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Schnellboot S 11

Ein Boot der S 7-Serie bei der Rückkehr in den Hafen, 1937

von Frank Meißner (1:72 Airfix)

Schnellboot S 11

Einleitung

Die Bezeichnung auf dem Airfix-Karton (Bild unten) für dieses Modell lautet “German E-Boat”. Dies ist lediglich die allgemeine Bezeichnung der Allierten für ein deutsches Schnellboot im Zweiten Weltkrieg. Dieser Name sagt aber nichts über den eigentlichen Typ aus. Hier bestand also der erste Schritt der Recherche darin, diesen herauszufinden. Auch in der Bauanleitung wird man nicht fündig. Lediglich die Decals geben einen ersten Hinweis. Die darstellbaren Boote sind S 10 bis S 13. Beim Abgleich mit der Literatur erfährt man, dass diese zur S 7-Serie gehören könnten.

Schnellboot S 11

Überblick

Die Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack begann 1917 die ersten Schnellboote zu entwerfen, die diesen Namen auch verdienten.

Die Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack, 2023
Die Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack, 2023

Anfangs wurden sie von einem Sechszylinder Maybach-Motor mit 240 PS, der auch für Luftschiffe verwendet wurde, angetrieben. Daher auch die Bezeichnung LM (Luftschiffmotor). LM 1 bis LM 4 waren dabei mit einer 3,7 cm-Kanone bewaffnet. Erst ab dem Boot LM 5 erfolgte der Einbau eines abnehmbaren, am Bug angebrachten Torpedorohres.

Wegen des Versailler Vertrages nach Kriegsende konnte man vieles nur geheim und getarnt weiter betreiben. Das Experimentalboot “K” wurde z.B. von der Werft Abeking & Rasmussen gebaut und getestet. 1925 baute auch Lürssen ein Boot, die “Luer”, mit nun 450 PS Maybach-Motoren auf eigene Rechnung. Dieses Boot basierte auf Schiffen, die in den 20er Jahren an reiche Amerikaner wie z.B. den deutschstämmigen Bankmagnaten Otto Herman Kahn vermarktet wurden. Die Oheka II wies dabei entscheidende Verbesserungen gegenüber ihren Vorgängern auf wie eine geänderte Rumpfform und dessen Kompositkonstruktion bestehend aus auf einem Aluminiumrahmen aufgebrachte Mahagoniplanken. Auch war der Rumpf nach achtern abgeflacht, um einen damit verbundenen vorteilhaften hydrodynamischen Effekt auszunutzen. Diese Rumpfform wurde bei allen folgenden Boote beibehalten.

Darauf wurde dann auch die deutsche Marine aufmerksam und 1930 wurde das erste Schnellboot nach dem Krieg, die S 1, gebaut. Im Abstand von wenigen Jahren und immer weiteren Verbesserungen entstanden Schnellboote der Serien S 2 und S 6, bevor dann 1934 die S 7-Serie (Boote S-7 bis S-13) eingeführt wurde. Beginnend mit S-6 (nur ein Boot) waren die beiden 53,3 cm Torpedorohre fest eingebaut. Auch war dieses Boot weltweit das erste, das mit MAN Siebenzylinder-Dieselmotoren ausgestattet wurde. Diese Motoren boten eine größere Reichweite und die Explosionsgefahr durch Treibstoffgase war geringer. Aber die Motorleistung war immer noch nicht ausreichend. Bei der S 7-Serie wurde die Form des Bugs geändert, um ein Eintauchen zu vermeiden. Ebenso vermied man, dass zu viel Spritzwasser auf das Boot gelangt. Die MAN-Motoren sind ab S 10 durch drei Dieselmotoren DM-502 mit je 1.320 PS von Mercedes-Benz ersetzt worden. Diese Boote wurden dann von 1934-35 in Dienst gestellt. Von diesem Typ wurden auch acht Boote exportiert.

Dass es sich auf Grund der Decals, die für S 10 bis S 13 vorgesehen sind, um ein Boot der S 7-Serie handelt,  wird durch Bildvergleiche in diverser Literatur bestätigt.

Schnellboot S 11

Was aber wirklich faszinierend an diesen Schnellbooten ist, ist deren Technik. So lauten die technischen Daten für die S 7-Serie:

  • Anzahl:  7
  • Bauwerft Lürssen
  • Länge 32,4 m
  • Breite 4,9 m
  • Tiefgang max. 2,90 m
  • Einsatzverdrängung 92 t
  • Antrieb 3 x DB-502 / je 1.320 PS
  • max. Geschwindigkeit 35 kn (ca. 65 km/h)
  • Reichweite ca. 700 sm (ca. 1.300 km)
  • Besatzung 18 bis 23

Die Bewaffnung

Die Hauptbewaffnung besteht aus einer Flak 30 auf dem Achterdeck und zwei fest eingebauten Torpedorohren auf dem Vordeck. Bei Kriegsbeginn wurden die Boote mit einem auf dem Bug montierten MG nachgerüstet. Die Flugabwehrkanone 30 war eine 2 cm-Maschinenkanone. Deren Entwicklungsbasis ist die Solothurn ST-5 Kanone der Waffenfabrik Solothurn in der Schweiz.

In der Regel besteht die Bedienung aus fünf Soldaten: Beobachter, Hilfsbeobachter, Munitionskanonier, Hilfskanonier, Schütze. Das Rohr hat Kaliberlänge L/65, was 1,3 m Rohrlänge bedeutet. Die Kanone hat eine praktische Schussrate von 120 rpm. Das lediglich 20 Schuss fassende Magazin ist dabei von Nachteil. Die Wirkentfernung liegt bei 2.200 m und die V/0 beträgt 900 m/s. Von der Flak 30 wurden bei Mauser, Rheinmetall-Borsig und dem Ostmarkwerk mehr als 8.000 Stück produziert.

Schnellboot S 11

Das hier gezeigte Boot ist mit vier G7a Torpedos ausgerüstet. Zwei befinden sich in den Torpedorohren und zwei weitere Torpedos werden hinter den Rohren gelagert. Die Bezeichnung G7a erklärt sich wie folgt: G steht für den Durchmesser von 53,3 cm. 7 gibt die ungefähre Länge in Metern an, also ca. 7 m. Das “a” steht für den Antrieb mittels Dampfgasmotor. Dieser Motor wurde vom Briten Peter Brotherhood 1872 entwickelt und war eine besonders schnell laufende dreizylindrige Dampfmaschine. Die Anordnung der Zylinder zur gemeinsamen Kurbel im Winkel von 120 Grad erlaubt dabei einen gleichmässigen Lauf. Es konnten Drehzahlen von bis zu 1.000 /min erreicht werden. 1906 entschied das Reichsmarineamt, dass die bis dahin verwendeten Torpedos vom Typ C/06 nicht mehr leistungsgesteigert werden können und eine Neuentwicklung notwendig ist. Der G7 war dann im Ersten Weltkrieg die Standardausrüstung der Deutschen Marine. Der G7a sollte 1929 zuerst zusammen mit der spanischen Marine gebaut werden. Die spanische Partnerfirma ging aber in Konkurs und es wurde entschieden, den G7a in Deutschland zu produzieren. Gegenüber deren Vorgängern besaß dieser einen größeren Durchmesser. Das ermöglichte Verbesserungen in allen Bereichen. So wurde z.B. die Leistung des Motors um 50 % gesteigert. Dieser nutzte Petroleum als Brennstoff und hatte geschwindigkeitsabhängig eine Reichweite bis zu 12 km. Bei einer Geschwindigkeit von 44 kn lag die Wirkdistanz bei 6 km. Später wurde auch Decahydronaphthalen (Decalin) als Kraftstoff verwendet. 1934 wurden dann die ersten Versuche mit diesem neuen Torpedo durchgeführt. Die guten Ergebnisse täuschten aber über Probleme bei der Serienfertigung hinweg. So war die Tiefenhaltung mangelhaft und häufig detonierten die Zünder beim Aufschlag auf dem Ziel nicht. Es dauerte bis 1942, um diese “Torpedokrise” zu beheben. Eine weitere Variante war der elektrisch angetriebene G7e.

G7e Torpedo, Museum of Science and Industry, Chicago
G7e Torpedo, Museum of Science and Industry, Chicago

Dieser gehörte aber nicht zur Schnellbootbewaffnung, sondern wurde von den U-Booten verwendet. Als Zünder für beide Torpedos standen Aufschlag- und Magnetzünder zur Verfügung. Der Sprengsatz bestand aus 280 kg “Schiesswolle 36”, zusammengesetzt aus TNT, Hexanitrodiphenylamin (HND), Ammoniumnitrat und Aluminium. Natürlich wurden die G7 Torpedos ständig weiterentwickelt. Hier ist eine kurze Auswahl von diversen Varianten:

  • G7e Elektroantrieb
  • G7a FAT Flächenabsuchender Torpedo
  • G7es LUT Lage unabhängiger Torpedo
  • G7s Eigenlenkung mittels Sonar
  • G7 “Lerche” per Draht ferngelenkt

 

Die Motoren

1935 fand der Wechsel von Benzinmotoren zu Dieselmotoren statt. Während des Ersten Weltkriegs hatte man schlechte Erfahrungen mit dem Benzinantrieb gemacht, so dass nun die Entwicklung eines alternativen Antriebs vorangetrieben wurde. Die Wahl fiel auf das Agregat MB-502 mit 16 Zylindern und 1.320 PS von Mercedes-Benz. Dieses war für seine Größe sehr leicht und wartungsarm. Dieser Motor basiert auf dem Motor DB-602, welcher wiederum aus dem Luftschiffmotor LOF.6. entwickelt wurde. Der englische Broadmore Tornado-Motor hatte fast das selbe Gewicht und den selben Hubraum. Jedoch entwickelte dieser nur die halbe Leistung des MB-502. Der MB-502 war wassergekühlt und wies einen Hubraum von 88,5 Liter auf. Die Nockenwelle war obenliegend und die Kraftstoffzufuhr erfolgte durch eine Vorkammereinspritzung. Das war aber nicht das Ende! Die letzten Boote wurden mit dem MB-518 Motor mit dann 3.000 PS ausgestattet.

Schnellboot S 11

Der Lürssen-Effekt

Die Schnelligkeit und Beweglichkeit dieser Boote wurde durch den "Lürssen-Effekt" gesteigert, den man durch Zufall bei Testfahrten mit S 2 erkannte. Eine detaillierte Beschreibung des Wie und Warum findet man auf Wikipedia.

Der Airfix-Karton zeigt die Boote beim Angriff auf einen Konvoi. Das kann in der Realität so nicht gewesen sein, da die S 7-Boote bei Kriegsbeginn schon veraltet waren. In der Literatur wird beschrieben, dass diese hauptsächlich für küstennahe Patrouillenfahrten eingesetzt wurden. Ab 1942 wurden sie dann als Vorpostenboote benutzt.

Schnellboot S 11

Hier die Historie von S 11

  • 1935 Indienststellung bei der 1. Schnellboot-Flottille
  • 1939 Überstellung zur 2. Schnellboot-Flottille
  • Mitte 1940 3. Schnellboot-Flottille
  • 1941 4. Schnellboot-Flottille zu Traingszwecken, Lt. z. S Erwin Lüders
  • ab 1942 Vorpostenboot
  • im November 1945 wurde S 11 an die Sowjet-Marine übergeben

Der Bau des Modells

Der hier gezeigte Bausatz hatte seine Erstausgabe 1975. Die Bauteile machen einen guten Eindruck. Jedoch waren einige Teile wie z.B. die Relingpfosten für meinen Geschmack zu dick. Die nachgebildeten Planen verdecken den Blick auf die Torpedos. Aus diesem Grund habe ich die Bausatzteile mit gezogenen Gussästen ersetzt und die Plane weggelassen.

Schnellboot S 11

Die Bedienelemente auf den Torpedorohren fehlen im Bausatz. Daher war ein Scratchbau notwendig. Für die dem Bausatz beiliegenden Wasserbomben habe ich für die S 7-Serie keine Belege in Wort oder Bild finden können. Daher habe ich auch sie weggelassen.

die ergänzten Torpedorohre
die ergänzten Torpedorohre

Die Tür zum Ruderhaus habe ich offen dargestellt. Leider fehlt auf der Steuerbordseite diese Tür.

Dem Kit liegen zwei Rettungsboote bei. Diese Schnellboote sind aber standardmässig nur mit einem Rettungsboot ausgerüstet gewesen. Airfix gibt als Platz für diese den Bugbereich an den Torpedorohren an. Auch dafür konnte ich keinen Beleg finden. Hier sind auf den Fotos nie Rettungsboote zu sehen! Diese waren fast immer auf der Plattform befestigt, auf der sich die Flak 30 befindet.

das Ruderhaus
das Ruderhaus

die Platzierung der Rettungsboote
die Platzierung der Rettungsboote

Die Raucherzeuger sind zu hoch und müssen gekürzt werden. Da das Boot mit drei Motoren ausgestattet ist, müssen auch drei Luftansaugschächte vorhanden sein. Der Bausatz hat aber nur zwei, so dass einer scratch hergestellt wurde.

Schnellboot S 11

Ich hatte Probleme, den Rumpf, der aus fünf Teilen besteht, passgenau zusammenzusetzen. Meine Theorie ist, dass sich die großen Plastikteile beim Erkalten verformt haben.

Schnellboot S 11

Schnellboot S 11

Bei den Decals ist die grosse "11", die die Bootsnummer angibt, weiß. Im Krieg waren diese dann schwarz oder wurden ganz weggelassen. Auch wurde der Reichsadler an der Verkleidung seitlich des Ruderhauses bei Kriegsbeginn entfernt. In der Bauanleitung wird aber dessen Anbringung beschrieben, was ebenfalls auf eine Zeit vor dem Krieg hindeutet. Das Bug-MG fehlt, da es zu dieser Zeit noch nicht zur Ausrüstung gehörte.

Ich habe ein Foto gefunden, dass S 11 vor dem Krieg an der Mole zeigt. Darauf sind auch Matrosen zu sehen, die diverse Tätigkeiten verrichten. Ich habe keine farbigen Darstellungen deutscher Marineuniformen aus dieser Zeit in der Literatur finden können. Daher habe ich mich dann zu dieser Bemalung, wie sie auf den Fotos zu sehen ist, entschieden.

Die BootsnummerReichsadler ja/nein?Kein Bug-MGUniformfarben: nur meine AnnahmeUniformfarben: nur meine Annahme

Die Bootsnummer

Die Bootsnummer 

Dem Kit liegen vier Figuren bei. Die übrigen Crewmitglieder habe ich durch Figuren aus dem Revell-Set “Deutsche Marinefiguren WW II” ergänzt. Auf Fotos, die bei schneller Fahrt aufgenommen wurden, halten sich die Matrosen hauptsächlich im Bereich des Ruderhauses auf, nie jedoch im Bugbereich. Um meine Besatzung besser zur Geltung zu bringen, soll das hier gezeigte Modell die Einfahrt bei langsamer Fahrt in den Hafen zeigen. Dies erlaubt es mir, die Crew auf dem Boot zu verteilen.

Die Bauanleitung gibt bei der Bemalung die Vorgabe, alle horizontalen Flächen des Decks und der Aufbauten grau zu lackieren. Dafür habe ich ebenfalls keinen Beleg gefunden. Selbst die s/w-Bilder haben auf den Decksaufbauten incl. Ruderhaus helle Oberflächen wiedergegeben. In der Realität war es so, dass nur die Bereiche des Decks, auf denen auch gelaufen wurde, mit einem grauen Antirutschbelag gestrichen waren (Bild unten). Da die Bilder aus der Vorkriegszeit ja s/w sind, ist auch eine Farbbestimmung für den übrigen Anstrich schwer. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser strahlendweiß gewesen ist, weshalb ich mich für ein sehr helles Grau entschieden habe (letztes Bild).

Schnellboot S 11

Schnellboot S 11

Fazit

Dies ist wohl der längste Beitrag, den ich für ein Modell erstellt habe! Daran sieht man, wie interessant dieses Modell für mich war und welche neuen Erkenntnisse ich bei der Recherche gewonnen habe. Trotz der oben aufgeführten Änderungen ist der Airfix Bausatz ein toller Kit, den es sich auf jeden Fall lohnt zu bauen.

Frank Meißner

Publiziert am 17. Februar 2026

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