon vor dem ersten Auftrag leicht aufgehellt. Mit nochmals aufgehellter Farbe betonte ich anschließend die Rippen der Bespannung und einzelne Paneele der Beplankung. 

Fairey Albacore

Fairey Albacore

Fairey Albacore

Von den vier Markierungsvorschlägen wählte ich die Albacore Mk.I, L7114 des Piloten Lt.Cdr. Tuke, der in der Staffel 826 diente. Diese Squadron war die erste Albacore - Einheit mit Fronterfahrung und war im Süden Englands stationiert um den Ärmelkanal zu patroulieren, Seemienen zu wassern und feindliche Häfen, vornehmlich in Holland zu bombardieren. Während eines solchen Einsatzes wurde das Flugzeug am 11. Sept.42´ abgeschossen.

Fairey Albacore

Fairey Albacore

Fairey Albacore

Obwohl ich von keiner möglichen Variante ein Originalfoto fand entschied ich mich für dieses Flugzeug, da auch in der Warpaint Series No.52 ein Farbprofil abgedruckt ist, das zwar etwas von dem Bemalungsvorschlag des Bausatzes abweicht, mir aber am attraktivsten erschien. Die Decals sind in Ordnung, könnten aber zumindest ein paar Wartungshinweise beinhalten, die ich deshalb von einem Hurrican-Stencils Bogen abzweigte. Das Auftragen der Schiebebilder auf die glänzende Oberfläche unterstützte ich mit Set und Sol was in den meisten Fällen ein optimales Ergebnis garantiert. Mit einem silberfarbenen Farbstift imitierte ich noch dezente Schrammen an den Tragflächenvorderkanten, Fahrwerksstreben, Aufstiegshilfe und überall dort, wo es möglich wäre, dass die Farbe abplatzte und das blanke Metall zum Vorschein kam.

Fairey Albacore

Fairey Albacore

Fairey Albacore

Als Abschluss sprühte ich noch matten Klarlack über alles, bevor ich letztendlich die geätzten und somit flachen Spanndrähte (nicht im Bausatz enthalten) in die vorgebohrten Löcher fummelte. Sinnvollerweise wurden diese nur auf einer Seite festgeklebt damit sie sich bei Temperaturschwankungen nicht verbiegen.Gut dass ich noch einen Swordfish Baussatz auf Lager hatte bei dem ich mir den Torpedo „ausleihen“ konnte. Mattschwarz lackiert und nach ausreichend Trockenzeit poliert bringt dieses Prozedere den optimalen Seidenglanz. Gerne hätte ich auch noch ein paar Bomben montiert, aber das wäre nicht gerade vorbildgerecht da die Albacore damit überladen gewesen wäre.   

Fairey Albacore

Fairey Albacore

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Fairey Albacore

Hubert Ortinger

Publiziert am 09. September 2009

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