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Avro Shackleton AEW.2

(Revell - Nr. 04920)

Revell - Avro Shackleton AEW.2

Produktinfo:

Hersteller:Revell
Sparte:Flugzeuge Militär Modern
Katalog Nummer:04920 - Avro Shackleton AEW.2
Maßstab:1:72
Kategorie:Bausätze (Plastik)
Erschienen:März 2016
Preis:ca. 35 Euro
Inhalt:
  • 193 Teile auf 9 grauen und 2 transparenten Spritzlingen
  • farbige Bauanlaeitung
  • Decalbogen

Besprechung:

Revell - Avro Shackleton AEW.2

Zum Original:

Die Avro 696 Shackleton war ein viermotoriges Seefernaufklärungsflugzeug (engl. Maritime Patrol Aircraft, MPA) aus britischer Produktion, benannt nach dem Polarforscher Ernest Shackleton. Sie basierte auf dem Bomber Avro Lincoln, wurde von 1951 bis 1991 eingesetzt und schließlich durch die British Aerospace Nimrod abgelöst. Charakteristisch sind die Rolls-Royce Griffon-Motoren und die gegenläufigen Propeller.

Die Evolution der Shackleton brachte mehrere verschiedene Varianten hervor, die sich in ihrem äußeren Erscheinungsbild mehr oder minder stark unterschieden. Der Entwicklungsschritt von der Mk.2 zur Mk.3 verdeutlicht dies am besten: Während Shackleton Mk.1 und 2 noch das klassische Spornradfahrwerk in Anlehnung an die Lincoln besaßen, wurde die Mk.3 mit einem Bugradfahrwerk und einer deutlich modifizierten Cockpitverglasung ausgestattet. 

Im Bauch der Shackleton befindet sich ein Waffenschacht, in dem verschiedene Mittel zur Bekämpfung von Seezielen mitgeführt werden konnten. Das Arsenal reichte hier von Torpedos über Seeminen bis hin zu konventionellen und nuklearen Wasserbomben. Ferner verfügten frühe Schackletons für den Selbstschutz über einen Drehtum mit zwei Maschinenkanonen auf dem Rumpfrücken und zwei schwenkbaren Maschinenkanonen im Rumpfbug. Beide Anlagen wurden jedoch im Laufe der Entwicklung und des Einsatzbetriebes gestrichen. 

Neben den klassischen MPA-Varianten MR (= Maritime Reconnaissance) Mk. 1, 2 und 3 gab es auf Basis der Mk. 1 und 2 jeweils eine Trainer-Variante zur Schulung von Radar-Operatoren. Als die Fleet Air Arm ihre Gannet AEW.3 ausmusterten entstand ein Bedarf für ein Frühwarnflugzeug für die Nordsee und den Nordatlantik. Deshalb wurden zwölf Shackleton MR Mk.2 mit dem AN/APS-20-Radar aus den Fairey Gannet ausgerüstet und fortan als Shackleton AEW (=Airborne Early Warning) Mk. 2 klassifiziert. Sie operierten in der 8th Squadron der Royal Air Force vom schottischen Lossiemouth aus. Jede der zwölf AEW.2 war nach einem Charakter aus den britischen Kinder-Fernsehserien "The Magic Roundabout" und "The Herbs" benannt und trug auf dem Rumpf die entsprechende Figur als "Nose Art". Nachdem die Entwicklung der Nimrod AEW.3 verworfen wurde, beschaffte die RAF Boeing E-3 Sentrys als Ersatz für die Shackleton AEW.2. 1991 waren sie die letzten Shackletons, die aus dem Dienst ausschieden, nachdem alle anderen Varianten bereits deutlich früher ersetzt wurden.  

"Berühmt" war die Shackleton bei den Besatzungen vor allem für ihre relative Enge im Innenraum und dem lauten, dröhnenden Lärmpegel in der Kabine.  

Revell - Avro Shackleton AEW.2

Zum Bausatz:

Viele Modellbauer erinnern sich bestimmt an eine Shackleton aus den Formen der Firma Frog, die sich vor allem durch eine konsequente Ausstattung mit zeitgenössischen Dampfkesselnieten und x-fache Wiederauflagen unter verschiedenen Labels (u.a. auch Revell in den 1990er Jahren) auszeichnete. Frog setzte seinerzeit eine MR.3 um, so dass man auf komplexe Umbaumaßnahmen mit Aeroclub-Sets oder Vacu-Teilen angewiesen war, wenn man eine klassische Shackleton mit Spornrad haben wollte. Doch das ist jetzt vorbei, denn seit dem letzten Jahr erlebt die Shackleton einen regelrechten Modellbau-Hype. Nahezu zeitgleich gaben Airfix und Revell unabhängig voneinander bekannt, dass sie an einer Shackleton arbeiteten. Über den Sinn und Unsinn solcher Doppel- bzw. Parallelentwicklungen lässt sich bekanntlich streiten, doch wie heißt es so schön sprichwörtlich: "Konkurrenz belebt das Geschäft".

In einer großen Schüttbox versorgt uns Revell mit insgesamt elf Spritzlingen, die allesamt überwiegend sauber gegossen sind. An einigen Stellen findet sich aber Fischhaut, was für zeitgenössisches, neues Werkzeug doch eher untypisch erscheint. Sofort sticht die Strukturierung der gesamten Flugzeug-Oberfläche durch versenkte Nieten ins Auge, dazu später mehr. Die Klarsichtteile sind für das, was man dahinter sehen soll, okay. Leider gibt es einen prominenten Gussfehler auf einer Reifenhälfte des Hauptfahrwerks. An manchen Stellen finden sich relativ materialstarke Angüsse an den Bauteilen. Tadellose Decals gibt es für zwei Maschinen, die sich nur durch ihre Kenner und die verschiedenen Figuren aus "The Magic Roundabout" unterscheiden. Hier konnte Revell aber auch nicht mehr bringen, denn die AEW.2 waren nur in dieser einen Lackierungs- und Beschriftungsvariante in Extra Dark Sea Grey über alles unterwegs. 

Revell - Avro Shackleton AEW.2

Der Rumpf besteht aus vier Hauptbausteinen, wobei die vertikale Trennung hinter dem Cockpit liegt. Dies lässt den Schluss zu, dass weitere Varianten zumindest angedacht sind. Beide Richtungen sind denkbar, der seperate Rumpfbug und die Kombination von Hauptfahrwerk und Motorgondel auf einem seperaten Spritzling sowie das isolierte Radom und die verkürzten Waffenschacht-Klappen sprechen für die These, dass da noch eine MR.3 oder auch eine MR.1 kommen könnte.

Das Cockpit ist ordentlich detailliert. Instrumente sind aufgeprägt und trotzdem gibt es noch ein Decal dafür. Anders als beim britischen Wettbewerber bietet Revell keine komplett durchgehende Inneneinrichtung an, was aber angesichts der geringen Fensteranzahl zu verschmerzen ist. Im Bereich der Zugangstür im Rumpfheck gibt es allerdings wieder eine Einrichtung mit den Beobachterposten und den Trennwänden im Rumpfinneren. Die Kabineninnenseiten haben eine schöne Spantenstruktur. 

Zwecks Stabilität gibt es zwei Tragflächenholme, die fest mit der Oberseite des Waffenschachtes verbunden werden. Letzterer ist in den Innenseiten gut strukturiert. Die Klappen können geöffnet dargestellt werden, auch wenn der Schacht am Ende leer bleibt. 

Revell - Avro Shackleton AEW.2

Die Tragflächen werden mittels Führungsschienen auf die Holme aufgeschoben, so dass hier von einer stabilen Verbindung ausgegangen werden kann. Alle Ruderflächen sind seperat und können beweglich montiert werden. Ob man das nun als Spielerei empfindet und sie doch fixiert, bleibt dabei naturgemäß jedem selbst überlassen. Auch die Landeklappen können im ausgefahrenen Zustand montiert werden. Angesichts der guten Struktur ihrer Innenseiten lohnt sich das. An den Hinterkanten der Trag- und Ruderfllächen könnte aber stellenweise noch etwas Material reduziert werden.

Die Triebwerksgondeln sind gut gemacht, auch hier bietet sich die Option an, die Kühlluftklappen offen oder geschlossen zu montieren. Die Fahrwerksschächte sind allesamt mit Innenstrukturen versehen. Das Hauptfahrwerk ist absolut in Ordnung. Auch die Fahrwerksklappen sind innenseitig strukturiert. Ärgerlich ist der eigentlich inakzeptable Gussfehler an den Radhälften. Abhilfe schaffen hier Räder vom Zubehörmarkt (Eduard-Brassin oder BarracudaCast), die einem dann auch die vertikale Trennlinie im Profil ersparen. Schlauerweise wird das Hauptfahrwerk erst weit am Ende des Zusammenbaus eingesetzt, sodass sich die Gefahr von Beschädigungen z.B. beim Lackierhandling minimiert. 

Erst nach der finalen Montage von Antennen und anderen Kleinteilen werden schlussendlich die Propellerpaare auf die Motorgondeln gesetzt. Die Warnmarkierungen an den Propellerspitzen liegen übrigens nicht als Decals bei - d.h. 48 mal rot-weiß-rot abkleben und lackieren. Sei es drum - sieht sowieso besser aus als ein Decal, aber im Hinblick auf den weniger geübten Lackierer und Pinselfetischisten vielleicht nicht ganz optimal. 

2x vorhanden
2x vorhanden

2x vorhanden
2x vorhanden

Revell - Avro Shackleton AEW.2

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Avro Shackleton AEW.2

 

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Avro Shackleton AEW.2

 

Darstellbare Maschinen:
  • Avro Shackleton AEW.2, WL756 "Mr. Rusty", Lossiemouth 1973.
  • Avro Shackleton AEW.2, WL795 "Zebedee", Lossiemouth 1981.
Stärken:
  • Detaillierung: State-of-the-Art
  • Schöne Inneneinrichtung
  • Oberflächenstruktur (für denjenigen, der es mag)
  • Detaillierte Fahrwerksschächte
  • Guter Waffenschacht
  • Ruder und Klappen in variablen Positionen lassen das Modell lebendiger werden
Schwächen:
  • Fischhäute
  • Oberflächenstruktur (für denjenigen, der es nicht mag)
  • Stellenweise dicke Angüsse
  • Gussfehler am Hauptfahrwerksrad
  • Bauanleitung ohne konkrete Farbtonangaben jenseits des hauseigenen Sortiments und mit Revell-typischer Mischorgie
Anwendung:
  • Komplexer Bausatz - Fortgeschrittene und Profis

Fazit:

Revell beliefert uns mit einem gut gemachten Bausatz, der hinsichtlich seiner Detaillierung auf jeden Fall auf der Höhe der Zeit ist. Die Spritzqualität lässt für ein neues Werkzeug allerdings Wünsche offen.

Was bringt nun ein Vergleich zwischen Revell und Airfix? Zunächst haben beide Kits ihre ganz eigenen Vor- und Nachteile. Revell beschränkt sich auf eine ganz spezielle Version, die nur minimale Spielräume zulässt. Airfix hat dem Verbraucher mit der allgemeinen MR.2 mehr Variantenreichtum eingeräumt, auf den die Decalhersteller auch zeitnah reagiert haben. Nichtsdestotrotz wird Airfix wahrscheinlich auch noch eine AEW.2 nachschieben, erste Prototypen wurden schon gesehen, das nur am Rande. 

Revells Detaillierung ist insgesamt feiner als bei Airfix, allerdings hat deren Produkt eine komplette Inneneinrichtung mit Operator-Plätzen (die man aber nicht oder nur kaum sieht). Bei der Darstellung von Strukturen (Waffen- und Fahrwerkschacht, (Lande-)Klappeninnenseiten) liegen beide Bausätze gleichauf. Airfix bietet jedoch auch eine Waffenzuladung an, was bei einer ordinären MR.2 allerdings auch naheliegender ist. Dennoch kann man sich nur schwer dem Eindruck widersetzen, dass bei Airfix einiges etwas gröber umgesetzt wurde. Diese Wahrnehmung soll aber nicht bedeuten, dass Airfix wirklich viel schlechter ist. 

Gespaltene Geister erzeugt die Oberlächendetaillierung bei Revell. Uns allen ist klar, dass erhabene Nietreihen im heutigen Formenbau nicht mehr zur Debatte stehen. Diese an den Schleifnähten zu restaurieren macht auch keinen Spaß. Allerdings macht die Umsetzung von versenkten Nietreihen manchmal den Eindruck, als sei das Flugzeug mit Golfbällen beschossen worden. Revell ist hier meiner Ansicht nach allerdings in der Umsetzung subtiler als so manches Label aus Fernost. Im Vergleich zu Revell sieht Airfix' Shackleton mit seinen durchgezogenen Paneellinien widerum etwas langweilig aus und der Profi würde hier wahrscheinlich auch das Nietrad ansetzen. 

Trotz der Unterschiede beider Hersteller in der Herangehensweise und Ausfertigung der Produkte lassen sie sich meiner Meinung nach problemlos nebeneinander stellen, ohne dass die Differenzen ohne genaues Hinsehen zu stark ins Gewicht fallen. Britische Quellen suggerieren hier und dort, dass Airfix in der Wiedergabe der Abmessungen und Proportionen sauberer gearbeitet hätte als Revell. Ich verzichtete auf eine Überprüfung, weil das fertige Modell für mich wie eine Shackleton aussieht. Schlussendlich sei gesagt, dass die Shackleton von Revell hierzulande etwas preisgünstiger zu haben ist. 

Diese Besprechung stammt von Felix Troschier - 16. Dezember 2016

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