Nippon Kokuki Kogyo D-1 "Research Glider"(Planet Models - Nr. 284)
Produktinfo
Besprechung
zum Vorbild:Die Nippon K?k?ki K?gy? D-1 war ein außergewöhnlicher, japanischer Forschungsgleiter aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Die Entwicklung dieses reinen Experimentalflugzeugs begann bereits im Jahr 1939 durch das Unternehmen Japan Aviation Industry (Nippon K?k? K?gy?). Das vorrangige Ziel des Projekts bestand darin, aerodynamische Berechnungen und Leistungsmerkmale in der Praxis zu überprüfen. Insbesondere diente die D-1 als fliegender Prüfstand, um wertvolle Daten für die Konstruktion des zweimotorigen, fortgeschrittenen Schulflugzeugs G600 von Tachikawa Aircraft zu gewinnen. Die Konstruktion der D-1 basierte im Wesentlichen auf der Flugzeugzelle der erfolgreichen, zweimotorigen Transport- und Schulmaschine Tachikawa Ki-54. Um strategisch wichtige Metalle zu schonen, wurde der Segelflugzeug-Prototyp vollständig als Holzkonstruktion ausgeführt, bei der lediglich die Ruderflächen mit Stoff bespannt waren. Obwohl das Flugzeug optisch wie eine motorisierte Maschine wirkte, befanden sich unter den Triebwerksverkleidungen lediglich detailgetreue Attrappen der Motoren. Zudem besaß das Flugzeug ein stark vereinfachtes, starres Fahrwerk. Die Besatzung bestand regulär aus vier Personen – zwei Piloten und zwei Technikern. Nachdem die Montage am 18. Mai 1943 abgeschlossen worden war, absolvierte die D-1 am 21. Juni 1943 ihren erfolgreichen Erstflug. Für den Start kam ein Schleppflugzeug des Typs Mitsubishi K3M zum Einsatz, welches den mächtigen Gleiter auf Höhe brachte. Kurioserweise wurde die D-1 offiziell als ziviles Luftfahrzeug deklariert, und ihre offizielle Bezeichnung erhielt sie direkt vom Luftfahrtbüro des damaligen japanischen Kommunikationsministeriums. Trotz ihrer militärischen Wurzeln und des kriegswichtigen Forschungszwecks blieb die Maschine somit formal im zivilen Register.
Zum Bausatz:Wenig überraschend dürfte sein, dass dieser Resinbausatz der einzige Bausatz des Forschungsgleiters ist. Da es sich bei diesem Modell um ein absolutes Nischenprodukt handelt, ist es aber umso erfreulicher, dass Planet Models einen Resinkit aufgelegt hat, um das Vorbild vor dem Vergessen zu bewahren. Wie bei Planet Models üblich, erhalten wir eine sehr stabile weiße Stülpbox mit einer farbigen Zeichnung des Flugzeugs auf dem Cover. An dieser kann man sich auch hinsichtlich der Details orientieren, da man ansonsten schlicht keine im Internet zugänglichen Vorbildfotos findet.
Im Bausatz findet der Modellbauer insgesamt 25 Resinteile sowie einen Spritzling mit Klarteilen. Dabei liegen die Rumpfhälften und der einteilige Flügel bereits lose in einer Folie. Die übrigen Teile müssen mit einer Resinsäge vom Gussblock abgetrennt werden. Bei filigranen Teilen empfiehlt sich die Verwendung eines Bastelmessers. Der Klarteilrahmen ist übrigens ein bekanntes Bauteil aus den Special-Hobby-Bausätzen der Tachikawa Ki-54. Das Cockpit bietet einige kleinere Details, darunter ein recht detailliertes Instrumentenbrett mit angegossenen Seitenruderpedalen. Der Cockpitboden besitzt einige Vertiefungen und auch die Rückseite weist ein schönes Relief auf. Hier wird ebenfalls ein Klarteil eingesetzt. Dabei kann es vorkommen, dass man die Scheibenöffnung etwas erweitern muss. Ich vermute, dass man hier die Teile aus dem Special-Hobby-Bausatz als Vorlage verwendet hat, da die Cockpitteile weitgehend identisch mit denen des Ki-54-Bausatzes sind. Vorsicht ist beim Versäubern der Steuerhörner geboten, damit nichts abbricht. Decals oder PE-Teile für die Sicherheitsgurte oder die Instrumententafel liegen nicht bei.
An beiden Rumpfteilen muss jeweils an der Nase und hinter den Flügeln ein kleinerer Gussblock entfernt werden. Anschließend werden beide Seiten zusammengefügt. Hier sollte man Stück für Stück vorgehen, um eine optimale Passung zu erreichen und möglichst wenig Spachtelarbeit zu haben. Ganz vermeiden lässt sich diese allerdings nicht, denn an einigen Teilen finden sich immer wieder kleinere Bläschen im Guss, die entsprechend beseitigt werden sollten. Das kleine Fenster in der Einstiegstür ist zugegossen. Entweder belässt man es dabei und bemalt es entsprechend oder bohrt es auf und verschließt es mit klaraushärtendem Kleber.
Der Flügel wird anschließend ganz normal in die Aussparung an der Rumpfunterseite eingesetzt. Da dieses Teil einteilig ausgeführt ist, muss lediglich die Trennnaht etwas verschliffen werden. Aber auch hier waren hin und wieder kleine Bläschen zu finden. Die Oberflächen gefallen mir ansonsten sehr gut, da sie die Holzbauweise des Gleiters authentisch wiedergeben. Die Höhenruder lassen sich ebenfalls schnell vom Gussblock befreien und anschließend problemlos einkleben. Man muss jedoch ein wenig auf die waagerechte Ausrichtung achten. Auch das Kabinendach, also das Klarteil, passt einigermaßen gut in den Rumpf. Ein Versäubern der Übergänge lässt sich allerdings nicht vermeiden.
Die D-1 war, wie bereits erwähnt, ein Forschungsgleiter, mit dem die Flugeigenschaften von Ganzholzflugzeugen getestet werden sollten. Entsprechend hat man Motorattrappen in die Triebwerksgondeln eingebaut. Diese sind im Modell ebenfalls wiedergegeben. Da Vorbildfotos schlicht fehlen, ist es schwierig zu sagen, was hier genau eingebaut wurde und wie das am Flugzeug konkret aussah. Vorstellbar ist aber durchaus, dass man einfach ein paar Metallzylinder miteinander verschweißt hat. Das Fahrwerk ist sehr einfach gehalten: Das Spornrad ähnelt dem der Ki-54, das Hauptfahrwerk besteht dagegen aus zwei großen Rädern, die einfach an einer Achse montiert sind, welche wiederum in die Motorgondel eingehängt wurde. Ein Reifenprofil gibt es leider nicht. An der Nase wird noch ein Staurohr angebracht, ebenso wie eine trompetenförmige Messsonde rechts neben dem Cockpit. Hier empfiehlt es sich ebenfalls, die Teile mit dem Bastelmesser vom Gussblock u lösen. Was jedoch komplett fehlt, ist die Schleppöse für das Zugseil. Diese ist allerdings auf dem Cover zu sehen und befindet sich an der Nase. Wenn man diese Teile angebracht hat, ist das Projekt auch schon beendet.
Bemalung und Abziehbilder:Da Planet Models zu Special Hobby gehört, verwundert es wohl niemanden, dass man die gleiche Qualität der Abziehbilder erwarten kann. Viele Markierungen sind für das Flugzeug nicht vorgesehen: Sechs rote Sonnen in zwei verschiedenen Größen kennzeichnen es als japanisches Flugzeug. Dazu liegt die Kennung D-1 viermal in zwei verschiedenen Größen bei. Das Flugzeug selbst wird in Naturmetall lackiert. Lediglich das schwarz-weiß-schwarze Rumpfband bietet etwas Abwechslung, könnte aber auch die größere Herausforderung bei diesem Modell darstellen. Da es sich bei dem Flugzeug um ein Einzelstück handelte, kann auch nur dieses gebaut werden.
Anleitung:Der Bausatz kommt mit einer gefalteten A4-Anleitung aus. Auf der ersten Seite findet sich der hier besonders wichtige Text zum Vorbild, da man ansonsten kaum Informationen über das Flugzeug findet. Darunter befindet sich die Teileübersicht. Der Bau selbst wird in nur zwei Schritten anhand von Explosionszeichnungen dargestellt, die zeigen, wo welches Teil verbaut werden muss. Dazwischen findet sich außerdem etwas Werbung für das passende Maskenset sowie weitere Bausätze von Planet Models und Special Hobby. Auf der letzten Seite befindet sich schließlich der Bemalungsvorschlag. Ein großer Nachteil ist allerdings, dass eine Farbliste fehlt. Zwar werden die benötigten Farben genannt, jedoch ohne Herstellerangabe oder Farbnummer. Bei Weiß, Schwarz, Aluminium oder Reifen-Schwarz ist das zugegebenermaßen nicht unbedingt notwendig. Gerade bei der Innenraumfarbe wäre eine genauere Farbangabe aber durchaus wünschenswert gewesen.Paragraf...
Darstellbare Maschinen:
Stärken:
Schwächen:
Anwendung: Der Bausatz ist vor allem für Einsteiger in die Materie Resin gut geeignet. Es verspricht ein schnelles und unaufgeregtes Projekt zu werden. FazitIch finde es wirklich toll, dass Planet Models immer wieder solche fast vergessenen Flugzeugmuster aufgreift und sie für den Modellbauer zugänglich macht. Beim Bau gibt es keine nennenswerten Probleme und er geht insgesamt sehr zügig von der Hand. Der Bausatz ist daher absolut zu empfehlen, insbesondere für Modellbauer, die sich für solche Exoten oder japanische What-if-Projekte interessieren. Ich könnte mir die D-1 beispielsweise auch gut als Lastensegler zur Versorgung abgeschnittener Inselgarnisionen oder Kamikaze-Gleiter in einem alternativen Szenario für 1946 vorstellen. Weitere InfosReferenzen Zu diesem Flugzeug findet man so gut wie kein Referenzmaterial, mich würde daher die Quelle von Planet Models interessieren.
Anmerkungen: Diese Besprechung stammt von Andy Hartung - 05. November 2026 © 2001-2026 Modellversium Modellbau Magazin | Impressum | Links |