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Eicher-Traktoren

Von 1937 bis 1955

 - Eicher-Traktoren

Zusammenfassung:

Autor:Udo Paulitz
Verlag:Unitec-Medienvertrieb
ISBN:ohne
Erscheinungsjahr:2014
Sprache:Deutsch
Inhalt:
  • 50 Seiten mit 63 farbigen Abbildungen
  • 16 Abdrucke von zeitgenössischen Prospekten
  • 10 Tabellen mit technischen Daten
Preis:11,80 Euro

Besprechung:

ED 16/II, gebaut von 1950-1953
ED 16/II, gebaut von 1950-1953

Die Geschichte der Firma Eicher Traktoren geht bis Anfang des 20. Jahrhunderts zurück. Damals betrieb Josef Eicher Sen. eine Werkstatt, in der er auch ab und an mit Landmaschinen zu tun hatte. Da die Eichers selbst auch Landwirtschaft betrieben, entschlossen sich die beiden Söhne Josef und Albert sich genauer mit der Mechanisierung derselben zu beschäftigen. Die Übernahme einer Opel-Werkstatt durch den Vater legte schließlich den Grundstein für den Traktorenbau. Die ersten Tests wurden noch mit umgebauten Opel-PKW als Mähmaschinen durchgeführt, diese waren aber wenig vielversprechend. Es dauerte bis 1936, als man einen 22 PS starken Vierradtraktor präsentieren konnte, der mähen, pflügen und schleppen konnte. Ab 1938 wurden Traktoren im Sinne der damaligen politischen Gegebenheiten gebaut (Vereinheitlichung von Material, sog. Einheitsschlepper). 1942 mussten dann bis Ende des Krieges Rüstungsgüter gefertigt werden. Nach dem Krieg - die Firmengebäude blieben wie durch ein Wunder unversehrt - begann man mit der Wiederaufnahme von Entwicklung und Produktion von Schleppern.

Eicher 22, das Nachfogemodell des Vorkriegs-Einheits-Schleppers
Eicher 22, das Nachfogemodell des Vorkriegs-Einheits-Schleppers

Zu den ersten Nachkriegsmodellen zählte der ED 16/I mit einem luftgekühlten Dieselmotor und einer Leistung von 16 PS. Dieser 1450 kg schwere Schlepper erwies sich als äußerst erfolgreich und war einer der bedeutendsten Schlepper der 1950er Jahre. Ab 1953 verfügte der ED 16/I sogar über 19 PS, als neue Motoren zur Verfügung standen. Überhaupt war diese Zeit geprägt von einem ungeahnten Boom in dieser Branche, was aufgrund der knappen Ressourcen immer wieder zu Veränderungen am Fahrzeug führte. Viele Teile wurden zugekauft und man musste zeitweise das nehmen, was gerade verfügbar war. Die Luftkühlung des Motors bot zahlreiche Vorteile, nicht zuletzt deshalb galten die Schlepper als praktisch unverwüstlich.

Parallel zum luftgekühlten ED 16 wurden die Schlepper der Baureihe 22, 30 und 25 mit wassergekühlten Motoren gebaut. Diese entsprachen im Grunde genommen den ab 1938 gebauten Einheitsschleppern. Die jeweiligen Baureihen unterschieden sich durch ihre Motorleistung (22, 30 bzw. 25 PS). Zum Einsatz kamen ausschließlich Zweizylinder-Dieselmotoren in Kombination mit Getrieben von ZF oder Renk (Zahnradfabrik Augsburg) mit vier bzw. fünf Vorwärtsgängen. Die Schlepper waren mit unterschiedlichster Bereifung zu haben, ebenso gab es eine Reihe von Zubehör. Zur Grundausstattung gehörten Pendelvorderachse mit zentraler Schraubenfeder, Anhängerkupplung vorne und hinten, Riemenscheibe, Zapfwelle, Differentialsperre, Licht- und Vorglühanlage und eine verstellbare Ackerschiene. Der schwere Eicher 30 verfügte zudem über Einzelradbremsen. Die Produktion lief von 1949-1950 (Eicher 22 und 30) bzw. von 1950-1955 (Eicher 25).   

Der 30 PS starke L28/I mit Siebenganggetriebe
Der 30 PS starke L28/I mit Siebenganggetriebe

Da man bei Eicher bestrebt war die gesamte Modellpalette mit luftgekühlten Motoren anzubieten, stellte man Anfang der 1950er Jahre die Produktion unter Verwendung von Deutz-Dieselmotoren um. Die Nachfolger der Baureihe 22/25/30 waren die Dieselschlepper L28, L40 und L60. Der L28 unterschied sich vom L30 nur durch den Motor, das "L" in der Typenbezeichnung verwies auf dessen Luftkühlung. Die L40 und L60 Modelle stießen in neue Leistungsklassen vor, allerdings war der L60 aufgrund seiner Größe nur ein (sehr) bescheidener Erfolg. Die Produktion dieser Baureihe lief bis 1957. Das andere Ende der Produktpalette wurde mit den Typen EKL 15/II und dem noch kleineren EKL 11 erweitert. Der EKL 15/II war ein Universalschlepper mit einem 16 PS Ein-Zylinder-Dieselmotor. Er wurde speziell für die Verwendung auf kleinen Höfen konzipiert und sollte ein echter Dauerbrenner werden. Bis zu seinem Produktionsende 1958 wurden über 10.000 Fahrzeuge verkauft. Er ermöglichte sozusagen für viele Landwirte den Einstieg in die Mechanisierung der Arbeit. Die überarbeitete Version wurde ED 110/II genannt und ab 1958 produziert. Der EKL 11 hingegen konnte sich nicht wirklich am Markt behaupten, da der wesentlich beliebtere und 5 PS stärkere EKL 15/II nur geringfügig teurer war.  

Eine eher unbedeutende Rolle im Eicher Programm spielte der L22 mit einem 22 PS starken Zweizylinder-Dieselmotor aus eigener Produktion. Lediglich knapp über 600 Stück wurden von ihm zwischen 1954 und 1958 gebaut. Die Nachfrage blieb wegen dem Erscheinen des ED 22 gering. Der ED 22 und sein größerer Bruder ED 33 wurden beide von den neuen hauseigenen Motoren angetrieben. Während der ED 22 als Alternative zum L 22 angeboten wurde, sollte der ED 33 eine Lücke im mittleren Leistungssegment schließen, allerdings war er mit 265 Einheiten nicht sonderlich erfolgreich. Davon konnte bei den über 2.000 Exemplaren des ED 22 natürlich keine Rede sein.

Ein EKL 15/II Baujahr 1955
Ein EKL 15/II Baujahr 1955

Ein weiteres Produkt aus dem Hause Eicher waren die sogenannten Geräteträger, im Prinzip ein Schlepperfahrwerk mit variablen Auf- und Anbauten. Die Geräteträger G 19 Kombi und G 13 Muli wurden für leichtere Aufgaben, wie z.B. Mähen, für die Ernte oder zur Landschaftspflege eingesetzt. Auch diese Fahrzeuge wurden mit den Einzylinder-Dieselmotoren mit Luftkühlung angetrieben. Die Eicher-Geräteträger waren mit die stärksten am Markt, die Konkurrenzprodukte von Fendt und Lanz waren mit 12 PS gegenüber den 19 PS von Eicher klar unterlegen. Die Fahrzeuge waren sehr vielseitig, am Ende waren über 40 verschiedene Gerätekombinationen erhältlich. Die Produktion lief bis 1959.

Als die eigene Motorenproduktion immer weiter ausgebaut werden konnte, wurden auch die L22/25/30 Modelle durch solche mit Eicher-Motoren ersetzt. Die neue Baureihe hieß ED 30, 40, 50 und 60. Damit deckte Eicher nun das gesamte Leistungsspektrum - von 13 bis 60 PS - mit Fahrzeugen ab, die von den eigenen Motoren angetrieben wurden. Allerdings waren die 50 und 60 PS Modelle eher ein Nischenprodukt, allzu groß war der Bedarf für solch große und schwere Traktoren dann doch wieder nicht (der ED 60 wog über 3,3t!).

Die Allradschlepper der Baureihe ED 22, 26, 30 und 42 waren für besonders schwierige Einsatzbedingungen gedacht, z.B. bei den Bergbauern oder bei Wald- und Forstbesitzern. Die mit vier gleich großen Rädern bestückten Fahrzeuge waren sehr gewöhnungsbedürftig, da ein Längsdifferential fehlte und sich der Allradantrieb auch nicht abschalten ließ. Der Erfolg war dann auch eher bescheiden, in den 1950er Jahren war Allrad im Gegensatz zu heute noch kein Thema!

 - Eicher-Traktoren

Das Heft mit seinen 48 Seiten gibt einen guten Einblick in die Produktpalette von Eicher in der Nachkriegszeit. Sämtliche Baureihen werden ausführlich beschrieben und durch farbige Abbildungen dokumentiert. Bei den Fotos handelt es sich ausnahmslos um solche neueren Datums von restaurierten Fahrzeugen. Historische Aufnahmen findet man keine, was aber bei dem Thema nicht weiter verwunderlich ist. Für jedes Fahrzeug sind die wichtigsten technischen Daten in Tabellen aufgeführt. Als Ergänzung zu Text und Bild wurden einige Titelseiten der damaligen Verkaufsprospekte zum Teil ganzseitig abgedruckt. Druck- und Papierqualität sind auf dem gewohnt hohen Niveau. Was ein wenig kurz kommt - da es im Text immer wieder erwähnt wird - sind die Motoren von Eicher bzw. die Technik an sich, hier hätte man ruhig mal die eine oder andere Seite aus dem Handbuch abdrucken können, zumal viele der Bilder ähnliche Ansichten von fast identischen Fahrzeugen sind.  

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Stärken:

  • Gute Bild- Und Druckqualität
  • Informativer Text

Schwächen:

  • Keine ersichtlichen

Fazit:

Das Heft vermittelt einen guten Überblick über diese doch schon fast vergessenen Traktoren "Made in Germany".

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Diese Besprechung stammt von Frank Richter - 12. Juli 2014

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