Westland Lysander Mk.IHallo Taxi!von Matthias Reinshagen (1:72 Airfix)
Lysander (altgriechisch Lýsandros; † 395 v. Chr. bei Haliartos) war ein spartanischer Staatsmann, der als Flottenkommandant maßgeblich für den spartanischen Sieg im Peloponnesischen Krieg verantwortlich und im nachfolgenden Jahrzehnt eine herausragende politische Figur Spartas und Verfechter einer imperialen Politik war… (Quelle: wikipedia vom 12.03.26).
Altphilologen dürfte diese historische Gestalt bekannt sein – Aviatik-Fans fällt bei diesem Namen wohl eher das einmotorige britische Verbindungsflugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg ein. Dieser Hochdecker erlangte einige Popularität durch die Einsätze der britischen Spezialeinheit SOE (Special Operations Executive), bei denen sorgfältig ausgebildete Agenten für Spionage und Sabotageakte in deutsch besetzten Gebieten operierten. Die bemerkenswerten Kurzstart-Fähigkeiten machte die Lysander für derartige Aktionen zum Flugzeug der Wahl und trugen zu ihrem Spitznamen «Spy Taxi» bei.
Die Wahl hat auch der Modellbauer, wenn er eine Maschine dieses Typs in seine Sammlung aufnehmen möchte. Der aktuellste und derzeit wohl beste Kit kommt von Dora Wings und lockt mit Fotoätzteilen, schönen Details beim Motor und dem Cockpit sowie Maskierungsfolien. Solche Leckerli können die drei älteren (und dennoch gar nicht mehr billigen) Kits von Matchbox, Airfix und von Frog/ Novo natürlich kaum bieten. Ich habe mir kürzlich den Airfix-Vintage-Kit dieser Maschine vorgenommen. Er stammt aus dem Jahr 1974.
Und er funktioniert tatsächlich sehr gut. Anlass zur Nacharbeit gibt es wenig. Was im Karton ist, das passt. Mit Ausnahme des vordersten Teils der Cockpit-Verglasung, hier ist Schleifarbeit angesagt. Welche Version sollte es werden? Die Airfix-Deckel-Illustration könnte ein Standbild aus einem Resistance-Thriller sein. Und tatsächlich kommt in der ersten Folge der Serie «Moonstrike – Home by Four» eine Lysander vor. Dunkle Gestalten bei einer nächtlichen Mission – für eine verkaufsfördernde Box-Art ist diese Version sicherlich aufregender als eine Szene mit den ersten wackeligen Flugversuche von Kadetten. Ich entschied mich statt der rabenschwarzen Maschine für die etwas farbigere Version des Schulflugzeugs N1294, LX-T der 255 Squadron (School of Army Co-operation), beheimatet im südenglischen Tilshead.
Der grosse Zusatztank ist auf Bildern von Lysanders dieser Einheit zwar nicht dokumentiert, sondern nur bei der Version der «Spy Taxis». Ich habe ihn dennoch angebaut, weil er dem Flugzeug eine spezielle Note gibt. Es dürfte zudem mit Blick auf die Pilotenausbildung durchaus wahrscheinlich sein, dass auch Übungsflüge mit diesem unerlässlichen Zubehör für Langstreckenflüge stattfanden, muss doch das Gewicht des vollen Tanks die Flugeigenschaften erheblich beeinflusst haben… Aus Streifen von Plasticsheet wurden an den kleinen Stummelflügeln noch die Halterungen für je fünf Bomben ergänzt und der Lysander war fertig.
Für die Bemalung wurden Mr. Hobby Aqueous-Acrylfarben verwendet, mit denen ich bei Pinsellackierungen meiner bisherigen Vintage-Modelle sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Die beigelegten Decals waren auch nach mehr als einem halben Jahrhundert leicht zu verarbeiten und schmiegten sich mit etwas Überzeugungsarbeit in Form von Weichmacher willig an ihren Platz. Ein Washing mit der beliebten Mixtur der Marke «Homemade» rundete die Optik ab.
Der Kit ist eine klare Empfehlung für Vintage-Fans. Wer die Airfix-Lysander günstig bekommen kann – zugreifen! Bastler mit Erwartungen an einen zeitgemässen Bausatz investieren aber besser mehr Geld in den Dora-Wings-Kit.
Matthias Reinshagen Publiziert am 15. April 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |