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Faltbare Airbrushkabine Marke Eigenbau

von Thorsten Wieking

Warnung: Bei allen unseren Tipps & Tricks immer an die Sicherheit denken und wenn möglich erst an einem Probestück ausprobieren.


Wer möchte auf den Anblick von soviel Grün beim Lackieren verzichten?
Wer möchte auf den Anblick von soviel Grün beim Lackieren verzichten?

Das Lastheft

Mit dem Umzug in eine neue Wohnung hegte ich die Hoffnung, neue Arbeitsbedingungen zum Airbrushen schaffen zu können. Die Zeiten der Magnetpinwand über dem Badezimmerwaschbecken sollten endlich der Vergangenheit angehören. Außerdem sollte der Farbnebel nicht das Mobiliar "verschönern", ebenso wollte ich meiner besseren Hälfte den Farbgeruch (Tamiya Acrylfarben) nicht mehr antun. Anforderung: Lackierkabine

Da der einzige Raum hierfür das zukünftige Kinderzimmer war und man ja bekanntermaßen in einer Partnerschaft alles teilt, sollte die Anlage nicht permanent aufgebaut sein und den Anblick des Zimmers stören. Schließlich ist es eine Wohnung und keine Lackiererei. Ergo war die nächste Anforderung: zerlegbar

Da Tageslicht bekanntermaßen das optimale Licht ist und ich mich beim Lackieren obendrein nicht wie Kaspar Hauser fühlen wollte, wurde mir schnell klar, dass Acrylglas eine zentrale Rolle in meinem Konstrukt spielen würde. Positiver Nebeneffekt - die aufgebaute Lackierkabine stört die Optik des Raumes nicht so sehr, kein großer Klotz direkt vor dem Fenster verdunkelt den Raum. Ach ja, Fenster - mein Arbeitstisch fand einen Platz direkt am Fenster, nachmittags ist das sogar "Ein Platz an der Sonne". Daher die nächste Anforderung: lichtdurchlässig

Ein Blick auf das kommerzielle Angebot, verschiedene Anfragen in verschiedenen Internetforen, Googlesuchen nach früheren Anfragen und der Erfahrungsbericht eines MV-Kollegen mit einer kommerziellen Anlage brachten mich zu der Erkenntnis: Die angebotenen Geräte konnten die Anforderungen aus dem Lastheft nicht erfüllen und das Preis-Leistungs-Verhältnis entsprach nicht meinen Vorstellungen. Anforderung: finanzierbar

Nochmal kurz zur Erinnerung die Anforderungen aus dem Lastheft Lackierkabine Anforderung: zerlegbar Anforderung: finanzierbar Anforderung: lichtdurchlässig

Entscheidung: Selbstbau

Mit Entscheidungen ist es so eine Sache, man trifft sie oft, ohne wirklich zu wissen ob man sie durchhält / durchführen kann. Dank meiner Recherche kannte ich bereits einige Kabinen in Wort und Bild, ebenso waren mir die üblichen Warnungen bekannt. Der Aufbau einer Feld-/Wald- und Wiesen-Lackierkabine der Marke Eigenbau besteht aus mind. drei Seitenwänden aus Sperrholz, einer Platte mit Einzellüftern oben oder einer günstigen Dunstabzugshaube aus dem Baumarkt. Da ich keine geeigneten Lüfter fand bzw. die Verkablung scheute, entschied ich mich relativ schnell für die Dunstabzugshaube. Die einfachsten Modelle sind für ca. 25 Euro bei den bekannten Baumarktketten erhältlich. Interessanterweise unterscheiden sie sich meist nur im aufgedruckten Namen voneinander.

HINWEIS

Oft wurde darauf hingewiesen bzw. gewarnt, man möge bitte eine Dunstabzugshaube für Gasherde mit gekapseltem Motor nehmen; da aufgrund der Farbdämpfe Explosionsgefahr bestehen würde. Leider wurde ich bei meiner Suche nach einem entsprechend geeigneten Gerät nicht fündig. Da in der Eingangs erwähnten neuen Wohnung auch eine neue Küche ihr zuhause fand, sprach ich unseren Küchenplaner auf das Thema Dunstabzugshaube für Gasherde an. Auch unser Küchenplaner wusste nichts von Hauben, die explizit für Gasherde gedacht sind, gab mir aber den Hinweis, dass der Sicherheitsabstand 70cm betragen muss.

Aha, das erste Maß für die Konstruktion war also festgelegt. 70 cm zwischen Arbeitsfläche und Haube.

Der Tag der Wahrheit

Mit dem "Sicherheitsabstand" 70cm und einer Haubenbreite von 60cm ging ich also in einen Baumarkt und lud folgende Materialien in meinen übergroßen Einkaufswagen.

  • 1x Küchenabzugshaube für 27,50 Euro
  • 2x 5mm Kunstglas, klar, eben. 50x100 je 21,70 Euro
  • 1x 5mm Kunstglas (Zuschnitt) 60x100 34,52 Euro
  • 8x Holzleisten 20x30x0 rund 12,00 Euro
  • 1x MDF-Platte 20x60 (von anderem Projekt vorhanden)
  • 4x Scharniere mit losem Stift
Voll beladen und mit einer Endsumme, für die man auch so manche kommerzielle Lösung hätte kaufen können (das Plexiglas ist schuld, ich muss mir aber auch immer eine Extrawurst braten) transportierte ich diesen Bausatz ohne Bauplan in meiner Elch-Klasse nachhause.

Mein "Halt"
Mein "Halt"

Mein klarer Blick
Mein klarer Blick

Meine flexible Ecke
Meine flexible Ecke

Mein Werkzeug
Mein Werkzeug

'Es' beginnt zu leben
'Es' beginnt zu leben

Der Bau beginnt

Zuhause angekommen wurde das Material gesichtet, zurechtgelegt und das verfügbare Werkzeug gesucht. Das Ergebnis war ein Akkubohrschrauber (tolles Gerät!), ein 1,5 und ein 3 mm Bohrer. Erste vorsichtige Versuche brachten mir die Erkenntis, dass ich am besten fahre, wenn ich mit dem kleinen Bohrer das Loch im Plexiglas vorbohre und mit dem großen langsam erweitere. An dieser Stelle wurde die erste Änderung in der Konstruktion vorgenommen: Die Scharniere und die Haube würden nicht direkt auf dem Plexiglas montiert werden, sondern auf einer Holzkonstruktion. Also wieder in den bekannten Baumarkt und die erwähnten Leisten geholt. Diese habe ich dann als Rahmen auf die drei Plexiglasscheiben geschraubt. Hierdurch wird das Gewicht der Haube gleichmäßig auf alle drei Seiten bzw. sechs Leisten verteilt.

"Es" steht das erste Mal
"Es" steht das erste Mal

Ein Zug am Pin und alles fällt zusammen.
Ein Zug am Pin und alles fällt zusammen.

Das erste Mal komplett
Das erste Mal komplett

Und wenn "Es" nicht gebraucht wird, macht es sich flach.
Und wenn "Es" nicht gebraucht wird, macht es sich flach.

Dank der Scharniere mit losem Scharnierstift kann ich die komplette Kabine zusammenklappen bzw. im Bedarfsfall die einzelne Seitenteile voneinander lösen. Die Abzugshaube bewahre ich dann im Originalkarton auf. In zusammengebautem Zustand ist die Abzugshaube zum einen an der MDF - Platte an zwei Schrauben eingehakt, zum anderen liegt sie auf den Querleisten der Seitenteile auf. Um ein Aufklappen während dem Lackieren zu verhindern, habe ich vorne nochmal eine Querleiste angebracht, die jeweils in 2 Haken eingehakt wird.

Damit ich lange den Durchblick behalten werde, (zumindest beim Lackieren) verkleidete ich die Plexiglasplatten im unteren Bereich mit Frischhaltefolie. Mit Beginn der Einsatzerprobung stellte ich fest, dass ein Ableiten der Luft nach draußen über einen Schlauch empfehlenswert ist. Auch stellte ich fest, dass eine freie Sicht auf die Straße auch beim Lackieren immer wieder interessant sein kann ;-) .

Als Unterlage dient mir weiterhin die Magnetpinwand, da sie dem Magneten im Gunze Airbrush Stand einen sicheren Halt verleiht. Manche Dinge ändern sich halt nie.

Der erste Arbeitstag
Der erste Arbeitstag

Fazit

Die Investition und die im Baumarkt verbrachten Stunden haben sich für mich gelohnt. Jetzt kann ich meine Geschlechtsgenossen verstehen, für die der Besuch im Baumarkt einem Besuch im Modellbauladen gleich kommt. Immer sieht man etwas neues, für das man auch gleich eine Idee hat.

Epilog

Das Arbeitszimmer wurde irgendwann zum Kinderzimmer, die Lackierkabine wanderte samt Dunstabzugshaube in die Garage. Irgendwann landete die Abzugshaube im Elektroschrott und am 12.07.2019 landete nach vielen Jahren Garagenlagerung auch die Lackierkabine im Sperrmüll. Heute dient ganz pragmatisch eine durchsichtige Lagerbox aus Plastik als Lackierkabine, sollte ich irgendwann einmal wieder Platz und Bedarf für eine Lackierlösung mit Abzug benötigen, dann werde ich mich im kommerziellen Angebot umsehen.

Faltbare Airbrushkabine Marke Eigenbau

Faltbare Airbrushkabine Marke Eigenbau

Thorsten Wieking

Publiziert am 18. August 2005

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