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Blohm & Voss BV 40

von Thomas Hannecke (1:48 Czech Model)

Blohm & Voss BV 40

Das Original

Sommer 1943. Der rührige und für seine unkonventionellen Flugzeugentwürfe bekannte Ingenieur Dr. Richard Vogt der Firma Blohm & Voss unterbreitet dem Reichsluftfahrtministerium unter der Projektnummer P. 186 den Entwurf für ein neues Jagdflugzeug. Die Maschine ist in mehr als einer Hinsicht ungewöhnlich. Ihr Pilot steuert sie auf dem Bauch liegend, sie soll feindliche Bomber durch Rammen zerstören und - sie hat keinen Motor. Sie ist ein Segelflugzeug. Von einer einmotorigen Jagdmaschine vor den Bomberpulk geschleppt, soll sie sich nach dem Ausklinken aus der Überhöhung auf die Feindmaschinen stürzen und anschließend (da sie das Fahrwerk nach dem Start abwirft) auf einer gefederten Zentralkufe landen.

Blohm & Voss BV 40

Als im August 1943 ein offizieller Entwicklungsauftrag eingeht ist die Idee eines Rammangriffs längst vom Tisch. Die Bewaffnung soll jetzt aus zwei MK 108 Maschinenkanonen bestehen, die in Behältern unter den Flügelwurzeln eingebaut sind. Jede Waffe hat aber nur 35 Schuss. Das ist nicht viel - nach einem Feuerstoß von nur drei Sekunden ist alle Munition verschossen. Um Aussicht auf Erfolg zu haben muss der Pilot seine Waffen daher aus sehr kurzer Distanz auf die „Fliegenden Festungen" abfeuern. Dennoch werden seine Überlebenschancen als gut eingeschätzt. Mit ihren geringen Abmessungen bildet die BV 40 (wie sie nun offiziell heißt) ein schwieriges Ziel für die amerikanischen Bordschützen, und die Pilotenkabine ist zudem gut gepanzert.

Blohm & Voss BV 40

Im 6. Mai 1944 startet der Prototyp BV 40 V1 (Kennzeichen PN+UA) im Schlepp einer Me 110 erfolgreich zu seinem Erstflug, wird aber bei der Landung leicht beschädigt. Nach der Reparatur geht er am 2. Juni bereits beim zweiten Testflug während der Landung zu Bruch.

Blohm & Voss BV 40

Insgesamt werden weitere fünf Maschinen dieses Typs fertig gestellt. Das Flugprogramm wird halbherzig fortgesetzt, aber die Randbedingungen haben sich geändert. Angesichts der amerikanischen Begleitjäger gibt man dem schwerfälligen Gespann aus Me 109 Schleppflugzeug und BV 40 Kampfsegler keine Chance mehr, ungeschoren auch nur in die Nähe eines feindlichen Bomberverbands zu gelangen. Nach insgesamt nur 19 Testflügen wird das Programm im Juli 1944 offiziell abgebrochen. Die bereits fertig gestellten Musterflugzeuge und weitere acht im Bau befindliche Maschinen werden im Oktober 1944 bei einem Bombenangriff zerstört.

Blohm & Voss BV 40

Das Modell

Der Bausatz der Firma Czech Model (Maßstab 1:48) ist recht übersichtlich. Ein Spritzbaum, jede Menge Resin-Teile, die Cockpithaube als Tiefziehteil in doppelter Ausführung. So weit -so gut, scheinbar ein sorgloser Bastelspaß für Zwischendurch. Leider steckt der Teufel im Detail. Die Passgenauigkeit war zwar recht annehmbar (abgesehen von den beiden Unterflügelgondeln für die Maschinenkanonen, die an manchen Stellen millimeterbreite Spalte aufweisen), aber die recht massiven Angüsse machen einige der z.T. recht filigranen Spitzgussteile schlichtweg unbrauchbar. Von acht Ruderhörnern für das recht komplexe Querruder / Landeklappensystem ließen sich nur zwei verwenden, die restlichen mussten nachgefertigt werden. Auch der Hecksporn ließ sich nur mit Mühe in Form „schnitzen". Die Tiefziehteile erwiesen sich aufgrund falscher Abmessungen als völlig unbrauchbar. Korrekt ausgeschnitten wäre ein (nicht mehr kaschierbarer) Spalt zwischen dem Kabinendach und der Flügelvorderkante entstanden, auf Passung geschnitten wäre ein Teil des Fensterrahmens verschwunden. Also musste auch dieses Teil aus transparenten 0.5 mm Acrylplatten nachgefertigt werden - dank der kantigen Form nicht allzu schwierig.

Blohm & Voss BV 40

Dem Bausatz liegen Decals für die BV 40 V1 und für eine Einsatzmaschine einer fiktiven A-Serie mit den Reichsverteidigungsbändern des JG 4 bei. Ich habe mich für letztere Variante entschieden, da die beiliegende Instrumentierung nicht mit den Bildern des Prototyps übereinstimmt.

Blohm & Voss BV 40

Fazit

Ist der Bausatz empfehlenswert? Ein vorsichtiges ja. Der reguläre Preis von über 30 € ist hoch, die Qualität der Spritzgussteile unter Standard. Dafür enthält er jede Menge Resin-Teile, deren Qualität in Ordnung ist, und durch seine geradezu winzigen Abmessungen ist er ein Blickfang in der Vitrine, vor allem, wenn er direkt neben einer der potentiellen Schleppmaschinen (Me 109, FW 190) steht.

In diesem Sinn, viel Spaß beim Bilder anschauen.

Blohm & Voss BV 40

Quellen:

  • Luftfahrt international Heft 6 (E.S. Mittler & Sohn GmbH, Herford)
  • Blohm & Voss - Chronik eines Flugzeugwerks 1932.1945 (Motorbuchverlag Stuttgart)

Thomas Hannecke

Publiziert am 14. Juni 2012

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