Schlingmann LF 20/16(Revell - Nr. 07404)
Produktinfo
Besprechungzum Vorbild:Der Mercedes-Benz Atego 1529 gehört zur mittelschweren Atego-Baureihe des Stuttgarter Nutzfahrzeugherstellers Mercedes-Benz und hat sich insbesondere im Feuerwehrwesen als leistungsfähiges Fahrgestell etabliert. Die zweite Generation des Atego wurde 2004 vorgestellt und zeichnet sich durch eine überarbeitete Gestaltung der Fahrerkabine, modernisierte Antriebstechnik und eine zeitgemäße Ausstattung aus. Mit seiner robusten Konstruktion und den unterschiedlichen Fahrgestellvarianten bot der Atego eine geeignete Grundlage für zahlreiche kommunale Einsatzfahrzeuge. Der Atego 1529 verfügt über einen Sechszylinder-Dieselmotor mit rund 6,4 Litern Hubraum und einer Leistung von 210 kW (286 PS). Die Bezeichnung 1529 verweist dabei auf die Gewichtsklasse von etwa 15 Tonnen und die Leistungsklasse des Motors. Für den Feuerwehreinsatz ist insbesondere die Allradvariante Atego 1529 AF von Bedeutung. Sie ermöglicht es, auch abseits befestigter Straßen und auf schwierigem Untergrund Einsatzstellen zu erreichen. Das Fahrgestell verbindet ausreichende Leistungsreserven für den Betrieb mit umfangreicher Ausrüstung mit den für ein Löschfahrzeug erforderlichen Fahreigenschaften. Eine typische Verwendung des Atego 1529 AF ist der Aufbau als Löschgruppenfahrzeug LF 20/16 durch den Feuerwehrfahrzeughersteller Schlingmann aus Dissen am Teutoburger Wald. Das Unternehmen ist auf die Entwicklung und Fertigung von Feuerwehrfahrzeugen spezialisiert und stattet die Fahrgestelle mit einem Aufbau aus, der auf die Anforderungen des kommunalen Brandschutzes zugeschnitten ist. Charakteristisch sind die seitlichen Geräteräume mit ihren zahlreichen Rollläden, die einen schnellen Zugriff auf die feuerwehrtechnische Beladung ermöglichen. Das Fahrerhaus bietet Platz für die Löschgruppenbesatzung von neun Personen, bestehend aus einem Gruppenführer und acht weiteren Einsatzkräften. Das LF 20/16 ist in erster Linie für die Brandbekämpfung und die Sicherstellung der Wasserversorgung an der Einsatzstelle vorgesehen. Die Typbezeichnung verweist auf die Nennförderleistung der Feuerlöschkreiselpumpe von 2.000 Litern pro Minute bei zehn bar sowie auf einen Löschwasservorrat von mindestens 1.600 Litern nach der damaligen Norm. Je nach Ausführung kann der tatsächlich verbaute Wassertank größer dimensioniert sein. Die von Schlingmann eingesetzte Pumpenanlage ermöglicht sowohl die Wasserabgabe aus dem Fahrzeugtank als auch die Förderung aus einer externen Wasserentnahmestelle. Ergänzt wird die Ausstattung unter anderem durch Schläuche, wasserführende Armaturen, tragbare Leitern, Atemschutzgeräte und einen Lichtmast zur Ausleuchtung von Einsatzstellen. Neben der Brandbekämpfung kann ein LF 20/16 auf Atego-Basis auch für die einfache technische Hilfeleistung eingesetzt werden. Dazu zählen beispielsweise das Beseitigen von Gefahren nach Verkehrsunfällen, das Ausleuchten von Einsatzstellen und unterstützende Maßnahmen bei Unwettern. Umfang und Ausführung der zusätzlichen Ausrüstung hängen von der jeweiligen Feuerwehr und deren Einsatzkonzept ab. Die Kombination aus einem leistungsfähigen Mercedes-Benz-Fahrgestell und dem funktionalen Schlingmann-Aufbau macht den Atego 1529 AF damit zu einer vielseitigen Grundlage für ein modernes Löschgruppenfahrzeug, das sowohl im städtischen als auch im ländlichen Einsatzgebiet verwendet werden kann. 2011 wurde die DIN angepasst und auch die Ausstattung geändert, seitdem gibt es die Bezeichnung LF20/16 nicht mehr und heißt nur noch LF20. 2013 wurde dann die nächste Generation des Ategos eingeführt.
Feuerwehr im Modell:Es verwundert mich doch immer ein bisschen. Denn obwohl Blaulichtfahrzeuge zu den Interessantesten Fahrzeugen auf dem zivilen Sektor zählen dürften, ist die Auswahl vergleichsweise überschaubar. Im größeren 1:24 bzw. den amerikanischen 1:25 Maßstab ist es vor allem Revell, die uns eine kleine Auswahl bieten. Auch andere Hersteller haben vereinzelte Bausätze im Angebot. Etwas besser sieht es aber in 1:35 aus, hier werden vermehrt solcherlei Fahrzeuge aufgelegt, wobei die Fahrgestelle oft auf Fahrzeugen beruhen die auch militärisch Verwendung finden. Sucht man noch etwas bestimmtes, wie einen modernen Streifenwagen oder ein Rettungsfahrzeug wird es gleich ganz eng. Umso schöner das Revell seit Beginn des Jahrzehnts seine Feuerwehrbausätze wiederaufgelegt hat und uns jährlich nun ein Bausatz bietet. Im letzten Jahr war das LF 20/16 auf Mercedes-Atego Fahrgestell an der Reihe. Der Grundbausatz ist nun schon 20 Jahre alt, so dass auch dieses Fahrzeug langsam zum alten Eisen gehört, auch wenn es nicht den Anschein erweckt. Auf Grundlage dessen wurden drei Bausätze entworfen: ein HLF (Hilfeleistungslöschfahrzeug), ein TLF (Tanklöschfahrzeug) und eben ein LF (Löschgruppenfahrzeug), letzteres kam erstmals 2007 auf dem Markt und erlebt hier nun seine zweite Auflage. Mit Ausnahme der Decals und kleinen Änderungen der Gerätefächer ist der Bausatz auch weitgehend gleich mit den anderen beiden Varianten.
Zum Bausatz:Der große und bis oben hin vollgepackte Karton beinhaltet 21 Spritzlinge in Grau, Metallgrau, Weiß und Schwarz. Dazu kommen vier klare Gussrahmen, die Fahrerkabine, der Fahrzeugrahmen und die acht Gummireifen. Das ganze befindet sich in einem großen Stülpkarton, das Cover ist dabei aber das gleich geblieben wie bei der Auflage von 2011: das Prototypmodell eingefügt vor einem brennenden Gebäude. Das Gussbild der Bauteile ist akzeptabel, allerdings gibt es hier und da Sinkstellen und Unsauberkeiten, die sich am Modell als Einschlüsse oder Kratzer im Plastik zeigen. Soweit ich sehen kann, hat das aber keinen Einfluss auf die Oberflächen.
Der Bau beginnt am Rahmen. Dieser liegt als separates Teil bei, allerdings müssen einige ziemlich große und innenliegende Angussstellen entfernt werden. Auch Formtrennnähte gehören zum Bausatz dazu. Es empfiehlt sich dringend, sich ausreichend Zeit für den Bausatz zu nehmen und jedes Teil ordentlich zu versäubern. Für den Fahrzeugrahmen sind vor allem die vier schwarzen Spritzgussrahmen J, K, L und M vorgesehen. So wird z. B. ein Motorblock mit Getriebe wiedergegeben. Die Detailfreaks müssen hier aber selbst tätig werden, da der Motorblock nur rudimentär dargestellt ist. Zumindest die später nicht mehr sichtbare Oberseite ist davon betroffen. Auch die Druckluftbehälter am Rahmen sind übrigens nur halb dargestellt. Außerdem finden wir den Kühler und ein paar Keilriemen. Ein Druckluft- und ein Kraftstofftank werden jeweils aus zwei Teilen zusammengesetzt, ebenso die Achsen und das Allradgetriebe. Hier ist die Passung in Ordnung, es muss jedoch hier und da nachgearbeitet und gefeilt werden, um die Übergänge zu versäubern. Schwieriger finde ich dagegen, aufgrund der Plastikfarbe den Überblick zu behalten und zu erkennen, welches Teil genau wohin gehört. Dies gilt vor allem für die großen Leitungen und die Kardanwellen. Bei allen Teilen ist außerdem weiterhin Nacharbeit gefragt, denn zu den recht ausgeprägten Formtrennnähten gesellt sich Flash. Insgesamt ist der Fahrzeugrahmen aber ausreichend gut detailliert und bietet beim Blick auf die Unterseite einen vollständigen Einblick in das Fahrzeug. Weiter geht es mit den Rädern. Da die Hinterachse eine Zwillingsbereifung hat, liegen sechs Gummireifen bei. Einen Schriftzug des Herstellers auf den Reifen findet man leider nicht, dafür ist das Profil gut wiedergegeben. Gleichzeitig haben wir sechs Radkappen in drei Varianten: Eine ist für die Innenräder der Hinterachse nur grob dargestellt, die anderen Radkappen sind ausreichend detailliert.
Die Stoßstange vorne ist auch gut gemacht, nur leider findet man links und rechts zwei unschöne und auffällige Sinkstellen. Auf der Innenseite werden die Scheinwerfer eingeklebt. Es empfiehlt sich aber, das Ganze erst nach dem Lackieren und vor der Montage zu machen. Weiterhin werden auch Türgriffe, Antenne und das Blaulicht angebracht. Hier liegt nur der Blaulichtbalken bei, die einzelnen Rundumleuchten gibt es hier nicht. Die Klarteile machen einen sehr guten Eindruck. Das Fahrerhaus selbst sieht auch ganz gut aus, eine Auswerfermarke ist jedoch unschön in der Mitte des Riffelblechs positioniert. Löcher für das Blaulicht müssen jedoch eigenständig gebohrt werden.
Im Inneren geht es sehr umfangreich weiter. Hier werden die Sitze, Armaturen und auch erste Geräte eingebaut. Die Oberflächenstrukturen, wie das Riffelblech, sind gut umgesetzt und auch die Passung ist vernünftig. Allerdings zeigt sich hier schon ein größerer Knackpunkt, der sich durch den gesamten Bausatz zieht: Gerade die Gerätschaften sind vereinfacht dargestellt. Am deutlichsten zeigt sich das an den beiden Atemschutzgeräten auf den Plätzen des Angriffstrupps, die nur rudimentär dargestellt sind. Generell ist die gesamte Rückenlehne eher mäßig gut gelungen. Gerade die Rückseite weist viele Auswerfermarken auf und besitzt einiges an Flash, was auch deshalb schade ist, weil man diese durch die Frontscheibe gut sieht. Auch an weiteren Bauteilen sind Sinkstellen, Flash, Auswerfermarken und Unsauberkeiten im Guss zu finden. Ich muss sagen, gerade in diesem Maßstab und in Anbetracht dessen, dass die Form gerade erst 20 Jahre alt ist, wäre hier mehr möglich gewesen. Ich verstehe aber auch, dass Revell hier Prioritäten zwischen Kosten, Einsteigerfreundlichkeit und einem großen, gut detaillierten Bausatz setzen wollte. Was ebenfalls negativ auffällt: Gerade im Innenraum finden sich viele Sinkstellen, zum Beispiel an eben jenen Atemschutzgeräten, aber auch an den Sitzen.
Ähnlich sieht es bei den Gerätefächern aus. Diese sind prinzipiell nicht verkehrt und es ist sehr gut, dass man sie einsehbar gestaltet hat. Allerdings ist die Beladung zumindest teilweise nur rudimentär wiedergegeben. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass hier nur ein Bruchteil der tatsächlichen Beladung dargestellt ist. Ich verstehe aber auch, dass mehr Geräte zu einer teureren Entwicklung geführt hätten. Was dabei deutlich mehr stört, ist, dass die Geräte teilweise sehr vereinfacht dargestellt sind und Details fehlen oder verwaschen wirken. So ist z. B. das Hohlstrahlrohr an der Schnellangriffsleitung nur als Verdickung dargestellt, ein Verteiler besitzt keine Ventilverschlüsse und ist nur halb dargestellt und Feuerlöscher sind ohne Auslöser wiedergegeben, um nur einige Beispiele zu nennen. Die meisten Schlauchkupplungen sind zudem zugegossen und müssen selbst ausgefräst werden. Teilweise ist die Passung zwar gut, aber beim Zusammensetzen entstehen Versätze oder größere Lücken. Dazu kommt, dass aufgrund der Vereinfachungen teilweise mehrere Geräte zusammengefügt wurden. So sind beispielsweise einige Geräte in den Schubfächern bereits angegossen, was die Lackierung unnötig verkompliziert. Positiv erwähnen möchte ich aber, dass die Positionen der Beladung durchaus mit dem Vorbild übereinstimmen. Platz für eigene Details lässt der Geräteraum allemal. Er bietet damit sogar eine hervorragende Grundlage, die je nach persönlichem Wunsch so bleiben oder eben weiter aufgewertet werden kann. Ein Highlight für mich ist die eingebaute Pumpe im Heck, aber auch die TS 8 (Tragkraftspritze mit einer Förderleistung von 800 Litern pro Minute) macht einen sehr guten Eindruck. Abgerundet werden die meisten Geräte ohnehin durch beigelegte Abziehbilder.
Der Aufbau wird dann zusammengesetzt. Dabei sind auch die Rollläden aufklappbar, sodass man die Gerätschaften gut einsehen kann. Auf dem Dach werden noch ein Wenderohr, eine Steckleiter und eine Schiebeleiter angebracht. Hinten wird außerdem eine Schlauchhaspel eingehängt. Diese ist soweit ganz gut, allerdings sind die Schläuche sehr glatt dargestellt. Übrigens: Wer die Reifen der Haspel sucht, sollte einmal in die Reifen des Lkw schauen, denn dort haben sich meine versteckt. Das habe ich erst bemerkt, als ich die großen Reifen aufstecken wollte und zum Glück noch bevor ich Revells Abteilung X angeschrieben habe.
Bemalung und Abziehbilder:Für das Feuerwehrauto liegt ein sehr umfangreicher Abziehbilderbogen bei. Darunter befinden sich viele Details für die Geräte, wie z. B. Bedienungsanleitungen für die Feuerlöscher, Typenschilder, Anzeigen und Armaturen, Warnstreifen und Warnwesten. Weiter geht es mit dem Firmenlogo des Aufbauherstellers und fahrzeugspezifischen Decals, wie dem Mercedesstern, Stoffmustern für die beiden Sitze oder den Anzeigen am Armaturenbrett. Zudem liegen Kennzeichen sowie Zahlen und Buchstaben bei, um selbst ein Kennzeichen zu kreieren. Den größten Teil machen aber die gelben Leuchtstreifen und Schriften aus, die das Fahrzeug am Ende zieren sollen. Versatz ist dabei keiner zu finden und sowohl die Leuchtfarbe als auch der Metallic-Effekt kommen gut zur Geltung. Verarbeiten lassen sich die Decals zudem ganz gut.
Drei Fahrzeuge können gebaut werden:
Anleitung:Dieses Mal kommt Revells Anleitung in einem dicken A4-Heft daher. Informationen zum Vorbild gibt es wie immer nicht bzw. nur ganz knapp auf dem Karton. Neben umfangreichen Sicherheitshinweisen haben wir auch vier Seiten mit der Teileübersicht. Danach folgen 81 übersichtliche Bauschritte. Am Ende bekommt jeder der drei Bemalungsvorschläge eine Doppelseite. Es empfiehlt sich auf alle Fälle, vor dem Bemalen der Teile noch einmal eigene Recherchen anzustellen, denn z. B. bei Schritt 48 soll der Schubkasten mit den Wagenhebern in Holzfarbe bemalt werden. Das ist natürlich falsch, hier wäre Aluminium die richtige Wahl.
Darstellbare Maschinen:
Stärken:
Schwächen:
Anwendung: Aufgrund aufwändiger Bemalung und langer Bauzeit, sowie vielen Teilen eher Modellbauer die schon ein paar Fahrzeuge gebaut haben. FazitAuf alle Fälle wird das ein Langzeitprojekt, das auch viel Luft für Eigeninitiative lässt, wie etwa den Einbau einer Beleuchtung oder das Aufrüsten der Gerätefächer durch Scratchbuilding oder 3D-Druck. Schade, dass es vergleichsweise nur wenige Löschfahrzeuge in diesem Maßstab gibt. Ich hoffe, dass wir hier in Zukunft noch ein paar Überraschungen erleben werden. Im Übrigen finde ich es auch schade, dass Revell aus dem Mercedes Atego nicht mehr gemacht hat, wie z. B. ein Winterdienst- oder Pritschenfahrzeug. Weitere InfosReferenzen Einige Detailbilder des Fahrzeugs aus Löhne: https://feuerwehr-loehne.de/fahrzeuge/loeschgruppenfahrzeug-florian-loehne-3-lf20/
Anmerkungen: Hier gehts zum Produkt auf der Herstellerseite. Diese Besprechung stammt von Andy Hartung - 19. Oktober 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |
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