Porsche 911 S TargaAlter Elfer, frisch restauriertvon Matthias Reinshagen (1:24 Fujimi)
Mitte der 1960er-Jahre gab es Überlegungen, dem 911 Coupé eine luftigere Variante zur Seite zu stellen. Der Karosseriebauer Karmann erstellte dazu einen roten Prototypen. Doch aus verschiedenen Gründen schaffte es dieses schmucke Modell nicht in die Serienfertigung. Einer davon war, dass im wichtigen Exportmarkt USA offene Autos ins Gerede gekommen waren. Verbraucheranwalt Ralph Nader, ein Meister der Selbstinszenierung und PR, hatte sich auf tatsächliche und vermeintliche Sicherheitsmängel von Autos eingeschossen. Voller Eifer hatte er in seinem Kreuzzug für das Wohl der Autofahrer auch den mangelnden Insassenschutz bei Unfällen von Cabrios beanstandet. Da sich in den Vereinigten Staaten zu dieser Zeit tagtäglich in erschreckend grosser Zahl Cabrios überschlugen und zu schlimmsten Verlusten an Menschenleben führten, war sein Einwand wohl berechtigt… Das führte zu entsprechenden Gesetzen betreffend Fahrzeugsicherheit und zu heftigem Nachdenken der Konstrukteure in den Entwicklungsabteilungen.
Porsche-Hausdesigner Ferdinand Alexander («Butzi») Porsche reagierte auf die neue Situation mit dem «ersten serienmässigen Sicherheits-Cabriolet der Welt», wie es der Werbetext 1965 bei der Präsentation des Fahrzeugs hervorhob. Ein Überrollbügel sollte Unheil von den Insassen abwenden, würde es zu einem Überschlag kommen. Dieses optisch massiv wirkende Edelstahlteil halbwegs kompatibel mit der eleganten 911-Silhouette zu machen, kann heute noch als Meisterleistung des Autodesigns gelten. Da der Wagen wetterfest sein musste, füllten vorne ein zusammenfaltbares Dach mit Kunstlederbezug und Alu-Druckguss-Rahmen und hinten eine provisorisch wirkende, faltbare Folienscheibe die Lücken. Diese «soft-window»-Targas waren eine Übergangslösung und sind heute gesuchte Sammlerstücke. Ab 1969 wich die transparente Folie dem fest verbauten Panorama-Glasteil, das auch eine Heckscheibenheizung ermöglichte. Ein echtes Cabriolet war der Targa seitdem zwar nicht mehr. Gleichwohl fand diese Version zahlreiche Freude unter der Elfer-Kundschaft und wurde bei der folgenden G-Serie und auch beim 911 der Baureihe 964 wiederum angeboten.
Porsche-Bastler kommen um Fujimi nicht herum, wenn sie Kits nach dem Vorbild des 911 im Massstab 1:24 bauen wollen. Viele sind inzwischen nur noch antiquarisch erhältlich – aber mit ein bisschen Glück sogar noch erschwinglich. Leider klaffte eine Lücke im sonst sehr breiten Angebot der Serie «Enthusiast Models». Gab es doch den 911 der ersten Generation (F-Serie) als Coupé und in der Rennversion 911 R, doch nicht in der Targa-Variante. Aber dieses Problem war eines von der lösbaren Sorte. Es half vor rund drei Jahrzehnten Jahren ein Scratchbuilt.
Dazu wurden bei der Karosserie eines Coupé-Kits das Dach abgeflext und mit den adoptierten Targa-Teilen eines Kits der 911er G-Serie (Überrollbügel, Heckscheibe und Dach-Mittelteil) die gewünschte Open-Air-Version hergestellt. Das gab viel zu tun. Doch letztlich ging das Puzzle auf und die transplantierten Bauteile fügten sich nahezu lückenlos an ihren neuen Platz. Dabei spielte auch eine Rolle, dass die Karosserien von F- und G-Serie im Original wie im Modell in den Grundzügen weitgehend identisch sind. Kenner werden reklamieren: Das Rotmetallic der Lackierung findet sich nicht in den damaligen Porsche-Farblisten für den 911 S. Das ist richtig. Diese Sünde sei mir nachgesehen. Die korkfarbene, braun-beige Innenausstattung hingegen war für das Original so ähnlich verfügbar.
Ich meine, das farbliche Zusammenspiel zwischen Interieur und Exterieur führt zu einem durchaus zeitgenössisch anmutenden Siebzigerjahre-Gesamteindruck. Im Zuge einer gründlichen Restaurierung wurde das angejahrte Modell vor kurzem wieder auf Vordermann gebracht, gereinigt und neu lackiert. Nun steht es bereit für gemütliche Ausfahrten – natürlich nicht bei Regen!
Matthias Reinshagen Publiziert am 19. Juni 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |