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Henschel Hs 129

Flugzeug Profile Nr. 54

 - Henschel Hs 129

Zusammenfassung:

Autor:Manfred Franzke
Verlag:UNITEC-Medienvertrieb
ISBN:ohne
Erscheinungsjahr:2014
Sprache:Deutsch
Inhalt:
  • 50 Seiten mit 8 farbigen Abbildungen und 115 in Schwarz-Weiß
  • 3 1/2 Doppelseiten mit Dreiseitenrissen
  • 28 farbige Profile, z.T. mit mehreren Ansichten
  • 22 Skizzen mit Auszügen aus Handbuch und den technischen Originalunterlagen
Preis:11,80 Euro

Besprechung:

Die Entwicklung der Hs 129 geht auf eine Ausschreibung des Reichsluftfahrtministeriums aus dem Jahre 1937 zurück. Gefordert wurde darin ein leichtes Schlachtflugzeug mit schwerer Kanonen- oder MG-Bewaffnung und einer gewissen Bombenzuladung. Als Antrieb sollte der damals neue Argus As-410A-0 dienen. Die Möglichkeit für Tiefflugangriffe sollte durch eine entsprechend starke Panzerung gegeben sein. Neben Henschel beteiligten sich auch Focke-Wulf, die Gothaer Waggonfabrik und der Hamburger Flugzeugbau an der Ausschreibung. Fieseler stieß später auch noch dazu, deren Projekt Fi-168 wurde aber 1938 wieder fallengelassen. Henschel schickte sein Projekt P46 mit dreieckigem Rumpfquerschnitt und einer 75mm Cockpit-Panzerung ins Rennen. 1938 beauftragte das RLM den Bau von drei Prototypen, da zunächst kein Gewinner feststand baute auch Focke Wulf drei Prototypen einer modifizierten Fw-189. Im Mai 1939 startete die Hs 129 V1 zu ihrem Erstflug. Der Maschine wurden nur mäßige Flugleistungen aufgrund der schwachen Motorisierung bescheinigt. Die V2 folgte Ende November 1939, V3 schließlich im April 1940.

 - Henschel Hs 129

Da dieser Typ dringend für den bereits ausgebrochenen Krieg benötigt wurde bestellte das RLM schon kurz darauf die ersten 23 Maschinen der Serie A-0 mit Liefertermin Ende November 1940. Der Auftrag wurde dann modifiziert, so dass nur zwölf Maschinen gebaut wurden, die restlichen sollten auf den Standard B-0 mit stärkeren Triebwerken gebracht werden. Im Herbst 1940 erreichten die ersten Maschinen den Versuchsverband (Schlacht)/LG2 in Tutow. 1941 wurden 60 Maschinen der Serie A-1 mit Gnome-Rhône 14M Motor, einer Kriegsbeute welche mittlerweile in großer Anzahl zur Verfügung stand, bestellt. Aus der A-1 wurde später dann die B-0. Mit den neuen Motoren stieg die Leistung um mehr als 50%, war aber immer noch unzureichend. Dieses Problem konnte nie ganz gelöst werden. Im August 1941 verließ das erste Serienmuster der B-0 die Werkshallen. Neben den neuen Motoren verfügte die B-0 Serie auch über leicht überabeitete Tragflächen und eine etwas stärker gerundete Nase. Von der B-0/B-1 Reihe wurden insgesamt etwa 300 Maschinen gebaut.

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Die Hauptbaureihe der Hs 129 war die Version B-2. Diese Version erhielt weitere, von außen weniger erkennbare Modifikationen. Sichtbarer Unterschied zur B-0/B-1 Serie sind die nunmehr eckigen Kühler unter den Motoren und der entfallene große Antennenmast auf dem Rumpfrücken, kleine Änderungen mit großer Wirkung. Die B-2 wurde ab Mai 1942 gebaut. Geplant war der Bau von über 1.000 Maschinen bis Ende März 1945. Ständige Modifikationen und Änderungswünsche seitens des RLM führten immer wieder zu Verzögerungen, erst ab Mitte 1943 verlief die Produktion halbwegs stabil mit einer Ausstoßrate von monatlich etwa 40 Maschinen. Durch die Bombardierung der Johannisthal-Werke Ende 1943 geriet die Produktion abermals ins Stocken und man konnte nur noch 25 Maschinen pro Monat ausliefern. Für die Erprobung und Weiterentwicklung wurden drei Maschinen zurückgehalten. Diese dienten vor allem den Tests mit den schweren Bordkanonen BK3,5, BK5 und der BK 7,5. Mit diesen Waffen sollte der immer besser werdenden Panzerung der gegnerischen Fahrzeuge Rechnung getragen werden. Die zentral im Rumpf getragenen Kanonen verursachten eine erstaunlich geringe Beeinflussung der Flugleistungen, so dass kaum Modifikationen an der Zelle vonnöten waren. Im März 1944 wurden die ersten Erprobungsmuster an die E-Stelle in Tarnewitz überführt, im Juli 1944 konnten die ersten Serienmaschinen von den Bändern rollen. Bis zum vorzeitigen Stopp der Produktion im August 1944 konnten noch 23 Maschinen gebaut werden.

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Der Einsatz der Hs 129 bei der Luftwaffe erfolgte überwiegend über Nordafrika und an der Ostfront. Nach dem Ende der Flugerprobung im Frühjahr 1943 erreichten die ersten Maschinen das II./SG 1 in Lippstadt. Drei Monate später erfolgte dann die Verlegung an den Südabschnitt der Ostfront, dem späteren Haupteinsatzgebiet der Hs 129. Die Einsätze verliefen bis auf die unzuverlässigen und anfälligen Motoren sehr erfolgreich, der spätere Einbau der Mk 101 anstelle der Bomben-ETC unter den Flügeln steigerte den Einsatzerfolg weiter. Die Verlegung einer kleinen Einheit mit Hs 129 nach Afrika erfolgte im November 1942. Die schwierigen Bedingungen (Staub, Hitze) setzten den Maschinen allerdings stark zu, wodurch sich der Klarstand ständig reduzierte. Bereits im April 1943 verlegten die verbliebenen Maschinen zurück nach Sizilien, um wieder ausschließlich an der Ostfront zu kämpfen. Rumänien erhielt nach dem Fall von Stalingrad einige Maschinen, die ironischerweise später gegen die deutschen Truppen eingesetzt wurden. Die Verluste der Hs 129 waren immens, so dass im Januar 1945 nur noch knapp 40 Maschinen zur Verfügung standen.

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In der gewohnten Aufmachung dieser Heftreihe erhält der interessierte Leser einen Überblick über den Werdegang der Hs 129. Schwerpunkt des Heftes - neben dem üblichen Bildmaterial - bildet die Entwicklungsgeschichte dieses bemerkenswerten Flugzeuges (man könnte sie durchaus als den Urahn der A-10 Thunderbolt betrachten). Zunächst wird jedoch kurz auf die Firmengeschichte von Henschel und die Situation der deutschen Luftfahrt in den 1930er Jahren eingegangen. Die Einsätze bei der Luftwaffe und Rumänien werden nur kurz angerissen, für eine ausführliche Beschreibung fehlt dem Format schlichtweg der Platz. Das verwendete Bildmaterial ist von der üblichen Qualität, bei einigen der Aufnahmen sind allerdings noch die typischen Spuren der Digitalisierung zu erkennen. Der überwiegende Teil der Bilder ist bereits aus anderen Publikationen bekannt. Sehr ausgewogen ist der Mix aus farbigen Profilen und dazu passenden Abbildungen. Was die Zeichnungen angeht, so ist für jede Untervariante ein Satz mit Mehrseitenrissen enthalten, allerdings fehlen exakte Maßstabsangaben. Der leider recht knapp bemessene technische Teil setzt sich aus der üblichen Zusammenstellung aus Fotos und Skizzen aus der Originaldokumentation zusammen. Da man möglichst viel Information auf die vier Seiten packen wollte, sind die einzelnen Illustrationen z.T. sehr klein ausgefallen, das war beim Zweiteiler über die Me-163 deutlich besser gemacht. Neuzeitliche Detailfotos einer realen Maschine sind keine enthalten, da schlicht und ergreifend keine einzige Hs 129 erhalten geblieben ist.   

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Stärken:

  • Brauchbare Zeichnungen und Farbprofile
  • Ordentliche Bild- und Druckqualität, gemessen am verfügbaren Originalmaterial

Schwächen:

  • Das Kapitel Technik kommt für meinen Geschmack etwas zu kurz, die Bilder in diesem Teil sind zudem sehr klein geraten

Fazit:

Das Heft vermittelt einen ersten Überblick über dieses legendäre Schlachtflugzeug. Der Schwerpunkt des Heftes liegt auf seinem entwicklungstechnischen Werdegang. Einsatzhistorie und die Technik kommen - bedingt durch das Format - etwas zu kurz. Ein Zweiteiler wie bei der Me-163 wäre sicherlich auch hier sinnvoll gewesen.

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Diese Besprechung stammt von Frank Richter - 20. Februar 2014

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