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Potez 25A2 „Jupiter“

Luftwaffe Estland, 2. lennuväedivisjon (2. Luftfahrgruppe), Tartu (Estland) 1930

von Andy Hartung (1:72 Special Hobby)

Potez 25A2 „Jupiter“

Flugzeuge der 1920er- und 1930er-Jahre sind im Modellbau noch immer rar gesät, obwohl gerade diese Epoche viele einzigartige Konzepte hervorgebracht hat und zahlreiche Flugzeugmuster sogar noch im Zweiten Weltkrieg Verwendung fanden. Das gilt auch für die Potez 25, wohl eines der erfolgreichsten und zugleich unbekanntesten Flugzeuge der Zwischenkriegszeit.

Potez 25A2 „Jupiter“

Mir hat es der Bausatz auch direkt angetan. Neben dem schönen Cover wirkt vor allem die Variante mit dem halb offenen Jupiter-Motor recht rustikal. Hinzu kommen die Farbvorschläge für jeweils eine finnische, estnische und jugoslawische Maschine, Nationen, die man im Modellbau eher selten sieht. Außerdem sollte demnächst ein Groupbuild auf Facebook stattfinden, bei dem ein Doppeldecker im Maßstab 1:48 gebaut werden soll. Da bot sich die Potez natürlich als Vorbereitung an.

Potez 25A2 „Jupiter“

Zum Bau:

Mittlerweile sind aus dieser Bausatzform bereits eine ganze Reihe von Varianten bei Special Hobby und Azur erschienen. Daher ist es vielleicht doch etwas verwunderlich, dass es keinen passenden Detailsatz gibt. Lediglich Abziehbilder sind erhältlich, die jedoch nicht unbedingt zu dem hier dargestellten Muster passen. Dadurch stellte sich für mich allerdings gar nicht erst die Frage, ob ich noch Zubehör dazukaufen sollte oder nicht, sodass ich zügig mit dem Bau beginnen konnte.

Potez 25A2 „Jupiter“

Und so lief es dann auch: Der Bau startete klassisch mit dem Cockpit, das bereits recht gut ausgestattet war. Der Bau dieses Abschnitts hat mir auch richtig Spaß gemacht, und es war immer wieder schön zu sehen, was dort eigentlich entsteht. Ein echter Knackpunkt, der mich jedoch immer wieder gestört hat, war, dass es im Internet kaum Vorbildfotos oder gar Walkarounds gibt. Dadurch konnte man sich viele Details am Original leider nicht genauer ansehen.

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Potez 25A2 „Jupiter“

 

Insgesamt bestand der Innenraum aus der Baugruppe mit den Sitzen, den Instrumententafeln, den beiden Rumpfhälften sowie der Unterseite. Im nächsten Schritt sprühte ich alles in einem hellen Beige und bemalte anschließend die Details mit dem Pinsel. Gerade an den Rumpfhälften finden sich einige nette Details. Die Instrumente werden durch ein Abziehbild dargestellt, und die Holzmaserung habe ich mit Ölfarben umgesetzt.

Potez 25A2 „Jupiter“

Nun konnte der Rumpf zusammengesetzt werden, was sich als etwas knifflig erwies. Gerade das untere Maschinengewehr in der richtigen Position zu halten, hat mir das eine oder andere graue Haar beschert. Irgendwann hatte ich aber auch das gemeistert und den Rumpf fast ohne Spachtelarbeiten vor mir. Anders sah es allerdings bei der Nase aus. Hier lag ein zusätzlicher Gussrahmen bei, der speziell für diese Version vorgesehen ist. An dieser Stelle musste jedoch ordentlich gespachtelt werden.

Potez 25A2 „Jupiter“

Der Unterflügel war einteilig ausgeführt und wurde nun angeklebt, ebenso das Seiten- und Höhenleitwerk. Hier mussten zwei kleine Löcher gebohrt und der Übergang zum Rumpf minimal versäubert werden. An der Unterseite wurde anschließend das Fahrwerk angebracht, das jedoch sorgfältig ausgerichtet werden musste. Gerade bei frühen Doppeldeckern ist das immer ein Knackpunkt, da schon kleine Abweichungen das Gesamtbild stark beeinträchtigen können.

An der Flügelunterseite wurden außerdem noch die Halterungen für die Bomben sowie zwei 3D-gedruckte Teile angebracht. Was diese allerdings genau darstellen sollen, ist mir trotz Recherche weiterhin unklar. Bis hierhin verlief der Bau jedoch wirklich unkompliziert und fast schon bilderbuchmäßig.

Potez 25A2 „Jupiter“

Bevor ich das Flugzeug endgültig zusammensetzen konnte, habe ich zunächst den Oberflügel, den Motor, die Motorabdeckung, die vier äußeren Streben, den Propeller, die Bomben, den Ringstand, die Maschinengewehre, die Cockpitscheibe sowie die Räder aus dem Gussrahmen getrennt, bei Bedarf zusammengesetzt und versäubert. Danach konnte ich mit der Lackierung beginnen.

Das Schöne diesmal: Es war kein störendes Abkleben nötig, da das Flugzeug einfarbig lackiert war. Zunächst grundierte ich dennoch alles – die meisten Teile in Weiß, Metallteile hingegen in glänzendem Schwarz. Das Flugzeug selbst wurde mit einer Farbe von Ammo of Mig gesprüht, genauer gesagt mit IJN Nakajima Green. Das ergibt am Ende ein sehr dunkles Grün, das in etwa dem Farbton der Bauanleitung entspricht (leider konnte ich keine echten Vorbildfotos genau dieses Flugzeugs finden).

Die Ringlafette, der Motor und die Bewaffnung wurden mit Gunmetal lackiert, der Ringstand mit Eisen, der Propeller mit Old Wood, die Bomben mit RLM 02 und die Reifen mit Rubber & Tires. Alle verwendeten Farben stammen ebenfalls von Ammo of Mig.

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Potez 25A2 „Jupiter“

 

Erst jetzt setzte ich den Oberflügel auf das Flugzeug – beziehungsweise vielmehr das Flugzeug auf den Oberflügel, denn die Vereinigung der Teile sollte in diesem Fall kopfüber erfolgen. Zunächst werden dabei die mittleren Streben verklebt, zuletzt folgen die äußeren. Wichtig ist dabei lediglich, darauf zu achten, dass die Ausrichtung der Teile weiterhin stimmt. Das hat bei diesem Flugzeug jedoch erstaunlich gut und unkompliziert funktioniert.

Die Montage der übrigen Teile bereitete anschließend keinerlei Schwierigkeiten mehr, obwohl ich zunächst befürchtete, dass die Motorabdeckung noch Probleme verursachen könnte. Daher brachte ich sie vorsichtshalber mit Sekundenkleber an.

Potez 25A2 „Jupiter“

Bevor die Abziehbilder ihren Weg auf das Modell fanden, bemalte ich zunächst noch die Details und versah den Propeller mit einer Holzmaserung. Anschließend folgte eine erste Schicht Klarlack, bevor die Decals aufgebracht wurden.

Besonders die estnische Trikolore am Heck habe ich mit einem Föhn erwärmt, damit sie sich besser an die Oberfläche anpasst. Da die Decals insgesamt recht groß waren, entschied ich mich kurzerhand, auch die anderen mit etwas Hitze zu behandeln, um sie sauber an die Strukturen des Modells anzulegen. Danach folgte eine weitere Schicht Glanzlack.

Das Weathering beschränkte sich lediglich auf etwas Chipping und ein Pinwash – mehr wäre bei diesem Modell auch übertrieben gewesen.

Potez 25A2 „Jupiter“

Ein Highlight eines jeden Doppeldeckers ist natürlich die Verspannung der Drähte – eine echte Nervenaufgabe, erst recht in diesem Maßstab. Die mitgelieferten Spannschlösser nutzte ich nur zwischen den Flügeln, da mir deren Verwendung am Rumpf zu fummelig gewesen wäre.

Potez 25A2 „Jupiter“

Grundsätzlich habe ich vor diesem Arbeitsschritt immer großen Respekt, stelle aber jedes Mal wieder fest: So schlimm ist es eigentlich gar nicht. Wie üblich nutzte ich dafür Uschis Schlüpfergummi in der entsprechenden Größe.

Eine Spreizstange, die beim Original als Abstandshalter dient, habe ich aus gezogenem Gussast selbst hergestellt. Laut Vorbildfotos ist es außerdem korrekt, dass diese nicht direkt am Kreuz, sondern etwas weiter unten sitzt. 

Potez 25A2 „Jupiter“

Zum Vorbild:

Die Potez 25A2 Jupiter bildete in den 1920er und 1930er Jahren einen wesentlichen Bestandteil der estnischen Luftstreitkräfte (Eesti Lennuvägi). Estland beschaffte zwischen 1925 und 1927 insgesamt neun Exemplare dieses Typs. Im Gegensatz zur französischen Standardversion mit Reihenmotor entschied sich die estnische Militärführung für den luftgekühlten Sternmotor vom Typ Gnome-Rhône 9Ac Jupiter. Diese Modifikation wurde aufgrund der einfacheren Wartung und der höheren Zuverlässigkeit unter nordischen Klimabedingungen gewählt.

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Potez 25A2 „Jupiter“

 

Die Maschinen wurden primär der 2. lennuväedivisjon (2. Fliegerdivision) zugeteilt, die auf dem Flugplatz Raadi bei Tartu stationiert war. In dieser Einheit fungierte die Potez 25A2 als taktischer Aufklärer und leichtes Bombenflugzeug. Die technische Ausstattung erlaubte zudem den Einsatz als Verbindungs- und Schulflugzeug. Das äußere Erscheinungsbild der estnischen Maschinen war durch einen dunkelgrünen Tarnanstrich sowie das damalige Hoheitszeichen – ein blau-schwarz-weißes Dreieck – gekennzeichnet.

In der zweiten Hälfte der 1930er Jahre galt das Muster technisch als veraltet. Dies führte dazu, dass die estnische Regierung im Jahr 1937 acht der verbliebenen Flugzeuge im Rahmen eines Rüstungsgeschäfts veräußerte. Die Maschinen wurden offiziell an einen internationalen Zwischenhändler verkauft, gelangten jedoch tatsächlich auf die Iberische Halbinsel, um im Spanischen Bürgerkrieg aufseiten der Republikaner eingesetzt zu werden. Mit dem Verlust dieser Bestände und der späteren sowjetischen Okkupation Estlands im Jahr 1940 endete die Einsatzgeschichte der Potez 25 in der estnischen Luftwaffe.

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Fazit:

Wieder ein Flugzeug mehr in der Vitrine – und dieses Mal auch ein, wie ich finde, wunderschöner Doppeldecker. Mir gefällt das Modell sehr und ich fühle mich gut vorbereitet für den nun folgenden Gruppenbau. Ihr könnt also gespannt sein.

Potez 25A2 „Jupiter“

Andy Hartung

Publiziert am 08. April 2026

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