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Gepanzerte Radfahrzeuge der Bundeswehr Teil 1

Fahrzeug Profile 56

 - Gepanzerte Radfahrzeuge der Bundeswehr Teil 1

Zusammenfassung:

Autor:Peter Blume
Verlag:UNITEC-Medienvertrieb
ISBN:ohne
Erscheinungsjahr:2013
Sprache:Deutsch
Inhalt:
  • 50 Seiten mit knapp über 130 Abbildungen, davon 6 in s/w
Preis:11,80

Besprechung:

Bei ihrer Gründung im Jahre 1955 waren zunächst keine gepanzerten Radfahrzeuge für das Heer vorgesehen. Lediglich bei den Panzeraufklärungstrupps gab es Überlegungen derartige Fahrzeuge zu beschaffen, nicht zuletzt aufgrund der während des zweiten Weltkrieges gesammelten Erfahrungen. Schon bald stellte sich jedoch heraus, dass die damals verfügbaren britischen Ferret und die französischen EBR75 Radfahrzeuge bei weitem nicht den Anforderungen der Panzeraufklärern genügten. Es dauerte noch bis 1962, bevor man über eine Eigenentwicklung nachdachte. Im Zuge der immer größer werdenden Streitmacht des damaligen Ostblocks entschied man sich letztlich für die Beschaffung geeigneter gepanzerter Radfahrzeuge. 1975 war es dann endlich soweit, der 8-Rad Spähpanzer Luchs wurde an die Truppe ausgeliefert.    

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Der Spähpanzer 2 "Luchs" befand sich seit 1968 in der Erprobung, 1973 wurden die Aufträge zur Serienfertigung erteilt. Das bei Daimler-Benz entwickelte Fahrzeug verfügt über Allrad-Antrieb und -Lenkung und ist dank der gasdicht geschweißten Wanne ohne Hilfsmittel voll schwimmfähig. Der eingebaute OM403VA Vielstoffmotor leistet 390 PS und ermöglicht dem Luchs eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h auf der Straße (je nach Rüststand sogar 100 km/h) und immerhin 11 km/h im Wasser. Die Bewaffnung besteht aus einer 20mm Mk.20 Rh202 Schnellfeuerkanone und einem 7.62mm MG. Außerdem verfügt er über Nebelwerferanlage außen am Turm mit 2x4 Bechern. Die optische und elektronische Ausrüstung wurde ständig aktualisiert, um den wechselnden Anforderungen im Einsatz gerecht zu werden, außerdem gab es diverse Kampfwertsteigerungen. Besonders bei den Einsätzen auf dem Balkan bewährte sich der Luchs im gepanzerten Einsatzverband. Allerdings führten auch genau diese Einsätze zur vorzeitigen Ausmusterung des Luchs, dessen Ersatzteilversorgung gut 20 Jahre nach Produktionsende immer schwieriger und kostenintensiver wurde. Im Jahre 2008 kam dann das überraschend schnelle Ende, nach insgesamt 32 Dienstjahren. Insgesamt 408 Fahrzeuge wurden für die Bundeswehr gebaut.

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Parallel zum Luchs wurde bei Daimler-Benz die Entwicklung des Transportpanzers "Fuchs" vorangetrieben. Während sein 8-rädriges Pendant lediglich für die Panzeraufklärung gedacht war, wurde der Fuchs neben dem Truppentransport im Gefecht auch als Pioniergruppenfahrzeug, Führungsfahrzeug und zur ABC-Abwehr eingesetzt. Einige Fahrzeuge wurden für Sanitätsaufgaben und für die "leichte" elektronische Kriegsführung (Stören, Aufklären etc.) ausgerüstet. In Grundausstattung war auch der Fuchs schwimmfähig. Sein V8-Dieselmotor leistet 320PS und ermöglicht einen Fahrbereich von 800km auf der Straße und 400km im Gelände bei einer maximalen Geschwindigkeit von 96 km/h zu Lande und 10 km/h im Wasser. Die Bewaffnung besteht normalerweise aus bis zu drei 7,62mm MGs, einige Fahrzeuge erhielten jedoch zusätzlich eine Lafette für die Panzerabwehrrakete MILAN. Im Laufe der Zeit und nach den im realen Einsatz gewonnenen Erkenntnissen wurden einige Modifikationen und Kampfwertsteigerungen durchgeführt, wie z.B. Schutzmaßnahmen gegen Minen und sog. Improvised Explosion Devices, eine modulare Zusatzpanzerung, Raumkühlanlage usw. Mittlerweile sind 16 verschiedene Varianten im Einsatz, knapp über 1000 Fahrzeuge wurden für die Bundeswehr hergestellt. Einige Fahrzeuge sollen bis 2025 bei der Truppe verbleiben, trotz der Einführung seines designierten Nachfolgers "Boxer". 

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Das ESK Mungo gehört zu den neueren Fahrzeugtypen im Bestand der Bundeswehr. Das Kürzel ESK bedeutet Einsatzfahrzeug Spezialisierte Kräfte, womit seine Funktion und Verwendung klar sein dürfte. Aufbauend auf dem zivilen Multicar (dem einzigen überlebenden Fahrzeughersteller der ehemaligen DDR) wurde der Mungo ab 2005 in die Truppe eingeführt. Das Fahrzeug verfügt über Allradantrieb, elektronische Traktionskontrolle und Räder mit Notlaufeigenschaften. Es ist voll geländegängig und aufgrund seiner kompakten Abmessung sehr wendig und natürlich luftverladbar. Auf seiner Ladefläche findet eine komplette Fallschirmjägergruppe nebst Bewaffnung und Ausrüstung Platz. Das Fahrzeug besitzt eine leichte Panzerung gegen Schützenminen und Infanteriewaffen. Die Variante Mungo 2 ist mit einem Schnellwechselsystem für Frontanbauteile (z.B. Pioniergerät) sowie mit einem hydraulischen Transportsystem ausgestattet und kann eine Nutzlast von 1,5t transportieren. Der Mungo 3 verfügt über eine komplett geschützte Kabine und ist für ABC-Aufgaben vorgesehen. 2013 stehen über 400 Fahrzeuge bei der Bundeswehr im Einsatz.

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Der ATF (Allschutz-Transport-Fahrzeug) Dingo 1 wurde aufgrund der sich ändernden militärischen Anforderungen entwickelt. Es verfügt über eine spezielle Sicherheitszelle wie sie auf Patrouillen benötigt wird, insbesondere zum Schutz gegen Bodenminen. Aufbauend auf dem Fahrgestell des bewährten Unimog U1550L verfügt es über einen 6L 6-Zylinder Dieselmotor mit einer Leistung von 240 PS und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h. Die Bewaffnung besteht aus einem einzelnen MG cal. 7,62mm. Zur Ausrüstung gehören GPS, Rückfahrkamera, Reifendruckregelanlage, ABS, ABC-Schutzbelüftungsanlage, Klimaanlage und Standheizung. Das Konzept des Fahrzeuges hat sich bei zahlreichen Einsätzen in Afghanistan sehr bewährt. 147 Stück wurden ab 2000 in die Truppe eingeführt. Der Dingo 2 ist eine direkte Weiterentwicklung des Dingo 1. Sein Rundumschutz wurde weiter verbessert, insbesondere gegen Minen und Splittermunition. Die bewährte 4x4 Antriebsformel wurde beibehalten. Seine Besatzung besteht nunmehr aus 6-8 Mann, im Gegensatz zum Dingo 1 ist nun auch der Fahrgastinnenraum geschützt. Seine 1000km Reichweite machen ihn zum idealen Patrouillen- und Aufklärungsfahrzeug unter erschwerten Bedingungen. Zahlreiche Untervarianten wurden mittlerweile eingeführt, darunter Fahrzeuge mit spezieller Schützendetektionsausstattung, mit Störsendern, als Gefechtsschaden-Instandsetzungs- und Wartungstrupp, mit Granatwerfer oder einer 12,7mm Waffe und auch als Fahrzeuge für Material-und Personentransport. Mit über 500 Fahrzeugen ist der Dingo 2 eines der am weitesten Verbreiteten gepanzerten Fahrzeuge in der Bundeswehr.

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Das Heft bietet vor Allem viel Bildmaterial zu den oben vorgestellten Fahrzeugen. Jedem Fahrzeug ist ein eigenes Kapitel gewidmet, Schwerpunkt liegt hierbei auf den Dingo 1 und 2, welche gut die Hälfte des Umfangs in Anspruch nehmen. Der Text ist wie üblich sehr knapp gehalten, einer kurzen Beschreibung der Entwicklung folgt eine z.T. recht ausführliche technische Beschreibung. Wer mehr Informationen zum jeweiligen Fahrzeug braucht muss auf andere Quellen ausweichen. Technische Daten sind in den Fließtext eingebaut. Was das Bildmaterial angeht ist man auf Gesamtansichten beschränkt. Die Fahrzeuge werden im Wesentlichen in ihren jeweiligen Einsatzsituationen gezeigt, vom Manöver bis hin zu den Einsätzen im Kosovo und Afghanistan. Detailansichten, Ansichten von der Technik oder dem Innenraum der Fahrzeuge fehlen völlig. Allerdings ist das Bildmaterial durchweg von sehr guter Qualität. Zeichnungen, Dreiseitenansichten oder Farbprofile gibt es keine, allerdings hätte man dafür für jedes Fahrzeug ein eigenes Heft herausbringen müssen (ja warum eigentlich nicht?).

Stärken:

  • Sehr informativ
  • Viele Bilder von guter Qualität

Schwächen:

  • Keine Detailansichten, nur Gesamtansichten

Fazit:

Das Heft ist in der gewohnten Art der Fahrzeug Profile Reihe gestaltet. Reichlich Bildmaterial mit wenig Text. Was man als Modellbauer vermissen wird sind die fehlenden Detailfotos und auch die eine oder andere Zeichnung, z.B. der verwendeten Farbschemen.

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Diese Besprechung stammt von Frank Richter - 11. September 2013

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