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Bristol Typ 171 Sycamore

von David Funke (1:72 CMR)

Bristol Typ 171 Sycamore

Die Inspiration:

Was soll das sein, ein umgebauter Rasenmäher? Dagegen wirkt eine Alouette 2 ja schon fast robust. So, oder so ähnlich war meine erste Reaktion auf die Sycamore im Hubschraubermuseum Bückeburg. Ein schnelles Foto von dem merkwürdig anmutenden Flugvehikel gemacht und damit war es abgehakt – von wegen! Zuhause angekommen wollte ich mehr erfahren und forschte ein bisschen in diese Richtung. Schon tauchte bei mir das auf, was ich gern den „Gannett-Effekt“ nenne. So hässlich die Fairey Gannet auch sein mag, trotzdem hat man sie als Modell ins Herz geschlossen. So auch bei der Bristol 171. 

Daher musste oben genanntes Museum zu Fotozwecken nochmals angesteuert werden. Für ein Modell gab es nun zwei Möglichkeiten, zum Ersten den Kit von Glencoe, welcher nur unter dem Maßstab 1:72 verkauft wird, aber in Wirklichkeit größer ist, oder zum Zweiten der Resin-Bausatz von CMR. Frei nach dem Motto "einmal ist immer das erste Mal" entschied ich mich für das Rundumsorglospaket aus Tschechien.

Bristol Typ 171 Sycamore

Der Bausatz:

Der Preis von etwa 43€ klingt zwar erst einmal heftig für so ein kleines Modell, aber dafür gibt es einiges an Inhalt:

  • Top detaillierte Resinteile in Grau, Schwarz und klar
  • Zwei Vacuhauben inkl. hinterer Türen
  • Ein Maskierungssatz
  • Bedruckte und unbedruckte Ätzteile
  • Tolle Decals
  • Gute Anleitung + Vorbildfotos

Bristol Typ 171 Sycamore

Die recht eindeutige Anleitung beginnt mit den vorderen Sitzen. Diese müssen nur vom Anguss getrennt und entgratet werden, die meiste Arbeit umfasst die Montage der bedruckten, geätzten Gurte. Aufgepasst, bei der Bundeswehr war der backbordseitige Sitz ein kleinerer Drehsessel, damit man von dort nach hinten zur Rettungswinde gelangen kann. Hier gibt die Anleitung aber gute Auskunft.

Eine doch recht kniffelige Aufgabe ist der Zusammenbau der hinteren Sitze aus Ätzteilen. Um im engen Laderaum Platz für eine Trage zu schaffen, sind die drei Sitze ähnlich wie ein klassischer Klappstuhl mit Stoffsitzfläche gestaltet. Diese lassen sich bei Bedarf einfach an die Rückwand klappen. Das Anbringen der Pedalerie ist zwar nochmal eine Kampfansage an die Sehkraft, wirkt nach Beenden aber schön filigran.

Nachdem diese Arbeiten erfolgt und die Bauteile lackiert sowie gealtert sind, wird das Interieur zusammengefügt. Die Steuerknüppel sind m.E. nach aus Resin zu anfällig, einer war nämlich schon in der Schachtel zerbrochen. Ich fertigte beide aus 0,5mm dickem Draht neu, verwendete jedoch die Handgriffe von den vorhandenen Teilen.

Bristol Typ 171 Sycamore

Nach dem Zusammenfügen der Rumpfhälften und Einpassen des Cockpits wurde die Vacuhaube ausgesägt. Spätestens jetzt sollte man sich im Klaren darüber sein, welche Türen geöffnet bleiben. Die Sycamores hatten aufgrund ihrer geringen Breite hinten ausgebeulte Türen, um Personen auf einer Trage quer zur Flugrichtung auch mit geschlossenen Türen transportieren zu können. Bei Winschmanövern wurde die rechte Tür am Boden gelassen, da diese nach hinten öffnet und somit die Winde verdecken würde. Um einen guten Blick auf die filigrane Bestuhlung zu gewähren wurde bei mir die Winschtür in der Schachtel gelassen. Auf der linken Seite wollte ich die vordere Tür geöffnet lassen. Nun sollte zuerst die Pilotentür auf der rechten Seite eingepasst werden bevor die Canopy aufgesetzt wird. Ich habe es umgekehrt gemacht und schon passte die Tür nicht mehr.

Bristol Typ 171 Sycamore

Die Tür war nun eingepasst und die maskierte Vacuhaube mit den mit Tamiya-Clear-Orange getönten Dachfenstern passte um einiges besser an ihren Platz. Nachdem alle Klebenähte (vor allem an der Unterseite) verschliffen waren, wurde der vordere Bereich in Schwarz lackiert (die Sycamore war/ ist von innen fast komplett schwarz). Nun wurden, nach einer dünnen grauen Grundierung, die später orangenen Flächen gelb lackiert. Nach kurzer Trocknung wurde schließlich stark verdünntes Flourescent Red von Model Master wolkig aufgetragen. Je mehr aufgetragen wird, desto neuer erscheint die Lackierung.

Da die Flächen in Leuchtorange schnell ausbleichen, kann man hier schöne Effekte erzielen. In der Regel bleicht die Mitte einer solchen Fläche schneller aus als die Ränder. Nach guter Trocknung wurden die orangenen Flächen maskiert und der Rest des Modells, ebenso wie die Winde und das Fahrwerk, in Gelboliv lackiert. Zuvor wurden aber noch einige später olivgrüne Ätzteile wie z.B. die Einstiegshilfen angebracht. Nach einer nächtlichen Trockenphase wurden dann die fertig bemalten Fahrwerke und der Hecksporn an den Rumpf gefügt. Das Modell muss nun wie ein rohes Ei, nein, wie zwei rohe Eier behandelt werden, da die Teile des Fahrwerks sehr filigran sind. Schließlich bekam das Modell seine Decals auf einer Schicht Glanzlack unter einer Schicht Mattlack.

Bristol Typ 171 Sycamore

Nun kam der Akt wo, wie man so schön sagt, die Musik aussetzt – der Hauptrotor. Die drei Blätter fügte ich an die Nabe, lackierte die Unterseite schwarz und ergänzte die Dämpfer zwischen den Blättern sowie die geätzten Steuerstangen. Danach bekam die Nabe und die Blattoberseiten eine Schicht Hellgrau und die Blattenden eine gelbe Warnmarkierung. Doch nun zum Knackpunkt, CMR lässt den Modellbauer mit der Befestigung des Rotors im Dunkeln. Den zuvor von unten begradigten Rotorkopf bohrte ich mit einem 1,3mm Bohrer an und klebte ein Stück 1,2mm Schweißdraht ein. Im Rumpf erstellte ich ebenfalls ein Loch mit gleichem Durchmesser, worin der Rotor stramm aber drehbar gelagert ist. Nach Entfernen der Maskierung auf den Fenstern folgten letzte kleine Ätzteile und der nicht drehbare Heckrotor. Zum Abschluss wurden einige Akzente mit Pastellkreiden gesetzt.

Bristol Typ 171 Sycamore

Fazit:

Bei einem solchen Exoten kann man sich mal an ein Resin-Kit herantrauen, jedes Modell möchte ich aber nicht aus Resin haben.

Bristol Typ 171 Sycamore

David Funke

Publiziert am 08. Oktober 2013

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