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Helikopter

Thomas Brückelt

von Making of (1:48 Fujimi)

Helikopter

Prolog

Helikopter oder Hubschrauber haben im Plastikmodellbau ihren festen Platz. In den Maßstäben von 1:24 bis 1:144 gibt es ein reichhaltiges Angebot an Bausätzen, sowohl von Militärmaschinen als auch von zivilen Vorbildern. Am Beispiel der Aerospitiale Alouette III. von Fujimi im Maßstab 1:48 wollen wir die Besonderheiten der Helikopter kennen lernen.

Beschreibung der Sparte in einem Wort

„Luftquirl“

Definition

Ein Hubschrauber oder Helikopter (kurz: Heli) ist ein senkrecht startendes und landendes Luftfahrzeug, das Motorkraft auf einen oder mehrere nahezu horizontal angeordnete Rotoren für Auftrieb und Vortrieb überträgt. Diese arbeiten als sich drehende Tragflächen oder Flügel. Damit zählen Hubschrauber zu den Drehflüglern und sind mit Abstand die bedeutendsten Vertreter dieser Großgruppe von Luftfahrzeugen.  

Technik

Vorab ein paar grundlegende und nützliche Infos zu Hubschrauben, damit man versteht, was man da überhaupt baut. Zumindest im Groben. 

Der konventionell ausgelegte Hubschrauber hat einen Haupt- und einen Heckrotor. Der Hauptrotor erzeugt den Auf- und Vortrieb. Durch verstellen der einzelnen Rotorblätter kann der Hauptrotor zu jeder Seite geneigt werden. Somit wird mit ihm die Rotation um die Längsachse und die Rotation um die Querachse gesteuert, was bei einem Starrflügler der Steuerung der Querruder und der Steuerung des Höhenruders entspricht (Roll- und Nickbewegung). Mit dem Steuerknüppel, welcher auf den Hauptrotor wirkt, wird die Roll- und Nickbewegung gesteuert, was zyklische Steuerung heißt, daher wird der Steuerknüppel auch Cyclic Stick genannt.

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Links neben dem Pilotensitz befindet sich der Kollektivhebel, welcher ebenfalls den Hauptrotor ansteuert. Mit ihm werden die Anstellwinkel der Rotorblätter gleichermaßen geändert, so wird der Auftrieb gesteuert (Hebel nach oben ziehen = mehr Auftrieb, auch „Pitch ziehen“ genannt). Da die Rotordrehzahl möglichst konstant gehalten werden muss, muss beim Erhöhen der Anstellwinkel der Rotorblätter auch mehr Leistung hinzugefügt werden, da ein höherer Anstellwinkel mehr Widerstand bedeutet. Von daher befindet sich noch ein Drehgriff am Kollektivhebel, mit dem man die Leistung steuert. Bei alten Hubschraubertypen (z.B. Bell 47) musste der Pilot die Drehzahl noch manuell passend zur Blattanstellung einstellen. Bei modernen Typen geschieht das automatisch, was für den Piloten eine enorme Entlastung darstellt. Mit den Pedalen wird der Heckrotor angesteuert und somit um die Hochachse gesteuert. Gleichzeitig wird mit dem Heckrotor das Drehmoment, das vom Hauptrotor erzeugt wird, kompensiert. Somit entspricht die Steuerung über die Pedale der Seitenrudersteuerung (Rotation um die Hochachse, Gierbewegung) bei einem Starrflügler. Um mit dem Heckrotor zu steuern, wird der Anstellwinkel der Heckrotorblätter geändert.

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Bei Cockpits mit Side-by-side-Anordnung sitzt der Pilot rechts. Bei Kampfhubschraubern mit Tandemcockpit sitzt der Pilot in der Regel hinten und der Bordschütze vorne. Beim PAH Tiger ist es anders herum.  

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Der Rotorkopf ist in der Regel wie folgt aufgebaut. Der Anstellwinkel der Rotorblätter wird über Gestänge geändert. Die lineare Bewegung der Gestänge, die aus dem Rumpf kommen, muss auf die Drehbewegung des Rotors mechanisch übertragen werden. Das geschieht mit der Taumelscheibe. Diese besteht aus zwei Hälften, die mit einem Kugelgelenk miteinander verbunden sind, welches die Hauptrotorwelle umgibt.Der untere Teil dreht sich nicht, mit ihm sind die Gestänge aus dem Rumpf verbunden, der obere Teil, von dem aus die Gestänge entweder direkt oder indirekt über ein Dämpfungssystem mit den Rotorblättern verbunden sind, dreht sich.

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Die Taumelscheibe kann sich gemäß der Eingaben der zyklischen Steuerung zu allen Seiten hin neigen. Wird der Pitch geändert, hebt sie sich an oder wird gesenkt. Ausnahmen gibt es: Zum Beispiel hat der Kaman SH-2 Seasprite keine Taumelscheibe. Hier werden die Rotorblätter über Aktuatoren, die in den Rotorblättern sitzen, angesteuert und Servoklappen an den Hinterkanten der Rotorblätter bewegen. 

Methoden

Vorab ein paar Dinge zu meinen eigenen Methoden. Vorbildfotos sind hilfreich. Um einem Original möglichst nahe zu kommen, braucht man möglichst viele davon. Da ich meinen Basteltisch jedoch nicht mit einem Berg an ausgedruckten Bildern „zukleistern“ will und auch mein Laptop nicht unbedingt mit Schleifstaub und Farbspritzern benetzen möchte, steht auf meinem Basteltisch ein Digitaler Bilderrahmen, der mit den entsprechenden Fotos gefüttert wird. Der Nachteil hierbei ist, dass man natürlich zwischen den Bildern hin und her springen muss. So landet dann doch ein kleiner Teil ausgewählter, möglichst vielsagender Bilder in Papierform auf dem Tisch.

Für Werkzeuge, die ich ständig beim Bauen benötige (Pinsel, Pinzetten, kleine Bohrer...) habe ich mir einen kleinen Halter mit Hilfe meines 3D-Druckers gemacht, damit die Sachen auf dem Basteltisch nicht zum Chaos beitragen und auch sofort griffbereit wieder auffindbar sind. Bestenfalls wird das Chaos dadurch sogar vermieden....!

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 (siehe auch Online-Kurs Teil 3 „Vorbereitung“).

Da ich fast alles mit dem Pinsel lackiere, nutze ich zum Verdünnen und Mischen der Farben (sollte nie im Farbtöpfchen geschehen!) die Träger (innere Verpackung mit den Formnestern) von Süßwaren. Diese lassen sich stapeln und sind dermaßen formschlüssig, dass man auch kleinere Farbmengen darin einige Tage erhalten kann, ohne dass sie austrocknen. Gegebenenfalls muss hin und wieder verdünnt werden.

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Verrührt wird mit Holzspießen oder Rührstäbchen (oder sonst einem länglichen Gegenstand, der sich dafür eignet). Gezogene Gießäste sind sehr vielseitig einsetzbar: Zum Bau vieler Details, zum Schließen von Spalten oder Bohrungen, die so groß sind, dass es mit Spachtelmasse umständlich wäre. Man kann damit auch kleinste Mengen Klebstoff punktgenau auftragen. Mit etwas Übung gelingt das Ziehen von Gießästen schnell. Ich behalte auch immer glatte und längere Stücke aus Gussrahmen, damit ich genug Material zum Ziehen habe.

So geht´s: Ein Teelicht wird angezündet und ein Stück Gießast darüber möglichst konstant zwischen den Fingern gedreht. Sobald es weich wird, zieht man es auseinander. Den Durchmesser kann man mit der Geschwindigkeit des Ziehens beeinflussen und auch mit der Entfernung zur Flamme. Schnelles Erhitzen und zügiges Ziehen, nah an der Flamme ergibt geringe Durchmesser (Antennen, Verspannung, Seilzüge, Leitungen...), das Gegenteil davon ergibt größere Durchmesser (dickere Streben, Steuerorgane, Rohre...)

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Wie man sich mit Wäscheklammerkonstrukten - manchmal auch in Kombination mit Pinzetten - praktische Halter für kleine oder teilweise lackierte Teile improvisiert, sieht man auf ein paar Bildern des Baugeschehens. (siehe auch Online-Kurs Teil 9 „Bauteile fixieren“).

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Da die Alouette III ein Radfahrwerk besitzt, hier nun ein Tipp zum Ausrichten von Kufen. Wenn diese an den Seiten des Rumpfs anzubringen sind. Bei einem Kufenlandegestell, wie bei einer Bell UH-1, welches komplett unter dem Rumpf angebracht wird und in der Regel einteilig ist, gibt es da nichts auszurichten. Ziel soll sein, dass die Kufenrohre in einer Ebene liegen und der Heli sauber steht. So kann man sich auf einem stabilen Untergrund zunächst zwei parallele Linien in der Breite des Kufenlandegestells zeichnen. Die Kufen werden an den Rumpf geklebt und es wird gewartet, bis der Klebstoff schon etwas angezogen hat.

Ecureuil-Linien & Tape - das Modell wird zwischen den Linien platziert und mit Klebebandstreifen fixiert, nachdem die Kufenrohre parallel zu den Linien ausgerichtet wurden.

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Ecureuil-Klötze. Um sicherzustellen, dass nichts mehr verrutscht, werden dann schwerere Gegenstände an die Kufenrohre seitlich herangeschoben und der Rumpf wird so ausgerichtet und mit weiteren Gegenständen unterlegt, dass er korrekt zum Boden ausgerichtet ist. Das Ganze dann am besten über Nacht unangetastet stehen lassen.   

Montage

Nun aber ans Werk! Wir bauen uns einen Heli!

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Der 1:48 Fujimi Bausatz ist ein wahrer Kit-Oldie und hat schon einige Jahre auf dem Buckel, daher ist er an vielen Stellen recht grob ausgeführt. Aus der Schachtel gebaut, und ohne viel Nacharbeit geht er recht gut zusammen und hat auch nicht viele Kleinteile, an ein paar Stellen jedoch erfordert er Fingerspitzengefühl und Aufmerksamkeit. Andererseits bietet er somit viel Luft nach oben, was die Detaillierung angeht. Vor allem an der offenliegende Turbine kann man sich gut austoben, wenn man das will.

Die zivile Maschine mit der Kennung N9362, im Tiger-Anstrich werden wir nachbauen. 

Bei einem Hubschraubermodell hat man den Vorteil, dass man das Modell in Baugruppen unterteilen kann, die man erst ganz am Schluss zusammenfügt: Rumpf, Hauptrotor, Heckrotor und in dem Fall die Turbine.

Los geht’s mit dem Interieur. Den vorderen Sitzen verpasste ich Gurte aus Alufolie. Diese wurden aus einer Aluverpackung mit der Schere herausgeschnitten und mit Sekundenkleber Gel angebracht. Um sich das Leben leichter zu machen, punktet man die Alustreifen zuerst an einer Stelle fest und wenn der Kleber angezogen hat (lässt sich mit Aktivator-Spray beschleunigen), biegt man die Gurt-Imitate um die Ecken und verklebt sie dann. Die Gurtschlösser entstanden aus einem Reststück Filament meines 3D-Druckers. Hiervon wurden dünne Scheiben mit einem scharfen Messer abgeschnitten.

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Eine Besonderheit an der N9362 ist, dass sie nicht vom linken und vom rechten Sitz aus geflogen werden kann, sondern vom mittleren Sitz aus, anstatt des Linken. Von daher muss der Instrumentenpilz und der Steuerknüppel entsprechend versetzt werden. Die Bohrung des Steuerknüppels auf der linken Seite wurde somit mit einem gezogenen Gießast verschlossen und die angeformten Positionierungshilfen des Instrumentenpilzes abgeschliffen. 

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Wie bei vielen älteren Heli-Bausätzen findet man lediglich den Steuerknüppel als Steuerorgan vor. Vor allem die gut sichtbaren Pedale sollten nicht fehlen und auch auf die Kollektivhebel möchte man nicht verzichten. Auf den Bildern des Originals findet man auch einen Feuerlöscher rechts neben dem Pilotensitz. All diese Teile fertigte ich mit Hilfe gezogener Gießäste an. 

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Der Instrumentenpilz an sich ist recht stimmig wiedergegeben. An dem des Originals befinden sich noch einige zusätzlich angebaute Instrumente und Gehäuse. Diese Anbauten stellte ich mit aus einer 1,5 mm starken Polysterolplatte (PS) herausgetrennten Klötzchen dar.

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Der Instrumentenpilz hat erhaben dargestellte Instrumente, die sich schön mit einem dünnen Pinsel bemalen lassen. Um kleine Knöpfe und Taster darzustellen, kann man die Farbe auch mit einem Zahnstocher auftupfen.Wer gerne am Computer arbeitet kann sich auch Instrumentenbretter mit selbst gedruckten Decals erstellen. Als Vorlage ist natürlich ein möglichst unverzerrt aufgenommenes Bild des Panels optimal. Findet sich so eines nicht, greife ich auch gerne auf Cockpitpanel-Texturen von Simulatormodellen zurück. 

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Die Texture-Maps sind die Grafikdateien, die in der Simulation auf die 3D-Objekte projiziert werden. Sie befinden sich innerhalb der Ordner der Simulatormodelle. Mit einem Grafikprogramm kann man sich so einzelne Instrumente ausschneiden und passend positionieren. So habe ich es beim Bau meines Ornithopters OTB-24 gemacht.

https://www.modellversium.de/galerie/18-flugzeuge-zivil/18984-otb-24-kolibri-eigenbau.html       

Das fertige Interieur bereit zum Einbau in den Rumpf.

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Nun werden die Klarsichtteile vorbereitet. Bei den Bausatzteilen fiel mir gleich auf, dass die oberen Fenster recht stumpf waren. Mit einer Politur für Glas-Keramik lassen sich die Klarsichtteile gut bearbeiten und werden klar. Auch lässt sich damit ein Klarsichtteil retten, wenn Klebstoff darüber gelaufen ist (Abb.1). Die Dachverglasung ist dabei recht stumpf (Abb.2). Aber die Politur hilft. (Abb.3) und man wieder den vollen Durchblick.

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Es ist sinnvoll gleich sämtliche Klarsichtteile abzukleben, damit sie während des Baus nicht verschmutzt werden. Dazu eigenen sich unterschiedliche Maskierbänder. Das flexible, 2 mm breite Maskierband von Tamiya eignet sich gut, wenn die Streben eine geschwungene Form haben. Für großflächige, einigermaßen ebene Scheiben greife ich auf Isolierklebeband zurück. Stark gekrümmte Flächen lassen sich hervorragend mit flüssiger Maske (Liquid Mask) abdecken. Diese trocknet schnell an und lässt sich später rückstandsfrei gut abziehen.

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Bevor das Innenleben in die Rumpfhälften geklebt wird, werden die Seitenfenster eingeklebt. Die Klebestellen müssen von aufgetragener Farbe befreit werden. Damit man die Verglasung möglichst nicht mit Klebstoff versaut, sollte der Klebstoff immer auf das nicht transparente Teil aufgetragen werden, wenn möglich. Dabei den Klebstoff dünn auftragen. In den Ecken bilden sich meist größere Anhäufungen von Klebstoff, mit einem Papierküchentuch kann man überschüssigen Klebstoff aus den Ecken wieder herausziehen. Es bietet sich auch an etwas zu warten, bevor man die Scheibe einsetzt, bis der Klebstoff etwas zäh wird, und er nicht mehr über die Scheibe laufen kann.

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Ist der Klebstoff getrocknet, ziehe ich von innen her die überstehenden Ränder der Fenster mit einem Pinsel und der Farbe der Innenwände nach.

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Nun kann das Interieur eingeklebt und die Rumpfhälften miteinander verklebt werden. Dabei werden auch die Horizontal Stabilizer eingebaut. Damit alles korrekt sitzt, wird der Rumpf mit entsprechenden Hilfsmitteln ausgerichtet und zum Trocknen am besten über Nacht abgelegt.

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Da der Rumpf nun beisammen ist, kann die restliche Verglasung angeklebt werden. Und dann geschah es: Beim Abtrennen vom Gießast zerbrach eine der polierten Dachverglasungen! Hin und wieder gibt einem das Hobby auch mal den Anlass zum Ausflippen. Ist halt so. Hat sich das Gemüt dann wieder beruhigt sucht man nach einer konstruktiven Lösung. Die zerbrochene Scheibe wurde an der Bruchkante wieder verklebt, auf eine Holzleiste mit Sekundenkleber Gel aufgeklebt und abgeschliffen (Abb.1). Somit diente sie als Tiefziehform für ein Ersatzteil. Aus Verpackungsmaterial wurde ein Streifen transparentes PS herausgetrennt, mit dem Heißluftföhn erwärmt und über die Form gezogen (Abb.2). Die neue Scheibe wurde dann herausgetrennt und mit etwas Schleifarbeit angepasst. Schon ist der Ärger wieder vergessen.... Zum Thema Verglasung gibt es Tips im Online-Kurs Teil 23 „Klarsichtteile“

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Die anderen Klarsichtteile wurden nun angepasst (hin und wieder muss etwas geschliffen werden, daher immer vor dem Verkleben probieren, ob die Teile auch passen) und mit dem Rumpf verklebt. Es gibt auch Klebstoffe speziell für Klarsichtteile. Diese härten transparent aus. Dennoch sollte man vermeiden, dass der Klebstoff in den sichtbaren Bereich läuft. Meist haben diese einen recht groben Pinsel, von daher bietet es sich an den Klebstoff mit einem gezogenen Gießast oder einem Zahnstocher aufzutragen. 

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Mit Klebebandstreifen und Gummiringen wird fixiert und dem bis dahin entstandenen Objekt eine Trockenpause gegönnt. 

Als Nächstes werden die Klebenähte und andere Unebenheiten ggf. verspachtelt und verschliffen. Um dabei die Oberflächenstrukturen nicht zu beschädigen, ist auch hier Abkleben hilfreich. Vor allem beim Verspachteln. Ich klebe Spalten, die mit Spachtelmasse gefüllt werden, gerne recht knapp ab, und ziehe das Klebeband gleich wieder ab. So bleibt nur ein Minimum an Spachtelmasse am Modell haften, und man hat weniger abzuschleifen. Vor dem Schleifen wird dann erneut abgeklebt, wenn feine Strukturen in der Nähe sind.  

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Der Rumpf ist soweit fertig für seinen Grundanstrich, dazu dann später im Text. 

Nun geht es an den Hauptrotor. Um die Rotorblätter richtig auszurichten, zeichne ich mir Hilfslinien in den entsprechenden Winkelabständen auf ein Blatt und ziehe parallele Linien dazu, nach denen ich die Rotorblätter ausrichte. Der Rotor wird entsprechend unterlegt und mit Klebeband fixiert, bis der Klebstoff getrocknet ist.

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Bei abgestellten Hubschraubern hängen – je nach Typ – die Rotorblätter mehr oder weniger herab. Indem man die Blätter vorsichtig erwärmt und biegt, kann man das nachbilden. Wenn man nicht so vergesslich ist wie ich, macht man das am Besten vor dem Verkleben mit dem Rotorkopf. Das Herabhängen der Rotorblätter wird durch Erwärmen und Biegen erreicht. Der Deckel eines Glases schützt den Rotorkopf vor ungewollter Erwärmung. (Abb.1)

Da der Rotorkopf und dessen Ansteuerung stark vereinfacht im Bausatz dargestellt wird, entstanden viele Kleinteile mit Hilfe von gezogenen Gießästen (Abb. 2). 

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Die recht massiven Anlenkungshebel der Rotorblätter baute ich nach Bildern aus 1,5 mm starkem PS-Plattenmaterial (Abb.3) und detaillierte diese mit gezogenen Gießästen nach (Abb.4).

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Nach dem Anbringen der letzten Details wurden die letzten Kleinteile am Rotor angestrichen.

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Der Heckrotor hat - wie öfter bei recht alten Bausätzen – erhabene Linien, die als Begrenzung der auflackierten Streifen fungieren (Abb.1). Das ist zwar gut gemeint, aber keineswegs überzeugend an einem realistischen Modell. Von daher wurden diese ungewollten Helferchen abgeschliffen. Es folgte die Grundierung (Abb.2) und der gelbe Anstrich.

Das Abkleben der kurzen Streifen wäre recht mühselig. Daher zog ich es vor diese mit selbst gedruckten Decals darzustellen (liegen auch bei einigen, neueren Bausätzen als Decals bei). Dazu klebte ich ein Stück Isolierband auf eines der Heckrotorblätter und pauste die Kontur ab (Abb.3).  

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Das Klebebandstück klebte ich auf ein Blatt und scannte es ein (Abb.1). Im Grafikprogramm konnte ich dann die schwarzen Streifen zeichnen und auf transparente Decalfolie drucken (Abb.2).  

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Nach dem Anbringen der Decals zog ich die Kanten mit schwarzer Farbe nach (Abb.3). Es würde viel Nachhilfe mit einem Weichmacher erfordern, dass die die Decals so eng um die Ecke anliegen, von daher ziehe ich lieber die Kanten mit dem Pinsel nach. Somit besteht auch nicht die Gefahr, dass sich die Decals an den Stellen irgendwann lösen (Abb.1).

Da auch der Heckrotor irgendwie angelenkt werden muss, erhielt er noch ein 3D-Druckteil, dass die „mercedessternförmige“ Anlenkung der Blattverstellung nachbildet, sowie die Gestänge aus gezogenen Gießästen, die das Teil mit den Heckrotorblättern verbinden. (Abb.2).

Auch das Gehäuse für das Winkelgetriebe des Heckrotors (Abb.3) wurde neu gebaut, da das im Bausatz enthaltene Teil viel zu voluminös ist und mit dem Vorbild nicht wirklich viel zu tun hat. Dabei kamen übrige Teile aus anderen Bausätzen zum Einsatz, die sich anpassen ließen. Es lohnt sich immer übrige Teile aufzubewahren (siehe Online-Kurs Teil 28 „Grabbelbox“).

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An der Turbine lässt sich Einiges verbessern. Nach dem Zusammenkleben der Hälften wurde das Abgasrohr etwas dünnwandiger geschliffen.

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Die Ansaugschächte sind zwecks dem Schutz vor Fremdkörpern mit feinmaschigen Gittern abgedeckt. Dafür liegen keine Teile bei. Um diese darzustellen Schnitt ich aus einer dünnwandigen, transparenten Kunststoffverpackung einen Streifen heraus und ritzte mit einem Gravurwerkzeug die Gitterstruktur hinein. (Abb.1). Um in die Gravuren Eisenfarbe zu bekommen, pinselte ich diese stark verdünnt auf und wischte kurz darauf die überschüssige Farbe auf der Oberfläche mit einem in Verdünnung getränkten Tuch ab (Abb.2).

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Nachdem die Farbe getrocknet war, wurden die Gitter-Imitate passend ausgeschnitten (Abb.1 + 2). Sekundenkleber Gel gast weniger aus, als herkömmlicher Sekundenkleber. Um möglichst geringe Mengen davon auf die Ränder der Ansaugschächte aufzutragen, nutzte ich dazu einen gezogenen Gießast (Abb.3). 

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Die markanten Rohre unterhalb der Turbine dürfen nicht fehlen. Ich zeichnete diese am CAD-System nach und stellte sie mir als 3D-Druckteile her (Abb.1 + 2). Um die Teile zu glätten erhielten sie mehrere Schichten mit einem Sprühfüller aufgetragen und wurden verschliffen (Abb.3).

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Nachdem die beiden Teile nach den Fotos lackiert waren, klebte ich sie an die Turbine an (Abb.1). Um die Leitungen und Gestänge außen an der Turbine darzustellen, kommen auch wieder gezogene Gießäste zum Einsatz, als auch ein dünner Kupferdraht, der sich gut biegen lässt. Dieser wird mit Sekundenkleber Gel eingeklebt (Abb.2). Damit die Drahtstücke nicht abbrechen, müssen an den entsprechenden Stellen Bohrungen gesetzt werden, in die sie ein Stück weit eingeschoben werden (Abb. 3). Um die Klemmen darzustellen, die die Gitter festhalten, wurden die entsprechenden Stellen abgeklebt und lackiert (Abb.4).

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Mit kleinen, übrigen Teilen aus anderen Bausätzen und Stücken (siehe auch Online Kurs Teil 28 „Grabbelbox“) aus einer PS-Platte kamen ebenfalls ein paar Details hinzu. Im Bild die komplette Turbine.

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Bevor nun die einzelnen Baugruppen und letzte Kleinteile an den Rumpf geklebt werden konnten, bekam der Rumpf seinen Grundanstrich. Alles was hierbei im Weg sein könnte oder in Mitleidenschaft beim Hantieren gezogen werden könnte, wird vorerst weggelassen und später angebracht. Da der Heli eine gelbe Grundfarbe bekommt, muss zunächst grundiert werden. Da helle und glänzende Farben in der Regel keine gute Deckkraft haben, benötigen sie einen hellen Untergrund. Ich nutze dazu das seidenmatte Lichtgrau von Revell, da diese Farbe recht schnell deckt und man mit nur 2 recht dünnen Schichten einen homogenen Untergrund bekommt (Abb.1). Das Gelb (Mischung aus Revell Gelb 12 und Lufthansagelb 310 im Verhältnis 2:1) wurde ebenfalls in mehreren Schichten aufgetragen. Lieber mehrere Schichten aufpinseln, die stärker verdünnt sind, als versuchen mit dicker Farbe schneller ans Ziel zu kommen. Letzteres kann dazu führen, dass Oberflächendetails verschwinden (Abb.2). 

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Die Kennung und der Danger-Schriftzug befinden sich auf den Vertical Stabilizern. Da diese Schwarz sind, bietet es sich an, diese auf transparente Folie mit schwarzer „Umgebung“ zu drucken, da das gedruckte Schwarz sehr gut deckt. Schwarz ist auch die einzige gedruckte Farbe, die auch Flächen in anderen Farben neben Weiß abdeckt (Abb.1). Da ich die Beschriftungen in Gelb auf die Decalfolie druckte, musste der Untergrund für die Decals weiß angestrichen werden. In dem Fall wäre es auch möglich gewesen auf weiße Folie zu drucken. Die Bereiche, die die Decals nicht abdecken, wurden dann später mit dem Pinsel in Schwarz überlackiert (Abb.2).

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Die Tigerstreifen wurden dann freihändig mit dem Pinsel gemäß den Originalfotos auflackiert.

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Bei Modellen, die auf einem Radfahrwerk stehen, wirkt es realistischer, wenn die Reifen etwas abgeflacht werden. Mit vorsichtigen Bewegungen und minimalem Druck wird das Modell über einen Schleifklotz mit feinem Schleifpapier gezogen. Die abgeflachten Stellen werden danach mit der Farbe des Reifens, in dem Fall Anthrazit (Reifen sind niemals wirklich schwarz!), überstrichen. 

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Nun war es an der Zeit, die Turbine anzubringen. Da die dicken Rohre nicht im Bausatz vorgesehen waren, aber im Rumpf verschwinden müssen, wurden die Bereiche, in denen Aussparungen eingearbeitet werden mussten, markiert. Mit einem kleinen Fräser wurde für die Rohre der nötige Platz geschaffen.

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Die letzten Kleinteile werden angebracht. Die dargestellte Alouette III hat zusätzliche Einstiegshilfen unterhalb der hinteren Türen. Diese entstanden aus zugeschnittenen PS-Plättchen, sowie aus gezogenen Gießästen (Abb.1). Weiterhin erhielt das Modell Antennen oberhalb der Kabine, die ebenfalls mit Hilfe von gezogenen Gießästen entstanden (Abb.2).Geknickte Antennen können auch vorsichtig kalt gebogen werden, wenn ein Gießast sehr dünn gezogen ist. Man erkennt hierbei jedoch recht schnell einen Weißbruch. Um das Gefüge wieder zu entspannen, kann man Plastikkleber im Bereich des Knicks auftragen, der das Material anlöst.

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Sind alle Kleinteile am Modell und die letzten Lackkorrekturen gemacht, kommt der Klarlack drauf. Ich verwende hierbei Sprühlacke. Die Alouette III bekam einen seidenmatten Klarlacküberzug.

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Hat man sein Modell mit matten Farben lackiert, bietet es sich an vor dem Anbringen der Decals dieses mit glänzendem Klarlack zu überziehen, da darauf die Decals besser halten und nicht silbern. Zum Schluss wird dann mit einem Klarlack versiegelt, der den gewünschten Effekt erzeugt. Bei im Original glänzenden Vehikeln bevorzuge ich meist seidenmatten Klarlack, da eine glänzende Oberfläche auf Modellen oft unrealistisch wirkt.    

Nun noch die Abklebung der Scheiben abziehen. Es kann sein, dass an der einen oder anderen Stelle Farbe unterlaufen ist. Mit einem Zahnstocher kann man die Farbe herunter rubbeln. Gegebenenfalls kann noch mit Politur zusätzlich gesäubert werden.

Zum Schluss wurde noch der Hauptrotor samt der Welle zur Turbine angeklebt.

Das war´s: Auf zum Fotoshooting ins Freie!

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Epilog

Das Making of „Helikopter“ ist mit den Beschreibungen und Photos vom Bau der Alouette von Fujimi sehr umfangreich und detailliert ausgefallen. Alle Arbeiten sollten aber mit ein wenig handwerklichem Geschick auch für Anfänger nachzumachen sein. Die Sache lohnt sich, denn am Ende steht ein kleines gelbes Meisterwerk in der Vitrine und in diesem Sinne verbleiben wir mit dem Wunsch auf...

Happy Modeling!

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Galerie von Thomas Brückelt auf Modellversium siehe:https://www.modellversium.de/galerie/modellbauer.php?id=5338

Bausatz & Zubehör:

  • Fujimi Nr. 5A-19: Aerospatiale Alouette III Maßstab 1:48

Werkzeuge & Hilfsmittel:

  • Enamel Farben Humbrol und Revell
  • Füller AutoK Filler
  • Sekundenkleber Loctite 454 
  • Polystyrolkleber Revell Contacta Professional
  • Scheibenkleber Revell Contacta Clear
  • Maskiermittel Vallejo Liquid Mask
  • Maskierband Tamiya
  • Nigrin Kombispachtel Grau
  • Poliboy Glaskeramik Politur

PS: Für „Helikopters“ gibt es ein großes Angebot an Bausätzen in unterschiedlichen Skill Levels bzw. Schwierigkeitsstufen und Maßstäben. Wir empfehlen Anfängern im Plastikmodellbau sich zu Anfang eher einfachere Bausätze auszusuchen, die viel Spaß beim Zusammenbau garantieren, für einen Wow-Effekt sorgen und Lust auf weitere Bauprojekte und Modelle machen. Für Anfänger geeignet können wir z.B. folgende Kits empfehlen:

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  • Italeri Bell AH-1T Sea Cobra (1:72)
  • Revell Airbus EC135 (1:72)
  • Academy Westland Wessex UH.5 (1:48)

Weitergehende Informationen und Bausatzvorstellungen zu diesen, aber auch weiteren Bausätzen finden sich u.a. in der Kit-Ecke von Modellversium. 

Coming soon ...

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Making of

Publiziert am 22. März 2026

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