Du bist hier: Home > Galerie > Autos > Ferrari 275

Ferrari 275

als GTB und NART-Spyder

von Matthias Reinshagen (1:24 Italeri)

Ferrari 275

Was ist der Grund für den Reiz eines klassischen Ferrari? Wahrscheinlich das Zusammenspiel von betörendem Design und hochkarätiger Technik. Da macht der Ferrari 275 GTB keine Ausnahme. Italeri hat 1990 einen 1:24-Kit des Coupés herausgebracht und im selben Massstab auch die im Original seltene Cabriolet-Variante, den 275 NART-Spyder. 

Ferrari 275

Schon beim Betrachten der Karosserie nach dem Öffnen des Kartons zeigt sich: Die Proportionen des Originals sind sehr gut getroffen. Ob gross oder klein, die Form des GTB ist Pininfarina-Sportwagendesign für die Ewigkeit – lange Motorhaube, Hüftschwung aufwärts hinter den Türen. Und natürlich der ‘Coda tronca’-Heckabschluss, ein senkrecht stehendes Abschlussblech nach Art des aerodynamischen ‘Kamm-Hecks’. Kenner sehen sofort Anleihen bei der Formsprache des legendären Ferrari 250 GTO. Diese optische Leichtigkeit des Auftritts ist späteren Autos aus Maranello im Laufe der Zeit leider abhanden gekommen. Das Modell bietet ausführlich Gelegenheit, sich an dieser gelungenen Komposition aus den Sechzigerjahren zu freuen.

Ferrari 275

Der Formenbau des Italeri-Kits ist tadellos und gibt nur in einem Punkt Anlass zur Kritik. Die untere Frontschürze muss separat angeklebt und verspachtelt werden. Ärgerlich ist das, weil diese Nahtstelle zur Karosserie nicht in der Zone liegt, wo die Stossstangen angebracht werden, sondern darüber. Hier ist also akkurates Arbeiten angesagt. Sonst kann man nicht klagen. Schöne Transparent- und Chromteile (mit gut getroffenen, nostalgischen Borrani-Speichenfelgen) werden dem Original ebenso gerecht wie das spartanische Cockpit. Die Reifen sind ein klein bisschen zu breit geraten, aber das stört den Gesamteindruck nicht.

Ferrari 275

Einmal das Auto umgedreht, und die Freude geht weiter. Freunde kleiner Sportwagen können auf der Unterseite des Fahrzeugs die Feinheiten der Radaufhängung bewundern, ebenso eine vorbildgetreu installierte Auspuffanlage und das massive Rohr, durch das die Kardanwelle die Kraft des Motors auf das Getriebe schickt, welches an der Hinterachse angebracht ist. Der Zwölfzylindermotor selbst, Quelle der Kraft und Fahrfreude, steckt unter einer beweglichen Haube. Das Triebwerk geht auf eine Konstruktion von Gioacchino Colombo zurück und schöpft aus einem Hubraum von 3,3 Litern anfangs eine Leistung von 280 PS. Das ist aus heutiger Sicht gewiss kein berauschender Wert. Doch Mitte der Sechzigerjahre war das Supercar-Niveau. Der längliche Höcker auf der Motorhaube wurde nötig, um den höher bauenden Motor unterzubringen. Der Kit bildet also die spätere Version GTB/4 ab. Sie löste 1966 die erste Serie ab und bot 20 PS mehr.

Ferrari 275

Ferrari 275

Ferrari 275

Zur offenen Version wäre zu sagen, dass sie auf die Initiative des nordamerikanischen Ferrari-Importeurs Luigi Chinetti zurückging. Die Bezeichnung «NART-Spyder» verrät die zweite Passion Chinettis, den Rennsport – steht das Akronym doch für sein ‘North American Racing Team’. Auch die Drop-Top-Version hat Italeri hervorragend verkleinert. Dem Kit liegt sogar ein Decal der NART-Plakette bei, die links am Heck angebracht war. Nicht nur solche Feinheiten sind es, die Lust auf den Kit machen.

Ferrari 275

Ferrari 275

Lackiert wurden beide Oldtimer mit Spraydosen von Dupli-Color Auto-Acryl. Wobei ich bewusst kein allgegenwärtiges Ferrari-Rot wollte, sondern dezenten Metallic-Farbtönen den Vorzug gab. Diese standen nicht in der Ferrari-Liste, orientieren sich aber an der damals üblichen Palette. Ich meine, sie werden dem eleganten Charakter der Vorbilder besser gerecht als das knallige Rot. Besonders gut kontrastiert das dunkle Samtrot des Spyders mit den Chromteilen, während das Platin-Metallic des Coupés mit einem dunkelbraunen Cockpit kombiniert wurde. Die kundigen Betrachter mögen beurteilen, ob diese Wahl zu den Autos passt.

Ferrari 275

In einem Punkt ergeben die Italeri-Kits des Ferrari 275 GTB nicht unbedingt ‘originalgetreue’ Modelle, was aber kein Grund zur Klage ist. Denn im Gegensatz zu den technisch anspruchsvollen, kapriziösen und komplexen Originalen geht der Bau der Miniaturen erfreulich simpel vonstatten. Alles passt tadellos. Sogar die gewölbten Lampenabdeckungen fügen sich perfekt an ihren Platz. Bastlern mit soliden Grundkenntnissen müsste der Bau also reibungslos gelingen. Es ist allerdings Feingefühl für das Handling von winzigen Kleinteilen nötig (so beispielsweise die Seitenblinker und die verchromten Teile für Haubenscharniere und Türgriffe). Auch spachteln und schleifen sollte man beherrschen.

Ferrari 275

Antiquarisch sind die 275-Typen als Italeri-Kits noch erhältlich. Allerdings werden für diese Raritäten derzeit oft hohe Preise aufgerufen. Zu empfehlen diese attraktiven Vertreter der Frontmotor-Ferraris gleichwohl ohne Vorbehalte.

Wem die Bausatzpreise hoch erscheinen, der möge bedenken, dass laut Wikipedia im Jahr 2026 für den NART-Spyder in 1:1 Kaufpreise über 10 Millionen US-Dollar geboten werden.

Ferrari 275

Matthias Reinshagen

Publiziert am 17. Juli 2026

Du bist hier: Home > Galerie > Autos > Ferrari 275

© 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links