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Panzerfähre Prototyp I und II

von Erich Rauthe (1:35 Verschiedene Hersteller)

Panzerfähre Prototyp I und II

Mit Beginn des Krieges 1939 mussten die Truppen vermehrt Flüsse überqueren, deren Ausmaß und die unbefestigten Ufer eine Brückenkopfbildung, oft noch unter feindlichem Feuer, sehr schwierig machten. Um schon in der ersten Phase des Angriffes schwere Waffen und Panzer anzulanden, wurde von der Wehrmacht eine gepanzerte Fähre angedacht, die in der Lage sein sollte, einen Panzer IV überzusetzen. Im Frühjahr 1941 wurde die Firmengruppe Magirus/Klöckner-Humboldt-Deutz mit der Entwicklung dieser Fähre beauftragt. Im Frühsommer 1942 wurde der erste Prototyp zu Versuchszwecken ausgeliefert. Die Konstruktion bestand aus zwei schwimmfähigen Fahrzeugen auf der Basis von verlängerten Panzer IV Laufwerken, zwischen denen ein Ponton (Fähre) zur Aufnahme einer 20 ton. Last befestigt wurde. Die ersten Fahr- und Schwimmversuche zeigten einige Mängel, deren Behebung aber das äußere Erscheinungsbild nicht mehr beeinträchtigte.

Panzerfähre Prototyp I und II

Auffällig war der Einsatz von vier Lüftern beim Prototyp I, der Typ II hatte davon nur noch zwei. Der Führerstand wurde beim Typ II vergrößert und mit einem Schacht ausgerüstet. Die Fähre selbst wurde durch starke Ketten, ähnlich Fahrradketten, die am Bug und Heck über Winden aus- und einziehbar waren, gehalten. Über dieses System hoffte man, bei unebenen Uferböschungen die Fähre samt Last in der Waagerechten halten zu können. Diese Konstruktion war aber nicht stabil genug, außerdem wurde die Panzerfähre mit der Tragelast von max. 20 ton von den immer schwerer werdenden Panzern wie Panther und Tiger überholt und Ende 1943 aufgegeben. (Text von Andreas Coenen). 

Technische Daten:

  • Gewicht Schlepper: 17 ton, Gewicht Fähre: 5 ton, Ges.Gew.: 39 ton
  • Maße Schlepper: 8,25 x 2,8o x 1,50 m,   Maße Fähre: 9,80 x 3,85 x 0,87 m
  • Antrieb je Schlepper: 12-Zyl. Maybach HL120 Benzinmotor, 11900 ccm, 320 PS.
  • Vollkettenantrieb an Land wie Panzer IV, im Wasser über Schiffsschraube. 

Panzerfähre Prototyp I und II

Modell 6669 von Dragon aus 2010 (Gepanzerter LW-Schlepper Prototyp II mit Fährendeck) und Modell 82461 von HobbyBoss aus 2010 (Gepanzerter LW-Schlepper Prototyp II).

Ein komplette Panzerfähre besteht nun mal aus zwei Schleppern und dem Fährdeck, so dass man eben einen Schlepper dazukaufen muss, Dragon bietet zum o.g. Bausatz noch einen Prototyp I an als Modell 6625. Bei beiden Herstellern findet man je vier Lüfter zum Bau des Prototypen I, aber keinen Führerstand für Typ I. Da ich je einen Schlepper Typ I und einen Typ II haben wollte, modifizierte ich den HobbyBoss-Bausatz zu einem Typ I um. Dazu musste nur der Führerstand verkleinert werden und auf Deck kamen alle vier Lüfter. Äußerlich unterscheiden sich die Modelle nur in Details, die Außenmaße sind auf 3 mm gleich. Das Fahrwerk von Dragon ist etwas aufwendiger, die Räder beider Bausätze werden geklebt. Die Oberdecks sind bei beiden Bausätzen relativ anspruchslos, die Relings bei beiden sehr filigran. Funkantenne, Rückspiegel, Scheinwerfer und Positionsleuchten sollte man, wie immer, ganz zum Schluss montieren. Warum beide Modelle ohne Ruder ausgestattet sind, hat wohl damit zu tun, dass es auch bei Magirus (Iveco) darüber keine Unterlagen mehr gibt. Erstaunlich nur, dass Dragon und HobbyBoss da nichts eingefallen ist. Beim Dragon-Bausatz sind die Aufnahmebolzen für die Leiträder in der Bauanleitung um 180° verkehrt gezeichnet und die Aufnahmebohrung der Treibräder um 1mm zu groß.

Panzerfähre Prototyp I und II

Waren die Verbindungsketten zur Fähre beim Original schon ein ungelöstes Problem, so setzt sich das im Modell fort. Fertig montieren sollte man die Ketten vielleicht nur dann, wenn das ganze Ensemble als Diorama gebaut wird. Die Fähre (Ponton) ist sehr einfach zu montieren, bei der Fertigstellung ist aber auf „oben und unten“ zu achten.

Farblich durchlief die Panzerfähre drei Phasen: Der Erstanstrich wurde, wie üblich, in „Panzergrau“ durchgeführt. Danach kam auf Wunsch der Marine, das „Seegrau“ zum Einsatz. Kurz vor Ende der Testfahrten 1943 wurde die Panzerfähre dann noch in „Sandgelb“ dekoriert. Das Gesamtbild kann man durch Schlauchboote, Besatzung, Rettungsringe u.a. noch aufbessern. Für die Farbgestaltung waren Humbrol-Acryl-Spray und Revell-Aquacolor verantwortlich, für eine dezente Alterung sorgte Graphitstaub. Abschließend wurden die Modelle mit Flat-Clear von Tamiya konserviert. 

Panzerfähre Prototyp I und II

Erich Rauthe

Publiziert am 06. August 2013

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