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OH-6A Loach

(Mikro Mir - Nr. 401)

Mikro Mir - OH-6A Loach

Produktinfo:

Hersteller:Mikro Mir
Sparte:Hubschrauber
Katalog Nummer:401 - OH-6A Loach
Maßstab:1:48
Kategorie:Bausätze (Plastik)
Erschienen:2009
Preis:ca. 30 €
Inhalt:
  • 3 Gussäste aus grauem Plastik
  • 1 Gussast mit Klarsichtteilen
  • 1 Ätzteilset
  • 1 Decalbogen
  • 1 Bauanleitung

Besprechung:

Mikro Mir - OH-6A Loach

Die U.S. Army suchte 1960 mit dem LOH-Programm (Light Observation Helicopter) einen Hubschrauber, welcher die erste Generation von Beobachtungshubschraubern (z.B. Bell 47/OH-13) ersetzen sollte. In die Endrunde der ersten Auswahl kamen Hiller mit dem Modell 1100, Hughes mit dem Modell 369 und Bell mit dem Modell D-250. Hughes gewann die erste Ausschreibung für sich, das Modell 369 wurde als OH-6 Cayuse für das Militär in Serie produziert. 1967 fand eine zweite LOH-Ausschreibung statt, welche Bell mit dem Modell 206A gewann. Das Modell 206A wurde dann als OH-58 Kiowa gebaut. OH-6 und OH-58 erlebten beide im Vietnam-Krieg ihre militärische Feuertaufe, wobei der OH-6 als Aero-Scout bevorzugt wurde (schnelle Tiefstflüge zur Aufklärung und leichte Angriffe).

Mikro Mir - OH-6A Loach

Die OH-6A stach durch ihr radikales Design ins Auge, der Rumpf hatte eine Tropfenform - auf aerodynamische Sauberkeit wurde sehr viel Wert gelegt, um mit kleinem Triebwerk eine möglichst hohe Fluggeschwindigkeiten zu erreichen. Das Cockpit konnte Pilot und Beobachter aufnehmen, in der Kabine konnten zwei weitere Personen oder Fracht mitgeführt werden. Hinter der Kabine war die T-63-Turbine in einem schrägen Winkel montiert. Einerseits konnte der Antrieb somit direkt zum Getriebe hochgeleitet werden, andererseits blieb der Schwerpunkt tief und die Zugänglichkeit für die Mechaniker war hervorragend. Die Flugsteuerung erfolgte über Steuerstangen. Da dazu keine Hydraulikunterstützung (Servos) verbaut wurden, konnte Gewicht gespart werden; die Steuerkräfte blieben für den Piloten deshalb höher als bei anderen Helikoptertypen.

Der Hauptrotor war vierblättrig. Über dem Turbinenbereich war der Heckausleger mit dem Schmetterlings-Leitwerk montiert. Für den Drehmomentausgleich sorgte ein Zweiblatt-Heckrotor. Der Hubschrauber erhielt ein sehr stabiles Kufenlandegestell mit hydropneumatischen Dämpfern. Über 1.400 Stück der OH-6A wurden gebaut. Aus dem Modell 369C/OH-6A entwickelte man das Modell 369D/OH-6D, welches äußerlich am neu gestalteten T-Leitwerk erkennbar war.

Mikro Mir - OH-6A Loach

Neben den MD500D/OH-6D-Modellformen von Fujimi und Academy/Hasegawa hatten Tamiya und Astrokit lange Zeit als einzige Hersteller eine frühe OH-6A/MD500C/369C mit Vierblattrotor und Schmetterlings-Leitwerk im Angebot. 2009 erschien der vorliegende Kit von AMP (Mikro Mir), mit Ätzteilen aus dem Hause Eduard. Was beim Begutachten der Spritzgussrahmen sofort ins Auge sticht, ist die Ähnlichkeit gewisser Teile zum Hasegawa/Academy-Kit. Insbesondere die beiden Rumpfhälften gleichen sich doch ziemlich stark, abgesehen von den fehlenden Passstiften. Das AMP-Modell hat aber gegenüber dem Hasegawa/Academy-Kit deutlich weniger Mängel in Sachen Detaillierung. Dafür ist überall ein wenig überstehender Grat vorhanden. Nieten am Rumpf findet man leider auch nicht. Bei den Triebwerksabdeckungen ist am hinteren Ende beidseitig eine Sinkstelle vorhanden.

Mikro Mir - OH-6A Loach

Beginnen wir mit einem Blick ins Innenleben. Im Cockpit sind Pedale, Stick und der kollektive Blattverstellhebel beidseitig vorhanden. Die Grundplatte gleicht wiederum sehr stark der von Hasegawa, die Bodenstruktur der Kabine ist aber vollständiger. Die Sitze sind mit Seitenschutz ausgestattet. Das Instrumentenbrett weist an der Rückseite Verkabelung auf. Schön, dass dies endlich einmal ein Modellhersteller berücksichtigt hat. Die Instrumente selbst werden mit zwei Ätzteilen dargestellt. Generell werden im Cockpit einige Ätzteile verbaut, so z.B. Pedale, Sitzgurte, Konsole, Instrumente, Brackets und Haltegriffe. In der Kabine findet eine Munitionskiste für die Minigun ihren Platz. Auch hier werten einige Ätzteile das Gesamtbild auf (Griffe, Munitionsgurt, Hülsenauswurfführung).

Die Wand zwischen Cockpit/Kabine und die Kabinenrückwand weist eine ansprechende Struktur auf. An der Kabinenrückwand ist die Antriebswelle zwischen Triebwerk und Getriebe offen dargestellt, was in Vietnam gängige Praxis war, um das Gewicht der Innenverkleidung zu sparen. In der Kabinendecke wird innen die Hauptgetriebeabdeckung montiert, außen weist das Teil bereits einen Teil der Flugsteuerung auf. Nach dem Zusammenbau der Kabinendecke mit Kabine und Rumpfschalen bleibt die Flugsteuerung im sogenannten "dog house" (dem Aufbau oberhalb des tropfenförmigen Rumpfs) sichtbar. Dem Bausatz liegen keine Türen für die linke Rumpfseite bei.

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Das Schmetterlingsleitwerk ist sehr gut wiedergegeben, es wird zusammen mit dem Heckgetriebe am Heckauslegerende montiert. Erfreulicherweise weist das Heckgetriebe die kompletten Flugsteuerungsteile auf (Umlenkhebel, pitch change spider). Der Heckrotor ist einfach gehalten, seine Dimensionen sind stimmig (Hasegawas/Academys Heckrotor ist größer im Durchmesser, da die 500D-Modelle mehr Drehmoment erzeugten).

Auch der Hauptrotor weist die komplette Flugsteuerung mit Taumelscheibe und Steuerstangen auf. Mast, Kopf, Dämpfer und Blattarme sind sehr schön wiedergegeben. Der Hauptrotor bleibt nach dem Zusammenbau drehbar.

Wo Licht ist, ist leider auch Schatten. So hat AMP beim Landegestell wohl nicht an Vorbildmaschinen recherchiert, sondern sich an den Hasegawa/Academy-Kits orientiert. Sehr ärgerlich, dass nun auch beim AMP-Bausatz die Dimensionen nicht stimmen: Die Fahrwerksstreben sind für ein niedriges Landegestell um ca 4,5 mm zu lang gegossen. Immerhin wurde daran gedacht, dass die Positionslichter nicht an der Kufenspitze montiert waren.

Mikro Mir - OH-6A Loach

Die Klarsichtteile bestehen aus der Bugverglasung, den beiden Türen für die rechte Rumpfseite und den Dachfenstern der Kabine. Einziger Pluspunkt der Klarsichtteile: Die Türen bestehen aus einem einzigen Klarsichtteil und müssen nicht zusammengesetzt werden. Ansonsten können sich die Verglasungen kaum vor Kritik retten: Sie sind ziemlich dick gegossen, zerkratzt, schlierig, weisen nur eine sehr grobe Struktur auf, erinnern an Milchglas und verzerren die Ansicht nach innen bereits nach wenigen Millimetern Tiefe. Wer kann, wird sich die Klarsichtteile eines Hasegawa/Academy-Bausatzes krallen und hier verbauen, sofern es die Passgenauigkeit zulässt. Im Außenbereich werden noch Ätzteile für Landescheinwerfer, Antennen und Laschen verbaut

Mikro Mir - OH-6A Loach

Die matt gedruckten Decals weisen einen dünnen Trägerfilm auf, bei der Verarbeitung ist Vorsicht geboten. Der Druck ist sehr scharf, Versatz ist nur sehr minimal sichtbar. Für Instrumentenpanel und Konsole liegen Decals dabei, falls man sich gegen die Ätzteile entscheiden will. Wartungshinweise fehlen.

Die SW-Bauanleitung ist auf eine beidseitig bedruckte A4-Seite beschränkt, für das Anbringen der Ätzteile ist ein separates A5-Blatt beigelegt. Die Ätzteil-Anleitung ist übersichtlich gestaltet und kommt ohne Worte nur mit Zeichnungen aus.

Beim Druck der normalen Bauanleitung ist man wegen der Schwarz-Weiß-Ausführung schon an gewisse Qualitätsgrenzen gestoßen. Können Zahlen und Worte beim Zusammenbau noch knapp entziffert werden, schafft man das beim Betrachten des Decal-/Bemalungsplans kaum noch. Das Foto hat dann auch nur noch symbolischen Charakter. Dargestellt werden kann die OH-6A von Captain Hugh Mills, wie sie 1972 in Vietnam geflogen ist: Eine überaus attraktive Variante mit Haifischmaul. Farbangaben werden nur allgemein gehalten, Farbcodes muss man in Eigenrecherche zusammentragen.

Mikro Mir - OH-6A Loach

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OH-6A Loach

 

Darstellbare Maschinen:
  • Hughes OH-6A Loach, Capt. Hugh Mills, Vietnam 1972
Stärken:
  • Detaillierter Hauptrotorkopf, Flugsteuerung, Heckgetriebe, Kabine, Cockpit
  • Drehbarer Hauptrotor
  • Attraktive Decalvariante
  • Ätzteile von Eduard inbegriffen
Schwächen:
  • Klarsichtteile
  • Dimensionen des Landegestells
  • Nur eine Decalvariante darstellbar
  • Bauanleitung
  • Keine Passstifte für Rumpfschalen
Anwendung:
  • Mittel

Fazit:

Bedingt empfehlenswert. Nicht für Anfänger geeignet. Die Decalvariante ist attraktiv. Was in Sachen Detailierungsgrad gegenüber der Hasegawa/Academy-Ausführung an Boden gut gemacht wurde, machen die Klarsichtteile wieder zunichte. Dass die OH-6A auf demselben falschen Landegestell zu stehen kommt wie die japanisch/koreanische Konkurrenz ist ebenfalls schade. Da die Möglichkeiten einer Hughes mit Schmetterlingsleitwerk sehr beschränkt sind, bleibt der AMP-Kit wohl eine Weile die Standard-Cayuse in 1:48. Wer den Kit unbedingt bauen will, dem sei Ersatzmaterial (Klarsichtteile, Türen) aus einem Hasegawa/Academy-Kit empfohlen.

Weitere Infos:

Referenzen: "LOACH! The Story of the H-6/Model 500 Helicopter" von Wayne Mutza, Schiffer Military History
Anmerkungen: Die Vorbildmaschine für diesen Bausatz ist im Army Aviation Museum in Fort Rucker ausgestellt. Seit Erscheinen dieses Kits hat bei AMP eine sehr deutliche Qualitätssteigerung stattgefunden. Bester Beweis dafür ist die 2017 erschienene Sikorsky HO3S-1.

Diese Besprechung stammt von Melgg Lütschg - 12. September 2017

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