Alfa Romeo 6C 1750 GS Spider ZagatoMille Miglia 1931, #86 Giuseppe Campari/Attilio Marinonivon Harry Brunner (1:32 Pyro)Als Ferraris noch Alfa hießenDas Fahrerduo Giuseppe Campari und Attilio Marinoni, mit dem Sechszylinder Alfa Romeo der Scuderia Ferrari, erreichen den 2.Platz bei der 5.Mille Miglia 1931.
Nachdem ich in Modell Panorama 2025/3 und hier den Siegerwagen der Mille Miglia 1931 vorgestellt hatte, hier nun der Zweitplatzierte, ein Alfa Romeo der Scuderia Ferrari. Auch dieser Wagen ist für das, in diesem Beitrag erwähnte, größere Diorama gedacht.
Auch hier wieder nur kurze Information zum Wagen:Dieser Wagen, und alle Derivate, war so etwas wie ein Volumensmodell der Zwischenkriegszeit. Der Motor, von Vittorio Jano entworfen, war eine Weiterentwicklung des vorigen 6C 1500 und ist ein Reihensechszylinder mit 1.752 ccm, zwei obenliegenden Nockenwellen und Kompressor. Mit bis zu 102 PS und vor allem mit der hier dargestellten Karosserie Gran Sport von Zagato höchst erfolgreich im Motorsport.
Der Bausatz und BauDer verwendete Bausatz hat seinen Ursprung im Jahr 1966 und stammt vom lange untergegangenen US Hersteller Pyro. Selbstredend auch schon ewig nicht mehr im Handel, teilweise um bis zu 150 US Dollar gehandelt. Ich fand mein Exemplar auf der Homepage eines Automuseums aus Malta, das ich zufällig schon besucht hatte. Original Box, Bauteile noch immer eingeschweisst um wohlfeile 18.-€ inklusive Postversand. Durch das Bausatzalter war von Anfang an eine grössere Umbau- und Verfeinerungsorgie vorgezeichnet. 49 Bauteile, davon entfallen 18 Teile allein auf die Räder, die völlig unbrauchbar sind, aber es gibt eine rudimentäre Motornachbildung.
Als erstes nahm ich mir das Chassis vor. Dieses ist ein größerer Bauteil mit angegossenen Kotflügeln, beidseitig Staukisten und der Ölwanne des Motors. Die angespritzten Staukisten mussten entfernt werden, die entstandenen Lücken verschlossen werden. Die vorderen Kotflügel wurden entsprechend dem Vorbild ausgeschnitten und zurecht geschliffen, die Trittleisten mit Evergreen Profilen wieder aufgebaut.
Der nächste Bauabschnitt war das Cockpit, den Boden habe ich aus Platzgründen gegen ein Stück Profilplatte getauscht. Beidseitig Türen eingraviert, ergänzt mit kurzen Plastikrundstücken um die Scharniere an zu deuten. Die Klappe des Verdecks um einige Millimeter nach hinten versetzt. Ebenso der Ausschnitt für die Reserveräder Die Polsterung rund um an der Karosserie erstellte ich mit Hilfe eines, vorsichtig zurechtgebogenem, Halbrundprofils von Evergreen. Das Armaturenbrett ist sehr schön mit gravierten Anzeigen gemacht, erleichtert das Bemalen erheblich, ergänzt habe ich nur die beiden Soffitenleuchten mit Messingröhrchen und Stecknadelkopf. Auf der Beifahrerseite ergänzte ich noch einen Ölbehälter, ebenfalls zurechtgemachter Plastik-Abfall mit einem kurzen Evergreen Röhrchen und einem übriggebliebenen Felgenverschluss. Ein ebensolcher dient, ein wenig zurechtgefeilt, auch als Tankdeckel.
Die Kennzeichenleuchte entstand aus einem Messingröhrchen, einer Stecknadel und Ätzteilabfall. Ebenfalls Messingröhrchen und -Profile kamen bei der Scheinwerfergalerie, ergänzt durch kleine Plastik Profile und Röhrchen zum Einsatz. In diesen verläuft, ganz dem Original verpflichtet, die Verdrahtung der Scheinwerfer. Die Gravur des Kühlers sah recht gut aus, hat aber mit dem Original nichts zu tun. Ich schnitt das Gitter aus, schliff alle erhabenen Details ab,klebte ein Stück Ätzgitter von Eduard ein und aus einem anders strukturierten Eduardgitter entstand der Steinschlagschutz, der mit 1mm Plastikprofil noch einen Rahmen erhielt. Die runde Öffnung für das Alfa Romeo Logo ist ein Plastikteil eines 1/72er Kits unbekannter Herkunft.
Den Scheibenrahmen mit der seitlichen Spiegel/Lampen-Kombination habe ich mit verschiedenen Evergreen Plastikprofilen komplett neu aufgebaut. Das Bausatzteil sah zu seltsam aus, vor allem viel zu dick und mit der Scheibe in einem gegossen. Die Scheibe selbst schnitt ich passgenau aus einer Plastikverpackung aus und klebte sie mit Weiß Leim an Ort und Stelle.
Eine Herausforderung waren die "Devils Eyes" und das Verdeck, für letzteres hab ich einen Rahmen mit dünnem Draht gemacht und mit Hansaplast überzogen. Das ergibt eine schöne Struktur und kommt nach dem Bemalen echtem Stoff recht nahe. Um die roten Scheinwerfer, den "Devils Eyes" ranken sich diverse Legenden, in Wirklichkeit sind sie nichts anderes als Schutzkappen für die Scheinwerfer, die man abnahm, wenn die Scheinwerfer gebraucht wurden. Ich habe diese Kappen schon im Original, bei diversen Besuchen der Mille Miglia Storico, gesehen. Würde man die drauflassen, hätte man eine Lichtausbeute wie bei einer Grabkerze. Nach einigen Fehlversuchen versuchte ich Silikon Möbel Stopper, wie man sie bei Schubladen verwendet. Die passen von der Form perfekt, haben einen kleinen, abgesetzten Rand und mit einer lasierenden Farbe, z.Bsp. Tamiya Clear Red, bemalt, sehen die wie die Originale aus. Die gesamte Beleuchtung erfolgt wieder mit SMD LED und einer Konstantstromquelle.
Die rudimentären „Räder“ wurden gegen traumhafte Felgen mit gedrehten Aluteilen und geätzten Speichen-Einsätzen getauscht. Lackiert wurde alles mit Vallejo Air, die Karosserie mit 71.084 Fire Red. Meiner Meinung nach kommt das dem damals verwendeten Scuderia Ferrari Rot recht nahe. Die Sitze bekamen einen Farbauftrag in einem dünkleren, rötlichem Braun, mit ein wenig Drybrushing an den sichtbaren Kanten.
Für die Felgen habe ich mich für Schwarz entschieden, es gibt hier keine eindeutigen Aussagen wie es wirklich war, nur definitiv nicht verchromt. Die wenigen Chromteile wie Scheibenrahmen, Tankverschluss und ähnliches, überzog ich ohne großartige Grundierung mit Vallejo Chrom zum Pinseln. Das funktioniert ausgesprochen gut, wenn man die Farbe gut durchschüttelt! Die Figuren sind, wieder einmal, ein wilder Mix von verschieden Herstellern. Die Köpfe mit den zeitgenössischen Hauben und Brillen stammen von Immense Miniatures und Penelope Pitlane, beide eigentlich für Slotcars gedacht. Auch die Figuren wurden mit Vallejo und Coat d´Arms (Originalhersteller der Citadelfarben) bemalt. Um den leichtglänzenden, seidigen Eindruck der Originaloveralls zu imitieren, überzog ich nach den verschiedene Schattierungen beide Fahrerfiguren noch mit einem lasierenden, selbstgemischten seidenmattem Rot.
Zum Abschluss kamen noch die Decals, aber da gibt es nicht viele. Startnummern, Italienische Fahne und Kennzeichen hat mir Brentair gemacht. Nach einem Klarlack Auftrag mit der Airbrush und stark verdünnten Grau und Brauntönen, noch ein wenig mit billigst Pastellkreiden ergänzt, verschmutzt und verstaubt sollte es eigentlich auf der Dioramaplatte montiert werden.
Aber da kam, nach erfolreichem Elektroniktest, das schon erwähnte Reifendesaster dazwischen. Das konnte ich mit meinem neuen 3D-Drucker und eigens erstellten Dateien eines FB Bekannten mittlerweile lösen. Zwei weitere Wagen warten noch auf ihren Diorameneinsatz, darum, auch wie im vorangegangen Artikel zum Mercedes Benz SSKL, stay tuned ! Erschienen im Februar 2026 im IPMS Printmagazin MODELL PANORAMA 2026/2, www.ipms.at
Harry Brunner Publiziert am 05. September 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |