Sturmpanzer IV Brummbär frühSturmpanzer-Abteilung 216, 14. Armee, Italien 1944von Andy Hartung (1:35 HobbyBoss)
Ich versuche eigentlich, einmal im Jahr ein älteres Modell, mit dem ich nicht zufrieden bin, zu restaurieren und mit meinen heutigen Fähigkeiten noch einmal deutlich besser zu gestalten. Aktuell ist es so, dass alle Modelle, die hier auf der Seite zu finden sind, auch im Regal stehen. Ältere Arbeiten, die mittlerweile unter dem Pseudonym Brynhild Tiefengrab zu finden sind, existieren hingegen entweder nicht mehr oder warten auf dem Dachboden in Kartons auf ihre Restaurierung.
Beim Brummbär war die Situation jedoch etwas anders. Bis zum Umzug stand er noch in der Vitrine, auf einer ziemlich schäbigen Base. Zuletzt waren auch die Figuren nicht mehr befestigt. Nach dem Umzug hielt die Kette nicht mehr, eine Laufrolle fiel ab, und auch die Seitenschürzen waren nur noch lose angebracht.
Ich dachte mir: Bevor ich ihn jetzt in eine Kiste auf dem Dachboden lege und womöglich viele Teile für immer verliere, lege ich ihn lieber direkt auf den Schreibtisch und arbeite ihn noch einmal gründlich auf. Zufrieden war ich mit dem Ergebnis ohnehin nie. Zwar war der Panzer sauber gebaut, doch Bemalung und Weathering wirkten eher schnell erledigt als mit Liebe zum Detail ausgeführt – etwas, das dieses Fahrzeug definitiv verdient hat.
Zum Bau:Viel kann ich zum ursprünglichen Bau nicht mehr sagen, doch ich habe in meinem Stammforum noch einmal nachgelesen, wie alles begann: Der Bausatz, der ursprünglich von Tristar stammt und inzwischen von HobbyBoss vertrieben wird, wurde im November 2021 begonnen.
Ich erinnere mich noch gut daran, dass der Bausatz stellenweise nahezu übertrieben kleinteilig war und jede Baugruppe aus Dutzenden Einzelteilen bestand. Allerdings muss man auch sagen, dass gerade dadurch ein sehr hoher Detailgrad erreicht wird. Was dem Panzer fehlte, was jedoch den in Italien eingesetzten Vorbildern entsprach, war das Zimmerit. Dafür hatte ich mir damals ein Zubehörset besorgt, das teils aus einer Art Vakuumfolie, teils aus Resinteilen bestand. Leider fiel mir das etwas zu spät auf, sodass ich bereits verbaute Teile, etwa die Heckplatte, wieder komplett entfernen und neu anbringen musste.
Der Panzer verfügt über einen Kampfraum, für mich eigentlich immer ein wichtiges Entscheidungskriterium, auch wenn es ein oder zwei Modelle in meinem Stash gibt, die hier nicht ganz mithalten können. Zwar fehlen das Getriebe sowie die Plätze von Funker und Fahrer, doch zumindest ist ein detailliertes Geschütz vorhanden, und auch der hintere Bereich des Kampfraums ist gut ausgefüllt. Einen Motor besitzt der Bausatz allerdings nicht.
Insgesamt benötigte der Bau jedoch nur wenige Korrekturen und ging beinahe von selbst von der Hand. Mitte Dezember, nach gut drei Wochen, stand der Rohbau. Anschließend lackierte ich das Fahrzeug. Die Tarnung war mir zunächst durchaus gelungen, wurde jedoch durch ein viel zu kräftiges Weathering regelrecht ruiniert. Auch die Abziehbilder hielten auf dem Zimmerit so gut wie gar nicht. Mit Grundierung sowie Glanz- und Mattlack arbeitete ich damals kaum oder gar nicht. Nun ja, Modellbau ist eben ein ständiger Lernprozess. Abschließend wurden noch schnell ein paar Figuren zusammengesetzt und hastig eine Base mit Streugras gestaltet, fertig war die Zwischenlösung, die mir eigentlich nie wirklich gefallen hat.
Restauration:Fast vier Jahre später sah die Lage am Brummbär entsprechend aus und wie gesagt, der Wohnortwechsel hatte sein Übriges getan. Es war mittlerweile September 2025, als ich mir ein Herz fasste und mir das Fahrzeug erneut vornahm. Das Wichtigste zu Beginn eines solchen Projekts ist die Bestandsaufnahme: Was ist noch vorhanden? Was fehlt? Gibt es Schäden? Was gefällt mir nicht oder stört mich? Und was lässt sich vielleicht noch retten? Beim Panzer fehlten einige Kleinteile, die Kette war auseinandergefallen, das Fahrzeug war stark verstaubt, und teilweise waren Bauteile nicht sauber versäubert, sodass noch Reste der Angüsse zu sehen waren. Ich überlegte kurz, den Kampfraum zu öffnen, entschied mich jedoch dagegen. Zwar ist auch dieser alles andere als perfekt, aber noch ausreichend, um ihn so zu belassen.
Es folgen Bilder vom ersten Bauzustand Zunächst nahm ich die Seitenschürzen ab und stellte fest, dass viele der Ösen bereits abgefallen waren. Anschließend reinigte ich den Panzer gründlich. Weitere Bauteile wurden ebenfalls demontiert, darunter die Ketten, Antriebsrollen, der Holzblock, Ersatzketten sowie die Auspuffabdeckung. Ich hatte mir eigens den Karton eines Bausatzes aufgehoben, in dem ich die Einzelteile ordentlich und übersichtlich einsortieren konnte. Nun konnte ich die Kleinteile gründlich versäubern und die Haken wieder anbringen. Dabei stellte ich fest, dass einige kleine PE-Teile fehlten, die ich entsprechend neu anfertigte. Auch an der Haltestange für die Seitenschürzen fehlten Teile. Diese fertigte ich teilweise aus der Plastikverpackung einer Salamipackung an, schnitt sie passend zu, verklebte sie und brachte sie anschließend an. Umfangreicher gestaltete sich die Arbeit an den Seitenschürzen. Die fehlenden Ösen fertigte ich aus zurechtgeschnittenem PE-Material aus der Ersatzteilkiste. Ich maß alles genau aus und bog die Teile entsprechend in Form. Zuvor mussten allerdings noch überschüssige Reste von Sekundenkleber entfernt werden.
Im nächsten Schritt verschloss ich den Innenraum sorgfältig mit Küchenpapier, um ihn beim Lackieren zu schützen. Anschließend wurde das Fahrzeug einheitlich schwarz grundiert und das Preshading vorbereitet. Es folgte der Auftrag von Dunkelgelb mit Farben von Ammo of Mig, danach lackierte ich die geschwungenen Linien in Dunkelgrün. Dieses Mal lackierte ich auch die Gummiteile zunächst mit und bemalte sie anschließend sauber mit dem Pinsel. Der Auspuff erhielt erneut eine Bemalung in verschiedenen Braun- und Rosttönen, um ihm eine realistische Metallstruktur zu verleihen. Nun stellte sich das Anbringen der Abziehbilder als Problem heraus, kurz gesagt: Ich hatte keine mehr. Also druckte ich mir den Bogen in der passenden Größe aus und maß die Markierungen sorgfältig aus. Anschließend schnitt ich sie aus und nutzte den Ausdruck praktisch als Schablone. Für kleine Abziehbilder ist das natürlich keine wirkliche Lösung, aber für diesen Zweck war es völlig ausreichend. Im selben Zuge setzte ich auch die Ketten wieder zusammen und versiegelte das gesamte Modell mit Glanzlack.
So war die Situation im September Nun begann das Weathering erneut – zunächst am Laufwerk, wo ich unter anderem Erdstaub verwendete. Anschließend folgte der restliche Panzer, dieses Mal jedoch deutlich dezenter als vier Jahre zuvor. Damit ist der Brummbär wieder fit und für mich nun endlich zufriedenstellend umgesetzt. Ganz abgeschlossen ist das Projekt allerdings noch nicht. Ihr dürft also gespannt sein …
zum Vorbild:Nach den schweren Verlusten während des Unternehmens Zitadelle wurde die Sturmpanzer-Abteilung 216 im Spätherbst 1943 zur Auffrischung nach Österreich verlegt, bevor sie im Februar 1944 als Reaktion auf die alliierte Landung bei Anzio-Nettuno eilig nach Italien beordert wurde. In den zerfurchten Landschaften des italienischen Kriegsschauplatzes mussten die frühen Bauserien des Brummbärs ihre enorme Feuerkraft unter Beweis stellen. Trotz der massiven 15-cm-Sturmhaubitze 43 kämpften die Besatzungen jedoch häufig mit mechanischen Defekten und dem hohen Gewicht des Fahrzeugs, das das Fahrgestell des Panzer IV an seine Belastungsgrenzen brachte, eine Herausforderung, die besonders bei den steilen Etappen der Apennin-Front deutlich wurde. Nachdem die Front bei Monte Cassino zusammengebrochen und der Brückenkopf bei Anzio ausbrechen konnte, deckte der Verband die Rückzugskämpfe in Richtung Rom und später Norditalien, wobei viele Fahrzeuge aufgegeben wurden. Während der Abwehrkämpfe im Jahr 1944, insbesondere im Raum um die „Grüne Linie“ (Gotenstellung), agierte die Abteilung oft in kleinen Gruppen, um direkte Feuerunterstützung gegen befestigte Stellungen der Alliierten zu leisten. Die frühen Fahrzeuge der Abteilung 216 waren dabei optisch besonders markant: Viele trugen noch das typische Zimmerit und wiesen die frühen, fahrerseitigen Sichtschlitze auf, bevor diese in späteren Bauserien durch Periskope ersetzt wurden.
Fazit:Wieder ist ein Altmodell auf Vordermann gebracht. Oft quäle ich mich ein wenig durch solche Projekte, weshalb sie sich auch in die Länge ziehen, doch das Ergebnis ist es mir wert und die ursprünglich investierte Zeit war letztlich nicht umsonst.
Andy Hartung Publiziert am 16. März 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |