Small ScalesJohannes Wipauervon Making of (1:144 Amodel)
PrologIm Laufe der Jahre haben sich bestimmte Maßstäbe in den einzelnen Sparten etabliert. Bei Fahrzeugen aus dem Militärbereich ist das der Maßstab 1:35, Kampfflugzeuge sind mit 1:72 und 1:48 vertreten, Airliner in 1:144, Schiffe in 1:350 und 1:700, Autos in 1:24/25 und Figuren in der Größe 54 mm. In allen Themenbereichen gibt es aber auch Bausätze in kleineren (Small Scales) und größeren Maßstäben (Big Scales), die das Angebot abrunden. Je nach Sparte wieder unterschiedlich in welchem Maßstab das anfängt und aufhört. Bei Flugzeugen dürfte es bei 1:100 losgehen und mit 1:144 über 1:160 und 1:200 bis zum 9cm Airbus in 1:800 gehen. Die These, dass je kleiner bzw. größer der Maßstab ist, die Bausätze weniger bzw. mehr Bauteile enthalten stimmt nicht. Stellvertretend für alle „Kleinen“ wird in diesem Beitrag ein 1:144 Flugzeug vorgestellt. DefinitonDer Maßstab beschreibt das Größenverhältnis vom Modell zum Vorbild und sagt aus, wie viele Längeneinheiten in der Wirklichkeit einer Längeneinheit im Modell entsprechen. Beispiel - der Maßstab 1:50 gibt an, dass 1 cm an unserem Modell in der Wirklichkeit beim Vorbild 50 cm entsprechen. Die Sparte in nur einem Stichwort beschrieben: „Lupenbrille“ Was ist das Besondere an Small Scale Modellen? Manche Vorbilder sind alleine anhand ihrer Dimensionen eher dafür prädestiniert in kleineren Maßstäben dargestellt zu werden. Ein weiteres Argument wären die hohen Kosten für große Modelle. Stellt man sich einen Airbus A380 in 1:12 vor, wäre das Modell 6 m lang mit einer Spannweite von 6,60 m und vielen Bauteilen. Flugzeuträger gibt es in den Maßstäben 1:350, 1:700 oder 1:1200 aus gutem Grund. Im Maßstab 1:24 wäre ein Aircraft Carrier 13 m lang, hätte wahrscheinlich mehrere Tausend Bauteile, ein Zusammenbau würde Monate dauern und der Preis für ein Modell wäre unbezahlbar. Selbst die Unterbringung wäre für Eigenheimbesitzer problematisch. Das Thema Maßstäbe im Modellbau ist im Online-Kurs Plastikmodellbau für Anfänger Teil 2 „Bereiche & Maßstab“ beschrieben: https://www.modellversium.de/tipps/3-nuetzliches-aus-dem-alltag/8114-.html Dieser Bausatz von Amodel wurde in der Kit-Ecke von Modellversium bereits detailliert vorgestellt: https://www.modellversium.de/kit/artikel.php?id=14366 Passend dazu der Galeriebeitrag, ebenfalls in Modellversium: https://www.modellversium.de/galerie/18-flugzeuge-zivil/19638-canadair-cl-415-amodel.html Der Bausatz der Canadair CL-415, ein Feuerlösch-Amphibienflugzeug, ist im Maßstab 1:144 gehalten, das heißt, es gibt einige Teile, die nur wenige Millimeter groß sind.
Das Cockpit wird man im fertigen Modell durch die kleinen Fensterflächen kaum erkennen können, es genügt hier ein grober Zusammenbau. Außerdem gibt es im Maßstab 1:144 vielfach Decal Sätze zu kaufen, die alle Fenster durch Decals wiedergeben - dann braucht man die Cockpitteile nur, um anderen Teilen Halt zu geben, z.B. Bugradschacht.
Eine erste Anprobe: Passt das fertige Cockpit in die Rumpfhälften?
Bei diesem Modell muss das Cockpit vorne etwas schmäler geschliffen werden, damit der Bug geschlossen werden kann.
Ganz Wichtig: Vor dem Zusammenkleben der Rumpfhälften im Bugbereich ausreichend Ballast einbauen!
Ich nehme Knete, wie sie auch Kinder gerne zum Formen nehmen, eventuell auch Metallabfälle, wie abgenützte Schrauben, Muttern etc., es muss halt vorne im Rumpf Platz haben. Die Plastikabfälle im obigen Bild sollen die Knetmasse fixieren, damit sie nicht Richtung Heck rutscht und das Gegenteil bewirkt.
Im Bild die angebrachte Knete. Ich verwende prinzipiell nur Weiße, weil andere Farben durch das Plastik durchschimmern können, speziell wenn es hell lackiert wird.
Der Zusammenbau der Flugzeugzelle, also dem "Rohbau" des Flugzeuges erfolgt nach Bauanleitung, wobei man auf eine korrekte Geometrie achten muß: Wenn Leitwerk und/oder Tragflächen schief stehen, läßt sich das später nicht mehr korrigieren! Ich arbeite dabei mit simplen Hilfsmitteln:
Die Klemme am Leitwerk hilft dabei das Leitwerk vertikal auszurichten. Der Barcode auf der Flasche eignet sich gut zum Maßstabsvergleich und zur horizontalen Ausrichtung.
Wenn man an der linken Flügelspitze denselben Wert (Strich) wie rechts ablesen kann, ist die Tragfläche horizontal in der Waage. In dieser Phase sollte man baubegleitend eventuelle Produktionsmängel der Teile beheben, also Sinkstellen im Material sowie sichtbare Spalten zwischen den Teilen.
Sinkstellen (siehe Pfeile), die mit Spachtelmasse verputzt werden müssen
Gleiches gilt für Spalten an Rumpf und Nase. Das Thema Spachteln wurde im Online-Kurs für Anfänger Teil 12 behandelt. Siehe:https://www.modellversium.de/tipps/3-nuetzliches-aus-dem-alltag/8127-.html Manche Montageschritte brauchen Hilfsmittel, wie Gummiringe, Klebeband oder Klemmzwingen wie hier.
Auch zu diesem Thema gibt es einen Online-Kurs für Anfänger Teil 9 „Bauteile fixieren“: https://www.modellversium.de/tipps/3-nuetzliches-aus-dem-alltag/8123-.html Wenn man die wesentlichen Teile (also Rumpf, Tragflächen, Leitwerk und evtl. Triebwerke) sauber zusammengeklebt hat, empfiehlt sich eine erste Grundierung - vorher aber unbedingt durchsichtige Teile wie Cockpit- und andere Fenster mit Abklebeband (gibt es z.B. von Tamiya oder Revell) schützen. Malerkreppband ist zwar billiger, hat aber keine dichten Kanten und manche hinterlassen auch Kleberückstände, hier sollte man nicht sparen! Bei manchen Bausätzen gibt es zuschnittene Abklebemasken für diesen Zweck - hier leider nicht. Nach dem Grundieren sieht man plötzlich unerwünschte Fugen und Unebenheiten, wo vorher keine waren.
Nach dem ersten Grundieren zeigen sich noch kleine Mängel.
Nachdem die Grundierung getrocknet ist kann man mit feinem Schleifpapier z.B. der Körnung 400 nacharbeiten. Manches Mal ist aber nochmals Spachteln notwendig und der ganze Vorgang wiederholt sich.
War das Grundieren erfolgreich, kommt die eigentliche Farbe, ob mit Airbrush, Spraydose oder Pinsel hängt von den jeweiligen Möglichkeiten ab. Bei diesem Modell kam die Grundierung aus der Spraydose, die Farben sind die klassischen Emaillacke in den kleinen Blechdöschen, die es schon vor 50 Jahren gegeben hat, aufgetragen mit verschiedenen Pinseln, je nach Größe der Fläche.
Die Farben sind auf Ober- und Unterseite lackiert. Nach dem Durchtrocknen kommen dann die Decals auf das kleine Modell. Tips zum Bemalen finden sich auch im Online-Kurs für Anfänger Teil 18 „Bemalen und Lackieren“: https://www.modellversium.de/tipps/3-nuetzliches-aus-dem-alltag/8135-.html Die Abziehbilder, also die Decals, werden nach Anleitung aufgebracht, wobei man bei diesem Modell bei einigen Stücken Einschnitte am trockenen Decal machen muss: rot-weiß-rote Decorstreifen auf der Tragflächenoberseite sowie das lange Streifendecor der Rumpfseiten im Bugbereich, beim Schnabel des Pelikans! Es gäbe als Alternative fotogeätzte Teile für die Grenzschichtzäune auf den Tragflächenoberseiten sowie für die Spritzschutzbleche am Bug, aber da hätte man die sehr sauber angeformten Details an den Plastikteilen vorher entfernen müssen - habe ich aber nicht. Nachdem alle Decals drauf und gut getrocknet (1 Tag) sind, habe ich das Modell mit mattem Klarlack aus der Spraydose versiegelt. Die Montage der Kleinteile wie Fahrwerk etc. ist dann für die Decals weniger riskant.
Fertig montiert mit Decals und Klarlack ist das Modell jetzt ein Tailsitter! Das kann man ruhig wortwörtlich übersetzen mit „Schwanzsitzer“, also hier im Modell ungewollt „hecklastig“. So sollte das natürlich nicht bleiben. Die 4-Blattpropeller und Klappen des Bugradfahrwerkes haben glücklicherweise genügend Gewicht um das Modell auszutarieren. Mit den Propellern und den Klappen vorne steht die "Foxtrott-Sierra" jetzt durchaus korrekt auf ihren Rädern. Das fertige Modell:
Fazit: Modelle aus Bausätzen in kleinen und kleinsten Maßstäben unterscheiden sich bei der Montage der einzelnen Bauteile nicht wesentlich von den größeren und großen Modellen. Die Oberflächen und Bauteile sind filigraner, sehr klein, empfindlich und erfordern manchmal das Arbeiten mit Lupenbrille und / oder Pinzetten, auf jeden Fall aber Konzentration und Sorgfalt beim Montieren. Spaß macht das aber genau so ... Happy Modeling
Photo-Collagen:
Galerie Johannes Wipauer auf Modellversium siehe:
Material
Werkzeuge & Hilfsmittel
Making of Publiziert am 12. April 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |