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Achtung! Baustelle!

Oder: Was geschah auf den Osterinseln?

von Frank Brüninghaus (1:300 Eigenbau)

Achtung! Baustelle!

Für die schöne, alljährliche Tradition der Clubmeisterschaft des Modellbauclubs Koblenz entstand dieses Modell eines Baukolonnen-Raumschiffes. Wie wir alle wissen, sind die Menschen schlicht zu dumm, um ihre Umwelt nachhaltig zu gestalten. Deshalb braucht es zwingend Hilfe von außerhalb, am Besten von außerhalb dieses Sonnensystems. Dass dies bereits seit Jahrtausenden passiert, ist nur einer engen Schar um Autoren wie Erich von Däniken bekannt. Die Zeichen für Einflüsse aus dem „Outer Space" sind daher mannigfaltig, sie alle hier aufzuführen würde den Rahmen sprengen.

Eines der bekanntesten Beispiele, das auch außerhalb der Outer-Space-Gemeinde bekannt sein dürfte, sind die seltsamen Figuren auf Rapa Nui, die Moai. Seit ihrer Entdeckung durch Europäer rätselt die Welt über die gigantischen Steinskulpturen. Wieso? Weshalb? Warum? Der einfache Fragenkatalog aus einer allseits bekannten Kindersendung zieht sich seit Jahrhunderten um diese dunklen Gestalten.

Mein Modell soll etwas Licht ins Dunkel dieser pazifischen Insel bringen und zeigen, wie die Moai wirklich auf die Osterinsel gekommen sind - in keinem Fall jedoch durch Menschenhand. Wie sollen ein paar garstige Halbaffen es auch schaffen, derart gigantische Monolithen aufzustellen? Das geht nur und ausschließlich mit Hilfe extraterrestrischer Baukolonnen, die, so vermutet mancher, mit der Aufstellung der Skulpturen die Menschheit daran erinnern wollen, wer in diesem Teil der Galaxis wirklich was drauf hat.

Um von wo auch immer zur Erde zu gelangen und auch längerfristige Baustellen zu unterhalten (ich verweise hier nur kurz auf die ägyptischen Pyramiden) braucht es leistungsfähige Vehikel, die imstande sind, entsprechende Baugruben vorzubereiten und naturgetreues Baumaterial reproduzieren können, die nötigen Bautrupps zu beherbergen und ausreichend Treibstoffe und andere Energielieferanten transportieren und ständig bereit halten können.

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Achtung! Baustelle!

 

Das Vorbild für mein Modell war ein Gemälde von Christopher Foss, einem der besten zeitgenössischen Science Fiction-Maler. Weit ab von den scheinbar aus Betonderivaten bestehenden Flug- und Weltraumgeräten aus Star Trek oder Star Wars sind die Raumschiffe von Foss insektengleiche, erschreckend bunte und formenreiche Hot Spots im All. Manch einer unter uns wird an die Bauflotte der Vogonen erinnert, die jedoch in einem scheußlichen Gelb gehalten waren. Ich bin sicher, Douglas Adams wusste was...

Der Rumpf des Bauraumschiffes entstand aus dem vorgefrästen Balsaholzrumpf eines Baukastenmodells der HMS Victory. Der mittlere Teil wurde mit Holzraspel und Schleifköpfen auf der Kleinbohrmaschine eingeschnürt, der Rest mit Messer, Hobel und Schleifpapier überformt und zwischendurch der Holzblock mit Porenfüller eingestrichen. Bei diesen Arbeiten war das Schwierigste, einigermaßen eine Symmetrie des Schiffskörpers beizubehalten.

Nach einer ersten Grundierung klebte ich allerhand Gedöns aus meinen zahlreichen Restekisten auf den Rumpf, um irgendwelche Sensorik, Bewaffnung, Antennen und Arbeitsgeräte darzustellen. Es fand alles Mögliche Verwendung: Patronengurte, Radargeräte und Entfernungsmesser von Kriegschiffmodellen, halbe Bomben, Fahrwerke von Flugzeugen, Abwurftanks und Auspuffrohre. Nach dem Lackieren in dunkelgrau und schwarz, auf dem Rumpfrücken des Hinterteils silber und rot kam das i - Tüpfelchen: Abziehbilder, meist aus Flugzeugcockpits und von Flugzeugträgerdecks, wurden überall auf dem Raumschiff verteilt - wo sie halt „Sinn" machten. So entstanden die gestreiften Einfassungen für Hangartore, Fenster, Markierungen und was Außerirdische sonst noch gern auf ihre Schiffe kleben.

Achtung! Baustelle!

Achtung! Baustelle!

Das Raumschiff sollte ursprünglich auf den knapp zwei Dutzend „Halteseilen", hier fester, 0,3 mm starker Stahldraht, stehen. Das funktionierte nur bei absoluter Ruhe und Unbeweglichkeit. Die Lösung, nicht wirklich schön aber praktikabel, war ein 6 mm Acrylstab, auf dem das Schiff jetzt ruht.

Die insgesamt sechs Moai, davon einer mit Hut, entstanden aus schwarzem FIMO. Einer wird soeben an Drahtseilen hängend von dem Raumschiff in seine Baugrube abgefiert. Am Rande der Baugrube auf den Abraumhaufen steht die extraterrestrische Bauaufsicht, zwei Kollegen wandern noch den flachen Hügel hinauf, um sich ebenfalls vom ordnungsgemäßen Einbau des Moai zu überzeugen. Die Rapa Nui, die Einwohner der Inseln, sind vor Schreck geflohen und wohnen der Errichtung der Wahrzeichen ihrer Heimat nicht bei.

Die Landschaft ist auf einer mit Faserzement beschichteten Schaumplatte aufgebaut. Der Hügel entstand im Kern aus einem Gerüst von Kartonstreifen, das mit Papier und Karton abgedeckt wurde. Die Oberfläche formte ich mit einer leichten Spachtelmasse, die nach der Trocknung mit Klebstoff bestrichen und mit Löß und anderen feinen Sanden bestreut wurde. Einzelne Basaltsplitter, Grasbüschel und etwas Streumaterial runden den Küstenstreifen Rapa Nuis ab. Die Einrahmung im Stile einer Baustellenabsicherung ist ein 35 x 52 cm großer Bilderrahmen aus einem skandinavischen Möbelhaus.

Der Bau insbesondere des Raumschiffes hat sehr viel Spaß gemacht. Ganz bestimmt werde ich das Thema - auch ohne Wettbewerb - vertiefen und mit Resten und Verpackungsmüll weitere Raumschiffe im Dienste der Monumentenerrichtung bauen. Ich freue mich jetzt schon auf das Rasenmäherschiff für Kornkreise und den überlichtschnellen Baukran für Pyramidenspitzen... 

Mögliche Quelle: 21st Centrury Foss, Chris Foss, Dragons Dream, ISBN 0906196094, 1978
Mögliche Quelle: 21st Centrury Foss, Chris Foss, Dragons Dream, ISBN 0906196094, 1978

Frank Brüninghaus

Publiziert am 08. Januar 2026

Die Bilder stammen von Manfred Neumann / Frank Brüninghaus.

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