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Not a happy spider

von Bernd Heller (ohne verschiedene Hersteller)

Spiderman war gestern ...
Spiderman war gestern ...

Im Modellbauclub Koblenz ist die jährliche Clubmeisterschaft schon fast eine Tradition. Das Motto des Jahres 2008 lautete „einfach tierisch“ und es ging darum etwas zu bauen, was erkennbar mit einem Tier zu tun hatte. Das vorliegende Diorama war mein Beitrag. Zu Beginn des Projektes hatte ich zunächst längere Zeit einen anderen Bausatz im Kopf und ihn mir sogar schon gekauft. Jedoch tat ich mich bei der Umsetzung dieser Idee irgendwie schwer. Vielleicht war mein Zögern auch eine Art Vorahnung. Denn eines Abends, beim Stöbern durch die Seiten eines bekannten Internet-Auktionshauses mit vier bunten Buchstaben, sah ich diesen Bausatz und hatte gleich auch eine zündende Idee. Für gerade einmal EUR 1,50 konnte ich ihn dann ersteigern. Er stammt aus der Reihe „Eco Zoo“ der spanischen Firma Euro World. Weitere Modelle dieser Reihe sind diverse Dinosaurier und Insekten. Wobei es sich eher um abstrakte Modelle mit Spielzeug-Charakter handelt.

Meine Idee zu diesem Modell spielt irgendwann in der Zukunft. Diese gentechnisch erzeugten und manipulierten Rieseninsekten werden mittels Programmierung und Fernsteuerung für Spezialoperationen verwendet, die kein Mensch je durchführen könnte. Ausgerüstet mit modernsten Waffen können diese Cyborg-Insekten z.B. als Scharfschützen, Saboteure oder Spione eingesetzt werden. Wichtigstes Hilfsmittel hierbei ist die Fähigkeit, sich farblich der unmittelbaren Umgebung so anpassen zu können, dass sie für einen Betrachter so gut wie unsichtbar wirken. Dieser Effekt wurde der Natur abgeschaut und optimiert.

Lautlos und fast unsichtbar ...
Lautlos und fast unsichtbar ...

Der Name dieses Artikels lehnt sich an ein Lied einer meiner Lieblingsbands aus meiner Jugendzeit an. Phillip Boa & The Voodooclub hatten ein Stück mit dem Namen „Happy Spider“. Und da so ein fieses Cyborg-Insekt alles andere als „Happy“ wäre, war der Name „Not a Happy Spider“ die logische Wahl. Aber zurück in die Gegenwart: Alle 45 Einzelteile wurden gesäubert und kleinere Bruchkanten und Sinkstellen mit Spachtelmasse aufgefüllt und geschliffen. Durch Steckverbindungen war die Spinne schnell montiert und die Beine in die gewünschte Stellung gebracht. Nach der Grundierung war hier erst einmal Pause angesagt und ich widmete mich der Ausrüstung der Spinne. Über die Jahre hinweg hat sich meine Ersatzteil- und Restekiste gut gefüllt. So fing ich an zu stöbern, bis ich ein Sortiment geeigneter Teile zusammen hatte. So kamen Reste eines F1-Rennwagens, eines Panzers und Teile undefinierbarer Herkunft doch noch zu einer sinnvollen Verwendung. Knifflig war es, diese Teile an den gewölbten Körper der Spinne anzupassen und zu befestigen. Zur besseren Stabilität bohrte ich Löcher in den Rumpf und verwendete Stecknadeln als Passzapfen.

Der Winkel des Bildes verzerrt. So kann man aber die Lackierung besser erkennen.
Der Winkel des Bildes verzerrt. So kann man aber die Lackierung besser erkennen.

Um das Erscheinungsbild der Spinne noch zu verstärken, wollte ich das Modell an einem Stück Wand befestigen. So wie es sich für ein Krabbeltier gehört. In meinem Fundus fand ich einen passenden Bilderrahmen. In diesen setzte ich eine Platte aus Depafit ein und verklebte beides zu einer stabilen Einheit. Auf der Oberseite verteilte ich eine dünne Schicht Gips. Hierbei achtete ich darauf, dass eine unruhige Oberfläche entstand, die einem Wandverputz ähnelte. Damit es noch glaubhafter wurde, besorgte ich mir ein Miniatur-Schild, so wie es auch an einer richtigen Wand in Originalgröße aussehen könnte. Dann noch den Gips mit etwas hellen Wasserfarben lackiert und fertig war die Wand. Die Frage der Befestigung des Wandkrabblers löste ich so, dass ich in die Spitzen der Beine kleine Löcher bohrte und hier Stecknadeln mit Sekundenkleber fixierte. Dank der beweglichen Gelenke brachte ich die Beine in eine gewünschte Position. An den jeweiligen Beinspitzen bohrte ich dann an den Auflagepunkten der Stecknadeln durch den Gips und die Depafit-Platte hindurch ebenfalls kleine Löcher.

Der Krabbler an der Wand - unterwegs zum neuen Auftrag.
Der Krabbler an der Wand - unterwegs zum neuen Auftrag.

Doch jetzt ging es erst einmal weiter mit der Lackierung der Spinne. Um den Mimikry-Effekt zu berücksichtigen, wählte ich mit Model Master 2709 Elfenbein einen ähnlichen Farbton wie die Färbung der Wand. Die Strukturen des Rumpfes betonte ich mit ockerbrauner Wasserfarbe. Wobei ich nach dem Trocknen die überschüssige Farbe mit einem feuchten Tuch abwischte. An einigen Stellen musste ich diesen Vorgang wiederholen. Auch an den „Cyper-Implantaten“ wurden die Vertiefungen mit verdünnter schwarzer Ölfarbe dezent betont und anschließend mit Lack geschützt.

Das Schwierigste folgte jedoch erst zum Schluss: Die Spinne einfach nur mit einer der Wand ähnlichen Farbe anzupinseln war mir dann doch zu einfach. Ich platzierte zwei der Beine auf dem Verbotsschild und klebte diese bis zum Rand des Schildes ab. Dann lackierte ich diesen Bereich mit gelber Farbe, ebenfalls von Model Master. Über Nacht war das alles dann gut getrocknet. Dann zeichnete ich mit Bleistift die Konturen der schwarzen Bereiche nach und überdeckte die Bereiche, die später gelb bleiben sollten. Diese Abklebearbeiten waren dann doch umfangreicher als erwartet, denn es galt den späteren Blickwinkel eines Betrachters halbwegs genau zu treffen. Nach dem Entfernen der Maskierung waren noch ein paar kleinere Korrekturen nötig. Als ich dann mit dem Ergebnis zufrieden war, folgte noch eine letzte Schicht Satin-Coat von Humbrol.

Es war schwierig die Bauteile des Geschützes an die Rundungen des Körpers anzupassen.
Es war schwierig die Bauteile des Geschützes an die Rundungen des Körpers anzupassen.

Dann wurde es Zeit sich über die Präsentation des fertigen Modells Gedanken zu machen. Wenn ich den Bilderrahmen senkrecht aufstellen würde, würde die Gefahr bestehen, dass die Spinne aus ihrer Halterung rutscht. Festkleben kam für mich nicht in Frage, denn die Auflagepunkte waren mir viel zu klein. Außerdem hat eine Steckverbindung immer etwas Bewegungsspielraum und kann so Erschütterungen ausgleichen. Eine starre, geklebte Verbindung kann das nicht. Die beste Lösung war ein leicht gekipptes Aufstellen des Bilderrahmens. So hatte auch der Betrachter einen guten Blickwinkel auf das Modell. In einem Bürozubehör-Geschäft fand ich schließlich Universal-Schrägsteller aus Acryl-Glas. Die waren zwar für die Präsentation von Büchern vorgesehen, aber eben universal einsetzbar. So hatte ich jetzt eine passende Halterung für das Diorama, jedoch bestand immer noch die Gefahr, dass das Modell von dem Schrägsteller rutschte. So kam ich auf die Idee, Klettband einzusetzen. Mittig auf die Rückseite des Bilderrahmens und mittig auf den Schrägsteller klebte ich mit Sekundenkleber je ein Stück Klettband. So hat das Modell jetzt einen sicheren Halt und kann zum Transport leicht vom Acryl-Halter entfernt werden.

Für die Clubmeisterschaft 2008 wurden einige sehr kreative Modelle eingereicht. Deswegen war ich sehr stolz darauf, als mein Modell auf Platz 1 gewertet wurde. Als ich dann die Story mit den Cyborg-Insekten präsentierte, fragte mich ein Clubkollege im Scherz, ob ich eine schwere Kindheit gehabt hätte wenn ich mir heute solche Dinge ausdenken würde. Inzwischen habe ich mir aus der Eco Zoo-Reihe noch weitere Bausätze zugelegt. Denn die nächste Inspiration zu einem SciFi-Modell wird bestimmt nicht lange auf sich warten lassen und die Ersatzteilkiste ist wieder gut gefüllt!

Zur Info: Bausätze aus der Eco Zoo-Serie sind vereinzelt noch auf Amazon oder bei ebay zu finden.

Weitere Bilder

Die beiden silbernen Tropfen auf der Oberseite sind Stecknadeln, die durch den Rücken der Spinne hindurchgehen und so für mehr Halt der Baugruppe sorgen.Das Geschütz besteht aus diversen Teilen aus der Restekiste.Das Riffel-Muster wurde durch sandfarbene Wasserfarbe betont und überschüssiges Material abgewischt.Bei der Montage der Beine und Spitzen habe ich mir des öfteren in die Finger gestochen. Aber es hat dann doch funktioniert.Die Bohrungen an den Spitzen waren nicht leicht zu bewerkstelligen.Hier kann man noch gut die ursprüngliche rote Farbe der Bauteile erkennen.Die beiden Fühler wurden aufgefüttert und das Auge farblich betont.
Die Baugruppe besteht aus dem Bauteil eines Panzers, einer Bremsscheibe eines F1-Rennwagens und einem Stecknadelkopf.Von hinten anfassen - da kann nichts passieren!Hier die zwei Klett-Stücke, die für ausreichend Halt sorgen.Bild von der Verpackung.Übersichtliche Bauanleitung.

Die beiden silbernen Tropfen auf der Oberseite sind Stecknadeln, die durch den Rücken der Spinne hindurchgehen und so für mehr Halt der Baugruppe sorgen.

Die beiden silbernen Tropfen auf der Oberseite sind Stecknadeln, die durch den Rücken der Spinne hindurchgehen und so für mehr Halt der Baugruppe sorgen. 

Bernd Heller

Publiziert am 04. Dezember 2010

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