Salty Dog 53 Studebaker Bonneville Racer(AMT - Nr. 3006)
Produktinfo
BesprechungAMT verfügt seit vielen Jahrzehnten über eine Reihe hochwertiger Pkw- und Lkw-Bausätze, die sich auch heute noch zu bauen lohnen. Dabei sollte man hervorheben, dass es sich nicht immer um einfache zivile Fahrzeuge handelt. Oft sind es auch Renn- oder Rallyefahrzeuge oder, wie in diesem Fall, Custom-Fahrzeuge.
Hinter dem Begriff „Studebaker Bonneville“ verbirgt sich kein Serienmodell, sondern die legendäre Erfolgsgeschichte der US-Automarke bei Hochgeschwindigkeits-Rekordfahrten auf dem Salzsee in Utah. Aufgrund ihrer herausragenden Aerodynamik wurden vor allem zwei Baureihen zu absoluten Ikonen des Motorsports: Das von Raymond Loewy entworfene, schnittige Coupé Studebaker Avanti stellte 1963 unter Andy Granatelli 29 Weltrekorde auf und war mit über 287 km/h das schnellste Serienauto seiner Zeit. Ebenso legendär sind die extrem flachen 1953er Studebaker Starliner/Commander Coupés, die über Jahrzehnte hinweg als Basis für private Rekordjäger und Tuner wie Gale Banks dienten, um modifizierte Geschwindigkeitsrekorde von weit über 400 km/h auf den Salzebenen aufzustellen. Der Bausatz nimmt direkten Bezug auf die Kultur der privaten Rekordjäger, die ab den 1950er-Jahren die Bonneville Salt Flats eroberten. Als Basis diente hierbei das originale 1953er Studebaker Starliner Coupe, dessen bahnbrechendes Design aus der Feder von Robert Bourke (Mitarbeiter des berühmten Designstudios von Raymond Loewy) stammte. Dank seiner extrem tiefen Gürtellinie, der langgezogenen Motorhaube und der keilförmigen Front besaß der Wagen schon ab Werk einen für damalige Verhältnisse unschlagbar niedrigen Luftwiderstandsbeiwert. Dies machte ihn zur perfekten aerodynamischen Plattform für extreme Triebwerks-Umbauten im High-Speed-Motorsport.
Schon 1965 kam der Grundbausatz eines Studebaker Bonneville auf den Markt. Dabei ist zu bemerken, dass auch dieser bereits ein Custom Car war. Erst 1977 erschien dann bei AMT ein regulärer Studebaker Starliner Coupé des Modelljahres 1953. 1979 folgte schließlich dieser Bausatz, der heute teilweise zu hohen Preisen gehandelt wird. Weitere Auflagen erschienen sowohl bei AMT als auch im Rahmen der Kooperation AMT-Ertl, zuletzt im Jahr 2020.
Trotz des Alters dieses Bausatzes ist er sehr detailliert. Es gibt einen schön dargestellten Motor sowie gut strukturierte Oberflächen. Wie damals üblich, befinden sich die kleineren Bauteile auf sieben sogenannten Gussästen, was leider dazu führt, dass sich im Laufe der Zeit einige Teile von selbst gelöst haben. An diesen kleineren Bauteilen erkennt man auch die damaligen Grenzen des Spritzgussmodellbaus. Einige Teile sind an den Rändern recht unsauber ausgeführt und weisen kleinere Fischhäute auf. Außerdem gibt es zahlreiche Auswerfermarken, die sich zum Glück überwiegend an nicht sichtbaren Stellen befinden. Besonders gut gefallen mir die Struktur der Sitze und die Darstellung des Armaturenbretts. Wie gut die Passgenauigkeit tatsächlich ist, wird sich erst beim Bau zeigen.
Wie bei amerikanischen Automodellbausätzen üblich, gibt es auch einen verchromten Gussrahmen. Darauf befinden sich vor allem Teile wie Stoßstangen, Motorkomponenten und Radkappen. Die meisten Modellbauer werden diese jedoch ohnehin entchromen und selbst lackieren. Auch hier zeigt sich wieder das bekannte Bild der zahlreichen Auswerfermarken.
Ebenfalls zu erwarten bei einem solchen Retro-Kit sind recht undetaillierte Vinylreifen sowie Metallachsen. Allerdings sollte man vorsichtig sein, da es vorkommen kann, dass im Laufe der Zeit Weichmacher aus den Reifen entweichen. Dadurch können diese spröde werden und schließlich zerbröseln. Meine Reifen sehen jedoch noch gut verwendbar aus. Allerdings sind sie sehr einfach gehalten. Als Alternative bieten sich gedruckte oder gegossene Resinreifen an. Der Aftermarket hält hierfür in der Regel verschiedene Möglichkeiten bereit.
Es liegen acht Klarsichtteile bei, die auf drei Gussrahmen verteilt sind. Eines der Klarsichtteile, das etwas ungewöhnlich geformt ist, stellt eine transparente Motorhaube dar. Vermutlich wollte man den Modellbauern die Möglichkeit geben, den Blick auf den modifizierten Motor freizuhalten. Etwas schwieriger gestaltet sich die Situation bei den Scheiben des Fahrgastraums. Das umlaufende Klarsichtteil wird unter dem Dachhimmel montiert und verschließt die Seitenfenster. Für Front- und Heckscheibe liegen zusätzlich separate Klarsichtteile bei, was allerdings zu einer Art Doppelverglasung führt. Wie sich dies am fertigen Modell auswirkt, wird sich erst beim Bau zeigen. Weiterhin gibt es natürlich noch Klarteile für die Scheinwerfer.
Die Abziehbilder sind aufgrund ihres Alters vergilbt. Mit etwas Sonnenlicht lassen sie sich jedoch möglicherweise wieder brauchbar machen. Ich empfehle außerdem einen Überzug mit Klarlack, da die Decals vermutlich auch brüchig geworden sind. Das genaue Vorbild dieses Fahrzeugs konnte ich leider im Internet nicht finden.
Die AMT-Anleitung verweist auf beide Varianten, also den Rennwagen und die Serienversion. Schön finde ich auch, dass in den Bauschritten klar benannt wird, welche Variante man eigentlich darstellen möchte. Stärken:
Schwächen:
Anwendung: Für Sammler und liebhaber solcher Fahrzeuge FazitDer Bausatz ist nicht leicht zu bekommen, vor allem hier in Europa. Insgesamt macht der Bausatz einen soliden Eindruck, trotz des Alters von fast 50 Jahren. Diese Besprechung stammt von Ralf Buss - 23. Juni 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |