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Douglas EB-66 E-DL Destroyer

von Bernd Korte (1:72 Italeri)

Douglas EB-66 E-DL Destroyer

Das Original:

Die EB-66E war eine ECM Version der B-66 der US Air Force die wiederum aus der A-3 Skywarrior der US Navy hervorgegangen war. Trotz ihrer unverkennbaren Ähnlichkeit war die B-66 keine direkte Nachfahrin der A-3 sondern beinhaltete großzügige Neukonstruktionen im Bereich der Tragflächenstruktur, des Rumpfes und der Triebwerke, es war also im Grunde eine völlige Neukonstruktion. Während des Vietnamkrieges wurde eine Reihe von B-66 zu fliegenden Störsendern umgerüstet, von denen besonders die EB-66E's durch ihren charakteristischen Antennenwald auffielen. Ihre Hauptaufgabe bestand darin, die Angriffsflüge amerikanischer Jagdbomber, etwa der F-105, zu begleiten, und das gegnerische Feuerleitradar der Boden-Luft Waffen möglichst stark zu beeinträchtigen. Obwohl sie im Gegensatz zur A-3 ein neueres Triebwerk, das J-71, besaß, war die B-66 und ihre Abarten immer etwas untermotorisiert, was sich nicht zuletzt in der überdurchschnittlich langen Startstrecke zeigte. Das einzige andere mit diesem Aggregat ausgerüstete Fluggerät war eine unbemannte Einweg-Drohne...

Douglas EB-66 E-DL Destroyer

Zum Modell:

Für den Modellbauer verlief die Geschichte allerdings umgekehrt: Zuerst brachte Italeri seine B-66 auf den Markt und erst vor relativ kurzer Zeit zog Hasegawa mit seiner A-3 nach. Im Gegensatz zu dem besonders in diesem Fall umstrittenen Preis-Leistungsverhältnis des Hasegawaproduktes war die Air Force Version (IT) schon ab 10 € zu haben. Und auch Italeri's letzte, hier behandelte Offerte, die EB-66E, ist mit einem Listenpreis von knapp 15 € noch in vielen Modellbaugeschäften zu haben. Für einen Vogel solcher Größe (32 cm Länge) ist so ein Preis sicherlich keine Selbstverständlichkeit. Nach dem Öffnen des Kartons stellt man fest, dass die hellgrauen Spritzlinge wie erwartet größtenteils mit denen aus der früher erschienenen B-66 identisch sind. Den typspezifischen Abweichungen wird man mit einer verlängerten Heckpartie ohne Geschützstand und den beigefügten Antennen gerecht. Lobenswerterweise hat Italeri die Montagestellen dieser Antennen auf dem Flugzeugrumpf mit feinen erhabenen Linien gekennzeichnet. Die "wirklichen" Gravuren sind auf den 74 Bauteilen aber allesamt versenkt ausgeführt, wie sich das gehört. Die von der B-66B enthaltenen Heckabwehrgeschützrohre finden ihren Platz in der Grabbelkiste. Mit diesem guten Ersteindruck geht es dann ans Werk...

Douglas EB-66 E-DL Destroyer

Zum Bau

Da das Modell später wegen der mehrfarbigen Vietnam-Tarnung großflächig abgeklebt werden muss, empfiehlt es sich, zu aller erst einen gut haftenden Untergrund für die Lackierung zu schaffen. Ansonsten könnte das Abklebematerial bei aller Vorsicht die darunterliegenden Farbschichten ausreißen. Hierfür benutze ich die von Revell spritzfertig angebotene Grundierung. Nochmals extra-verdünnt wird eine möglichst dünne Schicht dieses Primers mit einer Beginnerspritzpistole, etwa der Revell ESB 100, aufgetragen. Ich habe Revell's Grundierung einmal mit meiner normalen Arbeits-Airbrush verarbeitet. Danach saß ich eine Stunde an der Säuberung: Durch die extrem schnelle Trocknungszeit, eigentlich ein Vorteil für Grundierungen, saß nach kurzer Zeit eine gummiartige Masse in allen Kanälen der Airbrush fest. Die Säuberung einer solch "zugepappten" Pistole ist wirklich niemandem zu wünschen! Also Finger weg von der Profi-Pistole und her mit einer billigen Außenmischungs-Airbrush für nur diesen einen Zweck. Da kann nicht viel verstopft werden und das Grundierfarbglas bleibt gleich druntergeschraubt. Nachdem alle Teile besprüht waren, wurden evtl. doch überdeckte Gravuren nachgezogen.

Douglas EB-66 E-DL Destroyer

Wie nicht anders zu erwarten, beginnt der Zusammenbau mit dem überdurchschnittlich gut detaillierten Cockpit das alleine aus 17 Teilen besteht. Hier werden wirklich nur noch die Gurte aus Kreppband hinzugefügt, denn, einmal in den Rumpf eingebaut, ist später nicht mehr allzu viel von der Pracht zu sehen. Nachdem die Grundlackierung gut durchgetrocknet ist, wird das Cockpit mit Erdal Glänzer übersprüht und dann mit verdünnter schwarzer Ölfarbe gewasht um einzelne Konturen besser hervorzuheben. Eine abschließende Versiegelung mit mattem Klarlack gibt der ganzen Baugruppe einen gleichmäßigen "Teint".

Douglas EB-66 E-DL Destroyer

Das, was im Cockpit, gemessen an der späteren Sichtbarkeit, fast schon zu viel detailliert ist, fehlt bei den Fahrwerken, die entgegen der Bauanleitung schon jetzt behandelt werden. So sind z.B. sämtliche Federbeinscheren als volle Dreiecke gegossen und auch die Darstellung der Fahrwerksklappen ist so nicht korrekt. Diese Sektionen müssen daher umfangreich nachdetailliert werden.

Douglas EB-66 E-DL Destroyer

Bugfahrwerk: Der Fahrwerksschacht an sich bleibt unverändert, da er im eingebauten Zustand nur noch schwer einzusehen ist. Der auf der Fahrwerksklappe viel zu klein angedeutete Landescheinwerfer wird entfernt und durch ein selbst angefertigtes entsprechend größeres Teil ersetzt. Am Fahrwerk selbst werden alle drei "Vollgußdreiecke" zuerst mit einer kleinen Bohrung versehen. Hier kann man nun mit dem Bastelmesser ansetzen, um sich langsam nach außen hin vorzuarbeiten bis man alle Verstrebungen freigelegt hat. Die Fahrwerksgabel wird auf jeder Seite kurz unter dem Ansatz mit einer kleinen Bohrung versehen, um die Hohlröhrenkonstruktion nachzuempfinden. Knapp über dem Ansatz der Gabel wird ein "taxi light" aus Plastik- und Ätzteilresten ergänzt. Verkabelungen und andere Details werden aus heißgezogenen Plastikästen nachgebildet.

Douglas EB-66 E-DL Destroyer

Hauptfahrwerk: Die Schächte werden mit diversen Leitungen aus gezogenen Gießästen und anderen Details versehen. An den Fahrwerksbeinen werden wieder die Federbeinscheren freigelegt. Besonderes Augenmerk gilt hier den Klappen: Zerteilt man das einteilige Plastikteil wie in der Bauanleitung gezeigt in drei Teile, erhält man unweigerlich die nach unten öffnende Klappen in falscher Form. Der Schnitt muss so geführt werden, dass man Klappe C etwas verkürzt und so einen Teil der Abschrägung in B behält (Siehe Skizze - roter Strich ist der korrekte Schnitt!). Ich habe dies zu spät bemerkt und musste den Fehler mit einiger Spachtelei korrigieren. Nach dem Verschleifen der Klebe- und Spachtelnähte werden verlorengegangene Gravuren mit Hilfe von Dymoband und einer Gravurnadel nachgezogen. Nun werden die Tragfläche und das Höhenleitwerk angeklebt sowie die beiden Triebwerksgondeln fertig gestellt.

Douglas EB-66 E-DL Destroyer

Bemalung und Markierung:

Die schwarzen Bereiche an Nase und Unterrumpf werden lackiert und abgeklebt, danach kommt der weiße Unterseitenanstrich der Vietnamtarnung. Wieder wird abgeklebt, wobei die Trennlinien zwischen weißer Unterseite und dreifarbig getarnter Oberseite nicht wie mit dem Lineal gezogen, sondern etwas wellig aussehen sollten. Das Abklebeband wird dementsprechend ausgeschnitten. Bevor man sich nun der Oberseitentarnung widmet, wird die mit Parafilm-M maskierte Kanzel aufgesetzt, da natürlich auch hier der Tarnverlauf weitergeführt wird. Leider zeichnet sich die Cockpithaube nicht gerade durch eine überragende Passung aus. Wer will und kann sollte sich eine korrigierte tiefgezogene Haube anfertigen, ansonsten während des Verklebens auf die bestmögliche Passung achten.

Douglas EB-66 E-DL Destroyer

Nach dem Trocknen wird das Modell von der nun fast die ganze Oberfläche bedeckenden Abklebefolie befreit. Die Kanzel bleibt allerdings weiterhin abgeklebt, da ja noch mit Klarlacken gearbeitet werden wird. Um die Destroyer für das Washing mit stark verdünnter schwarzer Ölfarbe vorzubereiten, bekommt alles einen nicht zu dünnen Überzug "Erdal Glänzer" (eigentlich Fußbodenpflegemittel). Nach dem Washing folgt noch eine dünnere Schicht Glänzer, um eine einheitliche Oberflächenbeschaffenheit für das Aufbringen der Decals zu erhalten. Ich habe mich für die zweite von Italeri vorgeschlagene Markierungsoption entschieden, eine EB-66 der 42nd TEWS, 388th TWF von der Korat RTAFB aus dem Jahr 1973. Für diese spricht vor allem das dekorative Haifischmaul, gegen die andere Option die erfahrungsgemäß schwer anzubringenden gelb-schwarzen "checkerboard"-Markierungen am oberen Seitenleitwerksrand. Die wenigen Abziehbilder (nicht gerade eine von Italeris Höchstleistungen) sind schnell angebracht und eine finale Schicht seidenmatten Klarlacks (Humbrol) schließt diese Baustufe ab.

Douglas EB-66 E-DL Destroyer

Die letzten Kleinigkeiten:

Den Anfang macht das Fahrwerk. Klappen und Fahrwerksbeine werden montiert. Die von Italeri vorgesehene Option beweglicher Räder ist für mich von geringer Bedeutung, da ich alle Räder ein wenig über einer heißen Herdplatte abgeplättet habe, um später beim stehenden Modell Gewicht zu simulieren. Als nächstes wird der Antennenwald "gepflanzt", insgesamt 17 Kleinteile warten dafür auf ihre Platzierung. Das absolut letzte Teil ist das extra-kompliziert, rot-weiß geringelt bemalte Pitotrohr, das mir natürlich in der Mitte durchbricht, so dass ich nun zwei letzte Teile habe und den Sekundenkleber noch einmal bemühen darf. Jetzt blos nicht mehr zittern..aha..alles hält, nix fällt ab....endlich FERTIG!

Douglas EB-66 E-DL Destroyer

Rückblick:

Wie schon erwähnt bekommt man hier viel Modell für's Geld. In ein paar Bereichen ist zweifelsohne etwas Nacharbeit gefragt (Fahrwerksschächte) und vor allem die vierfarbige Tarnung kostet viel Arbeitsaufwand. Wie so oft entschädigt das Ergebnis aber auch diesesmal für alle Mühen und man hat eine Maschine in der Vitrine, von der viele nicht einmal den Namen kennen...

Douglas EB-66 E-DL Destroyer

Bernd Korte

Publiziert am 11. November 2009

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