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Die moderne Artillerie der Bundeswehr heute

Fahrzeug Profile 69

 - Die moderne Artillerie der Bundeswehr heute

Zusammenfassung:

Autor:Sebastian Kreutzkamp
Verlag:UNITEC-Medienvertrieb
ISBN:ohne
Erscheinungsjahr:2015
Sprache:Deutsch/Englisch
Inhalt:
  • 52 Seiten mit 107 farbigen Abbildungen
  • Deutsch/Englischer Text
Preis:11,80 Euro

Besprechung:

Die Artillerie der Bundeswehr konzentriert sich heutzutage auf zwei Hauptwaffensysteme. Die Rohrartillerie ist mit der Panzerhaubitze 2000 ausgerüstet, die Raketenartillerie mit dem Waffensystem MARS. Daneben exisiteren noch eine Reihe von Versorgungs- und Unterstützungeinheiten wie zum Beispiel die Stabs- und Aufklärungsbatterien. Innerhalb der Bundeswehr gehört die Artillerie zu den Kampfunterstützungstruppen und wirkt sowohl direkt als auch indirekt am Kampfgeschehen mit. Zu ihren Hauptaufgaben zählen die artilleristische Lageaufklärung, Zielortung und die Koordination von streitkräfteübergreifendem Feuer (Luftwaffe, Marine, Stichwort JOINT Fire). Nach der Strukturreform aus dem Jahre 2011 besteht die Artillerie der Bundeswehr noch aus folgenden Verbänden:

  • Artilleriebatallion 131 in Weiden (10.PzDiv.)
  • Panzerartillerielehrbatallion 345 in Munster (1.Pz.Div.)
  • Artillerielehrbatallion 345 in Idar-Oberstein (10.Pz.Div.)
  • Artilleriebatallion 295 (Deutsch-Französische Brigade)

Die eigenständigen Verbände der Raketenartillerie wurden aufgelöst und in die verbliebenen Einheiten eingegliedert. Diese bestehen nun aus fünf Batterien, einer Stabs- und Versorgungskompanie, einer Aufklärungsbatterie, einer Raketenartilleriebatterie sowie zwei bis drei Batterien mit Rohrartillerie.  

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Die Rohrartilleriebatterien sind mit der Panzerhaubitze 2000 ausgerüstet. Sie wurde 1998 bei der Truppe eingeführt und ersetzte die in die Jahre gekommenen Panzerhaubitzen vom Typ M109. Ihre 155mm Hauptwaffe kann Ziele bis in eine Entfernung von 30km bekämpfen und verschießt alle Arten von Munition, von herkömmlicher Sprengmunition bis hin zu Suchzündermunition. Mit spezieller, reichweitenverlängerter Munition sind sogar Reichweiten bis 40km möglich. Durch ihre moderne Ausstattung ist die Panzerhaubitze 2000 in der Lage bis zu drei Schuss innerhalb von zehn Sekunden abzugeben, bzw. zehn Schuss pro Minute. Ihre Munitionszuladung beträgt 60 Granaten. Sie ist in der Lage binnen weniger Sekunden nach dem Schuss die Marschbereitschaft herzustellen und ggf. einen Stellungswechsel durchzuführen. Zum Eigenschutz verfügt die Panzerhaubitze 2000 über eine umfangreiche Panzerung, Nebelwurfanlage sowie ein MG3 cal. 7,62mm. Ihre Besatzung besteht aus fünf Mann, ihr Fahrbereich mit der vollen Zuladung von 1000 Liter Kraftsstoff beträgt ca. 420km. Ihr größter Nachteil ist das hohe Gewicht von 57t, was eine Luftverladung mit bundeswehreigenem Gerät unmöglich macht. Knapp über 150 Einheiten standen im aktiven Dienst, derzeit werden aber einige Fahrzeuge an befreundete Nationen abgegeben.

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MARS steht für das "Mittlere Artillerie Raketenwerfer System" der Bundeswehr. Es wurde Anfang der 1990er Jahre eingeführt und ersetzte die bis dato verwendeten Lance-Werfer. Basis des Fahrzeuges bildet das Fahrgestell des amerikanischen Schützenpanzers M2 Bradley. Die deutschen MARS sind zum Teil mit inländischen Komponenten ausgestattet (z.B. die Kette). Das MARS System verfügt über zwei Wurfcontainer mit jeweils sechs 230mm Raketen. Bei der Bundeswehr werden derzeit nur noch Panzersperren mit dem MARS System gelegt, die übrige Munition wurde aus dem Dienst genommen. Für Übungszwecke wurde ein spezieller Container entwickelt, der die Aufnahme der "alten" 110mm Raketen des vor über 15 Jahren außer Dienst gestellten LARS ermöglicht, von denen noch jede Menge im Bestand sind. Während viele NATO Staaten die MARS ausmusterten wurden bei der Bundeswehr kontinuierlich Maßnahmen zur Kampfwertsteigerung durchgeführt, was letztlich zum MARS 2 führte. Mit der künftigen Munition sind Reichweiten von bis zu 85km bei sehr hoher Präzision möglich, damit ist das System leistungsfähiger als die PZH2000. Die Besatzung des 25,5t schweren MARS besteht aus drei Mann, sein 500PS Motor verleiht ihm eine Geschwindigkeit von 56km/h. Die 617 Liter Kraftstoff reichen für 400km.

 - Die moderne Artillerie der Bundeswehr heute

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Neben den beiden Hauptwaffensystemen gehören noch eine Reihe weiterer Spezialfahrzeuge zum Umfang des Heftes. Dazu gehören der Beobachtungspanzer Marder 1A3 mit dem Zielortungsgerät TZG90 und spezieller Funk- und Computerausstattung, das Spähfahrzeug FENNEK, der sich noch immer im Zulauf zur Truppe befindet, und das Artilleriebeobachtungsradar ABRA mit einer Reichweite von 14km für kleine Bodenziele und 30km für Hubschrauber und große KFZ. Das ABRA ist auf einem M113 montiert und wird vorwiegend zur Gefechtsfeldüberwachung und für Messbeobachtungen eingesetzt. In Zukunft soll das System durch das Bodenüberwachungsradar BÜR auf einem Dingo 2 ersetzt werden.

Das Artillerieortungsradar COBRA (Counter Battery Radar), auf Fahrgestellen des LKW gl Kat 1 15t (MAN), übernimmt die Ortung der gegnerischen Feuerstellungen. Bis zu 40 Ziele können innerhalb von zwei Minuten geortet und die entsprechenden Schussparameter definiert werden. Die allwettertaugliche Drohne KZO wird zur Lageaufklärung in Echtzeit eingesetzt und wurde 2005 bei der Bundeswehr eingeführt. Das Startfahrzeug ist ein MB LKW 5t 1017.

Das Führungs- und Waffeneinsatzsystem ADLER (Artillerie-, Daten- Lage- und Einsatzrechnerverbund) stellt das Bindeglied zwischen dem Artilleriebeobachter, dem Batallionsgefechtsstand und der Feuerleiteinheiten dar. Es ist auf verschiedenen Fahrzeugen montiert, die über eine spezielle Ausrüstung zur Datenübertragung verfügen.

Die Stabsaufgaben werden unter anderem vom BV 206 Hägglund wahrgenommen, der die M113 MTWs ablöste. Das Knickgelenkfahrzeug ist luftverladbar und verfügt über eine ABC geschützte Kabine. Es ist praktisch überall einsetzbar, unabhängig vom Gelände oder Klima. Des weiteren sind noch einige M113G3 Gefechtsstandpanzer im Einsatz.

Bergungsaufgaben werden von den beiden Bergepanzertypen Bergepanzer 2 auf Basis des Leopard 1 und dem Büffel, basierend auf dem Leopard 2, wahrgenommen. Die Bergepanzer 2 "kümmern" sich um die MARS Syteme, während der Büffel für die schweren Panzerhaubitzen zuständig ist.  

Den Abschluss des Heftes bildet das Wechselladertransportsystem MULTI (Mechanisierte Umschlag-, Lager- und Transportintegration). Dieses auf dem MAN LKW gl 15t basierende Fahrzeug hat eine Nutzlast von 16,5t und eine Reichweite von 800km. Die Version mit gepanzertem Führerhaus und fernbedienbarem MG3 wird als MULTI 2 bezeichnet und befindet sich erst seit kurzem im Bestand der Logistiktruppen.

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Das Heft behält die seit der letzten Ausgabe eingeführte Zweisprachigkeit bei. Nach einem einführenden Kapitel über die derzeitige Struktur der Artillerietruppe werden die einzelnen Systeme in der Reihenfolge wie oben beschrieben abgehandelt. Es gibt in der Regel eine halbe bis eine Seite an einführendem Text, gefolgt von Bildern der Fahrzeuge mit ebenfalls zweisprachigen Bildunterschriften, aus denen man weitere Informationen entnehmen kann. Die Bildqualität ist wie üblich sehr gut, die Fahrzeuge werden in der Regel in "realen" Situationen auf Übungen gezeigt. Das Heft ist durchgehend farbig gestaltet. Tabellen oder Übersichten, wie die Batallione aufgebaut sind, gibt es dieses mal nicht. Über die Zweisprachigkeit kann man sicherlich geteilter Meinung sein. Ich finde man sollte es als rein deutsches Magazin belassen und den frei werdenden Platz sinnvoll nutzen. Die Verkaufszahlen im Ausland werden es zeigen, ob dieses Konzeptes eine Zukunft hat. 

Stärken:

  • Sehr gute Bildqualität
  • Durchgehend farbig

Schwächen:

  • Die durchgehende Zweisprachigkeit ist weniger sinnvoll, es schränkt das Heft im ohnehin festgelegten Format weiter ein

Fazit:

Das Heft bietet den gewohnt guten Überblick über die besprochenen Truppenteile. Die Bilder sind in Umfang und Qualität sehr gut und zeigen die Fahrzeuge in ihrem "realen" Umfeld. Den Platz für den englischen Text könnte man aber sinnvoller nutzen.

 - Die moderne Artillerie der Bundeswehr heute

Diese Besprechung stammt von Frank Richter - 05. Januar 2016

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