Bugatti EB110(Heller - Nr. 80738)
Produktinfo
BesprechungAllgemeinesDer Bugatti EB110 wurde bisher zweimal als Modell im Maßstab 1:24 umgesetzt. Einmal von Heller, einmal von Revell (die Auflage von Airfix stammt aus den Formen von Heller). Beide Bausätze sind kurz nach Erscheinen des Originals entstanden, nämlich 1992. Da Revell Ende 2025 sein Modell endlich mal wieder neu aufgelegt hat, bietet sich ein Vergleich der beiden Bausätze an. Wir schauen uns im Folgenden die wesentlichen Bereiche Karosserie, Motor, Innenraum und Fahrwerk an. Zunächst aber ein paar allgemeine Daten, da geben sich die beiden Modelle nicht viel. Eine ansprechende, nützliche Verpackung, Kunststoffteile, Klarsichtteile, Gummireifen, Decals und eine farbige Bauanleitung findet man bei beiden Bausätzen. Man bekommt bzw. bekam sie mit und ohne "Starterset". Bei Revell werden 148 Bauteile (in drei Fraben gespritzt) benötigt, bei Heller sind es nur 84 (ausschließlich weiße Bauteile). Chromteile gibt es bei beiden nicht (Ausnahme: Erstauflage Revell). Beim ersten Betrachten der Spritzlinge fällt sofort die unterschiedliche Philosophie auf, mit der beide Hersteller seinerzeit ans Werk gegangen sind. Bei Heller findet man große Baugruppen, bei Revell ist alles eher klein-klein. Auf den folgenden Bildern liegen die Heller-Teile links, die von Revell rechts, sofern nicht anders vermerkt (oder: Heller weiße Bauteile, Revell nicht weiße Bauteile).
Karosserie, äußere FormAuf den ersten Blick sind die beiden recht ähnlich, bezüglich der äußeren Abmessungen und den allgemeinen Proportionen stimmen sie sehr gut überein. Während Revell eher klassisch daherkommt, verfolgt Heller seine schon öfters gesehene Philosophie, dass man größere Bereiche als nötig aus klarem Kunststoff ausführt. Dort sind dann auch die Rahmen und das Dach mit eingeschlossen. Bei Revell werden alle Scheiben einzeln eingebaut. Bei Heller ist der Rahmen der Frontscheibe breiter, so dass die Scheibe nach oben hin in Richtung Dach insgesamt schmäler wirkt. Das Modell von Heller wirkt insgesamt kantiger, vor allem im Heckbereich.
Während bei Revell die Front- und Heckschürze bereits am Karosserieteil vorhanden sind, muss man diese bei Heller separat anbauen. Dadurch ist das Rohteil sehr filigran, was sich durch einen leichten Verzug bemerkbar macht. Unterschiede im Detail gibt es sowohl vorne als auch hinten. Bei Heller gibt es vorne nur zwei anstelle von drei Schlitzen, außerdem ist das Bugatti-Emblem deutlich breiter. Revell hat das wesentlich besser getroffen. Am Heck liegt der Unterschied in den Rücklichtern, bei Heller sind sie höher als bei Revell. Da geht der Punkt für mich an Heller. Bei beiden Modellen kann die Heckklappe beweglich angebaut werden, um den darunter liegenden Motor zu betrachten. Revell bietet zusätzlich eine zu öffnende Fronthaube, wo man z.B Batterie und Bremsanlage bestaunen kann - Punkt für Revell. Die Türen bleiben bei beiden Modellen leider zu. Revell bietet im Gegensatz zu Heller noch einen ausgefahrenen Heckspoiler an.
Die Heller Karosserie ist sehr ´labberig´ Räder, Reifen, AchsenDeutliche Unterschiede zwischen den beiden Modellen kann man auch bei den Rädern und Reifen erkennen. Rein optisch machen die Schlappen von Revell die bessere Figur. Sie haben ein schöneres Profil und der Querschnitt der Reifen sieht überzeugender aus. Heller´s Interpretation der Michelin-Pneus haben zwar auch ein Profil, dieses ist aber längst nicht so detailreich wie bei Revell. Punkten kann Heller dagegen beim Durchmesser der Reifen, dieser ist etwas größer als bei Revell. Rechnet man die Originalmaße auf 1:24 um, so erkennt man, dass Heller hier richtig liegt. Bei den Felgen tendiere ich eher zu Heller, auch wenn sie auf den ersten Blick weniger detailliert aussehen. Die Revell-Felgen sind mir insgesamt zu abgerundet, zu weich. Die Originale sind eher kantig mit harten Übergängen. Heller hat das sehr gut getroffen. Dafür hat Revell bei den Bremsscheiben wieder die Nase vorn - gelochte Scheiben und mehr Details an den Sätteln. Ob man am fertigen Modell den Unterschied noch sieht, darf bezweifelt werden. Bei den Radaufhängungen und Achsteilen geben sich beide Modelle nicht viel. Vom Aufbau her und auch bei der Detaillierung ähnlich, besteht der größte Unterschied in der etwas massiveren Ausführung der Bauteile von Revell. Einzig die Radträger sind bei Heller recht plump ausgefallen, die Revell-Teile sehen da schon etwas besser aus. Das meiste von diesen Teilen verschwindet aber in den Tiefen der Radhäuser, so dass man am fertigen Modell kaum etwas davon sieht. Der Unterboden ist bei Heller mehr oder weniger glatt und frei von Details. Revell hat seinem Boden wenigstens ein paar Nieten (oder Schrauben?) spendiert.
Die äußere Form und Profilierung der Reifen hat Revell besser hinbekommen Der InnenraumAuch bei den Details im Innenraum lassen sichUnterschiede feststellen. Hier hat Heller die Sache ein wenig schleifen lassen. Das Instrumentenbrett ist vollkommen glatt ohne irgendwelche Details. Alles wird mit Decals dargestellt. Da hat Revell schon wesentlich mehr zu bieten. Auch die Wurzelholz-Nachbildung sieht bei Heller sehr einfach aus, eigentlich ist es nur eine einfarbige braune Fläche. Die Sitze sehen da schon ein wenig besser aus, können aber nicht wirklich mit denen von Revell mithalten. Im direkten Vergleich hat Revell hier die Nase vorn, siehe Bilder.
Der MotorBeim Motor schlägt sich Heller in diesem Duell ganz wacker. Zwar besteht deren Motor aus deutlich weniger Bauteilen, was die Detaillierung angeht, liegen die beiden aber nicht so weit auseinander. Man müsste die Motoren schon ausgebaut neben das Modell stellen, um hier einen Vorteil für einen der beiden zu sehen. Beim Blick in die geöffnete Heckklappe dürften beide eine gute Figur machen. Heller hat im Gegensatz zu Revell die einzelnen Komponenten zu weniger Bauteilen zusammengefasst. Der Detaillierung schadet das nicht unbedingt. In jedem Fall kommt es der Montage entgegen, da dürfte man bei Heller sehr viel schneller fertig sein. Auf Decals verzichtet man bei Heller hier gänzlich. Anscheinend legt man da im Gegensatz zu den Flugzeugen bei den Pkw-Bausätzen nicht so viel Wert drauf - schade eigentlich. Vielleicht gibt es ja mal eine Wiederauflage, wo man das ändert.
Bauanleitung und DecalsBei den Decals hat man bei Heller ordentlich gespart. Ganze sieben reichen für das Modell. Qualtitativ sind sie in Ordnung, sauber gedruckt ohne sichtbaren Versatz. Revell liefert hier dagegen das volle Programm. Zwar nehmen dort die (für mich unnötigen) Kennzeichen viel Raum ein, aber es gibt sehr viele nützliche Elemente. Manche erleichtern lediglich die Bemalung, andere liefern dagegen einen echten Mehrwert wie z.B die vielen Typschilder oder Logos - klarer Punkt für Revell. Bei den Bauanleitungen gibt es sowohl Gemeinsamkeiten wie auch Unterschiede. Bei beiden sind die Bemalungshinweise auch farblich passend in den Zeichnungen hervorgehoben. Die einzelnen Baustufen sind bei Heller etwas komplexer, da werden gerne auch mal mehr als zehn Teile gleichzeitig verbaut. Da reichen dann auch wenige Seiten mit gerade einmal zehn Baustufen. Eine separate Bemalungsanleitung für das gesamte Modell wie bei Revell gibt es hier merkwürdigerweise nicht. Die Bauanleitung von Revell ist übrigens 30 Seiten stark und in 80 Einzelschritte untergliedert.
FazitDer Bausatz von Heller ist an sich kein schlechtes Modell. Zwar ist er im direkten Vergleich insgesamt weniger detailliert als der von Revell und er bietet auch weniger Optionen beim Bau. Dafür ist er etwas einfacher aufgebaut und Stand Januar 2026 auch wesentlich günstiger. Man darf auch nicht vergessen, was man am fertigen Modell von den ganzen Details noch sieht. Denn dann liegen die beiden gar nicht so weit auseinander. Man müsste schon die Räder abnehmen, den Motor ausbauen oder die Karosserie abheben, um den Unterschied klar zu erkennen. Mit entsprechendem Einsatz von Farbe und Pinsel kann man aus dem Heller-Modell noch einiges herausholen. Weder Heller noch Revell bieten zu öffnende Türen an, beim EB110 wegen der nach oben schwenkenden Türen sehr schade. Eine weitere Gemeinsamkeit ist die nur mäßige Gussqualität. Bei beiden Bausätzen muss man sehr viel Zeit in das Versäubern der Bauteile investieren. Diese Besprechung stammt von Frank Richter - 10. Februar 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |
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