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Bachem Ba 349A Natter

von Thomas Junge (1:48 Dragon)

Bachem Ba 349A Natter

Eine Rakete aus Sperrholz

Die Natter-Konstrukteure wollten ein möglichst einfach konstruiertes Fluggerät bauen, das auch von unerfahrenen Piloten bedient werden konnte. Durch die simple Ausführung - ein großer Teil der Natter bestand aus Sperrholz - entstand ein extrem preiswertes Fluggerät für den Einmal-Einsatz.

Eine Landung im herkömmlichen Sinn war nicht vorgesehen. Nach Start und Einsatz stürzte die Maschine zum Boden zurück. Der Bug trennte sich vom Heck und der Pilot sollte in etwa 800 bis 1000 Metern Höhe mit seinem Fallschirm aussteigen, während das Heck mit dem Raketentriebwerk an einem weiteren Fallschirm zu Boden glitt.

Bachem Ba 349A Natter

Ab Herbst 1944 waren die Entwicklungsarbeiten im Bachem-Werk auch auf Druck der auftraggebenden SS soweit abgeschlossen, dass erste Starversuche auf dem Truppenübungsplatz Heuberg unternommen werden konnten. Die erste Versuchsrakete brannte allerdings am 18. Dezember 1944 wegen einer defekten Arretierung auf der Startrampe aus, ohne sich einen Millimeter bewegt zu haben.

Bachem Ba 349A Natter

Keine Zeit für weitere Tests

Doch schon der zweite Start verlief zufriedenstellend. Obwohl die Booster einen unregelmäßigen Schub erzeugten, stieg die Mustermaschine 16, kurz M16, auf etwa 750 Meter Höhe. Vorher hatten sich die Startraketen wie vorgesehen gelöst, das Abtrennen der Bugsektion funktionierte einwandfrei und auch der Bergungsfallschirm öffnete sich wie geplant. Die Maschine konnte nahezu unbeschädigt geborgen werden.

Bachem Ba 349A Natter

Erst am 25. Februar 1945 konnte das eigentliche Raketentriebwerk der Firma Walter während eines Steilstarts erprobt werden. Als Testpilot kam eine lebensgroße Puppe zum Einsatz. Die M22 legte einen Bilderbuchstart hin, und auch bei diesem Versuch funktionierte alles einwandfrei. Puppe und Natter schwebten sanft und sicher zu Boden.

Die Freude über diesen Erfolg wurde durch den immensen Druck getrübt, den die SS auf Bachem und seine Mitarbeiter ausübte. Die Wunderwaffe sollte endlich zum Einsatz kommen - in Berlin bestand man auf einem bemannten Start. Alle Einwände, dass die Maschine noch nicht ausreichend erprobt sei, wurden beiseitegeschoben.

Bachem Ba 349A Natter

Ein Ausnahmeflieger als Versuchskaninchen

Seit Dezember 1944 gehörte der 1922 in Dresden geborene, erfolgreiche Kampfflieger und Testpilot Lothar Sieber zum Beobachterteam. Sieber war ein Ausnahmepilot: Er war in der Lage, jeden damals üblichen Flugzeugtyp, egal ob es sich um erbeutete Feindmaschinen oder eigene Geräte handelte, zu fliegen.

Am Abend des 28. Februar 1945 eröffnete Sieber dem Ingenieur Erich Bachem trotz aller offenkundiger Risiken, dass er am kommenden Tag einen ersten bemannten Testflug mit der Natter unternehmen wollte: "Ich habe im Laufe des Krieges schon riskantere Sachen gemacht und ich glaube fest an einen Erfolg."

Am 1. März kletterte Lothar Sieber an der Startrampe hoch und zwängte sich in die enge Pilotenkabine. Die Haube wurde geschlossen und die letzten Monteure verließen den Startplatz. Eine Leuchtpistole gab das Startsignal.

Bachem Ba 349A Natter

Heulend durch die Wolkendecke

Das Walter-Triebwerk röhrte. Die Startbooster wurden gezündet. Eine gewaltige Rauchwolke umhüllte die Rakete, während aufgewühlter Dreck und Steine herumflogen. Dann schoss die Natter senkrecht nach oben. Nach einigen hundert Metern lösten sich die Startraketen vom Rumpf und fielen zu Boden - allerdings nicht, wie geplant, alle vier. Einer der Booster blieb an der Maschine. Die Crew am Boden war beunruhigt.

Die Natter neigte sich und kippte in eine leichte Rückenlage. In diesem Moment löste sich ein weiterer Gegenstand und stürzte herab. Erst später stellte sich heraus: Es war die Kabinenhaube der Natter. Doch die Rakete stieg normal weiter, verschwand in einer Wolke, tauchte für einen Moment wieder auf, um wenig später ganz in der Wolkendecke zu verschwinden. Jetzt war nur noch das Röhren der Triebwerke zu hören.

Nach kurzer Zeit sahen die Beobachter des ersten bemannten Raketenstarts der Luftfahrtgeschichte jedoch, wie in einigen Kilometern Entfernung die Natter aus der Wolkendecke herabstürzte. Mit laufendem Triebwerk raste sie senkrecht nach unten und zerschellte mit einem ungeheuren Aufschlag, der kilometerweit zu hören war.

Quelle Historie-Teil: Spiegel Online

Bachem Ba 349A Natter

Da der tragische Erstflug am 1. März seinen 66. Jahrestag hat, möchte ich euch die Bilder zweier Modelle dieses interessanten Flugzeugs im Maßstab 1:48 zeigen.

Dragon hat verschiedene Varianten als Bausätze in den 1990er Jahren herausgebracht. Eine Wiederauflage gab es von Revell im Jahr 2000.

Die Fotos zeigen das Dragon Revell Modell mit Startturm (gelbe 22) und das Dragon Modell Ba 349 with engine (rote 23). Eigentlich baue ich ja nur im Maßstab 1:72, aber den klasse Dragon Bausatz gibt es leider nur in 1:48. Auf dem letzten Foto der "Natter- Familie" habe ich als Kind das 1:72 Heller Modell dazu gestellt. Ich werde versuchen, den Startturm im Maßstab 1:72 nachzubauen. Über das Ergebnis dieses Projekts, dessen Beginn noch in den Sternen steht, werde ich euch dann mit einem weiteren Beitrag informieren.

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Bachem Ba 349A Natter

 

Thomas Junge

Publiziert am 01. März 2011

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