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Grumman F9F-2 Panther

Der gestrandete Panther

von Bernd Korte (1:72 Hasegawa)

Gut zu sehen: Die durch die UHU Tac Methode vorbildlich unregelmäßige Farbkante von Weiß zu Grau.
Gut zu sehen: Die durch die UHU Tac Methode vorbildlich unregelmäßige Farbkante von Weiß zu Grau.

Zum Vorbild

Die F9F Panther war Grummans Einstieg in das Jet-Zeitalter. Ab 1948 wurde die erste von einem Pratt & Whitney J42-P-6 angetriebene Serienversion F9F-2 567 mal gebaut. Die F9F-3 benutzte die gleiche Zelle, flog allerdings mit einem Allison Triebwerk. Sie war langsamer und verließ in nur 54 Exemplaren die Werkshallen. Ab 1950 wurde die Version F9F-4 eingeführt, die über eine etwas gestreckte Zelle sowie ein leicht vergrößertes Seitenleitwerk verfügte und ihren Schub von einem Allison J33-A-16 Triebwerk bezog. Wiederum mit der F9F-4 Zelle wurde etwa zeitgleich ebenfalls die F9F-5 mit Pratt & Whitney J48-P-6 aufgelegt. Insgesamt wurden 725 F9F-4/5 gebaut. Dass immer zwei verschiedene Triebwerkstypen parallel in der gleichen Zelle zum Einsatz kamen, hatte schlicht und ergreifend den Hintergrund, dass sich die US Navy in der Frühphase dieser neuen Technologie gerne mehrere Optionen offen halten wollte. Die Panther wurde intensiv im Koreakrieg als Jagdbomber eingesetzt.

24 gebrauchte US Navy Panther fanden 1958 den Weg nach Argentinien, der einzige Auslandskunde des Musters. Eingesetzt wurden sie jedoch nur von Land aus, da die Katapulte des argentinischen Flugzeugträgers ARA Indepencia nicht stark genug für den Grumman-Jet waren.

Das grau-weiße Farbschema entspricht dem Standard US Navy Anstrich. Nur die Hoheitszeichen und andere Beschriftungen wurden in Argentinien abgeändert.
Das grau-weiße Farbschema entspricht dem Standard US Navy Anstrich. Nur die Hoheitszeichen und andere Beschriftungen wurden in Argentinien abgeändert.

Wer zu spät baut...

Spätestens dann, wenn in der Zeit zwischen Baubeginn und Fertigstellung eines Modells ein neuer modernerer Bausatz zum gleichen Vorbild erscheint, merkt man, dass man nicht zu den produktivsten Modellbauern dieses Planeten gehört. So auch in diesem Fall. Während ich noch mit dem alten aber guten Hasegawa-Kit und extra zugekauften Decals an der Fertigstellung des argentinischen Marinefliegers werkelte, brachte HobbyBoss ein brandneues Modell der F9F-2 auf den Markt - und das gleich inklusive argentinischer Decals. Nach einer ersten Recherche zeigte sich, dass die neue HobbyBoss Offerte im Allgemeinen etwas feiner detailliert ist, aber dennoch die älteren Hasegawa-Formen nicht prinzipiell deklassiert. So sind ein paar der im Folgenden beschriebenen Verbesserungen nicht nur am Hasegawa-Modell sinnvoll, sondern auch für den HobbyBoss Panther relevant - und ich konnte mit nicht komplett entschwundener Motivation das einmal Begonnene auch beenden.

Die ausgezogene Einstiegshilfe am Unterrumpf kommt aus dem Eduard Set.
Die ausgezogene Einstiegshilfe am Unterrumpf kommt aus dem Eduard Set.

Ob Hasegawa oder HobbyBoss - es gibt immer was zu tun

Nach der ersten Begutachtung des Hasegawa-Bausatzes fanden sich folgende korrekturwürdige Punkte auf meiner To-Do-Liste:

Die vier Kanonen in der Nase sind zu lang. Weiterhin liegt die Längsachse der Nase beim Original nicht wie im Modell dargestellt auf einer Höhe mit der des Rumpfes, sondern etwas darunter. Hier hat HobbyBoss einen besseren Job gemacht. Für mein Hasegawa-Modell benutzte ich kurzerhand eine korrekte Resinnase von Resin Art. Bevor diese an den Rumpf geklebt wird, sollte man etwas zusätzliches Gewicht im Bug platzieren, damit der Panther später mit allen Beinen auf dem Boden bleibt.

Die Resin Art Nase löst das grob detaillierte und nicht ganz korrekte Bausatzteil ab.
Die Resin Art Nase löst das grob detaillierte und nicht ganz korrekte Bausatzteil ab.

Viele späte F9F-2 hatten rechts und links hinter der Nase je einen Entlüftungsschlitz, durch welche Abgase, die beim Feuern der Kanonen entstanden, nach draußen abgeleitet wurden. Dies war nötig, da sich die Gase sonst in der Nase sammelten und eine kleine Explosion verursachten, durch die sich die Arretierung der Nasensektion lösen konnte, so dass sie spätestens bei der Landung nach vorne weg rutschte. Ich formte die Entlüftungen beidseitig mit Spachtelmasse aus. HobbyBoss hat sie bereits mit angegossen, wenn auch etwas zu prominent. Bei frühen Panthern müssen sie hier gegebenenfalls auch wieder komplett entfernt werden.

Die für mein Modell erforderlichen Entlüftungsschlitze werden aus Spachtelmasse modelliert.
Die für mein Modell erforderlichen Entlüftungsschlitze werden aus Spachtelmasse modelliert.

Manche F9F-2 bekamen später in ihrer Einsatzzeit kleine Grenzschichtzäune neben den Lufteinläufen spendiert. Diese muss man sowohl bei Hasegawa wie auch HobbyBoss selbst aus Plastik-Sheet anfertigen, falls sie für das gewählte Vorbild nötig sind. Achtung: Die Grenzschichtzäune der F9F-2 hatten eine etwas rundere Form als die der F9F-5!

Hier sind die selbst erstellten Grenzschichtzäune gut zu sehen. Die Hauptfahrwerksräder stammen wie auch die Nase von Resin Art.
Hier sind die selbst erstellten Grenzschichtzäune gut zu sehen. Die Hauptfahrwerksräder stammen wie auch die Nase von Resin Art.

Die Flügelspitzentanks waren an ihren Endspitzen nicht massiv, sondern „durchbrochen" - der Kraftstoffschnellablass. Bei Hasegawa muss nachgebessert werden, HobbyBoss hat dieses Detail beachtet.

An den Flügelspitzentanks wurden hinten die Öffnungen für den Kraftstoffnotablass ergänzt.
An den Flügelspitzentanks wurden hinten die Öffnungen für den Kraftstoffnotablass ergänzt.

Die Anblasluken beidseitig auf dem Rumpfrücken waren bei der F9F-2 komplett rechteckig und nicht an einer Ecke abgeschrägt, wie bei der F9F-5. Hier muss sowohl bei Hasegawa als auch HobbyBoss verspachtelt und neu graviert werden, da beide Hersteller fälschlicherweise die abgeschrägte Variante dargestellt haben.

Die für die F9F-2 falsch dargestellten Anblasklappen werden korrigiert. Zuerst wird die falsche abgeschrägte Gravur mit Sekundenkleber verspachtelt und danach korrekte rechtwinklige Gravuren neu gezogen.
Die für die F9F-2 falsch dargestellten Anblasklappen werden korrigiert. Zuerst wird die falsche abgeschrägte Gravur mit Sekundenkleber verspachtelt und danach korrekte rechtwinklige Gravuren neu gezogen.

Die Cockpit-Seitenkonsolen weisen bei der F9F-2 vorne jeweils eine charakteristische Stufe auf, die bei Hasegawa fehlt. Das Eduard Ätzteilset 72279 korrigiert diesen Fehler, wie es auch sonst für mehr Details am Arbeitsplatz des Piloten sorgt. HobbyBoss hat besser aufgepasst.

Das Cockpit entsteht zum Großteil aus Ätzteilen neu. Dabei wird auch die für die F9F-2 charakteristische Stufe in den seitlichen Konsolen berücksichtigt.
Das Cockpit entsteht zum Großteil aus Ätzteilen neu. Dabei wird auch die für die F9F-2 charakteristische Stufe in den seitlichen Konsolen berücksichtigt.

Stress-Test

Hat man all diese Änderungen abgearbeitet, ist man einer korrekten F9F-2 schon ein gutes Stück näher. In meinem Fall floss noch etwas Arbeit in die Darstellung des Hauptfahrwerkschachtes, da dieser mit dem erwähnten Eduard-Set komplett neu aufgebaut werden kann. Dazu gehören auch die geöffnet dargestellten großen innenliegenden Fahrwerksklappen. Ein Muss ist dies jedoch nicht, da letztere beim Vorbild am Boden meist geschlossen blieben. Das gleiche gilt auch für die Luftbremsen am Unterrumpf.

Die großen Hauptfahrwerksklappen hat Hasegawa geschlossen dargestellt. Um das Eduard-Set verwenden zu können, müssen sie ausgeschnitten werden. Das geht leichter, wenn man erst einmal eine Vielzahl an Löchern bohrt.Der Schacht wird komplett neu aufgebaut. Die Trennwand in der Mitte muss selbst hergestellt werden.Grumman F9F-2 PantherDa sie später schlecht zu erreichen sind, werden Haupt- und Bugfahrwerkschacht schon einmal separat gealtert.Der fertige Hauptfahrwerkschacht.Brems- und Hauptfahrwerksklappen waren beim Vorbild am Boden zwar meist geschlossen, sehen im Modell geöffnet aber interessanter aus.

Die großen Hauptfahrwerksklappen hat Hasegawa geschlossen dargestellt. Um das Eduard-Set verwenden zu können, müssen sie ausgeschnitten werden. Das geht leichter, wenn man erst einmal eine Vielzahl an Löchern bohrt.

Die großen Hauptfahrwerksklappen hat Hasegawa geschlossen dargestellt. Um das Eduard-Set verwenden zu können, müssen sie ausgeschnitten werden. Das geht leichter, wenn man erst einmal eine Vielzahl an Löchern bohrt. 

Damit wären wir im Grunde mit dem Rohbau fertig und bereit zur Lackierung. Wenn nicht im letzten Moment aufgefallen wäre, dass meine Steuerbordtragfläche leicht verzogen war! Also flugs unter den Föhn zum Richten - mit fatalem Ergebnis: Ein Moment der Unachtsamkeit und der Flügel ist durch zu starken Druck nun völlig verformt, irreparabel. Die Lackierung rückt in weite Ferne. Ein Austauschteil muss her.

Ohne Rücksicht auf Emotionen wird ein zweiter Bausatz geopfert und als Flügelspender missbraucht. Die Verpflanzung gelingt zum Glück ohne große Komplikationen und der Rohbau kann zum zweiten Mal abgeschlossen werden.

Das ging schief: Beim Versuch, die etwas verzogene Tragfläche mit heißer Föhnluft zu richten, wird sie vollends deformiert.Da hilft nur die rigorose Amputation.Ein neuer Flügel wird einem zweiten Bausatz entnommen.Bei solch rabiaten Eingriffen lassen sich Spachtelarbeiten nicht vermeiden. Mit Maskierfolie wird der Bereich um den Spalt vor Spachtelmasse geschützt.Der Rohbau steht. Nach der Lackierung wird man nichts mehr davon sehen, dass nicht alles „aus einem Guss“ ist.Quadratisch, praktisch gut: Gepfeilte Tragflächen und Wespentaille waren der Panther noch unbekannt.

Das ging schief: Beim Versuch, die etwas verzogene Tragfläche mit heißer Föhnluft zu richten, wird sie vollends deformiert.

Das ging schief: Beim Versuch, die etwas verzogene Tragfläche mit heißer Föhnluft zu richten, wird sie vollends deformiert. 

Jetzt gibt's Lack!

Lackiert wird ausschließlich mit Acrylfarben. Matt Weiß 5 von Revell Aqua Color für die Unterseite und FS 36440 Light Gull Gray von JPS Color für die Oberseite. Die Demarkationslinie wird mit UHU Tac „Knetröllchen" abgeklebt, da auch beim Vorbild keine 100% trennscharfe Farbkante zu finden war. In einem zweiten Schritt werden die Paneele auf der Oberseite mit der etwas aufgehellten grauen Grundfarbe jeweils mittig betont, um die einheitliche Farbgebung aufzubrechen und lebendiger zu gestalten.

Grumman F9F-2 Panther

Auf Vorbildfotos lässt sich darüber hinaus erkennen, dass der obere Nasenteil beigefarben war, was ich dementsprechend ebenfalls umgesetzt habe. Eine solche Farbgebung an dieser Stelle lässt oft auf die Verwendung von radardurchlässigem Material schließen. Obwohl die F9F-2 nicht von Haus aus mit einer Radaranlage ausgerüstet war, hatten die argentinischen Panther ein AN/APG-30 Zielerfassungsradar. Ob dies noch von den Amerikanern oder erst in Argentinien eingebaut wurde, ließ sich jedoch nicht herausfinden.

Einzelne Paneele wurden mittig aufgehellt, um die einfarbige Oberfläche interessanter zu gestalten.
Einzelne Paneele wurden mittig aufgehellt, um die einfarbige Oberfläche interessanter zu gestalten.

Kombiniere, kombiniere...

Die Decals von Aerocalcas erlauben den Bau verschiedener argentinischer Panther. Ich entschied mich für die schwarze 110, da es von dieser Maschine zwei schöne Farbfotos im Fuerza Navales Heft Nr. 16 gibt. Die Abziehbilder werden auf eine Zwischenschicht Future aufgetragen und reagieren gut auf Mr Mark Softer Weichmacher. Man muss nur bei einem Zahlendreher aufpassen: Die kleine Nummernfolge unter dem Höhenleitwerk muss 0451 - F9F-2 heißen und nicht 0416. Etwas neu arrangiert und mit einer 5 aus der 6 lässt sich dieser kleine Fehler schnell beheben.

Mit etwas Weichmacher legen sich die Aerocalcas Decals auch über komplizierte Konturen wie z.B. den Lufteinlauf.
Mit etwas Weichmacher legen sich die Aerocalcas Decals auch über komplizierte Konturen wie z.B. den Lufteinlauf.

Nach einer weiteren Schicht Future gibt es zum Abschluss noch das obligatorische graue Öl-Washing und ein paar Verschmutzungen aus dem Tamiya Weathering-Set. Eine finale Schicht seidenmatten Klarlacks fixiert den mühevoll aufgetragenen Dreck und nimmt den letzten Future-Glanz.

Weiße und schwarze Ölfarbe ergeben ein graues Gemisch, mit dem die Gravuren betont werden. Pures Schwarz würde einen zu übertriebenen Effekt verursachen.
Weiße und schwarze Ölfarbe ergeben ein graues Gemisch, mit dem die Gravuren betont werden. Pures Schwarz würde einen zu übertriebenen Effekt verursachen.

Mit einem Tamiya Weathering Set werden an passenden Stellen Schmutzschlieren angedeutet.
Mit einem Tamiya Weathering Set werden an passenden Stellen Schmutzschlieren angedeutet.

Die schwarzen Walkways werden mit klarem Mattlack behandelt, um sie von dem seidenmatten Finish des restlichen Modells abzusetzen.
Die schwarzen Walkways werden mit klarem Mattlack behandelt, um sie von dem seidenmatten Finish des restlichen Modells abzusetzen.

Jetzt werden noch die bereits parallel fertig gestellten Kleinteile (Fahrwerk, Kanzel, Pitotrohr,...) montiert. Dabei zeigt es sich, dass Hasegawa uns glauben lassen möchte, das Bugfahrwerksbein sei extrem schräg nach vorne abgespreizt. Es wächst zwar auch nicht im 90° Winkel aus dem Schacht, aber der Winkel ist bedeutend geringer, als vorgegeben. Einmal bemerkt, ist dieser zu großzügige Ausfallschritt nach Augenmaß schnell korrigiert und der Argentinier komplett.

Fazit

So kann es gehen. Man baut ein Hasegawa-Modell und schreibt zur Hälfte über einen neueren Bausatz eines zweiten Herstellers. Das Hasegawa-Modell gehört aber auch trotz neuer Konkurrenz noch nicht zum alten Eisen. Dafür haben die Japaner seinerzeit bei der Entwicklung zu viel Wert auf eine gute Passung und fein versenkte Gravuren gelegt.

Noch eine F9F-2 nur zu Vergleichszwecken wäre mir jedoch wohl zu langweilig. Allerdings ist mittlerweile bereits die F9F-2P Aufklärerversion, ebenfalls von Hobby Boss, erschienen. Das könnte wiederum Grund genug sein...

Grumman F9F-2 PantherGrumman F9F-2 PantherGut zu sehen: Die nun korrekt rechteckigen Anblasluken auf der Rumpfmitte.Unter der beigefarbenen Nase sitzt das Zielerfassungsradar.Grumman F9F-2 PantherHasegawa hat den Triebwerksauslass bereits annehmbar detailliert.

Grumman F9F-2 Panther

 

Referenzen

  • F9F Panther, Bert Kinzey, in detail & scale vol. 15
  • F9F Panther/Cougar in action, Jim Sullivan, squadron/signal publications
  • Grumman F9F Panther, Famous Airplanes of the World, Burin-Do
  • Grumman F9F Panther/Cougar - First Grumman Cat of the Jet Age, Brad Elward, Specialty Press
  • Grumman F9F-2B Panther & TF-9J Cougar, Serie Aeronaval Nr. 16, Jorge F. Nunez Padin, Fuerzas Navales

Bernd Korte

Publiziert am 13. Januar 2014

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