R.M.S. Titanic(Revell - Nr. 05243)
Produktinfo
Besprechung
Zum OriginalDie RMS Titanic war mehr als nur ein Schiff; sie war der ganze Stolz der White Star Line und ein Symbol für den technischen Optimismus des frühen 20. Jahrhunderts. Mit 269 Metern Länge war sie bei ihrer Indienststellung 1912 das größte bewegliche Objekt, das von Menschenhand geschaffen wurde. Ihr tragischer Untergang nach der Kollision mit einem Eisberg, bei dem über 1.500 Menschen starben, ist tief im kollektiven Gedächtnis verankert. Das Wrack, das erst 1985 in 3.800 Metern Tiefe entdeckt wurde, fasziniert bis heute Forscher und Historiker. Mit diesem Modell bewahrst du die Erinnerung an die ingenieurstechnische Meisterleistung und die menschlichen Schicksale, die mit dem Namen "Titanic" verbunden sind. (nach einem Text von Revell/ revell.de)
Der Werbetext von Revell"Titanic Platinum Edition: Wenn Perfektion dein Maßstab ist Viele Modellbauer kennen das Dilemma: Man kauft einen Bausatz und investiert danach noch einmal die doppelte Summe und viel Zeit in die Suche nach "Aftermarket"-Teilen, weil Kunststoff allein oft nicht realistisch genug wirkt. Besonders bei historischen Schiffen stören Plastikdecks oder zu dicke Relings den Gesamteindruck massiv. Mit der Titanic Platinum Edition beenden wir diese Suche. Wir liefern dir ein High-End-Paket, das keine Wünsche offenlässt. Du erhältst nicht nur den Bausatz, sondern direkt die Premium-Komponenten wie Echtholzdecks und Fotoätzteile, die aus einem sehr guten Modell ein museales Meisterwerk machen. Warum diese Edition die Königsklasse ist
Die "Platinum Edition" ist unsere Antwort auf den Wunsch nach kompromissloser Qualität. Du baust hier nicht einfach ein Schiff zusammen; du rekonstruierst eine Legende mit den bestmöglichen Materialien. Der Bauprozess ist eine Reise für sich: Das Verlegen des Holzdecks erfordert Präzision, belohnt dich aber mit einer warmen, authentischen Haptik. Die Arbeit mit den Fotoätzteilen verlangt eine ruhige Hand, verleiht dem Modell aber jene filigrane Leichtigkeit, die das Original auszeichnete. Dieses Set richtet sich an dich, wenn du den "Plastik-Look" hinter dir lassen willst. Es ist das ultimative Projekt für lange Winterabende, bei dem du dich vollkommen in der technischen Schönheit des berühmtesten Ozeanriesen der Welt verlieren kannst. Das Ergebnis ist ein Modell, das nicht wie Spielzeug aussieht, sondern wie ein technisches Exponat. Lieferumfang
Stelle dich der ultimativen Herausforderung im Schiffsmodellbau. Bestelle jetzt die Titanic Platinum Edition und erschaffe ein Modell für die Ewigkeit!" Der Inhalt des Kits im Überblick - alte und neue Bauteile
Wir gehen an BordSoweit also der wie immer hochtrabende Werbetext von Revell, der ein Modell der Superlative vermuten lässt. Und in der Tat: nach dem Öffnen des länglichen, dünnwandigen, etwas wabbeligen Verpackungskartons fällt der Blick auf zahlreiche große Bauteile für Rumpf und Decks, den handflächengroßen Decalbogen und offenbart dann die in separaten Kunststofftüten beigelegten Zurüstteile (Holzdecks, 3D-Druck-, Messing- und Ätzteile) und die dazugehörigen Bauanleitungen. Bei den Kunststoffteilen handelt es sich um den bekannten Titanic-Kit, den Revell im Jahr 1999 auf den Modellmarkt brachte und der seither mehrfach, unter anderem auch im Jahr 2012 als "100 Jahre-Special" mit Postkarten- und Heftbeigabe erschienen ist. Konkurrenzprodukte sind im vorliegenden Maßstab 1:400 von Academy (und derselbe Bausatz als Re-Boxing von Airfix) erhältlich, wobei die Titanic von Academy im Allgemeinen als beste Wahl hinsichtlich Proportionen und Detailtreue betrachtet wird. Und in der Tat - der Revellbausatz leidet ein wenig an Altersschwäche, wie wir im Folgenden sehen werden. Die nun aber aktuell vorliegende Modellcombo muss man wegen der hervorragenden Zurüstteile jedoch noch einmal insgesamt differenziert betrachten. Also dann - stechen wir in See! Die Bauanleitung
Die Zurüstteile......stammen von der südkoreanischen Firma Pontos und wurden, wenn man den Gravuren auf den Ätzteilbögen Glauben schenken darf, exklusiv für Revell hergestellt, denn sie tragen das Revell-Firmenlogo. Die Zurüstteile sind zudem nirgendwo im Angebot des Herstellers Pontos zu finden oder anderweitig separat erhältlich. Das spielt Revell natürlich in die Karten, weil man die Teile momentan tatsächlich nur durch Kauf des Kits 05243 bekommen kann. Die enthaltenen Ätzteile, Holzdecks, 3D-Druckteile und Messingdrehteile sind in ihrer Qualität hinsichtlich Detail- und Formentreue und Materialanmutung über jeden Zweifel erhaben. Allerdings - die drei Anker, die als Resinteile auf dem 3D-Druck Spritzling befinden, sind augenscheinlich identisch modelliert worden, was nicht ganz richtig ist: die beiden Seitenanker der Titanic waren mit einem Gewicht von jeweils etwa 8 Tonnen deutlich kleiner als der etwa doppelt so große Mittelanker, der als schwerster von Hand geschmiedeter Anker seiner Zeit galt.
Ausschnitt aus der Bauanleitung. Hier sieht man am fertigen Modell die farbig hervorgehobenen (unlackierten) Zurüstteile. Aufwertung des BausatzesDie beigelegten Zurüstteile stellen einen erheblichen Zugewinn des Bausatzes dar, weil sie an vielen Stellen des Basiskits mehr Filigranität bringen. Zunächst muss man die erhabenen Plankendarstellungen der Kunststoff-Decksoberflächen abschleifen und darauf die Holdecks aufkleben. Bei diesen sind präzise Aussparungen eingelasert, um einige der hochstehenden Details der Decks vor Ort belassen zu können. Die Pontos-Messingteile werden für den Austausch der Kunststoffmasten, des Flaggenstocks, sämtlicher Poller und der Walzen der Dampfwinden und noch ein paar weiterer Kleinteile benutzt. Sogar die bekannte Glocke für das Krähennest, die in der letzten Nacht der Titanic erst- und letztmals Alarm schlug, liegt dem Bausatz als winziges Messingteil bei! Die Ätzeile der Ätzteilplatine aus Messing ersetzen die Kunststoff-Relings, Kranausleger und -plattformen, Treppen, Leitern sowie die Bänke. Letztere können präzise mit einer ebenfalls als Ätzteil enthaltenen Biegehilfe exakt in Position gefaltet/gebogen werden. Die beiden silbernen Ätzteilplatinen sind aus einem harten, verchromten Material gefertigt, welches zäher und steifer als die Messingteile ist. Die silbernen Ätzteile werden für alle geraden Formen wie die Deckswände des Bootsdecks, die Mastleitern (das "Wantengut"), Fensterreihen, Klappen und Bootsdavits verwendet und ersetzen die entsprechenden Kunststoffteile. Leider liegen für die sehr grob modellierten Antriebsschrauben keine Austauschteile bei, um dünnere Materialstärken zu realisieren und die Verschraubungen/Bolzen auf den Naben darzustellen. Hier wäre die Freude über drei brauchbare Resin- oder Metallteile sehr groß gewesen! Die Bauanleitung von Pontos
Keine Highlights: Spritzgussqualität des PlastiksDie Spritzgussteile des Kits sind insgesamt sehr unpräzise, meist verwaschen gegossen und mit zahlreichen Gussgraten versehen. Wenn man die Teile nicht eh mit den Zurüstteilen von Pontos komplett austauscht oder veredelt, müssen sie durch die Bank entgratet oder mühsam überarbeitet werden, was insbesondere bei der Rumpfbeplankung ohne eine großflächige Neukonstruktion gar nicht möglich sein dürfte. Außerdem machen die großen Decksbauteile durchweg einen verwundenen Eindruck. Sie dürften somit schwer zu montieren sein. Im Einzelnen sind folgende Schattenseiten des Kits zu vermerken: Die Rumpfplatten leiden unter einer übertrieben betont wirkenden Oberflächenstruktur, wobei die Anordnung der breiten und schmalen Stahlplatten oftmals unstimmig im Vergleich zum Original wirkt, insbesondere im Bugbereich, wo die Platten zu steil nach oben hin verlaufen. Zudem sind viele der Bullaugen zu groß dargestellt und im Vergleich mit den Orignalfotos und -Plänen an vielen Stellen auch noch falsch angeordnet. Ärgerlich ist zudem die bei allen vier Schornsteinen zu runde (statt ovale) Formgebung, die durch eine sehr grobe Umkranzung des oberen Schornsteinbereiches noch mehr abgewertet wird. Der ambitionierte Bastler wird die Teile wohl austauschen wollen und somit eine Investition in den Aftermarket nicht vermeiden können. Die Decals halten kurioser Weise gleich zwei Fehler parat: der Rumfstreifen ist durch mehrteilige, längliche Abziehbildsegmente dargestellt, ist aber leider Goldfarben, sollte aber die Farbe "Gelbchromat" haben. Außerdem ist die Beschriftung der drei roten "Schrauben-Warnschilder" am Heck in einem Wort fehlerhaft (siehe Foto in der unteren Bildbox). In der Bauanleitung fehlen bei den Takelungshinweisen die Verspannungen des Bugladekrans, die Takelung vom ersten Schornstein zum vorderen Mast, der Hinweis auf die korrekte Vierfach-Parallelverspannung der Mastantennendrähte, und so fort, während andere der in der Anleitung angegebenen Leinen-/Drahtverläufe fiktiv sind, so beispielsweise die Verspannung aus dem Steuerhausdach zum vorderen Mast. Fazit: Bei der Takelung wird der ambitionierte Titanic-Fan nach der Recherche mit viel Fachliteratur ein besseres, authentischeres Ergebnis herbeiführen können! Außerdem sollte man für das Takeln und Verspannen der Antennen nicht ausschließlich den beiliegenden schwarzen Garn benutzen, der in seiner Fadenstärke für die meisten Verspannungen zu stark sein dürfte. Vielmehr sollte man mehrere Verspannungsmaterialien nutzen (verschiedene Fäden aus dünnem Garn, Nylon bzw. Seide sowie unterschiedliche Kupfer- und Stahlsehnen) und diese dann vorbildgerecht anmalen. Nicht alle Seile und Antennen der Titanic waren schwarz! Bauteile mit Verbesserungspotenzial
Die Decalstreifen zur Darstellung des Rumpfbandes müssten gelb statt Goldfarben sein.
Fordernde Konstruktion und LackierungEs ist recht gewöhnungsbedürftig, dass man beim Bau ständig zwischen den Anleitungen von Revell und Pontos hin- und herblättern muss, weil die durch die Zurüstteile bedingten, umfangreichen Änderungen der Baustufen nicht in die Revellanleitung integriert worden sind. Außerdem sind keine Bemalungshinweise für die Pontos-Teile vorhanden. Hier muss man wiederum von den teilweise recht unpräzisen Bemalungshinweisen des Revell-Kits ausgehen, die in vielen Bereichen fehlerhaft sind. So sind die aktuellen und seit Jahren von mehreren Wissenschaftlern bestätigten Erkenntnisse der Farbgebung des Schiffes scheinbar nicht in die revellschen Bemalungshinweise eingeflossen. Der rote Bereich des Unterwasserschiffs soll gemäß Revell in Rot 331 lackiert werden, obwohl es sich bei dem Anstrich um die typische Anti-Fouling Farbe handelte, die eher einem verblichenen Hellrot, fast Rosa, glich. Die Schornsteine waren im sogenannten "White Star Buff", einem beige-gelben Farbton mit ganz leicht rötlichem Einschlag lackiert, dem Tamiya Flat Flesh XF15 am nächsten kommen dürfte (Revell empfiehlt eine Mischung aus Ocker 88 und Gelb 310, was mir zu grell erscheint). Außerdem sollte man noch einmal bei den Pollern recherchieren, die nicht Gold-/Messingfarben, sondern schwarz waren, ebenso wie die Seiten der Ladeluken. Die Dampfwinden waren in Dunkelgrün lackiert, was von Revell ebenfalls nicht berücksichtigt wird. Und grundsätzlich sollte man glänzende Farbtöne bei diesem Modell in der Farbdose belassen, weil eine Mattierung durch den Maßstabs-Effekt am Modell viel realistischer aussehen und nicht so "plump" wie Glanzfarben wirken wird. Weitere Details des Kits (1)
Weitere Details des Kits (2)
Weitere Details des Kits (3)
Weitere Details des Kits (4)
Weitere Details des Kits (5)
Stärken:
Schwächen:
Anwendung: Aufgrund der zahlreichen Multimediateile und des großen Modifikationsbedarfes des Ursprungsbausatzes sowie dem komplizierten Umgang mit kleinsten Bauteilen und filigraner Betakelung sowie des Recherchebedarfes zu Betakelung und Farbgebung definitiv nur etwas für Modellbauexperten mit Erfahrung im Schiffsmodellbau. FazitDieser Multimedia-Kit beschert uns eine ambitionierte Kombi zum Bau eines um Längen verbesserten Grundbausatzes. Echte Titanic-Fans werden sich damit jedoch nicht zufrieden geben und weiteren Verbesserungsbedarf identifizieren. Für diejenigen ambitionierten Bastler, die sich so entscheiden, wird in weitere Aftermarket-Teile investiert und der Kit nach umfassender Recherche insbesondere am Rumpf und den Schornsteinen deutlich modifiziert werden müssen. Weitere InfosAnmerkungen: Der Bausatz ist auf der Website von Revell zu finden und dort auch - Verfügbarkeit vorausgesetzt - käuflich zu erwerben. Diese Besprechung stammt von Alexander Jost - 26. September 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |