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Berlin B 9

Testflugzeug für hohe g-Lasten

von Thomas Brückelt (1:72 Airmodel Products)

Berlin B 9

Ende 2025 erschien das exotische Testflugzeug der Flugtechnischen Fachgruppe Berlin (FFG Berlin) Berlin B9 im Sortiment von Airmodel Products als Resinbausatz.

Mit der B9 sollte erprobt werden, wie sich hohe g-Lasten auf einen auf dem Bauch liegenden Piloten auswirken. Da in der Lage das Blut nicht so leicht aus dem Kopf gedrückt werden kann, kann ein Pilot so positioniert deutlich mehr "g´s" einstecken.

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Rechnerisch ausgelegt war das Flugzeug für 25 g (!), wirklich gezogen werden konnten jedoch "nur" 8,5 g, was daran lag, dass man die vorgesehenen Verstellpropeller nie erhielt und mit den montierten Starrluftschrauben nicht höhere Geschwindigkeiten aufgebaut werden konnten. Wobei man mit Sicherheit sagen kann, dass das errechnete Limit auch nicht mit höheren Geschwindigkeiten, die man mit dem Verstellprop erreicht hätte, hätte ausreizen können. Meiner persönlichen Vermutung nach wäre irgendwo zwischen 10 und 12 g Schluss gewesen.

Weitere Infos zum Original finden sich auf der Webseite der Akaflieg Berlin: https://historie.akaflieg-berlin.de/projektuebersicht/b9/

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Wie immer, wenn Matthias Simon einen neuen Bausatz herausbringt, ist dieser sehr hochwertig ausgeführt: Feine Strukturen finden sich auf den Oberflächen der Teile, sauber tiefgezogene Teile für die Haube liegen bei, sowie ein schön gedruckter Decalbogen. Eine äußerst dankbare Zugabe ist die Maske für die Cockpitverglasung. Die ausführliche und farblich gestaltete Anleitung rundet das Ganze ab.

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Einen liegenden Zivilisten, wie er auf einem Originalbild der B9 zu sehen ist, packte mir Matthias noch in den Karton, der ist jedoch nicht Bestandteil des Bausatzes, sondern war ein eine Art Probestück von ihm (eine äußerst gelungene „Probe“, würde ich sagen).

Die Figur sollte natürlich verwendet werden. Da sie für das Cockpit etwas zu lang war, kürzte ich die Beine.

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Hilfreiche Cockpitaufnahmen der Originals suchte ich leider vergebens. So stellte ich aus gezogenen Gießästen noch Steuerknüppel, Steuergestänge und die Kinnauflage „frei Schnauze“ her.

Ich platzierte den Steuerknüppel so, dass er in der nach vorn gestreckten Hand der Figur landete. Das wird jedoch nicht korrekt sein, es ist davon auszugehen, dass die Position des Knüppels aus ergonomischen Gründen näher an den Oberkörper herangezogen ist, wie auch bei anderen Liegecockpits. Ich habe mir selbst mit Decken und Kissen ein Liegecockpit „nachgebaut“: Mit angezogenen Armen ist das die einzig halbwegs gemütliche Konfiguration. Das Höhenruder ist sicherlich mit einer linearen Bewegung anzusteuern. Eine Drehbewegung, um den Knüppel zu ziehen oder zu drücken, fühlt sich auf Dauer im Handgelenk nicht sonderlich angenehm an. Für die Neutralstellung des Querruders müsste der Knüppel zum Körper hin geneigt sein. Würde er senkrecht stehen, wäre die Muskulatur im Handgelenk ständig angespannt.

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Ich entdeckte auf Bildern noch drei Instrumente, welche direkt in der Bugverglasung saßen. Leider ruinierte ich mir das vordere Tiefziehteil beim Versuch diese einzukleben. Mir fielen die mit Stücken aus gezogenen Gießästen, nachgebildeten Instrumente, die ich auf einen Gießast klebte, aus der Pinzette und der Klebstoff verschmierte das Klarsichtteil von innen. Beim Versuch das dünnwandige Klarsichtteil zu polieren wurde es dann vollends zerstört. Den zerrupften Bereich trennte ich vorsichtig heraus und schloss ihn von außen her mit Klebeband. Dann wurde das Innere mit Dickharz gefüllt und einen Tag später hatte ich eine Tiefziehform für eine neue Bugverglasung. Matthias hätte mir auch ein Ersatzteil geschickt, aber ich wollte ihm den Aufwand wegen meiner Schusseligkeit ersparen, außerdem sollte es ja mit dem Bau weitergehen. Auf die Instrumente im vorderen Bereich verzichtete ich dann, da ich kein zweites Mal auf das Malheur sonderlich scharf war.

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Um mir das Positionieren und Verkleben der Tiefziehteile zu erleichtern, klebte ich gezogene Gießäste auf die Klebeflächen, etwas nach innen versetzt. Dünn geschliffene Gießast-Stücke klebte ich auch als Positionierungshilfe für die Bugverglasung an den Klebestoß. Ohne diese Maßnahme dürfte es ein ziemliches Gefummel sein, die dünnwandigen Tiefziehteile im oberen Bereich auf Stoß zu verkleben.

Dank der guten Passgenauigkeit verlief der restliche Bau problemlos. Spachtelmasse wurde kaum benötigt, nur ein klein wenig im oberen Bereich der Motorgondeln.

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Die Beine des Hauptfahrwerks erhielten noch Bremsleitungen aus dünnem Kupferdraht.

Die Einstiegshilfe hinter der linken Tragflächenwurzel, das Staurohr auf der Rumpfoberseite, sowie das lange Pitotrohr vorne fertigte ich aus gezogenen Gießästen an. Diese Teile liegen ebenfalls sauber gegossen bei, allerdings war mir das Resin dann doch zu empfindlich. So dienten mir die Bausatzteile als 1:1-Vorlage.

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Lackiert habe ich mit dem Pinsel und Emailfarben. Die Oberseite strich ich mit Schwarzgrün (Revell 40) und die Unterseite mit Hellblau (Revell 49) an. Wie bereits oben erwähnt, waren die beiliegenden Masken für den „Vogelkäfig“ eine enorme Erleichterung. Nachdem die Kanzel abgeklebt war, überstrich ich die freiliegenden Streben mit glänzendem Klarlack, der die Ränder der Masken abdichtete. So konnte keine Farbe darunter laufen.

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Vor dem Anbringen der Decals sprühte ich das Modell mit seidenmattem Klarlack von Mr. Hobby ein. Die Decals sind nicht gestanzt und müssen daher einzeln ausgeschnitten werden. Für das Banner am Seitenleitwerk sollte man vorher einen weißen Grund auflackieren, da die Decals nicht viel Deckkraft haben. Da ich mir für ein anderes Vorhaben noch einen zweiten Bausatz kaufte, brachte ich zwei Lagen der Decals auf dem Leitwerk an.

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Danach wurde das Modell erneut mit dem seidenmattem Klarlack besprüht und die Ruderspalte mit einem schwarzen Holzstift etwas hervorgehoben. Dazu kamen noch ein leichtes Washing und minimale Verschmutzungen an den Rädern, sowie leichte Abgasrückstände oberhalb der Auspuffrohre, wie man es auf Bildern erkennt. Versiegelt wurde mit mattem Klarlack von Mr.Hobby.

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Ein schöner Bausatz eines interessanten Exoten, der sich recht schnell und gut bauen lässt. Nur beim Verkleben der zweiteiligen Kanzel ist etwas Fingespitzengefühl gefragt.

Berlin B 9

Thomas Brückelt,
acroairwolf.beepworld.de

Publiziert am 20. März 2026

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