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Reforger 77 / Carbon Edge

Die multinationale REFORGER-Übung der siebziger Jahre

 - Reforger 77 / Carbon Edge

Zusammenfassung:

Autor:Diego Ruiz Palmer & Wolfgang Igert
Verlag:Unitec-Medienvertrieb
ISBN:ohne
Erscheinungsjahr:2014
Sprache:Deutsch
Inhalt:
  • 50 Seiten mit über 150 farbigen Abbildungen
Preis:11,80

Besprechung:

 - Reforger 77 / Carbon Edge

Die REFORGER-Übungen der NATO waren von 1969 bis zum Ende des Kalten Krieges zentraler Bestandteil der NATO-Verteidigungsstrategie. REFORGER (REturn of FORces to GERmany) war eine tri-nationale Vereinbarung zwischen den USA, der Bundesrepublik Deutschland und Großbritannien, die darauf abzielte die Kosten der Stationierung der britischen und amerikanischen Truppen zu reduzieren. Dazu wurde ein Teil der eigentlichen Truppen in ihre Heimatländer zurückverlegt und deren Material in speziellen Depots in Deutschland gelassen. Im Ernstfall sollte dann eine schnelle Verlegung nach Deutschland erfolgen, das Material wieder übernommen und die Einsatzbereitschaft wiederhergestellt werden. Dadurch konnte die benötigte Zeit für eine solche Operation drastisch verkürzt werden. Die erste REFORGER-Übung fand 1969 statt, die letzte kurz nach dem Ende des Kalten Krieges 1993. Die Stärke der teilnehmenden Truppenverbände bewegte sich in der Regel zwischen 40.000 und 80.000 Soldaten, die größte REFORGER-Übung fand 1988 statt, mit knapp 125.000 Soldaten. Das Gegenstück auf der anderen "Seite" waren die alljährlich stattfindenden Herbstmanöver des Warschauer Paktes.

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Die 1977er Auflage der REFORGER-Übung stellte insofern eine Besonderheit dar, als zum ersten Mal die neue, 1976 ins Leben gerufene Doktrin der "Active Defense" zur Anwendung kam. Zentraler Bestandteil dieser Doktrin war es, die eigenen Verteidigungsoperationen so zu koordinieren, dass man den Schwung eines feindlichen Angriffes frühzeitig brechen konnte. Dazu sollten zum einen die vorhanden Waffensysteme in geeigneter Weise im Verbund zum Einsatz kommen bzw. deren Einsatz koordiniert werden, zum anderen sollten die örtlichen Gegebenheiten der Frontlinie zum eigenen Vorteil genutzt werden. Solche "Geländemerkmale" konnten z.B. Flüsse oder auch Hügel, Waldstreifen oder ähnliches sein. Für REFORGER '77 bzw. die eigentliche Gefechtsübung "Carbon Edge" hatte man ein Übungsgebiet ausgewählt, welches die Orte Böblingen, Rottweil, Wangen im Allgäu, Wertheim und Ulm umspannte, also praktisch der gesamte Süden Deutschlands von Stuttgart bis München. Eine weitere Besonderheit in diesem Jahr war die Teilnahme von belgischen und niederländischen Truppenverbänden. Damit sollte die Interoperabilität zwischen den einzelnen NATO-Mitgliedsstaaten trainiert und verbessert werden.

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Für "Carbon Edge" wurden die verfügbaren Truppen in zwei Lager aufgeteilt. Die Übungstruppe Blau hatte die Aufgabe als Verteidiger des NATO Hoheitsgebietes zu operieren, während Team Orange die Rolle des Aggressors übernahm. Orange sollte während des "Angriffes" die Donau südlich und westlich von Ulm erreichen, während Blau die Wiederherstellung der Integrität des NATO Hoheitsgebietes zu übernehmen hatte. Als natürliche Grenze zwischen NATO und Warschauer Pakt diente der Fluss Lech. Der Angriff von Orange begann am 13. September, der "Gegenangriff" erfolgte ab dem 19.September. Ursprünglich sollte die Übung bis zum 22.September dauern, allerdings erfolgte bereits ein Tag früher der vorzeitige Abbruch. Es wurden die verschiedensten Gründe genannt, einer davon waren die nicht unerheblichen Manöverschäden. Diese führten immer wieder zu Kritik an diesen Übungen, zusätzlich zu den Flurschäden kamen bei über 200 Unfällen neun Menschen ums Leben und 94 wurden verletzt - heutzutage undenkbar! 

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Das Heft vermittelt einen sehr guten Eindruck, was seinerzeit auf Deutschlands Straßen bei den Manövern los war. Auf den üblichen 50 Seiten finden sich über 150 zeitgenössische Abbildungen. An der Bildqualität muss man hier und  da einige Abstriche machen, was aber den historischen Wert keineswegs schmälert - im Gegenteil. Es handelt sich ausnahmslos um "Actionbilder", also keine gestellten Szenen oder Bilder von Fahrzeugen in den Kasernen. Einige der Bilder können durchaus auch als Vorlagen für Dioramen herangezogen werden. Der Leser erfährt im vergleichsweise umfangreichen Textteil neben den Einzelheiten zu den durchgeführten Manövern auch einiges über die damalige Verteidigungsstrategie und die Kommandostruktur der Nato. Es wird auch kurz auf REFORGER-Übungen vor und nach 1977 eingegangen sowie auf deren Besonderheiten hingewiesen. Neben "Carbon Edge" werden auch kurz die parallel stattgefundenen Rahmenübungen "Carry Through", "Standhafte Chatten" und "Blue Fox" beschrieben. Schwerpunkt bildet natürlich "Carbon Edge" mit seiner Vor- und Nachbereitungsphase, hier wird der chronologische Ablauf ausführlich beschrieben und die Teilnehmer detailliert aufgelistet. Kurzum ein sehr lesenswertes Heft. 

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Stärken:

  • Sehr viele zeitgenössische Bilder
  • Durchgehend farbig
  • Detaillierte Beschreibung der Übung und des ganzen "Drumherums"

Schwächen:

  • Keine ersichtlichen

Fazit:

Ein sehr kurzweiliges Heft. Die vielen Bilder wecken Erinnerungen an die Zeit, als es auf deutschen Straßen noch jede Menge von dem zu sehen gab, was wir uns heute 35- oder 72-fach verkleinert in die Vitrine stellen.

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Diese Besprechung stammt von Frank Richter - 26. Juli 2014

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