Im Schatten der OliveEine Pause im Rückzugsgefecht im Lira-Tal (Italien 1944)von Andy Hartung (1:35 HobbyBoss)
Sobald man mal ein paar Jahre dieses Hobby betreibt, entwickelt man sich immer weiter und wird besser. Mit der Zeit schaut man sich seine Jugendsünden an und denkt sich: Heute würde man es besser machen. Ja, warum eigentlich nicht?
Genau diese Frage stelle ich mir seit ein paar Jahren, weshalb ich gelegentlich einen schon länger bei mir stehenden Bausatz hervorhole und noch einmal überarbeite. Ein Beispiel dafür war der Sturmpanzer IV „Brummbär“ von HobbyBoss. Vor einigen Wochen zeigte ich bereits das Ergebnis der Restaurierung des Panzers. Nun sollten auch die damals verwendeten Figuren neues Leben eingehaucht bekommen und das Fahrzeug endlich in einem würdigen Diorama präsentiert werden.
Zum Bau:Die Idee für das Diorama hatte ich schon lange, denn die ursprüngliche Base war so eigentlich nie geplant gewesen und wurde dem Panzer auch absolut nicht gerecht. Die Idee war, den Panzer während einer Rast darzustellen. Im Schatten eines Olivenbaums sollte sich die Besatzung mit einigen vorbeikommenden Fallschirmjägern unterhalten. Soweit also die Theorie.
Der große Pflanzenkünstler war ich leider noch nie, weshalb ich zunächst nach einem passenden Olivenbaum für das Diorama suchte. Leider erfolglos. Zwar gab es passende Exemplare, doch bei Anschaffungspreisen im mittleren dreistelligen Bereich verzichtete ich gerne darauf. So blieb mir letztlich nur, selbst aktiv zu werden.
Zunächst besorgte ich mir einen Ast und fertigte darum ein Drahtgeflecht an. Anschließend wurde der Baum mit Pappmaché überzogen, wodurch eine glaubwürdige Borke entstehen sollte. Die kleineren Äste fertigte ich aus Seeschaum an.
Aus Styrodur fertigte ich die Bodenplatte an und formte eine passende Oberfläche sowie einige Fahrspuren. Danach befestigte ich auch den entstandenen Olivenbaum. Den gesamten Boden bedeckte ich anschließend mit einer Modelliermasse, die an der Luft aushärtet. Darüber verteilte ich ein Erd-Leim-Gemisch und schließlich Streugras, einzelne Grasbüschel sowie einige Steine. Als Erstes wurde der Baum lackiert, danach der Boden schwarz grundiert. In diesem Arbeitsschritt brachte ich auch die Holzleisten an. Anschließend wurde der Boden mit hellen Erdtönen besprüht und das Gras mit grün-gelben Farbtönen behandelt, sodass die Atmosphäre eines heißen italienischen Sommers gut zur Geltung kommt.
Die Krone des Baums ist mir leider nicht besonders gut gelungen. Ich verwendete Streumaterial und ausgestanzte Blätter, die letztlich jedoch zu groß für einen Olivenbaum sind. Auch die Blattform und die Dichte des Laubs entsprechen nicht wirklich dem Vorbild, was mich bis heute etwas ärgert. Nachdem alles lackiert war, machte ich mich an das Weathering mit Pigmenten und Washes. Die Landschaft ist zwar nicht perfekt geworden, aber es handelt sich schließlich auch erst um mein viertes Diorama. Es kann also nur besser werden. Im Vergleich zu meinen ersten, noch recht zaghaften Versuchen vor einigen Jahren ist das Ergebnis jedoch durchaus ansehnlich geworden.
Fehlen noch die Figuren. Diese hatte ich bereits damals gebaut, weshalb ich auch kein neues Set beschafft habe, obwohl die Uniformen für den Sommer 1944 sicherlich diskutabel, aber nicht unrealistisch sind. Ziel meiner Restaurierungen ist es eigentlich immer, das ursprüngliche Modell weitgehend zu erhalten. Daher sollten auch die Figuren, die ursprünglich zum Brummbär gehörten, weiterhin Teil des Dioramas bleiben.
Die Figuren wurden, genau wie der Brummbär, zunächst begutachtet und versäubert. Anschließend entfernte ich Grate, die damals nicht beseitigt worden waren, und verspachtelte teilweise auch Übergänge. Ja, auch beim Figurenbau habe ich in den letzten Jahren Fortschritte gemacht – das behaupte ich jetzt einfach mal so. Die Taschen, Brotdosen, Feldflaschen und Waffen entfernte ich anschließend wieder. Auch die Köpfe wurden abgetrennt. Schließlich grundierte ich alle Figuren mit weißer Grundierung.
Dieses Mal recherchierte ich die Farben genauer. Die Hemden hatte ich ursprünglich eher in einem hellen Braun bemalt, was für die Blusen jedoch nicht ganz zutreffend ist. Auch die Feldmützen und Hosen erscheinen diesmal in einem hellen Khaki. Erstmals nutzte ich zudem eine Nasspalette, um Schattierungen besser darstellen zu können.
historischer HintergrundMein Diorama trägt den Titel „Im Schatten des Olivenbaums“ und stellt eine Szene im Sommer 1944 dar. Nachdem die Alliierten die deutschen Verteidigungsstellungen bei Monte Cassino durchbrochen und ihren Brückenkopf bei Anzio ausgebaut hatten, zogen sich die deutschen Truppenteile durch das Liri-Tal in Richtung Rom zurück. Dabei handelte es sich vor allem um das, was man bei der Bundeswehr als ein großes Verzögerungsgefecht bezeichnen würde. Am 4. Juni 1944 fiel Rom nahezu kampflos an die US-amerikanischen Truppen. Meine Szene spielt genau in dieser Phase. Die Sturmpanzer-Abteilung 216 trifft während des Rückzugs auf ebenfalls zurückweichende Fallschirmjäger. Während einer Rast kommt es zu einem kurzen Plausch zwischen den Soldaten. Interessant ist dabei die Pose der Figuren: Der Panzersoldat vorne an der Fahrzeugfront blickt in den Himmel, um möglicherweise anfliegende feindliche Flugzeuge frühzeitig zu entdecken.
Fazit:Ich sage es mal so: Es ist nicht das Meisterwerk geworden, das ich mir ursprünglich gewünscht hätte, aber im Endeffekt ist das Ergebnis absolut in Ordnung. Viele Dioramen dieser Art habe ich bisher noch nicht gebaut und muss in diesem Bereich einfach noch dazulernen. Zumal dieser Baum mein erster Versuch überhaupt war, einen Baum darzustellen. Sicherlich war die Darstellung eines Olivenbaums dabei auch ein sehr ambitioniertes Ziel. Andy Hartung Publiziert am 20. Juni 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |