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Flugzeugträger Graf Zeppelin

(Revell - Nr. 05055)

Revell - Flugzeugträger Graf Zeppelin

Produktinfo:

Hersteller:Revell
Sparte:Schiffe Militär WK2
Katalog Nummer:05055 - Flugzeugträger Graf Zeppelin
Maßstab:1:720
Kategorie:Bausätze (Plastik)
Preis:ca. 15 €
Inhalt:3 Spritzlinge, 1 Decal, 1 Bauanleitung

Besprechung:

Das Original:

Die Reichsmarineleitung hatte ihr Konstruktionsamt bereits im Winter 1933-34 beauftragt, Pläne zum Bau eines Flugzeugträgers auszuarbeiten. Im Gegensatz zu Großbritannien, den USA und Japan verfügte man in Deutschland über keinerlei Erfahrungen bezüglich der Konzeption und Ausrüstung eines Flugzeugträgers. Zu diesem Zeitpunkt gab es auch noch keine konkreten Vorstellungen über die einzusetzenden Flugzeugtypen. Als Ergebnis der vorangegangenen technischen und strategischen Überlegungen seitens der Marineleitung sollte das Schiff bei einer Wasserverdrängung von 20.000 t eine Höchstgeschwindigkeit von 33 Knoten erreichen können und über fünfzig bis sechzig Flugzeuge verfügen. Die Konstruktionsarbeiten wurden nach einem Jahr abgeschlossen und am 16. November 1935 beauftragte das Oberkommando der Kriegsmarine die „Deutsche Werke Kiel A.G.“ mit dem Bau eines Träger „A“. Die Kiellegung verzögerte sich bis zum 28. Dezember 1936. Am 8. Dezember 1938 erfolgte der Stapellauf des Schiffes. Hermann Göring hielt die Taufrede. Die Schiffstaufe vollzog die Tochter des Grafen Zeppelin. Das Schwesterschiff, der Träger "B", war zwar 1938 von der Germania-Werft auf Kiel gelegt worden, aber bereits am 19. September 1939 kam der Baustopp. Das Schiff wurde später auf der Helling abgewrackt. Der weitere Ausbau des „Graf Zeppelin“ verlief nur noch zögerlich und mit Verfügung durch das Marineamt wurden am 29.04.1940 alle Arbeiten eingestellt. Die bereits montierte schwere Schiffsartillerie wurde wieder ausgebaut und nach Norwegen gebracht.

Die Ausstattung des Trägers mit geeigneten Kampf- und Torpedoflugzeugen konnte nicht befriedigend gelöst werden. Nach langwierigen Untersuchungen und der Vergabe von Entwicklungsaufträgen an Flugzeugbaufirmen wurde seitens des RLM im März 1941 festgestellt, daß höchstens 43 Flugzeuge verschiedener Typen auf dem Träger einsetzbar seien, was im Vergleich zu alliierten oder japanischen Trägern vergleichbarer Größe recht wenig war. Das Schiff sollte 13 Sturzkampfbomber vom Typ Junkers Ju-87C-0, 10 Jagdflugzeuge Messerschmitt Me-109T und 20 Fi-167 aufnehmen. Bis auf die Fi 167 waren das katapultstartfähige Sonderausführungen der Me 109 E-3 und Ju 87 B-1, die mit verstärktem Rumpf, klappbaren Flügeln, geändertem Fahrwerk und Fanghaken ausgestattet wurden. Seit 1938 befand sich das als trägergestütztes Landflugzeug entwickelte Mehrzweckflugzeug Fi-167 in der Flugerprobung. Mit Hochauftriebshilfen versehen, war nur dieser Doppeldecker in der Lage, ohne Katapult vom Träger zu starten. Ab 1938 liefen in der E-Stelle Travemünde umfangreiche Erprobungen der Flugzeuge und Geräteausrüstung mit Katapultstart- und Bremslandungsversuchen. Von 1942 bis 1943 bestand das Erprobungskommando 18 in Pillau (Baltijsk), das die Flugzeuge und alle erforderlichen Geräte für Flugbetrieb auf einem Träger erproben und das Flug- und Bordpersonal ausbilden sollte. Seit Sommer 1940 lag das zu etwa 85 Prozent fertig gestellte Schiff in Gotenhafen (Gdynia) am Pier. Der japanische Angriff auf Pearl Harbour und die erfolgreichen Operationen von Flugzeugträgern im Pazifik führten im Marineamt zu erneuten Aktivitäten, den Bau doch noch zu vollenden. Ein Befehl zum Weiterbau erging am 13. Mai 1942. Die Arbeiten sollten innerhalb eines Jahres abgeschlossen sein. Zur Fertigstellung wieder nach Kiel geschleppt, kam „Graf Zeppelin“ dort am 5. Dezember 1942 an. Bereits am 10. Januar 1943 erfolgte dann der letzte Baustopp. Bis zum Kriegsende lag das Schiff nahe Stettin (Szcecin) in einem Seitenarm der Oder vor Anker. Der Flugzeugträger wurde dort am 25. April 1945 durch die Reichsmarine mit Sprengladungen auf Grund gesetzt. 1946 ließ die Rote Armee das Wrack wieder schwimmfähig machen und in Swinemünde (Swinoujscie) von Marinefachleuten untersuchen. Als Zielschiff wurde es dann am 18. Juni 1947 vor der polnischen Küste durch russische Kampfschiffe endgültig versenkt. (Quelle: Revell)

Technische Daten:

Allgemeines

  • Länge x Breite: 262,5 x 36,2 m
  • Tiefgang: 7,35 m - 8,50 m
  • Konstruktionsverdrängung: 27.650 t, 33.550 t max.
  • Antrieb: 4 Dampfturbinen, je 50.000 PS
  • Geschwindigkeit: 33,8 kn
  • Fahrbereich: 8.000 sm bei 19 kn (Brennstoffvorrat 6.630 t)
  • Besatzung: 1.720 Mann, davon 342 Mann flugtechnisches Personal
Bewaffnung:
  • 16 x 15 cm-Geschütze (Doppellafette), 12 x 10,5 cm-Flak (Doppellafette),
  • 22 x 3,7 cm-Flak (Doppellafette), 28 x 2,0 cm-Flak (Vierlingslafette)
  • 43 Flugzeuge in zwei Hangardecks,
  • 2 Flugzeugkatapulte mit Startwagen, Länge: 20,58 m,
  • Katapultbeschleunigung: in 1,4 Sekunden auf 142 km/h
Panzerung:
  • Mittschiffs: 100 mm (Wasserlinie), Vor- und Achterschiff: 60-80 mm,
  • Flugdeck: 20-40 mm, Panzerdeck: 40 mm, Brückenaufbauten: bis 17 mm,
  • Schilde der 15cm-Artillerie: 30 mm, Hangardecks: 12 mm (Wände und Decken)

Revell - Flugzeugträger Graf Zeppelin

Das Modell

Der Bausatz ist eine Wiederauflage aus dem Jahr 1997 und wurde erneut mit neuem Decal und neuer Bauanleitung in den Handel gebracht, wegen der kürzlich bekanntgewordenen Ereignisse in der Ostsee. Der Guss ist sehr gut, es finden sich so gut wie keine Grate an den Teilen. Das Modell kann ausschließlich als Vollrumpfmodell gebaut werden, wer es als Wasserlinienmodell haben möchte muss zur Säge greifen, weil es auf der Rumpfinnenseite keine Sollbruchstelle gibt. Sieht man sich den Bausatz einmal und und vergleicht ihn mit Originalzeichnungen, stellt man leichte Abweichungen in den Bullaugenreihen, dem Unterbau des überkragenden Flugdecks und der Insel fest. Die Insel ist im Bausatz ein durchgängiges Teil, auf Plänen kann man allerdings deutlich feststellen, dass der Schornstein aus der Insel gelöst ist. Ebenso wurde die solide Spiltterschutzaufkantung an der Brücke nicht mit dargestellt, was der geübte Modellbauer aber sicherlich selbst lösen wird.

Revell - Flugzeugträger Graf Zeppelin

Die Passgenauigkeit ist als sehr gut zu betrachten, lediglich die beiden Decksbereiche am Bug und achtern müssen an den Rumpf angepasst werden. Das aus einem Stück bestehende Flugdeck hat eine Option am hinteren Lift, der abgesenkt oder hochgefahren dargestellt werden kann. Im abgesenkten Zustand hat man leider keinen Einblich in das Hangardeck, weil diese Option als anmodellierte Absenkung in das Flugdeck eingelassen ist. Leider hat das Flugdeck keine Plankenstruktur. Eine weitere Option hat der Modellbauer, weil der Bausatz 4 Relingstücke für die freien Decksbereiche an Bug und Heck zur Verfügung stellt. Diese sollte der Modellbauer ruhig weglassen, weil die Teile erstens überdimensioniert und nur zweizügig sind und zweitens der Bausatz keine Relings für das Flugdeck und die Insel spendiert. Die Kasematten der 15cm Geschütze schließen an der Oberkante der Kasemattenaussparung nicht ab, was allerdings nur der Schiffsenthusiast beheben wird, weil wenn man von oben auf das fertige Modell schaut, es nicht mehr auffällt.

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Ansonsten ist das Modell was die Form angeht als gelungen zu betrachten. Sehr schön dargestellt ist der Torpedowulst, die Schlingerkiele und die elegante Form des Rumpfes. Was am Rumpf sofort auffällt sind allerding die zu groß dimensionierten Bullaugen und auch die Anker sollte man aus der Grabbelkiste durch kleinere ersetzen, weil der Konstrukteur die hier riesigen, beim Stapellauf zum Bremsen dienenden Anker gewählt hatte. Die Bootsdavits sind zwar nicht durchbrochen, haben dafür eine schöne Struktur, die man schwärzen kann und damit den durchbrochenen Charakter herstellen kann. Einzig und allein bei den Bootsloggien, die noch mit einem Teil in der Höhe halbiert werden könnte es zu Passproblemen führen. An dieser Stelle sollte man entweder die Davits weglassen oder aber an der Oberseite leicht trimmen.

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Das Flugdeck hat versenkte Strukturen für Lifts, Munitionsaufzüge, Aufzüge für die Startwagen, die Fangseile und die Windschotts. Für letztere hätte ich mir ein Decal gewünscht, das muss so leider lackiert werden. Die Bauanleitung gibt dazu in Baustufe 2 einen Hinweis. Die Fangseile am hinteren Bereich des Flugdecks würde ich mit gezogenen Gussästen darstellen. Das Bordgeschwader besteht aus je sechs Me 109 und sechs Ju 87. Leider finden sich keine Fi 167 im Bausatz. Die Startwagen für die Katapulte sind etwas zu prominent geraten, wer möchte, sollte diese verkleinern oder ganz weg lassen. Die Masten sind einheitlich und haben an der Seite, an der diese am Deck befestigt werden, dreieckige Ausleger. Hier sollte der Modellbauer so vorgehen (von hinten nach vorne), weil es in der Bauanleitung nicht beschrieben ist: Am ersten das linke Dreieck entfernen, am dritten und vierten beide Dreiecke abtrennen.

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Die Bewaffnung des Bausatzes ist für 95 Prozent der Modellbauer ausreichend. Wer zu den 5% der Schiffsenthusiasten gehört, der wird mit diesen nicht ganz einher gehen, weil die 10,5 cm Flak etwas zu groß ist und eine falsche Form hat, die 3,7 cm Flak ebenso überdimensioniert ist und die 2cm Vierlinge nicht als solche erkannt werden können. Wer es ändern möchte, kann es gerne tun, weil sich auf dem Zubehörmarkt einiges tut in Punkto Austauschteile. Ebenso könnte man zum Beispiel für diese Zwecke eine Scharnhorst oder Gneisenau von MHM schlachten und die entsprechenden Teile verwenden oder gleich zu den Sätzen von WSW greifen.

Revell - Flugzeugträger Graf Zeppelin

Das Decal

Der Naßschiebebilderbogen ist sauber gedruckt und beinhaltet Flugdeckmarkierungen, die Hoheitsabzeichen für das Bordgeschwader, Beschriftungen für den Sockel sowie diverse Flaggen und die Schiffsnamen. Bei den Decksmarkierungen fehlen mir allerdings zwei, die der Modellbauer durch Lackierung selbst aufbringen sollte. Diese sind ein breiter gelber Balken am Flugdeckende und ein doppelt so breiter Balken am Flugdeckanfang, im Bereich zwischen den Katapulten. Ansonsten ist der Trägerfilm matt und nicht zu weit um die Decals umlaufend.

Revell - Flugzeugträger Graf Zeppelin

Der Bauplan

Der Bauplan ist übersichlich und gliedert sich in 29 Baustufen. Sehr schön übrigens, dass in Baustufe 22 erwähnt wurde, die Löcher zuzuspachteln die sich an Deck befinden. Anstelle des Garns, das für die Antennenverspannung vorgeschlagen wird, sollte der Modellbauer lieber auf gezogenen Gussast zurückgreifen. Ansonsten ist in Baustufe 29, der Bemalungsanleitung, nicht unterschieden in Rumpffarbe und Aufbautenfarbe, wie bei den Schiffen der Deutschen Kriegsmarine seinerzeit üblich. Dafür wird aber in den Baustufen auf diese Trennung eingegangen.

Revell - Flugzeugträger Graf Zeppelin

Stärken:
  • Sauber Guss
  • Gute Passgenauigkeit
  • Sehr guter Bauplan
  • Super Decalbogen mit kompletten Hoheitsabzeichen für das Bordgeschwader
Schwächen:
  • Leichte Schwächen in der Recherche zum Bausatz
  • Flakbewaffnung nicht authentisch
  • Fi 167 nicht mit im Bausatz
Anwendung:
  • Austausch der Flaks durch welche von WSW empfohlen

Fazit:

Revell hat einmal mehr Gefühl für den Markt in Verbindung mit aktuellen Ereignissen in Form dieser interessanten Wiederauflage bewiesen. Der Bausatz ist einmal abgesehen von einem nicht ganz erschwinglichen und schlecht verfügbaren Kleinserienbausatz von HP-Models der einzige Bausatz in diesem beliebten Maßstab in Spritzguss. Das Modell baut sich dank der übersichtlichen Bauanleitung ohne Probleme und stellt, wenn man etwas Arbeit hineinsteckt und den Träger mit etwas Takelage versieht, eine ansehnliche und ordentliche Replik dieses niemals fertig gestellten Aushängeschildes der ehemaligen deutschen Kriegsmarine dar.

Weitere Infos:

Referenzen:
Anmerkungen: Einen tollen Ätzteilesatz für das Modell gibt es von Toms Modelworks

Diese Besprechung stammt von Martin Kohring - 31. Januar 2007

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