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Lastkraftwagen militärischer Formationen der DDR 1976-1991

Teil 2: Fahrzeuge ausländischer Produktion

 - Lastkraftwagen militärischer Formationen der DDR 1976-1991

Zusammenfassung:

Autor:Fred Koch
Verlag:UNITEC-Medienvertrieb
ISBN:ohne
Erscheinungsjahr:2016
Sprache:Deutsch
Inhalt:50 Seiten mit 128 Abbildungen, davon 45 in Farbe
Preis:11,80 Euro

Besprechung:

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Nachdem wir im Fahrzeug Profil 62 erfahren haben, welche LKWs die ehemalige DDR für ihre militärischen Einrichtungen selbst gerfertigt hatte, können wir uns nun einen Überblick über die Importfahrzeuge verschaffen. Im wesentlichen wurden in dem betrachteten Zeitraum LKWs aus der Sowjetunion und aus der CSSR importiert. Am weitesten verbreitet waren hierbei die LKW ZIL 131 und die Tatra Modelle 813 und 815. Natürlich gab es auch noch zahlreiche andere Modelle, aber die genannten Typen gab es in der größten Vielfalt, was die Aufbauten betraf. So wurde der ZIL 131 vornehmlich mit Kofferaufbauten für die Nachrichtentruppen oder als Transport- und Startfahrzeuge für die diversen taktischen Raketenkomplexe verwendet. Es gab auch hochspezialisierte Aufbauten mit Nebeleinrichtungen, Fahrzeuge mit Radargeräten oder Messfahrzeuge. Klassische Pritschen-LKW gabe es vom ZIL 131 nur wenige bei der NVA, die meisten entstanden durch Rückbau von Spezialfahrzeugen. Aus den Werken von ZIL wurden neben dem Modell 131 auch einige ZIL 157 und ZIL 135 bei der NVA eingesetzt. Letzterer dürfte vielen im Zusammenhang mit dem Luna-M (NATO-Code FROG-7) Raketenkomplex ein Begriff sein.

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Aus russischer Fertigung kamen neben den ZIL auch LKW aus den Werken von URALAZ (Ural 375 & 4320) und Gorkier Automobilwerk (GAZ-66) bei den militärischen und paramilitärischen Verbänden der DDR zum Einsatz. Der URAL 375 wurde sehr oft als Werkstattwagen mit Kofferaufbau verwendet. Das Spektrum an möglichen Aufbauten und Verwendungsmöglichkeiten war ähnlich groß wie beil ZIL 131, der URAL war zudem auch als Pritschen-LKW weit verbreitet. Die mit Dieselmotor augestatteten Ural 4320 fanden ab etwa 1983 unter anderem auch auf den Fluplätzen der NVA in verschiedenen Ausführungen Verwendung, wie z.B als Schleppfahrzeug. Aus der Fertigung der Krementschurger Automobilfabrik kamen die LKW KrAZ 255, die bis 1977 von der DDR beschafft wurden, ab 1977 bis 1979 die Version 255B1. Die KrAZ 255 kamen unter anderem als Autobagger, Ladekran, Brückenleger oder aber als Transporter von den verschiedensten Dingen (Bugsierboote, Raketen, Erdgaspipelines usw.) zum Einsatz.

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Neben den leichten und mittelschweren LKW wurden auch einige schwere LKW aus russischer und tschechischer Fertigung in die Bestände der Fuhrparks aufgenommen. Am bekanntesten dürften hier die Tatra 813 & 815 und die MAZ-543 sein. Die Tatra 8x8 wurden vorwiegend als schwere Zugmittel und als Träger für Geschosswerfer beschafft. Einige der Fahrzeuge wurden von der Bundeswehr übernommen und noch bis zum Jahre 2010 weiterverwendet. Die MAZ-543 dienten als Startrampen für die S300 Flugabwehrsysteme und die 9K72 "Elbrus" Raketenkomplexe (SCUD-C). Daneben gab es noch eine ganze Reihe weiterer Raketensysteme, deren Bestandteil die schweren LKW waren, siehe dazu auch das Profile Nr. 60. LKW aus polnischer und ungarischer Fertigung waren ebenfalls bei den Streitkräften anzutreffen. Allerdings wäre der größte Teil erst im Ernstfall requiriert worden und sie waren somit eher im zivilen Sektor anzutreffen (gleiches gilt auch für die Skoda und LIAZ LKW aus der CSSR).

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Zum Zeitpunkt der Auflösung der NVA existierten über 133.000 Radfahrzeuge in den verschiedensten Ausführungen, die zunächst zum Teil von der Bundeswehr übernommen, schon bald aber an interessierte Drittstaaten abgegeben wurden. Natürlich waren die Raketenkomplexe von allergrößtem Interesse, aber auch die ganz normalen Fahrzeuge waren begehrt. Bis Anfang 1992 lagen "Bestellungen" aus über 70 Ländern vor. Interessanterweise wurden viele Fahrzeuge für den Einsatz im Rahmen von Desert Storm bereitgestellt. Die größten Abnehmer von Ex-NVA Gerät waren Griechenland mit über 3.000 Fahrzeugen und die Türkei mit gut 800. Mehrere tausend Fahrzeuge gingen an die Teilstaaten, die aus dem Zerfall der Sowjetunion hervorgingen. Die Welthungerhilfe profitierte ebenso von den Fahrzeugen wie die orthodoxe Kirche Russlands. In Deutschland kamen gut 10.000 Fahrzeuge zum Roten Kreuz und zum THW. 96.000 Fahrzeuge wurden an Unternehmen und zivile Personen veräußert, teilweise zu sehr moderaten Preisen.

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Das Heft folgt der gewohnten Aufmachung dieser Reihe. Wie schon in den Heften zuvor liegt der Hauptinformationsgehalt in den Bildern und deren Unterschriften. Der begleitende Text beschränkt sich auf eine kurze Beschreibung der jeweiligen Typen. Am Anfang des Heftes gibt der Autor einen kurzen Einblick in die damalige Situation in der DDR und wie das denn so war, die Sache mit dem "Großen Bruder". Das Bildmaterial ist von der gewohnt guten Qualität, mit ca. 3-5 Bildern pro Seite. Gemessen an der Tatsache, dass es seinerzeit eigentlich verboten war, militärisches Gerät abzulichten, finden sich im Heft überraschend viele Einsatzfotos, überwiegend in Schwarz-Weiß. Natürlich gibt es auch eine Reihe von Farbfotos aus der Wende- bzw. Nachwendezeit. An der Druckqualität gibt es wie üblich nichts auszusetzen. Was fehlt sind ein paar Zeichnungen oder Piktogramme zu den einzelnen Typen, um z.B. mal einen Überblick zu bekommen, welche Arten von Aufbauten es gab.

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Stärken:

  • Informatives Heft
  • Viele zeitgenössische Aufnahmen

Schwächen:

  • Keinerlei Zeichnungen oder Piktogramme

Fazit:

Das Heft knüpft nahtlos an die vorausgegangenen Hefte zu diesem Thema an. Viele schöne Aufnahmen, die es laut Vorschrift eigentlich gar nicht hätte geben dürfen. Sehr empfehlenswert!

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Diese Besprechung stammt von Frank Richter - 28. September 2016

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