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Lackieren und Altern mit der Airbrush

von Stefan Schacht

Warnung: Bei allen unseren Tipps & Tricks immer an die Sicherheit denken und wenn möglich erst an einem Probestück ausprobieren.


Lackieren und Altern mit der Airbrush

Einleitung

Durch das Altern sollen Modelle für den Betrachter interessanter werden. Dazu kann man zum einen Gebrauchspuren und Verschmutzungen aufbringen und zum anderen die Oberflächenstruktur des Modells durch Licht- und Schatteneffekte besser zur Geltung bringen. Ich möchte in diesem Artikel meine Vorgehensweise beim Altern von Militärfahrzeugen vorstellen. Diese Technik habe ich mir im Laufe der Jahre erarbeitet. Sie ist das Resultat aus Versuchen, Gesprächen mit anderen Modellbauern, Literaturstudium und manchmal leider auch Fehlschlägen.

Für diesen Artikel habe ich den ATF Dingo von Roco im Maßstab 1:87 verwendet. Da das Rocomodell zusammengesteckt ist, habe ich es zuerst zerlegt, dann wieder zusammengeklebt und verschliffen. Danach wurden die Kleinteile montiert. Der Einfachheit halber habe ich die Scheiben von innen mit Dunkelblau angemalt.

Die Vorbereitung

Ich baue meine Modell meistens soweit zusammen, das ich nach dem Lackieren nur noch die Ketten und oder Räder montieren muss. Vorher werden allerdings alle Teile angepasst, sodass man das Modell einmal fertig montiert hat. Zu diesem Zeitpunkt kann man leichter Fehler korrigieren.

Lackieren und Altern mit der Airbrush

Anschließend  werden die Fensterscheiben abgeklebt. Ich verwende dafür Paketklebeband der Firma Tesa. Billigmarken verwende ich grundsätzlich nicht, weil meistens der Kleber auf dem Modell bleibt. Ein Stück Paketklebeband, das etwas größer als die anzuklebende Scheibe ist,  wird auf diese gelegt und erst mit einem Q-Tipp und dann mit einem Zahnstocher angedrückt. Danach schneide ich die Fensterform mit einem Skalpell aus und entferne das überschüssige Klebeband. Nach dem Abkleben werden die Teile  vorsichtig mit Spiritus gewaschen. Dafür verwende ich einen großen Pinsel und Toilettenpapier. Dabei darf man nur kleine Mengen verwenden und  muss (!) unbedingt die Sicherheitshinweise auf der Flasche beachten. So werden die letzen Schleifstaubreste und Formtrennmittel entfernt. Dadurch kann die Farbe besser haften, und die Wahrscheinlichkeit, dass man die Farbe nach dem Abkleben wieder abzieht ist geringer.

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Das Grundieren

Zum Lackieren verwende ich eine Badger 150 und als Kompressor habe ich einen Vorgänger des Revell Omega mit Druckausgleichsbehälter und Druckminderer. Die Badger 150 nutze ich mit der feinen und mittleren Düse, sowie dem normalen Farbnapf. Dieser Behälter stört mich im Gegensatz zu den Farbgläsern nicht und  die Farbmenge reicht für die meisten Arbeiten aus. Die Farbe (1ml) sowie die Verdünnung (je nach Hersteller) werden je mit einer 2ml-Einwegspritze aus der Farbdose bzw. den Behälter gezogen. Wenn ich eine Farbe aufhelle gebe ich 2-3 Tropfen Weiß von der Spitze eines Zahnstochers dazu. Im Farbnapf  mische ich sie dann mit einem Nagel. Dadurch erhalte ich immer das gleiche Mischungsverhältnis. Reste schütte ich grundsätzlich nicht in die Farbdose zurück. Das Modell wurde mit Revell Nr. 65 Bronzegrün grundiert. Ich lackiere meine Modelle immer komplett in der Grundfarbe. So kann man zum einen noch kleine Fehler beseitigen, die man beim Bauen übersehen hat. Zum andern kann man in einem zweiten Gang Fehler in der Lackierung, z.B. Staubeinschlüsse, beseitigen.

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Trockenmalen erster Schritt

Wenn ich mit dem grundierten Modell zufrieden bin und der Grundlack mindestens über Nacht getrocknet ist, wird es in einem ersten Gang mit der aufgehellten Grundfarbe trocken gemalt. Dazu verwende ich breite weiche Pinsel aus dem Künstlerbedarf. Bei diesem Arbeitsgang kann man recht großflächig arbeiten. Ziel ist es, einen scheckigen Grundlack zu erhalten.

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Details und Decals

Im nächsten Schritt wird die Plane, in diesem Fall mit dem Pinsel, bemalt und nach dem Austrocknen, wie auch im Schritt vorher der Grundlack, trockengemalt. Wenn das Fahrzeug ein Tarnschema hat, wird es zu diesem Zeitpunkt lackiert.

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Weitere Details wie die Antennen und Außenspiegel werden jetzt angemalt. Dazu verwende ich für gewöhnlich bei kleinen Modellen Pinsel der Größe 1 oder 2. Wichtig ist nur, dass die Pinsel spitz sind. Neben der Farbe habe ich auch ein kleines Glas mit Verdünnung, um mir auf dem Deckel der Farbedose die Farbe richtig einzustellen. Ferner habe ich einen großen Pinsel griffbereit, um falsch verlaufene Farbe schnell mit Verdünnung zu entfernen. Die Scheinwerfer, Lampen und Spiegelflächen werden zu einem späteren Zeitpunkt angemalt.

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Die Decals sind von Truckline und lassen sich ohne Problem aufbringen. In diesen Fall geschah das noch ohne Weichmacher, bei zukünftigen Modellen werden ich diese aber verwenden.

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Schattieren erster Schritt

Zum Lackieren der Schatteneffekte verwende ich eine Hansa Aero-Pro 200. Es handelt sich dabei um ein Einsteigermodell für den Grafikbereich. Diese Pistole hat eine Düse mit dem Durchmesser 0.2mm  und einen oben liegenden Farbbehälter. Mit dieser Pistole verwende ich die Aero Color von Schmincke auf Acrylbasis. Man kann diese unverdünnt verarbeiten. Mit Revell oder Humbrolfarben hatte ich bisher mit dieser Pistole keinen Erfolg.  Ähnliche Ergebnisse kann man aber auch mit der Badger 150 und feiner Düse erreichen. Da ich die Schatteneffekte im Gegensatz zu dem viel beschriebenen Preshading erst jetzt setze, habe ich den Vorteil, dass ich sie direkt sehen und dosieren kann. Die Aero Color, z. B.  Sepiabraun, werden mit der Acrylfarbenverdünner von Tamiya (X-20A) hoch verdünnt. Ich mische mir dazu unterschiedliche Braun- und Schwarzabstufungen in alten Filmdosen. Das Mischungsverhältnis ist ca. 20 Topfen Farbe auf eine Filmdose mit Verdünnung. Die Wirkung überprüfe ich immer erst auf einem Blatt Papier, bevor ich auf das Modell gehe. Da der Verbrauch sehr gering ist kann man mit der einmal richtig aufbereiteten Farbe viele Modelle schattieren. Hier ist das Modell nach dem ersten Durchgang mit hoch verdünnten braun. Hier gilt genauso wie auch später beim Schattieren, je größer der Kontrast, desto weniger Farbe.

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Trockenmalen zweiter Schritt

In diesem Schritt werden die Konturen mit Revell Nr. 75 Steingrau trockengemalt. Hier sollen die Struktur betont und Lichtkanten gesetzt werden. Dazu verwende ich nur noch wenig Farbe. Der Pinsel wird deshalb sorgfältig auf einem alten Stück Jeansstoff ausgestrichen und auf dem Modell von oben nach unten gezogen.

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Schattieren zweiter Schritt

Nach dem Trockenmalen mit Grau werden in diesem Schritt mit hoch verdünntem Schwarz noch einige Vertiefungen betont. Hier gilt weniger ist mehr.

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Trockenmalen dritter Schritt

Zu guter letzt setze ich mit Humbrol 56 (Aluminium) noch einige Lichter. Diese Farbe sollte man aber mehr als sparsam verwenden, da es sehr schnell übertrieben aussieht.

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Das Verschmutzen

Da Militärfahrzeuge meistens nie lange sauber bleiben, liegt es natürlich nahe, das Modell mit Erde zu verschmutzen. Ich verwende dafür Pastellkreide. Diese bekommt man im Künstlerbedarf in den unterschiedlichsten Farbtönen. Die Pastellkreide wird auf feinem Schleifpapier zerrieben. Das  Kreidepulver kann man mit ein wenig Wasser in Schlamm verwandeln und mit einem alten Pinsel auf das Modell tupfen.

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Das Finale

Wenn die mit Wasser aufgebrachte Pastellkreide trocken ist versiegele ich meine Modelle mit dem Mattklarlack Revell Nr. 2.

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Nach einer ausreichenden Trockenzeit, am besten über Nacht, erfolgt die Endmontage des Modells und das Bemalen der Spiegel, Scheinwerfer und Lichter. Ferner entferne ich erst jetzt das Abklebematerial von den Fensterscheiben.

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Schlusswort

Da es viele Techniken zum Altern von Fahrzeugen gibt, hoffe ich hiermit die eine oder andere interessante Anregung geben zu können.

Lackieren und Altern mit der Airbrush

Stefan Schacht

Publiziert am 06. Oktober 2006

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