Saab J 35F-2 DrakenSkånska flygflottilj F 10 - Scania Wing, Ängelholmvon Roland Kunze (1:48 Hasegawa)
War schon die Saab 29 als erstes Flugzeug aus westeuropäischer Produktion mit gepfeilten Tragflächen eine bemerkenswerte Entwicklung, setzte die Saab 35 noch eins drauf: sie war das erste westeuropäische Jagdflugzeug, das doppelte Schallgeschwindigkeit erreichte, dazu war sie das erste Flugzeug überhaupt, mit dem aufgrund seiner Konfiguration mit Doppeldeltaflügeln das Cobra-Manöver geflogen werden konnte. Verglichen mit dem Starfighter, dem sie in mancher Beziehung recht ähnlich war, hatte sie eine erheblich höhere Reichweite, verfügte über mehr Waffenstationen und darüber hinaus über STOL-Eigenschaften. Der Name „Draken“, der im Schwedischen sowohl Drachen als auch Drache bedeutet, geht auf die Ehefrau von Chefkonstrukteur Erik Bratt zurück. Insgesamt wurden 651 Saab 35 Draken gebaut, neben den schwedischen Luftstreitkräften erhielten auch an die finnische und dänische Luftwaffe Saab 35. Mitte der 1980er Jahre erwarb Österreich 24 gebrauchte Draken. 1964 kamen die ersten Saab 35 Draken zur Flygflottilj F 10.
Die Skånska Flygflottilj F 10...
...wurde im Jahr 1940 aufgestellt, um zusammen mit der F 9 den Luftraum über Südschweden zu verteidigen. Zunächst nur aus einem Instandsetzungsbetrieb bestehend und in Bulltofta bei Malmö stationiert, erhielt die Einheit mit der Verlegung nach Ängelholm im Jahr 1941 eine Reihe von Zweitlinienflugzeugen (namentlich J 8 - Gloster Gladiator), die von anderen Einheiten ausgemustert worden waren. Sowohl veraltet als auch stark verschlissen, war mit den J 8 nur eine sehr geringe Einsatzbereitschaft möglich. Dies änderte sich 1942 mit dem Zulauf von neuen italienischen Reggiane 2000 Falco (J 20). Mit diesem Flugzeugtyp konnte die Einheit ihre Aufgabe endlich angemessen erfüllen. Bis Kriegsende erfolgten 28.000 Starts und Landungen, dabei starben 17 Mann der Einheit.
Die Skånska Flygflottilj bestand aus drei Staffeln, der 101. Jagddivision (Johan Röd), der 102. Jagddivision (Johan Bla) und der 103. Jagddivision (Johan Gul). In den Jahren nach Ende des Zweiten Weltkrieges bis Anfang der 1960er erhielt F 10 FFVS J 22, später Saab J 21R, danach J 28 (DH.100 Vampire) und schließlich Saab J 29 Tunnan, jeweils nur für wenige Jahre, wobei nicht alle drei Jagddivisionen immer mit dem selben Flugzeugmuster ausgerüstet waren. In dieser Zeit flossen hohe Summen in die Ausrüstung der schwedischen Luftstreitkräfte, mit dem Ziel, durch moderne Maschinen eine hohe Verteidigungsfähigkeit zu erlangen. Tatsächlich war die schwedische Luftwaffe Ende der 1950er Jahre die viertstärkste weltweit; allerdings war diese Zeit auch durch sehr hohe Unfallzahlen geprägt, die durch mangelhafte Flugausbildung und riskante Trainingsmethoden verursacht wurden.
Anfang der 1960er Jahre, in Erwartung des Zulaufes der neuen Saab Draken, ersetzten zwei Staffeln ihre J 29 Tunnan zwischenzeitlich gegen J 34 (Hawker Hunter). Im Jahr 1964 kamen dann die ersten J 35 Draken zur Skånska Flygflottilj, bis 1969 schließlich alle drei Staffeln umgerüstet waren. In verschiedenen Ausführungen und Modernisierungen diente die Saab Draken insgesamt 34 Jahre bei der F 10, bis sie in den 1990er Jahren erst durch die AJS 37 Viggen und später die JAS 39 Gripen ersetzt wurden. 1986 kam zur F 10 die 5. Staffel (Johan Svart), die für die Ausbildung der österreichischen Draken-Piloten zuständig war. Ende 2002 wurde die Skånska Flygflottilj als Teil der schwedischen Abrüstungspolitik aufgelöst, die Geschwaderfahne übernahm im Rahmen einer Zeremonie die Blekinge Flygflottilj F 17. Die 1. Division Johan Röd zeigte in den 1980er Jahren mit vier ihrer Maschinen zu verschiedenen Anlässen Flugvorführungen unter dem Namen "Ghostriders". Die J 35F-2 mit der Seriennummer 35559 wurde für diese Vorführungen verwendet und war die einzige Maschine, bei der das Seitenleitwerk in dieser Art lackiert war. Quelle: Wikipedia (.de, .se, .uk), Decalanleitung
Der Bau
Den Bausatz hatte ich seit gut sechs Jahren bei mir im Lager liegen und sukzessive mit Zurüstteilen ergänzt. So kamen im Lauf der Zeit ein Cockpit, Hauptfahrwerksräder und Klappen von Aires dazu, weiterhin die kleinen Lufteinläufe hinter dem Cockpit von Quickboost, sowie gedrehte Metall-Pitotrohre samt AoA-Sonde von Master. Der Kit erschien mir aufgrund der Übersichtlichkeit eine gute Option, um mir auf der Reha nach meiner Knie-TEP-Operation die Zeit zu vertreiben. Der erste Schritt erfolgte noch daheim mit dem Herausfräsen der vorderen und hinteren Cockpitabschlüsse aus der oberen Rumpfschale sowie dem Abtrennen der Angussblöcke an Cockpitwanne und Schleudersitz. Weiter ging es dann auf der Reha mit dem Abtrennen der angegossenen Klappen an den Tragflächen und dem Anpassen der alternativen Resinteile. Hier war festzustellen, dass eine Korrektur der Form der inneren Klappen (die zu lang sind) notwendig ist, da so die Silhouette nicht stimmt. Weiters habe ich verschiedene Halbschalenteile montiert und Probepassungen vorgenommen: auch bei diesem Hasegawa-Kit gibt es an der Passgenauigkeit kaum etwas auszusetzen.
Das Aires-Cockpit lässt sich ohne zusätzliche Anpassungsarbeiten sauber in die Rumpfhälften einfügen, es ist schön und detailreich mit etlichen Hinterschneidungen modelliert. Einziger Kritikpunkt hier ist die Instrumentenkonsole/-abdeckung: die muss ca. 2 mm nach vorne rücken, um korrekt reinzupassen, hierzu ist eine Modifikation des Montagesockels notwendig. Auch der Schleudersitz ist schön nachgebildet, die geätzten Sitzgurte ließen sich gut verarbeiten. Für den Bau und die Bemalung dieser Sektion habe ich mir viel Zeit und Muße genommen, ich denke, das Ergebnis ist durchaus vorzeigbar.
Mit dem Einbau des Cockpits in die untere Rumpfschale konnte nun auch das Buggewicht, bestehend aus Karosseriescheiben (vor dem Cockpit) und verbrauchter Luftgewehrmunition (im Radom), eingebaut werden. Die weitere Montage von Rumpf, Leitwerk und Tragflächen verlief problemlos und passgenau. Nach dem Anbringen weiterer Kleinteile war der Rumpf als solcher vollendet. Als letzte sinnvoll machbare Baugruppe während der Reha-Zeit erfolgte der Zusammenbau des Fahrgestells. Bis auf das Entfernen leichter Formtrennnähte an den Fahrwerksbeinen war auch hier die Montage problemlos, nur das Bugfahrgestell war etwas fummelig. Mit viel zur Verfügung stehender Ruhe war aber auch dies gut zu bewältigen.
Als Basis für die Lackierung kam bewährterweise wieder der Revell Enamel-Primer zum Einsatz, das Blaugrau für die Unterseite stammte von Humbrol, das Weißaluminium am Bauch von Hataka. Für die Tarnung auf der Oberseite wollte ich diesmal Revell AquaColors verwenden – eine nicht so gute Entscheidung. Besonders beim Grün war der Effekt, dass die Farbe eine zähe Masse in der Airbrush bildet und so diese nachhaltig verstopft, extrem zu bemerken. Sowohl mit AquaColor-Verdünner als auch mit Wasser war das Ergebnis das gleiche. Irgendwie hatte ich es dann doch hingekriegt, eine einigermaßen zufriedenstellende Lackierung aufzutragen. Beim Nachbessern hatte ich dann einen Versuch mit Revell Airbrush Clean als Verdünner unternommen: das hat wesentlich besser als alle vorhergehenden Versuche geklappt – allerdings ohne Gewähr auf Wiederholbarkeit des Ergebnisses. Abschließend erfolgte eine Versiegelung mit Tamiya-Glanzlack.
Dann begab ich mich in die Modellbau-Moderne: abweichend von der bisherigen Vorgehensweise mit Plakafarben legte ich mir einige Farbtöne vom Ammo of Mig Panel Line Washing zu, um die zahlreichen feinen Details, Gravuren und Nieten zu betonen. In Verbindung mit den hervorragenden Gravuren auf der Modelloberfläche ist das Produkt nahezu idiotensicher – also genau das richtige für mich.
Die 10/06 – und das empfinde offenbar nicht nur ich so – ist die attraktivste zur Auswahl stehende Variante aus dem Bausatzdecalbogen. Die hat aber in der MV-Galerie schon fast inflationären Charakter, also habe nach einer Alternative in Form des Moose Republic-Decalbogens gesucht, und hier hat mich besonders die 10/57 (35559) angesprochen. Der Bogen ist von Cartograf in exzellenter Qualität gedruckt. Das Trägermaterial ist hauchdünn, schmiegt sich hervorragend an und die Farben sind zuverlässig deckend. Wegen dem feinen und bei allen Bildern so gut wie nicht überstehenden Trägermaterial ist bei der Verarbeitung allerdings höchste Konzentration und Vorsicht sowie bei großen Bildern eine Extraportion Wasser gefragt – ansonsten ist die Verarbeitung eine Freude. Anders als der Bausatzbogen enthält der von Moose Republic noch jede Menge Stencils, was dem Gesamterscheinungsbild des Modelles ohne Frage zuträglich ist. Ein weiteres Zuckerl sind die roten Haarlinien als Rahmen für die Cockpitverglasung.
Nach einer Mattlackversiegelung konnten die letzten Teile montiert werden, beispielsweise die Fahrwerksklappen, die Stauluftturbine, die Positionsleuchten an den Tragflächen und die Innenverstrebung der Windschutzscheibe samt Verglasung. Ziemlich als Letztes kamen die Messingteile von Master dran, von der Feinheit her schon fast als Meisterwerk der Metalldrehkunst zu bezeichnen, beinahe als waffenscheinpflichtig einzustufen und überaus empfindlich – aber sie geben dem Modell den finalen Kick.
Fazit
Dem ersten Anschein nach ein recht simples und übersichtliches Modell, hält der Draken in Verbindung mit den Zurüstteilen doch einige Überraschungen parat; der Versuch mit den AquaColors tat sein Übriges dazu. Dennoch war es ein adäquates Projekt für den Aufenthalt in der Rehaklinik und die Zeit danach, es ist ein nicht alltägliches Modell entstanden, das mir sehr gefällt und eine Bereicherung für die Vitrine ist.
Roland Kunze Publiziert am 29. September 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |