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Avro Type F (1912)

Erstes Kabinenflugzeug der Welt

von Jürgen Wagenknecht (1:72 Eigenbau)

Avro Type F (1912)

Das Original

Die Avro Type F war die erste flugfähige Maschine mit geschlossener Kabine weltweit. Kritiker waren davon überzeugt, dass durch Öl- und andere Verschmutzungen des Motors die Sicht so eingeschränkt werden würde, dass ein Flug unmöglich wäre. Aber am 1.5.1912 hob die Avro Type F zu einem erfolgreichen ersten Flug ab und die pessimistischen Vorhersagen erfüllten sich nicht.

Avro Type F (1912)

Bis zum 17.5.1912 wurden mehrere erfolgreiche Testflüge durchgeführt, wobei auch bereits eine Flughöhe von über 1.000 Fuß (ca. 304 m) erreicht wurde. Am 25.5.1912 sollte sie öffentlich vorgeführt werden. Kurz nach dem Start versagte aber der Motor und bei der Notlandung, wo auch ein Zaun touchiert wurde, überschlug sich die Maschine. Sie wurde dabei nur leicht beschädigt, allerdings erst am 13.9.2012 wieder in Betrieb genommen. Beim Startversuch brach die Gleitkufe und bei der anschließenden Landung überschlug sie sich erneut. Diesmal waren die Schäden so beträchtlich, dass sie nicht erneut repariert wurde.

Avro Type F (1912)

Die Fenster aus Celluloid der Avro Type F waren großzügig vorne bzw. oben, unten und beiderseits am Rumpf angebracht. So ganz hat man ihnen aber nicht getraut, denn es gab beidseitig des Rumpfs in Kopfhöhe des Piloten jeweils eine runde Öffnung, durch die zur Not auch der Kopf hätte rausgestreckt werden können. Der Rumpf war sehr schmal und wurde von oben über eine Klappe bestiegen, so dass es sehr beengte Platzverhältnisse gab. Somit hat Avro nicht nur die geschlossene Kabine erfunden, sondern auch gleich den Economy-Sitz.

Avro Type F (1912)

Avro Type F (1912)

Angetrieben wurde die Avro Type F von einem luftgekühlten 35 PS Viale Fünfzylinder-Sternmotor, der bereits im Type D zum Einsatz kam und heute noch existiert.

Quellen: Kenneth Munson, Flugzeuge der Jahre 1903 – 1914; Enzo Angelucci, Flugzeuge - Von den Anfängen bis zum 1. Weltkrieg; Michael H. Goodall & Albert E. Tagg, British Aircraft before the Great War; Flight 12.10.1912; Wikipedia

Avro Type F (1912)

Das Modell

Mit dem Bau der Avro Type F habe ich in einigen Punkten Neuland betreten. Zum einen ist es mein erster Eigenbau, zudem bereits ein Bausatz existierte. Von C.A. Atkins gab es mal ein Modell in 1:72 ganz aus Weißmetall, welches aber nicht mehr zu bekommen ist. Zum andern ist es mein erster Eigenbau, bei dem die Flügel ein richtiges Flügelprofil aufweisen und nicht nur einseitig bespannte Flügel. Zudem ist der geschlossene Rumpf auch noch mit vielen Fensterflächen gesegnet, die mir so auch noch nicht vorgekommen sind.

Avro Type F (1912)Avro Type F (1912)Avro Type F (1912)Avro Type F (1912)Avro Type F (1912)Avro Type F (1912)

Avro Type F (1912)

 

Basis war wie immer eine Dreiseitenzeichnung, die man im Netz oder diversen Publikationen findet; hier mal ausnahmsweise übereinstimmend mit den existierenden Originalfotos.

Die Flügel wurden mit der bewährten Methode aus Laminierfolie mit eingelegten Angelgarn für die Rippen gebaut. Allerdings hier mit einem Ober- und Unterprofil, in das vorne an der Biegekannte ein halbkreisförmiges Evergreenprofil eingelegt wurde und an der höchsten Stelle des Flügels ein quadratisches Profil. Dann wurde das Oberprofil mit dem Unterprofil verklebt, wobei es über ein Rundprofil, hier eine Bierflasche, gebogen wurde, wodurch sich ein sehr schönes Flügelprofil ergeben hat. In das quadratische Profil wurde noch ein Draht eingesetzt zum späteren Verstiften mit dem Rumpf.

Avro Type F (1912)

Der Rumpf besteht aus Evergreenprofilen und Laminierfolie, die bereits einmal durch das Laminiergerät gelaufen ist. Dadurch ist sie extrem klar und somit eine gute Basis für die Fenster. Für die Fenster erstellte ich mir aus Tamiya-Tape Abdeckmasken und lackierte die einzelnen vier Seitenteile nach einer Grundierung aus der Sprühdose (links, oben, unten und rechts), bevor alles zusammengesetzt wurde. Die Gitterkonstruktion des Rumpfs wurde, da im Original aus Holz, entsprechend mit Ölfarbe gemasert. Der Sitz stammt aus einem fotogeätzten Teil von Part, die Gurte sind aus Tamiya-Tape. Unterkonstruktion, Instrumente, Steuerknüppel etc. sind aus Evergreenprofilen.

Die Skalen der Instrumente habe ich mir nach einer Vorlage aus dem Netz für die Avro Type F selbst als Decal gedruckt. Sie sind aber bei einem Durchmesser von 1,2 mm für jedes Instrument und der Auflösung meines Druckers nur mäßig lesbar. Auch die AVRO-Schriftzüge der Flügel und Seitenteile wurden auf transparenter Decalfolie selbst gedruckt, während die Nummer "2" für das Leitwerk auf weißer Decalfolie gedruckt wurde. 

Avro Type F (1912)

Avro Type F (1912)

Von Part kamen noch als fotogeätzte Teile die Ruderhörner und die Propellernabe zum Einsatz. Die Räder stammen, da genau passend, von Omega aus dem bei meiner Farman Aviette doppelt beiliegenden Felgen mit O-Ringreifen. Das Fahrwerk besteht im wesentlichen aus Draht. Hierbei ist noch anzumerken, dass ich das Fahrwerk im Neuzustand gebaut habe und nicht nach der Landung, wobei es verbogen wurde und die Räder recht schief stehen, wie auf dem meisten Originalfotos zu sehen.

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Avro Type F (1912)

 

Richtig Arbeit hat noch der kleine Motor für das Modell gemacht. Bei einem Durchmesser kaum größer als ein Ein-Centstück wurden knapp über 100 Einzelteile verbaut, um ein realistisches Abbild zu schaffen, denn der Motor ist sehr gut sichtbar unverkleidet vorne am Modell angebracht. Der Propeller wurde aus einem Resinklotz selbst geschliffen.

Avro Type F (1912)

Avro Type F (1912)

Lackiert habe ich wie immer mit Pinsel und AquaColor-Farben von Revell und für die Holzteile Ölfarbe. Die Verspannung und Steuerdrähte sind aus dünnem Silberdraht, nicht nur außen, sondern auch innerhalb des Rumpfes.

Zu Schluss habe ich wieder einen Meilenstein der Flugzeugentwicklung in meine Sammlung aufnehmen können. Nicht perfekt in der Umsetzung, aber das klappt bei mir nie. Ich hoffe aber, dass es nicht nur mir gefällt.

Avro Type F (1912)

Jürgen Wagenknecht

Publiziert am 10. Februar 2026

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